Die Wissenschaftler formulieren vorsichtig: Vom Telefonieren mit dem Handy könnte eine Gesundheitsgefahr ausgehen, Handystrahlung sei "möglicherweise krebserregend" – zu diesem Schluss kommt eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC in Lyon. Diese gehört zur Weltgesundheitsorganisation WHO.

31 Fachleute aus 14 Ländern hatten in Lyon rund eine Woche lang "nahezu sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Belege" ausgewertet, wie das Krebsforschungsinstitut der WHO mitteilte. Die Forscher widmeten sich der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung, wie sie von Handys, aber auch von Rundfunk, Radar und anderen drahtlosen elektronischen Geräten ausgeht. Dabei wurden auch Daten von Menschen ausgewertet, die schon seit bis zu 15 Jahren ein Mobiltelefon nutzen. Langfristige Risiken durch die Strahlenbelastung können demnach weder ausgeschlossen noch eindeutig belegt werden. "Daher müssen wir weiter unseren Blick für einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonen und Krebsrisiko schärfen", sagte Jonathan Samet von der Universität von Südkalifornien, der die Arbeitsgruppe leitete.

Die Beweisführung gegen elektromagnetische Strahlung ist nicht einfach. Insgesamt bewerteten die Fachleute die aktuelle Studienlage als begrenzt. Allein in Untersuchungen zu Hirntumoren sehe man einen möglichen Zusammenhang mit Handystrahlung. Dieser sei "glaubhaft", könne aber durch Zufall, Voreingenommenheit oder andere Faktoren verfälscht worden sein. "Es ist im Moment nicht eindeutig belegt, dass die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs bei Menschen auslösen kann", erläuterte Kurt Straif, Vorsitzender eines Programms der IARC, in dem bereits mehr als 900 mögliche Krebsauslöser bewertet wurden. Dennoch entschlossen sich die Fachleute zur Einstufung der Strahlung als "möglicherweise krebserregend" ("possibly carcinogenic"), da es begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten bestimmter Hirntumore (Gliome) bei Intensiv-Handynutzern gebe.

Das Risiko selbst bezifferten oder bewerteten die Forscher aber nicht. Sie verwiesen auf eine einzige Studie von 2004. Darin hieß es, wer über zehn Jahre hinweg täglich 30 Minuten telefoniert habe, dessen Hirntumor-Risiko sei um etwa 40 Prozent erhöht.