Demenz-ForschungDer ernüchternde Kampf gegen Alzheimer

Wie können sich Menschen vor Demenz schützen? Ginkgo, Vitamin E, Omega-Fettsäuren? Bewiesen ist davon nichts. Forscher versuchen die komplexe Krankheit zu verstehen. von Hartmut Wewetzer

Eine Alzheimerpatientin betrachtet ein Foto von sich aus ihrer Jugend

Eine Alzheimerpatientin betrachtet ein Foto von sich aus ihrer Jugend  |  © Sebastien Bozon/AFP/Getty Images

Gunter Sachs sah keinen Ausweg mehr. Die Furcht vor dem geistigen Verfall durch die Alzheimer-Demenz trieb den Industriellenerben, Lebemann und Fotografen mit 78 Jahren offenbar in den Suizid . Vielleicht waren es in Wahrheit Depressionen, die Sachs zu seiner Verzweiflungstat veranlassten. Trotzdem zeigt sein Handeln, welch schicksalhafte Bedeutung die Diagnose "Alzheimer" inzwischen bekommen hat.

Nach einer Schätzung der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland 1,2 Millionen Demenzkranke, von denen zwei Drittel an Alzheimer erkrankt sind. 2050 könnten es 2,6 Millionen sein, wenn kein Durchbruch bei der Behandlung erzielt werden kann, warnt die Gesellschaft

Mit der Frage, welche Risikofaktoren es gibt und wie man Alzheimer vorbeugen kann, hat sich vor kurzem im Auftrag der US-Regierung eine Gruppe unabhängiger Experten beschäftigt. Die Fachleute unter Leitung von Martha Daviglus von der Northwestern University Feinberg School of Medicine durchforsteten dazu die wissenschaftliche Literatur.

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Der größte Risikofaktor für Alzheimer ist das Alter. Es lässt sich ebenso wenig beeinflussen wie ein erhöhtes Alzheimer-Risiko, das durch Spielarten des ApoE-Gens bedingt ist. Unübersichtlicher ist die Situation, was die Vorbeugung angeht, also die Frage, ob man sich vor Alzheimer schützen kann.

Demenz: Hilfe für Kranke und Angehörige

Mit generellen Fragen, aber auch persönlichen Anliegen kann man sich an die Deutsche Alzheimer Gesellschaft wenden. Hier findet man auch Links zu Alzheimer-Gesellschaften, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Adressen von "Gedächtnissprechstunden", Internetseiten mit Verzeichnissen von Pflegediensten, Betreuungsgruppen, Heimen und dergleichen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet einen "Wegweiser" an, der auch zu sog. Demenz-Wohngemeinschaften führt. Eine Adressdatenbank offeriert 4500 Angebote bei Demenz und Alzheimer.

Mit neuen Konzepten und aktuellen Diskussionen (zum Beispiel mit Betroffenen, die noch mitreden können und wollen) beschäftigt sich Demenz Support Stuttgart.

Einrichtungen und Pflege

Um sich allgemein über Pflegeeinrichtungen in Deutschland zu orientieren, kann man den Pflegenavigator der AOK benutzen. Hier werden Heime im Umkreis eines Postleitzahlbereiches kurz vorgestellt. Man findet die entsprechenden Links und eine Bewertung laut Medizinischem Dienst der Krankenversicherung (MDK). Darüber hinaus gibt es in fast 400 deutschen Städten sogenannte Pflegestützpunkte, die Betroffene und deren Angehörige "unabhängig und neutral beraten" wollen.

Das Haus im Park in Bremerhaven hat eine Sorge nicht: genügend Bewohner zu finden. Derzeit gibt es 29 Anmeldungen. Die Wartezeit beträgt rund drei bis fünf Monate. Familien, die auf einen Platz warten, werden betreut und "seelisch aufgefangen". Dem Haus im Park vergleichbare Einrichtungen haben sich im Deutschen Qualitätsbündnis Demenz (DQD) zusammengetan.

