Kernkraftwerke können als Ursache für Blutkrebs bei Kindern praktisch ausgeschlossen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Untersuchung unabhängiger Wissenschaftler. Im 14. Bericht der Comare-Gruppe , so der Name des Experten-Komitees, waren Fälle von Blutkrebs (Leukämie) in der Nähe der 13 britischen Kernkraftwerke untersucht worden. Es stellte sich heraus, dass in der Nähe der Anlagen das Leukämie-Risiko nicht bedeutsam erhöht ist. Zum gleichen Ergebnis kamen auch Untersuchungen in Frankreich und Finnland.

Allerdings fand die Aufsehen erregende deutsche "Kikk"-Studie 2007 , dass das Risiko von Kinderleukämie in der Nähe von Kernkraftwerken ansteigt.

Die britischen Forscher haben diese Studie analysiert und erhebliche methodische Mängel festgestellt. So könnte das Resultat dadurch verfälscht worden sein, dass der soziale und ökonomische Status der Kinder nicht berücksichtigt wurde.

Zudem ist das Ergebnis der "Kikk"-Studie stark durch eine Häufung (Cluster) von Leukämien in der Nähe des Kernkraftwerks Krümmel geprägt. Strahlung könne die Häufung nicht erklären, meinen die Experten. Sie zitieren einen Bericht der deutschen Strahlenschutzkommission, nach dem die gemessene Strahlung in der Nähe der Kernkraftwerke um mehr als das 1000-Fache unterhalb einer Dosis liegt, die eine verdoppelte Kinderleukämie-Rate erklären könnte. Als Ursache für die auch unabhängig von Kernkraftwerken immer wieder beobachteten Leukämie-Häufungen seien zum Beispiel Virusinfektionen in Betracht zu ziehen.

Blutkrebs bei Kindern ist sehr selten. Deshalb sind statistische Analysen schwierig. Laut Comare-Bericht erkranken in Großbritannien jedes Jahr 500 Kinder. In den letzten 35 Jahren wurden im Fünf-Kilometer-Umkreis von Kernkraftwerken nur 20 Fälle bei unter Fünfjährigen registriert. Schon kleine Schwankungen der Fallzahlen können daher eine bedeutsame Häufung nahelegen, die in Wahrheit zufallsbedingt ist.

Erschienen im Tagesspiegel