ADHS bei KindernPsychopharmaka als letztes Mittel

Medikamente gegen ADHS werden misstrauisch beäugt. Für viele betroffene Familien sind sie der letzte Ausweg. von Susanne Kailitz

Wie der Tag laufen wird, kann Christina Wegener* schon einschätzen, wenn ihr Sohn die Treppe hinunterkommt. Wirklich leise ist der 12-jährige Tobias dabei nie, ohne Pfeifen oder Singen geht es nicht. "Aber wenn er schreit und brüllt und in der Küche schon nach fünf Minuten den ersten Wutanfall hinlegt, weiß ich, es wird anstrengend."

Tobias leidet an ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer teilt er dieses Schicksal mit bis zu fünf Prozent der Kinder eines Jahrgangs. Die Störung führt dazu, dass Tobias leicht ablenkbar ist, sich nur schlecht konzentrieren und noch schlechter seine Impulse steuern kann. "Im Grunde ist er den ganzen Tag hibbelig", sagt seine Mutter, "und kann Misserfolge nur ganz schwer aushalten, ohne aggressiv zu werden."

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Dass ihr Sohn anders ist als andere Kinder, ahnte sie früh – mit der Diagnose ADHS lebt die Familie seit drei Jahren. Und mit Medikamenten: Tobias nimmt täglich Concerta, eine Psychostimulanz mit dem Wirkstoff Methylphenidat, dessen Verschreibung in Deutschland streng geregelt ist. Rund ein Drittel der Kinder, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, wird hierzulande medikamentös behandelt. Auch Medikinet und Ritalin sind Mittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat.

Immer wieder veränderte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in den vergangenen Jahren die Richtlinie zur Verordnung solcher ADHS-Medikamente. "Zum Schutz von Kindern" sei sie noch strenger gefasst worden, teilte das Gremium im vergangenen September mit. Seither dürften nur noch Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen die Mittel verordnen und das auch nur nach umfassender Diagnose.

Die Bundespsychotherapeutenkammer begrüßte die Entscheidung. Damit habe der G-BA der "fahrlässigen Verordnung von Ritalin & Co einen Riegel vorgeschoben". Denn Mediziner fürchten, dass Kindern in Deutschland zu häufig Psychopharmaka verschrieben werden, ohne dass eine umfassende Untersuchung stattgefunden hat und sanftere Therapieformen erwogen wurden. Das soll sich durch den G-BA-Beschluss ändern. Hausärzte dürfen die Medikamente seit Ende 2010 nicht mehr verschreiben.

Im März hatte die Techniker Krankenkasse Zahlen veröffentlicht, wonach die Vergabe von ADHS-Medikamenten an Sechs- bis 18-Jährige in den Jahren 2006 bis 2009 um mehr als ein Drittel angestiegen sei. Doch nicht jedes auffällige Kind leide an ADHS und auch die, die es täten, würden nicht in jedem Fall Medikamente benötigen, sagte TK-Sprecherin Nicole Ramcke. "Manchmal reicht es schon aus, ein Kind in der Schule vom Fenster in die erste Reihe zu holen, damit es nicht ständig abgelenkt wird." Auch Ergotherapien oder das Erlernen von Methoden zum Spannungsabbau könnten sinnvoll seien. Medikamente seien ausschließlich als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms zugelassen, zum Beispiel in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie oder pädagogischen Maßnahmen. Im Rahmen dieser Behandlung sollten auch Eltern, Geschwister und Lehrer mit einbezogen werden. 

Vorschläge, über die Christina Wegner nur müde lächeln kann. Für die Mutter des ADHS-kranken Tobias hat der Beschluss, Kindern in Deutschland weniger Psychopharmaka zu verschreiben, ganz handfeste Schattenseiten. "Wir haben alles probiert, vom Elterntraining für mehr Strukturen im Alltag über einen Kurs zur Lebensorganisation. Mein Sohn war schlicht nicht in der Lage, mit anderen Menschen umzugehen und auf sich zu achten. Ihn hat nie interessiert, wo seine Grenzen waren – für Tobias war eigentlich immer erst spannend, was hinter diesen Grenzen kommen würde. Damit kann man keinen Schulalltag bewältigen." Das Medikament ermögliche es Tobias, sich selbst zu ertragen. "Natürlich war ich auch anfangs dagegen, ihm Psychopharmaka zu geben. Ich wollte keine Mutter sein, die ihr schwieriges Kind ruhig stellt. Aber ich wollte eine Mutter sein, die es ihrem Sohn ermöglicht, am Leben teilzuhaben."

