Bisher gab es nur eine Indizienkette, nun brachte ein Labortest Gewissheit: Forscher des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Rhein-Ruhr-Wupper fanden den gefährlichen Ehec-Erreger vom Typ O104 erstmals auf Sprossen. Sie sollen in einem Bio-Betrieb im niedersächsischen Ort Bienenbüttel gewachsen sein. Die Sprossen entstammen nach Angaben des nordrhein-westfälischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums einer geöffneten Packung aus der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder hätten Sprossen verzehrt und sich Mitte Mai mit den Ehec-Bakterien infiziert. Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) sagte, es bleibe aber "ein Rest an Unsicherheit", da die Forscher nur eine geöffnete und keine geschlossene Packung untersuchten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung prüfe weiter. Bislang stützte sich der Verdacht gegen den Bio-Hof nur auf Indizien.

Behörden warnen seit Tagen, davor, Sprossen zu essen. Auf der Suche nach der Quelle waren Gäste und Köche von Restaurants befragt worden. Die Lieferketten hätten dann zum Bauernhof in Niedersachsen geführt, erläuterte der Chef des Robert Koch-Institutes, Rainhard Burger. Der Bio-Hof darf derzeit keine Produkte verkaufen.

Die Warnung vor dem Verzehr sonstigen Gemüses hoben die Seuchenwächter am Freitag auf. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner reagierte erleichtert. "Der Verzehr wird jetzt sicher wieder auf normales Niveau ansteigen", sagte er.

Die Agrarbetriebe hatten über Millioneneinbußen geklagt, nachdem Verbraucher kein frisches Gemüse mehr kaufen wollten. Russland zeigte sich nach EU-Angaben bereit, sein Importverbot für Gemüse aus Europa wieder aufzuheben.

In Deutschland starben bisher mindestens 32 Menschen an den Folgen einer Ehec-Infektion. Zuletzt starb ein 81-jähriger Mann, wie eine Sprecherin des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sagte. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben sich bisher fast 2.100 Menschen mit dem Ehec-Erreger infiziert.