Spurensuche Ehec-Keim vom Mensch auf Lebensmittel übertragen
Die Mitarbeiterin einer Catering-Firma hat den gefährlichen Darmkeim auf Speisen übertragen – und damit 20 Menschen infiziert. Das bestätigten nun Labortests.
Der gefährliche Ehec-Keim wurde von einer Catering-Mitarbeiterin in Hessen auf Lebensmittel übertragen. Die Ergebnisse von Labortests bestätigten bisherige Vermutungen in dem Fall, wie das hessische Sozial- und Verbraucherministerium in Wiesbaden mitteilten. Durch die Übertragung haben sich 20 weitere Menschen infiziert.
Auf welche Weise der Keim genau auf die Lebensmittel gelangte und ob es ein Hygieneproblem in dem Betrieb gibt, werde nun untersucht, sagte der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn.
Würden grundlegende Regeln wie Händewaschen nach dem Toilettengang eingehalten, könne es eigentlich nicht zu einer Übertragung des Keims kommen. Möglich sei aber, dass ein infizierter Gebrauchsgegenstand des Betriebs eine Rolle spielte, sagte Kühlborn.
- Ehec-Bakterien
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Im menschlichen Darm wimmelt es von Mikroorganismen und Bakterien. Das ist nicht ungewöhnlich. Viele Keime unterstützen möglicherweise die Verdauung von Nahrung oder die Abwehr von Krankheitserregern. Sehr häufig sind Escherichia coli im Darm zu finden.
Ehec-Bakterien (enterohämorrhagische Escherichia coli) hingegen bilden einen mitunter gefährlichen Stamm von E.coli. Sie können Giftstoffe, vor allem das Shigatoxin, produzieren. Nisten sich Ehec-Keime im Darm ein, etwa in der Schleimhaut, dringt das Gift in die Zellen der inneren Darmwand ein und zerstört Gefäße. In Deutschland sind derzeit 42 Stämme des Ehec-Erregers bekannt.
Der Ausbruch im Frühjahr 2011 verlief sehr ungewöhnlich. Der umgehende Keim ähnelt bekannten Ehec-Erregern kaum. Normalerweise erkranken vor allem Kleinkinder im Alter von durchschnittlich drei Jahren. Schwere Krankheitsverläufe sind sehr selten.
Der durch verkeimte Sprossen verbreitete Erreger vom Typ O104:H4 (HUSEC041) ist besonders aggressiv und löst relativ häufig das hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) aus – die schwerste Komplikation der Darminfektion.
- Erkrankung
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Wer sich mit Ehec-Bakterien infiziert, muss nicht zwangsläufig erkranken. Oft kommt es aber etwa drei Tage nach der Ansteckung zu wässrigen Durchfällen. Zwei Drittel der Erkrankten scheiden nach weiteren zwei bis drei Tagen blutigen Stuhl aus.
Begleitet wird die Erkrankung von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch Fieber ist möglich, aber seltener.
Während vergangener Ehec-Ausbrüche entwickelten etwa zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten einen schweren Verlauf. Wer unter Durchfall und Blut im Stuhl leidet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen.
Eine Woche nach Beginn der Durchfälle kann es zum gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) kommen. Blutige Entzündungen der Darmschleimhaut treten auf, die für die Blutgerinnung notwendigen Thrombozyten verringern sich, Giftstoffe sammeln sich im Körper, Gefäße werden zerstört. Im schlimmsten Fall versagen die Nieren, es kommt zu Blutgerinnseln im Hirn. Hus trifft in der Regel nur etwa jeden zehnten Erkrankten. Die Sterberate liegt in dieser Akutphase bei zwei Prozent der Betroffenen.
- Ansteckung
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Ehec-Bakterien gibt es überall auf der Welt. Infektionen mit dem Erreger sind seit dem Jahr 2001 in Deutschland meldepflichtig, sofern sie bemerkt werden. Seither übermittelten die Gesundheitsämter bundesweit jährlich zwischen 925 und 1183 Ehec-Erkrankungen an das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.
Ehec-Erreger kommen vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vor. Allerdings wurden sie auch schon im Darmtrakt von Schweinen, Hirschen und Rehen nachgewiesen. Der jetzt grassierende Stamm wurde bisher aber nicht in Tieren nachgewiesen.
Die Erreger sind sehr umweltresistent und können bis zu ein Jahr lang außerhalb des Darms überleben. Zudem reichen nur wenige Dutzend Keime aus, um sich zu infizieren.
Für Ehec-Ausbrüche kommen zahlreiche Infektionsquellen in Betracht: Rohmilch und Rohmilchkäse sowie rohe Wurstprodukte oder zu kurz gegartes Fleisch. Verunreinigtes Obst und Gemüse kann die Quelle sein, oder andere ungekochte Lebensmittel.
Ehec-Bakterien können auch beim Düngen mit Gülle auf Nahrungsmittel gelangen. Bei den meisten bisherigen Krankheitsausbrüchen konnte die Infektionsquelle nicht gefunden werden.