Ganz lösen konnten auch Medikamente Tobias' Schwierigkeiten nicht. Trotz Concerta habe er noch immer Konzentrationsprobleme und sei gelegentlich aggressiv. "Aber jetzt hat er Freunde und nicht mehr diese Wutanfälle, bei denen wir dachten, er würde gleich sich oder uns etwas antun." Den G-BA-Beschluss findet Tobias Mutter überflüssig – schon allein deswegen, weil sie jetzt nicht wie gehabt zum Hausarzt der Familie gehen kann, um ein neues Rezept für Tobias abzuholen.

Seither pendelt sie zwischen der Kinderpsychotherapeutin, die Tobias ohnehin betreut, und einem neuen Kinderarzt hin und her, um das Medikament zu bekommen. Dass nach dem Willen der Politik Medikamente künftig nur der letzte Schritt bei der ADHS-Behandlung sein sollen, sei zwar gut gemeint: "Aber es ist nicht umsetzbar. Tobias war zu Therapien erst wirklich in der Lage, nachdem er durch das Methylphenidat stabilisiert worden war."

Leserkommentare
  1. Mich wundert eigentlich nicht, dass manche Kinder ihre Bedürfnisse zB in der Schule nicht stundenlang unterdrücken können oder wollen. Das würde mit einem Affen auch nicht so ohne weiteres klappen das der Stundenlang still sitzen soll zusammengepfercht mit Artgenossen in engen räumen ohne frische Luft.
    Bewegungsdrang, rumschreien wollen etc sind zunächst mal ganz natürliche Bedürfnisse. Sie sind aber in einer Leistungs- und Arbeitsgesellschaft ineffizient und störend. Ob diese Menschen aber wirklich krank sind sollte wenigstens auch danach bemessen werden, ob sie sich selbst für krank halten und darunter leiden oder ob sie eine Gefahr (und nicht bloß eine Belästigung) für andere darstellen. Häufig wird zB Ritalin aber zur bloßen Leistungssteigerung vergeben und ich kenne persönlich Opfer die als Kind dazu gedrängt wurden und das auch wegen der Nebenwirkungen als eine Art Missbrauch empfunden haben. Ich denke Eltern haben hier zT möglicherweise zuviel Macht und sowas sollte vielleicht niemand ohne weiteres für einen anderen Menschen entscheiden dürfen. Ansonsten könnte man auch folgerichtig dafür argumentieren, dass Harz 4 Empfänger mit Zwangsmedikamentation fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden müssten.

    Ähnliche Probleme stellen sich aus meiner Sicht zT im Bereich der gesetzlichen Vertretung insbesonderer alter Menschen, die gegen ihren Willen und auf ihre Kosten zwangsbehandelt werden. In Einzelfällen wird jeweils unangemessen in die Menschenwürde eingegriffen.

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    ich will die Differenz zwischen Primaten und Schulkindern nicht über Ihre Geduld hinaus strapazieren, aber ADHS ist eine Krankheit, ein Leiden - die betroffenen Kinder leiden selbst darunter - und ein Eingriff in die "Menschenwürde" ist es nicht, das Leiden zu behandeln, sondern, es nicht zu behandeln.

    Abgesehen davon ist man bei psychischen Leiden von Kindern eher schlecht beraten, deren Selbstdiagnose im Sinne Ihres Vorschlags abzuwarten und ein geregelter Unterricht kann bei ADHS von vorneherein in "Gefahr" sein. Ausbaden tun es nämlich die anderen Schüler, sowie insbesodnere die Lehrer. Das hat nix mit dem linken Holzhammer "Leistungsgesellschaft" zu tun, sondern einfach damit, dass man dann, wenn es Schule und Unterricht geben soll, auch deren Rahmenbedingungen waren muss.

