EpidemieZahl der Ehec-Opfer steigt auf 29

Es infizieren sich zwar weniger Menschen neu mit Ehec, doch es gibt neue Todesopfer. Erstmals starb ein Patient in Hessen. Dort gibt es auch eine neue Spur.

Die Zahl der Ehec-Toten ist auf 29 gestiegen. Im Landkreis Harburg südlich von Hamburg starben ein 68-Jähriger und eine 20-Jährige. In einer Frankfurter Klinik erlag ein 57-Jähriger der Erkrankung – der erste Todesfall in Hessen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts stieg die Zahl der an dem HU-Syndrom erkrankten Patienten auf 722, außerdem seien 2.086 Infektionen mit Ehec bekannt. Gleichwohl gehen die Fachleute davon aus, dass sich die Lage leicht entspannt. Sowohl Niedersachsen als auch Hamburg meldeten, die Zahl der Neuerkrankungen bleibe rückläufig.

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Bisher erkrankten die meisten Menschen im Norden Deutschlands, Hamburg war Zentrum der Infektionen. Im Süden Niedersachsens wurde nun ein weiterer Brennpunkt bekannt. Von etwa 70 Gästen einer Geburtstagsfeier im Landkreis Göttingen infizierten sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover offenbar mehrere. Bei zweien wurde der Erreger nachgewiesen, ein Gast entwickelte das gefährliche HU-Syndrom. Drei weitere Gäste wurden mit Verdacht im Krankenhaus behandelt.

Die Behörden konzentrierten ihre Ermittlungen nun auf ein Catering-Unternehmen, das die Geburtstagsfeier beliefert hatte, teilte das Ministerium weiter mit.

Ehec-Bakterien

Im menschlichen Darm wimmelt es von Mikroorganismen und Bakterien. Das ist nicht ungewöhnlich. Viele Keime unterstützen möglicherweise die Verdauung von Nahrung oder die Abwehr von Krankheitserregern. Sehr häufig sind Escherichia coli im Darm zu finden.

Infografik Ehec
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Ehec-Bakterien (enterohämorrhagische Escherichia coli) hingegen bilden einen mitunter gefährlichen Stamm von E.coli. Sie können Giftstoffe, vor allem das Shigatoxin, produzieren. Nisten sich Ehec-Keime im Darm ein, etwa in der Schleimhaut, dringt das Gift in die Zellen der inneren Darmwand ein und zerstört Gefäße. In Deutschland sind derzeit 42 Stämme des Ehec-Erregers bekannt.

Der Ausbruch im Frühjahr 2011 verlief sehr ungewöhnlich. Der umgehende Keim ähnelt bekannten Ehec-Erregern kaum. Normalerweise erkranken vor allem Kleinkinder im Alter von durchschnittlich drei Jahren. Schwere Krankheitsverläufe sind sehr selten.

Der durch verkeimte Sprossen verbreitete Erreger vom Typ O104:H4 (HUSEC041) ist besonders aggressiv und löst relativ häufig das hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) aus – die schwerste Komplikation der Darminfektion.

Erkrankung

Wer sich mit Ehec-Bakterien infiziert, muss nicht zwangsläufig erkranken. Oft kommt es aber etwa drei Tage nach der Ansteckung zu wässrigen Durchfällen. Zwei Drittel der Erkrankten scheiden nach weiteren zwei bis drei Tagen blutigen Stuhl aus.

Begleitet wird die Erkrankung von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch Fieber ist möglich, aber seltener.

Während vergangener Ehec-Ausbrüche entwickelten etwa zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten einen schweren Verlauf. Wer unter Durchfall und Blut im Stuhl leidet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen.

Eine Woche nach Beginn der Durchfälle kann es zum gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) kommen. Blutige Entzündungen der Darmschleimhaut treten auf, die für die Blutgerinnung notwendigen Thrombozyten verringern sich, Giftstoffe sammeln sich im Körper, Gefäße werden zerstört. Im schlimmsten Fall versagen die Nieren, es kommt zu Blutgerinnseln im Hirn. Hus trifft in der Regel nur etwa jeden zehnten Erkrankten. Die Sterberate liegt in dieser Akutphase bei zwei Prozent der Betroffenen.