Zu den relativ neuen Konzepten einer Pflege von Menschen mit Demenz gehören die Pflegeoasen für die letzte Lebensphase; wichtiges Merkmal ist ein zentraler, gemeinsam zu nutzender Raum, die Oase. Hier sollen Gemeinschaft und Geborgenheit im Vordergrund stehen. Die Pflegeoasen werden bisher nicht bundesweit, sondern von einzelnen Institutionen, zum Teil innerhalb eines traditionellen Pflegeheims, angeboten. Die Philosophisch-Theologische Hochschule in Vallendar hat eine Studie dazu erstellt.

"Gegenwärtig reichen die Belege nicht aus, um eindeutige Schlussfolgerungen über die Verknüpfung irgendeines veränderbaren Risikofaktors mit der Alzheimer-Krankheit zu ziehen", lautet das ernüchternde Ergebnis, über das die Forscher im Fachblatt Archives of Neurology (online vorab) berichten. Im Klartext: Ob und wie man sich vor Alzheimer wappnen kann, bleibt vorerst ungewiss.

Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus , erhöhte Blutfette in mittleren Jahren und Rauchen werden mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verknüpft. Auf der anderen Seite sollen eine mediterrane Ernährung (viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und tierische Fette), Folsäure, Alkohol in Maßen sowie geistige und körperliche Aktivitäten die Gefahr mindern. Doch die Forscher sind skeptisch. Die Beweislage sei dünn, weitere Studien erforderlich, um die Ergebnisse auf eine solide Basis zu stellen. Weder Ginkgo- noch Vitamin-E-Präparate können das Risiko senken, auch Bluthochdruck, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und Beta-Carotin haben vermutlich kaum Einfluss auf Alzheimer. Gleiches gilt nach heutigem Wissen für einen bestimmten Ernährungsstil. Also etwa, ob man viel gesättigte Fette oder auf der anderen Seite reichlich Obst und Gemüse zu sich nimmt.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Die Redaktion/cs

    • thomda
    • 11. Mai 2011 13:18 Uhr

    Herz-, Kreislauferkrankungen können laut Artikel ein Risikofaktor für die Alzheimer Krankheit sein. Einer Herz-, Kreislauferkrankung kann mit omega3 vorgebeugt werden. In der Schlußfolgerung sollte omega3 auch der Alzheimer Krankheit vorbeugen.

    • meditz
    • 11. Mai 2011 20:24 Uhr

    Hier wird, sichtlich ohne Erfolg, versucht, einer Störung, die sich hauptsächlich durch mentale Symptome äussert, mit Biochemie und Statistik vorzubauen. Das ist eventuell zu kurz gesprungen. Vielleicht gehört hier zur Salutogenese eher eine richtige Lebensführung, die über Ernährung und Bewegung hinaus geht und z.B eine lebenslange Pflege der Seele, der sozialen Beziehungen, der Gefühle und der Gedanken hervorhebt. Die lebenslange geistige Gesundheit hat vielleicht die größte Auswirkung auf Gedächtnis und Wahrnehmung im Alter. Trotzdem kommt sie in den im Artikel angeführten Überlegungen nicht vor.

    • Ja_na
    • 16. Mai 2011 8:00 Uhr

    "Weder könne man daher eine Beziehung zwischen irgendeinem veränderbaren Risikofaktor und Alzheimer herstellen noch sei es hinreichend belegt, dass ein bestimmter Lebensstil oder ein Nahrungsergänzungsmittel einen Einfluss haben können, schreiben die Forscher. Die bisherigen Studien sind aus ihrer Sicht methodisch schwach (...)
    ...
    Was dem Herzen zusetzt (Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen), erhöht auch die Gefahr einer vaskulären Demenz. Man kann also durchaus etwas gegen Demenz tun – auch heute schon"

    Die pauschale Schlussfolgerung, welche die unterschiedlichen Arten dementieller Erkrankungen ignoriert, halte ich- angesichts des vorab zitierten Satzes über die Forschungslage- als allzu gewagt und sehr willkürlich.

    Es wäre schön, wenn über derart komplexe medizinische Themen etwas differenzierter geschrieben würde und den Forschungsdaten über das Weglassen willkürlicher Schlussfolgerungen Rechnung getragen würde.

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