    • cornus
    • 27. Mai 2011 15:10 Uhr

    dass Sie, @ Veil_of_Ignorance, überhaupt keine Ahnung haben? Es gibt, wie Sie ja gelesen haben, mittlerweile recht strenge Kriterien für die Verschreibung von diesen Medikamenten, man kann nur darauf hoffen, dass die Ärzte und Eltern dann mit der Dosierung verantwortungsvoll umgehen, wie mit jedem Medikament.
    Sicher hat nicht jedes unruhige Kind ADHS aber wenn, dann finden diese Kinder nach einer sorgfältigen Medikation erst einmal zu sich selbst und sie finden leichter Freunde, denn für andere Kinder sind sie sonst oftmals ebenfalls anstrengend. Diese Kinder -und ihre Eltern- haben u.U. eine lange Zeit der Misserfolge und Missverständnisse hinter sich und haben jetzt auch einmal Erfolgserlebnisse.

    Ja, von dem Ritalin-Missbrauch habe ich ebenfalls gehört, allerdings als Aufputschdroge (denn, wer kein ADHS hat, reagiert auf Ritalin o.ä. mit gesteigerter Unruhe) unter Studenten, die ihr Pensum schaffen wollen. Hier gibt es sicherlich Handlungsbedarf, man sollte eigentlich erwarten, dass diese gesellschaftliche Gruppe nicht alles schluckt, sondern sich ggf. mit Nachdruck für Änderungen einsetzt.

    Ich es sehr bedenklich dass in diesem Artikel geschrieben wird dass eher in Ausnahmefälle zu schnell verschrieben wir. Die Zuahme der Verschreibungen in den letzten Jahren sind so stark gestiegen dass ich mich doch sehr wundern muss wo auf einmal all diese Kinder und Jugendlichen herkommen sollen. Meine Idee ist dass sich hier ein ganz neuer Markt für die Arzneimittelindustrie inkl. chronischer Langzeitkunden eröffnet. Allein in diesem Jahr sind schon über 800 Veröffentlichungen zu dem Thema ADHD auf Pubmed erschienen. Nehmen sie sich mal die Zeit und geben sie ADHD in Pubmed ein und lassen sie sich die Ergebnisse nach Erscheinungsdatum sortieren (Display-Settings oben links). Schauen sie sich mal an was alles für Erklärungsmodelle und Therapieansätze diskutiert werden. Und dann bedenken sie dass es in der Medizin genauso läuft. Theorie, evtl. in Vitro Modelle, Maus- oder Tiermodelle, Zulassungsstudien, Tests an gesunden Probanden, Tests an kleinen selektionierten Patientengruppen und schliesslich der grosse Feldversuch an Patienten. Bei den meisten Herz- und Blutdruckmedikamenten ist es so gelaufen, weil es freilich auch nicht anders geht, und hier läuft es im Moment genauso. Und genau hier liegt der Unterschied finde ich. Hier geht es um Kinder und Jugendliche, die ja angeblich unser wichtigestes Gut sind. Und mit der freien Entscheidung im Kindesalter ist es ja wenn man mal ehrlich ist nicht so weit her. Schnell wird ein Umgebungswunsch zur eigenen Meinung...

  2. ich will die Differenz zwischen Primaten und Schulkindern nicht über Ihre Geduld hinaus strapazieren, aber ADHS ist eine Krankheit, ein Leiden - die betroffenen Kinder leiden selbst darunter - und ein Eingriff in die "Menschenwürde" ist es nicht, das Leiden zu behandeln, sondern, es nicht zu behandeln.

    Abgesehen davon ist man bei psychischen Leiden von Kindern eher schlecht beraten, deren Selbstdiagnose im Sinne Ihres Vorschlags abzuwarten und ein geregelter Unterricht kann bei ADHS von vorneherein in "Gefahr" sein. Ausbaden tun es nämlich die anderen Schüler, sowie insbesodnere die Lehrer. Das hat nix mit dem linken Holzhammer "Leistungsgesellschaft" zu tun, sondern einfach damit, dass man dann, wenn es Schule und Unterricht geben soll, auch deren Rahmenbedingungen waren muss.