Ansteckung

Ehec-Bakterien gibt es überall auf der Welt. Infektionen mit dem Erreger sind seit dem Jahr 2001 in Deutschland meldepflichtig, sofern sie bemerkt werden. Seither übermittelten die Gesundheitsämter bundesweit jährlich zwischen 925 und 1183 Ehec-Erkrankungen an das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Ehec-Erreger kommen vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vor. Allerdings wurden sie auch schon im Darmtrakt von Schweinen, Hirschen und Rehen nachgewiesen. Der jetzt grassierende Stamm wurde bisher aber nicht in Tieren nachgewiesen.

Die Erreger sind sehr umweltresistent und können bis zu ein Jahr lang außerhalb des Darms überleben. Zudem reichen nur wenige Dutzend Keime aus, um sich zu infizieren.

Für Ehec-Ausbrüche kommen zahlreiche Infektionsquellen in Betracht: Rohmilch und Rohmilchkäse sowie rohe Wurstprodukte oder zu kurz gegartes Fleisch. Verunreinigtes Obst und Gemüse kann die Quelle sein, oder andere ungekochte Lebensmittel.

Ehec-Bakterien können auch beim Düngen mit Gülle auf Nahrungsmittel gelangen. Bei den meisten bisherigen Krankheitsausbrüchen konnte die Infektionsquelle nicht gefunden werden.

Im aktuellen Fall waren Sprossen mit dem Erreger kontaminiert. Die Spur der Samen führt nach Ägypten. Wie der Keim aus dem Darm von Tieren auf diese Samen gelangt sein kann, ist noch immer unbekannt.

Behandlung

Mediziner behandeln derzeit bei leichten Verläufen vor allem die Symptome der Ehec-Erkrankung. Menschen scheiden die Bakterien oft von selbst aus. Das kann mitunter ein paar Wochen dauern.

Antibiotika helfen gegen Ehec-Bakterien wenig, im Gegenteil: "Die Gabe kann mitunter die Toxinproduktion (der Keime) sogar erhöhen", sagt der Hygieniker Helge Karch, der den Erreger genetisch analysiert hat. Daher raten Ärzte dringend davon ab, eine Ehec-Infektion mit Antibiotika zu behandeln.

Die Menschen, die derzeit akut erkrankt sind, werden mit Dialyse und Blutreinigung behandelt. So werden die Giftstoffe aus dem Körper gewaschen. Nicht immer erholt sich die Niere von der Infektion, sodass einige Patienten dauerhaft eine Dialyse brauchen oder auf ein Spenderorgan warten müssen.

In der Anfangsphase von Hus brauchen Patienten dringend Flüssigkeit, etwa über Kochsalzinfusionen. So lässt sich die schwerste Form der Erkrankung, das Nierenversagen, verhindern. Andernfalls könnte eine Nierentransplantation notwendig werden oder eine lebenslange Dialyse.

In besonders schweren Fällen setzten Mediziner eine noch kaum erforschter Therapie ein: Sie gaben einigen Patienten die Antikörperlösung Eculizumab. Zum Teil verbesserte sich der Zustand danach.

Schutz

Nur strenge Hygiene kann vor einer Ansteckung mit Ehec und ähnlichen Keimen schützen. Gemüse und Obst müssen gründlich gereinigt werden. In der Küche sollten Messer und Schneidebretter für jedes Lebensmittel separat verwendet und anschließend gründlich gesäubert werden.

Fleisch und Gemüse sollte man im Kühlschrank getrennt voneinander lagern und auch getrennt zubereiten. Putz- und Spüllappen sollten in kurzen Abständen gewechselt oder ausgekocht werden.

Lebensmittel sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden. Ehec-Erreger wie auch ihre Giftstoffe sind sehr hitzelabil. Ab 60 bis 70 Grad werden die Keime und ihre Toxine zerstört.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt allen Menschen mit Durchfall, sich stets gründlich die Hände zu waschen und/oder sie zu desinfizieren, insbesondere wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Menschen in der Nähe sind.

Sollte ein Familienmitglied erkranken, sollten die Toilette und Flächen, die der Erkrankte anfasst, regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Trotz des Rückgangs der Neuerkrankungen könne noch keine Entwarnung gegeben werden, hieß es von Gesundheitsbehörden. Auch bleibe die Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Salate bestehen. Fachleute hatten öffentlich vor dem Verzehr von Gemüse in Norddeutschland oder von Gurken aus Spanien gewarnt. Russland verhängte gar ein Einfuhrverbot für Gemüse aus Europa.

Weil die Verbraucher infolge dessen auf Obst, Gemüsekonserven und Tiefkühlkost ausweichen, vernichteten die Gemüsebauern große Teile ihrer Ernten. Millionenverluste sind die Folge.

Die EU hat den betroffenen Agrarbetrieben bisher 210 Millionen Euro Hilfe zugesichert. Die Bauern beziffern den europaweit entstandenen Schaden jedoch auf 500 bis 600 Millionen Euro. Spanien verlangte, die Hilfe weiter aufzustocken. Eine Kampagne soll zudem das Image spanischer Agrarprodukte wieder heben.

In Hamburg hatten sich übrigens schon 2009 Ehec-Infektionen gehäuft, ohne dass die Quelle gefunden wurde. Ein vierjähriger Junge starb damals nach schweren Komplikationen, drei weitere kleine Kinder und ein Baby erkrankten. Der Infektionsherd aber ließ sich nie klären. "Es wurde keine Ursache gefunden", sagte eine Sprecherin des Bezirksamts Hamburg-Altona jetzt.

 
Leserkommentare
  1. damit wir alle nur nicht vergessen, dass man in Bienenbüttel testete und nichts fand - oder was soll das?

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    des fraglichen Betriebes in Norddeutschland Ehec frei waren, dies lief inzwischen über mehrere Ticker die Zeit Redaktion fand das nicht erwähnenswert.

    http://www.abendblatt.de/...

    Und in dieser Quelle wird die Zahl des "Lindemann Clusters", die zu den Ermittlungen in Bienenbüttel führte mit ca. 100 Angegeben, demgegenüber stehen ca. 3.000 Fälle Bundesweit.
    http://www.focus.de/polit...

    Wenn überhaupt könnte dieser Betrieb nur die Ursache für ca. 3 % der Fälle sein, es fehlt bisher aber der Beweis dafür und nochmals die Frage, was ist mit den 97 % der anderen Fälle.

    Ah in Nordhessen/Südniedersachsen gibt es eine neue weitere potentielle Quelle ca. 8 Fälle eine Catering Lieferung an ca. 70 Personen dieser Feier soll die Ursache sein. Die Lieferanten selbst sollen auch erkrankt sein...

    weiter Nebel in Behörden Deutschland.

    des fraglichen Betriebes in Norddeutschland Ehec frei waren, dies lief inzwischen über mehrere Ticker die Zeit Redaktion fand das nicht erwähnenswert.

    http://www.abendblatt.de/...

    Und in dieser Quelle wird die Zahl des "Lindemann Clusters", die zu den Ermittlungen in Bienenbüttel führte mit ca. 100 Angegeben, demgegenüber stehen ca. 3.000 Fälle Bundesweit.
    http://www.focus.de/polit...

    Wenn überhaupt könnte dieser Betrieb nur die Ursache für ca. 3 % der Fälle sein, es fehlt bisher aber der Beweis dafür und nochmals die Frage, was ist mit den 97 % der anderen Fälle.

    Ah in Nordhessen/Südniedersachsen gibt es eine neue weitere potentielle Quelle ca. 8 Fälle eine Catering Lieferung an ca. 70 Personen dieser Feier soll die Ursache sein. Die Lieferanten selbst sollen auch erkrankt sein...

    weiter Nebel in Behörden Deutschland.

  2. "Dort gibt es auch eine neue Spur".

    Welche ???

    4 Leserempfehlungen
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    ...die meinen die Göttinger Geburtstagsfeier - im Süden Niedersachsens -, die von einem dort ansässigen Catering-Unternehmen beliefert wurde. Und ein Geburtstagsgast starb dann ein paar Kilometer jenseits der Landesgrenze: in Hessen.

    nicht gewesen sein,...oder ist das eine neue Variante..!!

