Bisher sind in Deutschland mindestens zehn Menschen gestorben. Mehrere Menschen schwebten weiter in Lebensgefahr. Erst am Freitag hatte sich die Zahl der Infektionen mit dem aggressiven Durchfallerreger in Schleswig-Holstein auf 248 mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden binnen etwa einer Woche bis Freitag rund 1000 bestätigte Ehec-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise werden in Deutschland im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet.

Zudem erkrankten binnen eines Tages bundesweit weitere 60 Patienten an der schweren Komplikation Hus, dem hämolytisch-urämischen Syndrom – so viele wie sonst binnen eines Jahres. Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin berichtet, es sei davon auszugehen, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist.

Erstmals beim aktuellen Ausbruch starb ein Mann an den Ehec-Folgen. Bei dem tot in seiner Hamburger Wohnung gefundenen 38-Jährigen wurde eine erste Probe positiv auf Ehec getestet. Der Mann war leblos von der Feuerwehr entdeckt worden, nachdem sein Arbeitgeber ihn als vermisst gemeldet hatte. Im Kreis Herzogtum-Lauenburg gibt es einen weiteren Ehec-Todesfall: Am heutigen Samstag starben dort in einer Klinik eine 84- und eine 86-jährige Frau. In der Nacht zum Samstag war zuvor eine 87-jährige Frau in Hamburg gestorben, die an Hus litt, wie das Universitätsklinikum Eppendorf mitteilte.

Auch in Schleswig-Holstein hat der Ehec-Erreger ein zweites Todesopfer gefordert. Eine 38 Jahre alte Frau war am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus an Hus gestorben, wie eine Krankenhaussprecherin erst jetzt mitteilte. "Die Frau wurde einige Tage zuvor bereits in einem sehr kritischen Zustand bei uns eingeliefert", sagte die Sprecherin.

In einem Bremer Krankenhaus starb eine über 70 Jahre alte Frau aus Cuxhaven. Zudem ließ sich der Tod einer 41-Jährigen auf Ehec zurückführen; sie stammte ebenfalls aus Cuxhaven. Zuvor waren drei Todesfälle in Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen erfasst worden. Krankheitsfälle gibt es auch im Ausland: Schweden hat bisher 25 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.

Von einer Ehec-Epidemie wollte man beim Robert-Koch-Institut in Berlin noch nicht sprechen. Der Ausbruch sei noch zu regional und dauere nicht lange genug an, sagte eine Sprecherin.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/dpa/lno

Mediziner hoffen auf eine neue Behandlungsmethode gegen Hus. So bekommen in der Hamburger Uniklinik Eppendorf (UKE) sechs Ehec-Infizierte mit Komplikationen einen speziellen Antikörper, wie UKE-Professor Rolf Stahl mitteilte. "Erst in einigen Wochen werden wir wissen, wie erfolgreich diese Therapie sein wird." Der Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei Hus wirken, wie das Hamburger Abendblatt berichtete. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wird das Mittel seit Wochenbeginn eingesetzt.

Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt New England Journal of Medicine die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor. Die Kinder waren im vergangenen Jahr nach Ehec-Infektionen an Hus erkrankt. Sie litten an Nierenversagen sowie an schweren Störungen des Nervensystems. Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Infusion habe sich der Zustand der Kinder deutlich verbessert, berichten die Mediziner in der Fachzeitschrift. Auch sechs Monate danach seien die Kinder gesund.