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    Ich finde Ihre herangehensweise fadenscheinig.
    Wenn Unterricht stattfinden soll,ja dann muss man die Rahmenbedingungen schaffen.Korrekt.Aber nicht auf Kosten derer die zu schwach oder aber auch zu anders für dieses System sind.
    Wir könnten dann ja in Zukunft auch Autisten ruhig stellen und in reguläre Schulklassen schicken?

    unter der Menschen leiden aber daher habe ich sowohl den Begriff ADHS bewusst nicht verwendet und leidende Menschen bewusst ausgeklammert. Und das ADHS inzwischen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird hat sehr viel mit der modernen Gesellschaft zu tun, denn wenn man körperlich hart zB auf dem Feld arbeitet ist ADHS schlicht weniger hinderlich. Das hat aus meiner Sicht nichts mit links oder rechts zu tun, sondern ich halte das schlicht für eine Tatsache. Sie sollten das schon ernst nehmen wenn jemand Fragen aufwirft und vorsichtig formuliert anstatt direkt das "schlimmste" anzunehmen und alles mögliche zu unterstellen. Ich wollte gerade nicht irgendwelche Schlußfolgerungen vorgeben, sondern, wie ich ausführte, nur das Problem zuspitzen, das im Artikel aus meiner Sicht zu kurz kommt.

    Mein Punkt ist vor allem gewesen, dass eine Medikation, die zu Unrecht erfolgt, erhebliche negative Auswirkungen haben kann, jedenfalls danach, was mir Betroffene berichtet haben, denn es geht hier ja nicht um eine einmalige, sondern um eine Jahrelange Medikamentenaufnahme und wir reden hier (nachdem was ich von Betroffenen gehört habe) zT von (Neben-)wirkungen die harten Drogen gleichen und massiv die Persönlichkeit verändern können. Wenn das so ist, dann halte ich das schon für ein Problem, dass man offen diskutieren sollte.

    • jvz
    • 27. Mai 2011 9:28 Uhr

    Bei mir wurde im Alter von 12 Jahren ADHS diagnostiziert (jetzt bin ich 23). Was Krankheit bedeutet, jedenfalls im psychischen Bereich, ist sehr definitionsabhängig. Die Vorraussetzungen dafür, dass eine Krankheit besteht, sind entweder A: Leiden des Betroffenen, oder B: Lebensverkürzung des Betroffenen. Bei ADHS handelt es sich um A. Die Ursachen des Leidens können aber nicht auf die neurologische Situation der Betroffenen reduziert werden:
    Unsere jetzige Schulform - langes Sitzen mit vielen anderen Kindern auf engem Raum, ohne die möglichkeit, seinem Bewegungsdrang zu folgen, der bei ADHS eben erhöht ist. Der Zwang, Stundenlang nur auf Aufforderung zu reden, wenig kreative Angebote usw sind für Kinder mit ADHS eine unerträgliche Situation. Sie geht an ihrem Potenzial vorbei und führt dadurch noch zu Frustationen, weil sie in ihren vorhandenen Fähigkeiten, nicht anerkannt, geschweige denn gefördert werden. Diese Fähigkeiten liegen oft im kreativen Bereich, aber nicht nur. Vielmehr haben sie eine andere Lern- und Kommunikationsstruktur als andere Menschen, wobei letzteres dazu führt, dass sie oft Mobbing ausgesetzt sind. Sie selbst verstehen oft am allerwenigsten.

    • jvz
    • 27. Mai 2011 9:30 Uhr

    Das führt in vielen Fällen von eigentlich intelligenten und Lebensfreudigen Menschen zu einem Rückzug aus dem Betätigungsfeld Schule und zum Beispiel dazu, dass andere Bereiche gesucht werden, in denen man seine Energien auslassen kann, was zu Negativkarrieren führen kann, aber nicht muss. Ich möchte niemanden entmutigen: Viele gehen ihren ganz eigenen Weg und kommen auch zu ihrem Ziel, nämlich ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und dabei seinem eigenen Glück treu zu bleiben. Aber viele gehen auch auf dem Weg dahin verloren oder driften, wenn sie nicht von ihrer Familie gestützt werden oder in der Schule immer wieder verständnisvolle Lehrer finden, von Anfang an in eine andere Richtung.
    Ein Schulsystem, das nur eine bestimmte Gruppe von Lerntypen (nämlich möglicherweise die knappe Mehrheit) berücksichtigt, kann ebenfalls als krank diagnostiziert werden oder es schafft jedenfalls eine Situation, in der weit mehr als fünf Prozent der Schüler durch ihr sich-nicht-einfügen-können als krank gesehen werden müssen (denn ADS ist nur eine Möglichkeit, hinzu kommen steigende Zahlen für Depression im Kindesalter, Borderline und so weiter und so fort). Es geht nicht darum, eine Selbstdiagnose abzuwarten, sondern sich auf die andere Sichtweise einzulassen und mit den Kindern Lösungen zu finden, die auch, aber nicht nur in schneller medikamentisierung liegen, bevor sie zum massiven Problem für den Unterricht und später eventuell für die Gesellschaft werden.