    ...die meinen die Göttinger Geburtstagsfeier - im Süden Niedersachsens -, die von einem dort ansässigen Catering-Unternehmen beliefert wurde. Und ein Geburtstagsgast starb dann ein paar Kilometer jenseits der Landesgrenze: in Hessen.

    nicht gewesen sein,...oder ist das eine neue Variante..!!

  3. Kann die Redaktion mal eben die Zahl der Menschen die jedes Jahr im Durchschnitt an den Folgen einer Krippe sterben zur Verfügung stellen? Etwas höher als 29 dürfte sie schon liegen....

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    KRIPPE ist was anderes, Mann!

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    KRIPPE ist was anderes, Mann!

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

  4. Was meinen Sie mit "Krippe"?
    Kommen da jetzt die Neugeborenen hinein um zu sterben ?
    Ist Deutschland deshalb überaltert ?

    9 Leserempfehlungen
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    er meint, die Weihnachtskrippe. Heu und Kerzen vertragen sich schlecht...

    er meint, die Weihnachtskrippe. Heu und Kerzen vertragen sich schlecht...

  5. des fraglichen Betriebes in Norddeutschland Ehec frei waren, dies lief inzwischen über mehrere Ticker die Zeit Redaktion fand das nicht erwähnenswert.

    http://www.abendblatt.de/...

    Und in dieser Quelle wird die Zahl des "Lindemann Clusters", die zu den Ermittlungen in Bienenbüttel führte mit ca. 100 Angegeben, demgegenüber stehen ca. 3.000 Fälle Bundesweit.
    http://www.focus.de/polit...

    Wenn überhaupt könnte dieser Betrieb nur die Ursache für ca. 3 % der Fälle sein, es fehlt bisher aber der Beweis dafür und nochmals die Frage, was ist mit den 97 % der anderen Fälle.

    Ah in Nordhessen/Südniedersachsen gibt es eine neue weitere potentielle Quelle ca. 8 Fälle eine Catering Lieferung an ca. 70 Personen dieser Feier soll die Ursache sein. Die Lieferanten selbst sollen auch erkrankt sein...

    weiter Nebel in Behörden Deutschland.

    3 Leserempfehlungen
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    Das BfR schreibt heute, dass Gülle als Überträger als unwahrscheinlich anzusehen ist:
    http://www.bfr.bund.de/de...

    Der Keim stammt aus Zentralafrika, dort leben Schweine und Menschen seit 10000 Jahren in enger Hausgemeinschaft. Vielleicht ist immer mal ein E.coli vom Schwein zum Menschen gehöpft und umgekehrt. Einmal "pig" und "EAEC" gegoogelt bringt folgendes zum Vorschein:
    http://www.piwet.pulawy.p...

    EAEC und EHEC inklusive Shigatoxin können bei Ferkeldiarrhoe differenziert werden. Möglicherweise ist damit sowohl der Ort der Antibiotikaresistenzentwicklung als auch der Plasmidübertragung beschrieben.

    Stattdessen wird weiter EHEC auf Sprossen gesucht.
    Können die nicht, wollen die nicht oder sollen die nicht?

    Das BfR schreibt heute, dass Gülle als Überträger als unwahrscheinlich anzusehen ist:
    http://www.bfr.bund.de/de...

    Der Keim stammt aus Zentralafrika, dort leben Schweine und Menschen seit 10000 Jahren in enger Hausgemeinschaft. Vielleicht ist immer mal ein E.coli vom Schwein zum Menschen gehöpft und umgekehrt. Einmal "pig" und "EAEC" gegoogelt bringt folgendes zum Vorschein:
    http://www.piwet.pulawy.p...

    EAEC und EHEC inklusive Shigatoxin können bei Ferkeldiarrhoe differenziert werden. Möglicherweise ist damit sowohl der Ort der Antibiotikaresistenzentwicklung als auch der Plasmidübertragung beschrieben.

    Stattdessen wird weiter EHEC auf Sprossen gesucht.
    Können die nicht, wollen die nicht oder sollen die nicht?

  6. 6. Neeee

    er meint, die Weihnachtskrippe. Heu und Kerzen vertragen sich schlecht...

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  7. KRIPPE ist was anderes, Mann!

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    ... meinte er ja Schweinekrippe ..

    ... meinte er ja Schweinekrippe ..

  8. ... meinte er ja Schweinekrippe ..

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Es heißt GRIPPE."

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