Die Ursache für die Ehec-Erkrankungswelle ist wieder unklar. Der auf spanischen Gurken entdeckte Erreger soll die Serie von Erkrankungen im Norden Deutschlands nicht ausgelöst haben. Das habe eine entsprechende Laboruntersuchung bei zwei der drei sichergestellten spanischen Gurken ergeben, sagte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks.

Es zeigte sich bei den zwei Proben keine Übereinstimmung mit dem Erreger des Typs O104, die aus Stuhlproben von Patienten isoliert wurden. Zwar seien auf den Gurken Ehec-Erreger nachgewiesen worden, allerdings nicht der Stamm, der die Erkrankungen ausgelöst habe. "Nach wie vor ist die Quelle nicht identifiziert", ergänzte Prüfer-Storcks. Die Ergebnisse zweier weiterer Proben lägen noch nicht vor. Die Warnung bleibe aufrechterhalten, in Hamburg keine Gurken, Tomaten und Salate zu essen.

Die Epidemie weitet sich aus. In Schweden ist erstmals ein Patient an dem Darmkeim gestorben. Das Krankenhaus in Södra Älvsborg im südschwedischen Borås teilte mit, dass eine Frau im Alter zwischen 50 und 60 Jahren gestorben ist. Sie war am Sonntag eingeliefert worden und hatte vor ihrer Erkrankung eine Deutschland-Reise gemacht.

Nach Behördenangaben aus Stockholm werden derzeit in Schweden knapp 40 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen behandelt. Alle Patienten hätten sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Deutschland infiziert. In Europa gibt es nach Angaben der EU-Kommission auch in Schweden, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz bestätigte oder vermutete Fälle von Menschen, die am hämolytisch-urämischen-Syndrom (Hus) litten, bei dem eine Schädigungen der Nierenfunktion auftritt. In Deutschland starben bisher mindestens 15 Menschen an einer Ehec-Infektion. Auch außerhalb Europas sind nun möglicherweise Fälle aufgetreten. In den USA gebe es drei Patienten mit dem Verdacht auf Hus, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie zu begrenzen, fordern die Niederlande Finanzhilfe von der Europäischen Union für ihre Gemüse-Produzenten. Diese exportieren derzeit fast keine Gurken, Tomaten oder Blattsalate mehr nach Deutschland. Kurzfristig sei Hilfe in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro denkbar, gab das Landwirtschaftsministerium in Den Haag an. Die Niederlande exportieren im Jahr Gurken, Tomaten, Salat und Paprika im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Deutschland, teilte das Ministerium mit. Ein großer Teil der Produzenten sei abhängig von den Ausfuhren ins Nachbarland.

Die spanische Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar äußerte sich bei einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen in Ungarn unzufrieden mit dem deutschen Krisenmanagement. Die Behörden hätten "unangebracht" reagiert, indem sie spanische Gurken als eine Quelle des Ehec-Erregers benannten, ohne "verlässliche Daten" zu haben.