    • jvz
    • 27. Mai 2011 9:31 Uhr

    Es geht darum, sich das Schulsystem auch nach den Kindern, nicht nur andersherum zu richten hat. Besonders wenn es soweit ist, dass das Richten der Kinder nach dem Schulsystem nur noch mit Medikamenten möglich ist, die jedem anderen als harte Droge (Speed) verboten sind.
    Mir persönlich haben die Medikamente (erst Amphetamin und Rhisperdal, später Methylphenidat) die ich seit meinem dreizehnten Lebensjahr täglich nehmen musste geholfen, aber mit siebzehn habe ich angefangen, mit dem nichtnehmen dieser Medikamente zu experimentieren und habe sie mit achtzehn schließlich abgesetzt, weil ich mich in meinem sozialen Einfühlungsvermögen durch Methylphenidat stark eingegrenzt gefühlt habe. Ab dem Zeitpunkt sind meine schulischen Leistungen vorübergehend in den Keller gesunken, aber emotional bin ich aufgeblüht (mit achtzehn hatte ich dann auch meine erste Freundin). Ich habe mein Abitur geschafft, ohne auch nur dafür zu lernen und habe mit Verzögerungen und Umwegen in eine geregelte Arbeit gefunden. (ich mache gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einem Naturkindergarten.)

    • jvz
    • 27. Mai 2011 9:31 Uhr

    Es geht darum, sich das Schulsystem auch nach den Kindern, nicht nur andersherum zu richten hat. Besonders wenn es soweit ist, dass das Richten der Kinder nach dem Schulsystem nur noch mit Medikamenten möglich ist, die jedem anderen als harte Droge (Speed) verboten sind.
    Mir persönlich haben die Medikamente (erst Amphetamin und Rhisperdal, später Methylphenidat) die ich seit meinem dreizehnten Lebensjahr täglich nehmen musste geholfen, aber mit siebzehn habe ich angefangen, mit dem nichtnehmen dieser Medikamente zu experimentieren und habe sie mit achtzehn schließlich abgesetzt, weil ich mich in meinem sozialen Einfühlungsvermögen durch Methylphenidat stark eingegrenzt gefühlt habe. Ab dem Zeitpunkt sind meine schulischen Leistungen vorübergehend in den Keller gesunken, aber emotional bin ich aufgeblüht (mit achtzehn hatte ich dann auch meine erste Freundin). Ich habe mein Abitur geschafft, ohne auch nur dafür zu lernen und habe mit Verzögerungen und Umwegen in eine geregelte Arbeit gefunden. (ich mache gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einem Naturkindergarten.)

    • Elli11
    • 26. Mai 2011 19:38 Uhr

    Niemals würde ich mein Kind mit Psychopharmaka zudröhnen - wirklich nur dann, wenn gar nichts mehr geht. Erst würde ich alle Alternativen ausschöpfen, die möglich sind und mich nicht allein auf den Schulmediziner verlassen. Folgender Film des Saarländischen Rundfunks beleuchtet die herkömmliche Therapie mit Psychopharmaka kritisch, und zeigt auch mögliche Alternativen auf:

    http://blog.adhs-ernaehrung.com/2011/04/19/filmtip-aktuell-„ruhig-gestellt-und-angepasst“/

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    Sie können davon ausgehen, dass betroffene Familien einen sehr langen Leidensweg hinter sich haben, und bevor zur Tablette gegriffen wurde, im Laufe vieler Jahre nahezu alles ausprobiert wurde.
    Leicht macht man sich diese letzte Möglichkeit nicht. Aber wenn man dann sieht, wie ein Kind auf einmal die Möglichkeit bekommt, normal zu kommunizieren, zu lernen, zu arbeiten, Sozialkontakte zu knüpfen....
    Abgesehen davon ist es ja nicht damit getan, eine Pille einzuwerfen. Im allgemeinen wird weiterhin therapiert.
    Oft ist das Kind nämlich erst durch die Medikamentengabe in der Lage die Therapie anzunehmen.
    Schöne Grüße von einer Mutter - selber ADSlerin - eines Sohnes, der ADSler mit Aspergereinschlägen ist.

    z.B. gehört der Wirkstoff Methylphenidat NICHT zur Klasse der Psychopharmaka, sonder zur Klasse der Stimulanzien. Himmelweiter Unterschied, googlen Sie den mal ...

  3. Strattera ist kein Methylphenidat sondern Atomoxetin.

  4. Ich finde Ihre herangehensweise fadenscheinig.
    Wenn Unterricht stattfinden soll,ja dann muss man die Rahmenbedingungen schaffen.Korrekt.Aber nicht auf Kosten derer die zu schwach oder aber auch zu anders für dieses System sind.
    Wir könnten dann ja in Zukunft auch Autisten ruhig stellen und in reguläre Schulklassen schicken?

  5. unter der Menschen leiden aber daher habe ich sowohl den Begriff ADHS bewusst nicht verwendet und leidende Menschen bewusst ausgeklammert. Und das ADHS inzwischen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird hat sehr viel mit der modernen Gesellschaft zu tun, denn wenn man körperlich hart zB auf dem Feld arbeitet ist ADHS schlicht weniger hinderlich. Das hat aus meiner Sicht nichts mit links oder rechts zu tun, sondern ich halte das schlicht für eine Tatsache. Sie sollten das schon ernst nehmen wenn jemand Fragen aufwirft und vorsichtig formuliert anstatt direkt das "schlimmste" anzunehmen und alles mögliche zu unterstellen. Ich wollte gerade nicht irgendwelche Schlußfolgerungen vorgeben, sondern, wie ich ausführte, nur das Problem zuspitzen, das im Artikel aus meiner Sicht zu kurz kommt.

    Mein Punkt ist vor allem gewesen, dass eine Medikation, die zu Unrecht erfolgt, erhebliche negative Auswirkungen haben kann, jedenfalls danach, was mir Betroffene berichtet haben, denn es geht hier ja nicht um eine einmalige, sondern um eine Jahrelange Medikamentenaufnahme und wir reden hier (nachdem was ich von Betroffenen gehört habe) zT von (Neben-)wirkungen die harten Drogen gleichen und massiv die Persönlichkeit verändern können. Wenn das so ist, dann halte ich das schon für ein Problem, dass man offen diskutieren sollte.

  6. weiss ich, dass vielleicht die Hälfte der Kinder mit der Diagnose, auch zweifelsfrei die Symptome zeigen. und DAVON vielleicht die Hälfte von Medis profitieren. Und sehr sehr oft ist sowohl die Diagnose als auch die Medikation eine wundervolle Ausrede für so manche Eltern. Endlich haben wir die "Ursache": "er hat ADHS...."

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    • Mike84
    • 27. Mai 2011 14:26 Uhr

    Zusätzlich muss man noch ergänzen, dass die Definition von ADHS sehr schwammig ist..

  7. Sie können davon ausgehen, dass betroffene Familien einen sehr langen Leidensweg hinter sich haben, und bevor zur Tablette gegriffen wurde, im Laufe vieler Jahre nahezu alles ausprobiert wurde.
    Leicht macht man sich diese letzte Möglichkeit nicht. Aber wenn man dann sieht, wie ein Kind auf einmal die Möglichkeit bekommt, normal zu kommunizieren, zu lernen, zu arbeiten, Sozialkontakte zu knüpfen....
    Abgesehen davon ist es ja nicht damit getan, eine Pille einzuwerfen. Im allgemeinen wird weiterhin therapiert.
    Oft ist das Kind nämlich erst durch die Medikamentengabe in der Lage die Therapie anzunehmen.
    Schöne Grüße von einer Mutter - selber ADSlerin - eines Sohnes, der ADSler mit Aspergereinschlägen ist.

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    41 war als Antwort gedacht. Ich habe leider versehentlich nicht den korrekten Link gewählt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesärztekammer | Medikament | Therapie | Wirkstoff | Berlin
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