TierseucheNach Jahrhunderten ist die Rinderpest besiegt

Es ist das erste Mal, dass eine Tierseuche ausgerottet wurde. Die Rinderpest gibt es nicht mehr. