Transplantation : Was Sie über die Organspende wissen müssen

In Deutschland gibt es nicht genügend Organspender, deshalb wollen die Gesundheitsminister nun die "Entscheidungslösung" einführen. Antworten auf die wichtigsten Fragen

Mehr als 12.000 Patienten stehen in Deutschland auf der Warteliste für Organtransplantationen – doch nur ein Viertel von ihnen bekommt die lebensrettende Niere, Leber oder das ansonsten benötigte Organ. Eine neue Organspende-Regelung soll dies ändern.

Die Gesundheitsminister der Länder kamen einer Lösung ein Stück näher: Sie sprachen sich für die sogenannte Entscheidungslösung aus. Demnach soll künftig "jeder Bürger, jede Bürgerin wenigstens einmal im Leben bewusst mit der Frage konfrontiert werden, ob er oder sie zur Organspende bereit sei". Das einstimmige Votum ist ein Signal an den Bund, eine entsprechende Regelung zu schaffen.

Damit rücken andere Konzepte wie die Widerspruchs- oder die Zustimmungslösung in den Hintergrund. Bei ersterer sollten die Menschen im Todesfall automatisch Organspender sein, solange sie nicht widersprechen. Nach der derzeitigen Regelung müssen Spender oder ihre Angehörigen ihre Bereitschaft erst ausdrücklich erklären.

Oft wissen potenzielle Spender schlicht zu wenig über das Thema. "Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die gut informiert sind, auch eher zu einer Organspende bereit sind", sagt Günter Kirste , Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) . Aufklärung und die Bereitstellung von Informationen würden dabei helfen, bestehende Vorurteile auszuräumen. ZEIT ONLINE beantwortet daher die wichtigsten Fragen zur Organspende:

Wer kann spenden und welche Organe eigentlich?

Laut der DSO kann nach dem Tod fast jeder spenden. Transplantiert werden können Nieren, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm, außerdem Gewebe wie zum Beispiel Hornhaut und Knochen.

Wer zu Lebzeiten Organe spenden möchte, muss gesund sein und "in einer engen emotionalen verwandtschaftlichen Beziehung zum Empfänger stehen". Laut dem deutschen Transplantationsgesetz dürfen sich Jugendliche ab 16 Jahren für eine Organspende entscheiden und bereits mit 14 einer Organspende nach dem Tod widersprechen. Nach oben gibt es keine Altersgrenze.

Allerdings gibt es Krankheiten, die eine Organspende ausschließen, wie zum Beispiel akute Krebserkrankungen, ein positiver HIV-Befund sowie bestimmte Infektions- oder Nervenleiden. Auch Diabetes kann die Spendefähigkeit einschränken.

Welche Einschränkungen kann man machen, wenn ein Organspendeausweis ausfüllt wird?

Der Organspendeausweis dokumentiert die Entscheidung zur Organ- und Gewebespende. Es gibt verschiedene Optionen: von der uneingeschränkten Zustimmung über die Einschränkung auf bestimmte Organe oder Gewebe, den Ausschluss bestimmter Organe sowie bestimmtes Gewebe, einer Ablehnung oder der Übertragung der Entscheidung auf eine andere Person.

Es kommt nur selten vor, dass sich jemand zu Lebzeiten als Organspender gemeldet hat, die Angehörigen in dessen Todesfall aber dagegen sind. Sollte dieser Fall dennoch eintreten, "so gilt der Organspendeausweis als Wille des Verstorbenen und die Angehörigen werden in Gesprächen darum gebeten, diesem Willen zu folgen", erklärt DSO-Vorstand Kirste.

Es würden alle Organe entnommen, für die eine Einwilligung und eine medizinische Eignung vorliegen. Die Empfänger würden nach medizinischen Kriterien der Erfolgsaussicht und Dringlichkeit über die niederländische Stiftung Eurotransplant (ET) ermittelt, die für die Verteilung der Spenderorgane in den ET-Mitgliedsländern Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien und Deutschland zuständig ist.

Wie rasch muss eine Transplantation nach dem Tod des Spenders durchgeführt werden?

Für die verschiedenen Organe gelten unterschiedliche Zeitspannen, die zwischen Entnahme und Transplantation liegen dürfen. "Herz und Lunge müssen innerhalb von sechs Stunden transplantiert werden, Leber und Pankreas ( die Bauchspeicheldrüse, Anm. d. Red. ) innerhalb von zwölf Stunden und für die Niere reichen bis zu 24 Stunden", erklärt Kirste. Dass Organe entnommen werden, für die es dann keinen Empfänger gibt, komme nicht vor. Denn "es herrscht ein eklatanter Mangel an Spenderorganen, sodass es immer geeignete Empfänger gibt", sagt der Mediziner.

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Kommentare

185 Kommentare Seite 1 von 23 Kommentieren

So kann man es sehen. Aber zynisch ist das.

Gäbe es mehr Raucher, gäbe es weniger Bedürftige.

Ich habe erhebliche Zweifel, ob die Organe gerecht verteilt werden. Prominente und Privatversicherte bekommen bestimmt viel eher Organe transplantiert. Es rentiert sich ja auch mehr.

Kassenpatienten sind doch die allerletzten, die einen Termin bekommen. Warum sollte das bei Organen anders sein?

Wer schlechter versogt ist, stirbt eher. Wer gut versogt wird, ist seltener Organspender.

Organspender im Zweiklassensystem - och nee

Vielleicht sollte man dem potentiellen Schlachtvieh zuerst die Impressionen vermitteln, dass unser Gesundheitssystem alle gleich behandelte (was faktisch falsch ist).

Wenn der durchschnittliche Patient - lassen wir Kinder einmal außen vor - an jeder Ecke merkt, dass er zur Seite treten darf, wenn die Ärzteschaft einen Privatpatienten wittert, woher soll denn das Vertrauen kommen, das Organe da ankommen, wo sie gespendet werden?

Kassenpatienten spenden, Privatpatienten profitieren - dieser Vorwurf steht wenigstens gerichtlich im Raum. In den Köpfen der Bevölkerung ist er logischerweise verankert.

Meinen Organspendeausweis habe ich vor einiger Zeit weggeworfen.

Menschen ausschlachten!

Ich bin selbst Nierentransplantierter und ich sehe keinen Grund, warum man tote Menschen nicht ausschlachten dürfte, so lange Kranken dadurch geholfen werden kann. Religiöse Gründe sind für mich keine erkennbar, außerdem kann man ja immer noch begraben werden. Man verliert ja höchstens Herz, Lunge, Nieren und Leber. Dadurch kann das Leiden von Kranken sofort um ein Vielfaches verringert werden.

Und die Würmer bzw. das Feuer interessieren sich nicht dafür, ob dem Körper ein paar Organe fehlen.

Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

Ich verurteile niemanden

Ich sage nur, dass sich jeder Mensch mal darüber klar werden sollte, was nach seinem Tod mit dem Körper (und nicht der Seele) passiert. Meinetwegen gibt es ein Leben nach dem Tod, trotzdem verfault der Körper - von Würmern zerfressen - unter der Erde. Warum soll man nicht mit den Organen etwas Gutes tun? Kümmert es Gott, ob man mit einem vollständigen oder unvollständigen Geisterkörper zu ihm fährt? Kann ich mir nicht vorstellen.

Für mich undenkbar, ...

denn wenn ich tatsächlich tot bin, interessiert sich kein Mediziner für meine Organe. Der Zerfall beginnt im Moment des Todes. Ich muss also am Leben sein und das Bewußtsein muss ausgeschaltet sein, sodass man das Hirn als tot analysiert und damit einen relativ neuen Todesbegriff nutzt.

Das ist für mich undenkbar, denn das bedeutet, einem lebenden Organismus, dessen Hirn - also ein Organ - den Dienst versagt hat und das reicht mir schlicht nicht aus.

So einfach kann man es sich meines Erachtens nicht machen nur weil es einen Bedarf gibt und seit einigen Jahren technisch und pharmazeutisch die Möglichkeit gibt, die noch funktionierenden Organe bei Menschen mit Hirnfunktion zu nutzen.

Für mich geht das ethisch nicht.

Nicht funktionierende Organe

Ich kann ihre Sorge verstehen, bitte sie aber zu bedenken, dass es seit Anbeginn der Menschheit völlig normal ist mit zerstörten Organen zu sterben.

Bei Krebspatienten sind die Organe voller Tumore, bei Leuten mit Herzinfarkt versagt das Herz, bei Diabetis sind es die Nieren und beim Schlaganfall das Hirn - bei Gewalteinwirkung kann es auch alles das zusammen sein.

Ich werde mich für eine Spende entscheiden, denn wenn ich einmal sterbe gibt es für meine Organe eigentlich nur 4 Möglichkeiten:
- Sie sind ohnehin defekt und der Grund für mein Ableben,
- Einige funktionieren noch und verbrennen dann,
- Einige funktionieren noch und vergammeln dann,
- Einige funktionieren noch und helfen dann anderen Menschen.

Warum sind sie selber nicht Spender geworden?

<>

Wenn ich Ihre selbstherrliche Art sehe, mit welcher Sie über die Organe anderer verfügen möchten - dann stellt sich mir die Frage: Warum sind Sie nicht gestorben und haben die restlichen Ihrer Organe an andere Menschen gegeben?
Sie vergessen hier, dass es Ihr Körper ist, der aufgrund von mangelnder Gesundheit, schlechter Lebensführung oder ähnlichem nicht mehr funktionsfähig war/ist.
Einen Anspruch auf Ersatzorgane kann ich auch als nichtreligiöser Mensch nicht erkennen und würde ihn immer verneinen.
Würden Sie zustimmen, dass Ihr Besitz (Geld, Haus usw.) nach dem tot an einen anderen Menschen geht, der arm ist? Sie brauchen es doch dann sowieso nicht mehr.

verbrennen,vergammeln, helfen.

Es ist mir durchaus bewusst, dass meine Organe (ob nun in mir oder in meiner Asche) auf dieser Welt keinen Zweck mehr haben. Ich habe nur einfach zu großen Respekt für das was danach kommt. Sie und ich waren beide (ich gehe sehr stark davon aus) noch nicht Hirntod. Wir können nicht wissen, ob wir noch ein gewissen Bewusstsein für unseren Köper behalten..Ich habe einfach nur Angst.
Andererseits bewundere ich die Menschen, die sich dafür entscheiden sehr!
Ich werde meinen Teil dazu beitragen, in dem ich (wenn ich das mindest Alter erreicht habe)Blut und Plasma spenden gehe..

@christygoe

Ich schätze Ihre Kommentare meistens sehr und bin auch hier wieder ganz mit Ihnen einverstanden.
Aber: Wenn jetzt Ihre Tochter, Ihr Sohn, plötzlich Nierenversagen hätte...?
Sobald ich vom Abstrakten ins Persönliche und von der Position des Spenders zu der des Bedürftigen gehe, bin ich über meine "Ethik" in dieser Frage verunsichert.
(Ich klammere jetzt mal ältere Menschen aus; der neueste Trend nennt sich nämlich "Alt für Alt",d.h. es bekommen jetzt auch alte Menschen neue Organe, aber nur die von ebenfalls alten Menschen. Aber, wie gesagt, denken wir mal an UNSERE eigenen Kinder oder Enkelkinder....

Ich habe solche Fälle im Bekanntenkreis gehabt...

und kenne beides: Eltern, die Abschied nahmen, weil sie und auch das Kind nicht mehr weiter machen wollten und Eltern, die hofften, das Organ nach langem Weg erhielten, zweifelten und deren Kind nun lebt.

Ich bin sehr glücklich, dass ich bis jetzt nicht vor einer solchen Frage stand, habe es bei Kindern und jungen Erwachsenen allerdings bereits mit bekommen und war froh, dass es immer noch beide Wege gibt (Akzeptanz des Sterbens wie auch der Versuch alles medizinisch mögliche auszuschöpfen).

Was ich im Falle einer lebensbedrohenden Krankheit eines der Kinder tun würde, ist ein Gedankenspiel, das denen ähnelt, wie man sie früher Kriegsdienstverweigerern vorlegte, um ihnen klar zu machen, dass sie nicht wirklich pazifistisch sein könnten.

Vielleicht würde ich das Sterben akzeptieren - vielleicht würde ich fest halten - ich kann es nicht sagen, ob ich eins der Kinder gehen lassen könnte. Allerdings weiss ich, dass es beide Wege geben kann.

Respekt

Wer wie Sie von "Ausschlachten" von Toten spricht, läßt es zum Einen an Kenntnis (Organspender sind *nicht* tot, wenn die Organe entnommen werden) und zum anderen am gebotenen Respekt vor dem Sterbenden vermissen. Niemand hat irgendeinen *Anspruch* auf die Organe eines anderen Menschen! Falls Sie tatsächlich Nierentransplantierter sind, dann sollten Sie darüber mal nachdenken.

PS: Bin selbst Organspender - falls der Staat allerdings per *Default* einen Anspruch auf meine Organe anmelden würde (Widerspruchsregelung), dann würde ich mir das noch mal überlegen...

Tote müssen lebendig sein, um ein Organ spenden zu können

Nur Menschen, bei denen noch das Herz schlägt und das Gehirn quasi tot ist, sind für Organentnahme geeignet. Man definiert das Gehirn als Ort des Bewußtseins und der Empfingundsmöglichkeit und erklärt somit den Patienten für tot. Lebenserhaltende Maßnahmen am "Toten" werden abgeschaltet, während gleichzeitig das Herausschneiden- und sägen beginnt. Für den Empfänger ist dabei wichtig, dass alles mit Priorität getan wird, was die Qualität des Transplantats erhöht. Die Naturwissenschaft allein kann keine Auskunft darüber geben, was die Seele des Menschen bei diesem Vorgang erlebt. Insofern ist die beklagte Uninformiertheit bisher ein gewisser Schutz, je nach Standpunkt.