Im aktuellen Fall waren Sprossen mit dem Erreger kontaminiert. Die Spur der Samen führt nach Ägypten. Wie der Keim aus dem Darm von Tieren auf diese Samen gelangt sein kann, ist noch immer unbekannt.
- Behandlung
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Mediziner behandeln derzeit bei leichten Verläufen vor allem die Symptome der Ehec-Erkrankung. Menschen scheiden die Bakterien oft von selbst aus. Das kann mitunter ein paar Wochen dauern.
Antibiotika helfen gegen Ehec-Bakterien wenig, im Gegenteil: "Die Gabe kann mitunter die Toxinproduktion (der Keime) sogar erhöhen", sagt der Hygieniker Helge Karch, der den Erreger genetisch analysiert hat. Daher raten Ärzte dringend davon ab, eine Ehec-Infektion mit Antibiotika zu behandeln.
Die Menschen, die derzeit akut erkrankt sind, werden mit Dialyse und Blutreinigung behandelt. So werden die Giftstoffe aus dem Körper gewaschen. Nicht immer erholt sich die Niere von der Infektion, sodass einige Patienten dauerhaft eine Dialyse brauchen oder auf ein Spenderorgan warten müssen.
In der Anfangsphase von Hus brauchen Patienten dringend Flüssigkeit, etwa über Kochsalzinfusionen. So lässt sich die schwerste Form der Erkrankung, das Nierenversagen, verhindern. Andernfalls könnte eine Nierentransplantation notwendig werden oder eine lebenslange Dialyse.
In besonders schweren Fällen setzten Mediziner eine noch kaum erforschter Therapie ein: Sie gaben einigen Patienten die Antikörperlösung Eculizumab. Zum Teil verbesserte sich der Zustand danach.
- Schutz
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Nur strenge Hygiene kann vor einer Ansteckung mit Ehec und ähnlichen Keimen schützen. Gemüse und Obst müssen gründlich gereinigt werden. In der Küche sollten Messer und Schneidebretter für jedes Lebensmittel separat verwendet und anschließend gründlich gesäubert werden.
Fleisch und Gemüse sollte man im Kühlschrank getrennt voneinander lagern und auch getrennt zubereiten. Putz- und Spüllappen sollten in kurzen Abständen gewechselt oder ausgekocht werden.
Lebensmittel sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden. Ehec-Erreger wie auch ihre Giftstoffe sind sehr hitzelabil. Ab 60 bis 70 Grad werden die Keime und ihre Toxine zerstört.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt allen Menschen mit Durchfall, sich stets gründlich die Hände zu waschen und/oder sie zu desinfizieren, insbesondere wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Menschen in der Nähe sind.
Sollte ein Familienmitglied erkranken, sollten die Toilette und Flächen, die der Erkrankte anfasst, regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Die Mitarbeiterin des Partyservices war den Testergebnissen zufolge mit dem lebensbedrohlichen Keim infiziert, als sie Speisen für eine Feier in Niedersachsen zubereitete. Sie hatte aber noch keine Symptome. Den Erkenntnissen zufolge übertrug sie den Keim auf mehrere Lebensmittel. Später erkrankte sie an der durch den Ehec-Erreger verursachten Komplikation Hus (hämolytisch-urämisches Syndrom). Nach der Feier erkrankten dann 20 von 65 Gästen. Bei Hus können unter anderem Nierenschäden und neurologische Störungen auftreten.
Unterdessen bleibt der wegen Ehec-Sprossen gesperrte Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel geschlossen. "Bevor wir ihn wieder freigeben, müssen alle Proben ausgewertet werden", sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Dies werde "mindestens einige Tage bis einige Wochen" dauern. Noch ist unklar, wie der lebensbedrohliche Erreger auf die Sprossen des Biohofs gelangt ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät weiter vom Verzehr roher Sprossen ab, ebenso von selbstgezogenen rohen Sprossen und Keimlingen.
- Sprossen
Egal, ob die Sprosse im Ehec-Fall schuldig gesprochen wurde: Die vitamin- und mineralstoffreichen Keimlinge sind ein Hort der Erreger, vor dem das Bundesministerium für Risikobewertung zuletzt im Mai 2011 warnte. "Das feuchtwarme Milieu, in dem Sprossen keimen, ist auch für Bakterien und Schimmelpilze interessant, die mitunter gesundheitsschädlich sein können", sagt der Pflanzenphysiologe Gerhard Leubner von der Universität Freiburg. Er rät Selbstzüchtern, die Saat zweimal täglich zu spülen, auf gute Belüftung zu achten und Samen von Radieschen, Rettich oder Gartenkresse zuzugeben. Deren Senfölglycoside verringern das Wachstum von Bakterien und Pilzen. Doch weder Abwaschen noch Blanchieren der Sprossen hilft, wenn das gekaufte Saatgut etwa mit Salmonellen belastet ist. Hier schützt nur Abkochen, mindestens zehn Minuten bei 70 Grad – aber dann kann man die Sprosse als knackige Vitaminspritze eigentlich vergessen.
Bundesweit gehe die Zahl der Neuinfektionen seit einiger Zeit zurück, sagte eine Sprecherin des http://www.rki.de/www.rki.de/, obwohl am Donnerstag wieder ein 81-jähriger Mann an den Folgen der Infektion gestorben war. Seit dem Ausbruch des aggressiven Darmkeims sind in Deutschland mindestens 39 Menschen gestorben, mehr als zwei Drittel davon in den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Laut RKI sind seit Anfang Mai bundesweit bisher 2610 Ehec-Fälle bekannt und 798 mit dem schweren Hus-Verlauf.
- Datum 17.06.2011 - 17:32 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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"EHEC-Keime sind auf einem Frankfurter Bauernhof vermutlich ausgerechnet beim Waschen auf den Salat geraten. Der Betrieb wurde geschlossen." dpa gemeldet von einer anderen Zeitung. Wo bleibt diese Meldung? Habe sie nicht gefunden. Soll sich zwar wieder um die harmlosere Variante handeln, aber.....
Frankfurt wurde die gefährliche EHEC Variante im Wasser
gefunden...es darf wieder über Gülle etc. spekuliert werden...
Macht aber keinen Sinn.
Besser, man hält sich an Fakten:
Das Hessische Sozialministerium schreibt in seinem Bericht über das Geschehen: "Da die Probenahme in der Nähe einer Kläranlage erfolgte, ist nicht auszuschließen, dass dort der Eintrag erfolgte."
Kein Wunder, da der Keim in Menschen vorkommt, kann er in Abwasser, in Kläranlagen und in Gewässern landen, in die Kläranlagen einleiten.
Zu EHEC (und analog EAEC) im Wasser siehe auch folgende UBA-Veröffentlichung: http://www.uba.de/gesundh...
Macht aber keinen Sinn.
Besser, man hält sich an Fakten:
Das Hessische Sozialministerium schreibt in seinem Bericht über das Geschehen: "Da die Probenahme in der Nähe einer Kläranlage erfolgte, ist nicht auszuschließen, dass dort der Eintrag erfolgte."
Kein Wunder, da der Keim in Menschen vorkommt, kann er in Abwasser, in Kläranlagen und in Gewässern landen, in die Kläranlagen einleiten.
Zu EHEC (und analog EAEC) im Wasser siehe auch folgende UBA-Veröffentlichung: http://www.uba.de/gesundh...
war dann wohl so ein gefährlicher renaturierter Bio-Bach.
Ich fordere die sofortige Überbauung aller Bäche in D, denn das Wasser, das in ihnen fließt ist gefährlich und gehört unter die Erde!
Menschheit nicht reif genug ist, sich die HÄNDE ordentlich (oder überhaupt) zu waschen nach dem Toilettengang wird das nix...
Und jetzt ist mal gut mit EHEC bitte!!!!
dieser Frau? Das könnte möglicherweise einiges Erklären.
Oh! Deutsche Catering-Firma lässt die Mitarbeiter ohne Handschuhe die Speisen vorbereiten ?
Ein Fehler in der deutschen Lebensmittelkette ?
Da sollte die deutsche Gründlichkeit vielleicht etwas vorsichtiger sein, bevor man andere Länder ankreidet.
Wen, wenn er sich seriös informiert hat, kann das verwundern?
Schließlich handelt sich bei dem, das aktuelle Geschehen verursachenden, gefährlichen Keim nicht um EHEC, sondern um einen neuen EaggEC, auch EAEC genannt, genauer um den Serotyp O104:H4.
Das ist ein menschlicher Keim, der nach allem was man weiß im Gegensatz zu EHEC nicht in Tieren vorkommt. Ergo muss auch der Mensch die Quelle der Kontamination von Lebensmitteln und der Infektion anderer Menschen, egal ob über direkten Kontakt Mensch zu Mensch, über vom Menschen kontaminierte Lebensmittel oder irgendwelche kontaminierten Gegenstände (z.B. Toilettentürgriffe oder Toilettenspültasten), sein.
Wer die Originalquellen studiert, dem ist das seit mittlerweile einer Woche bekannt. Siehe hier #67: http://www.zeit.de/2011/2... Und seit einer Woche schreibe ich mir die Finger wund, um auf diese Erkenntnisse hinzuweisen.
Dennoch liest man in dem Infokasten der ZEIT immer noch von dem hier irrelevanten EHEC, der in Nutz- (v.a. Rindern), Haus- und Wilttieren vorkommt.
Nur das ist es, was mich wundert!
Weitere Infos (Originalquellen):
http://idw-online.de/de/n...
http://kaikupferschmidt.d...
Tab 1-1, Seite 2 und Kap. 1.2, Seite 3-8, insbes. Tab 1-3, Seite 7 in http://docserv.uni-duesse...
Ja, hätten denn die Bakterien vielleicht selber laufen können?
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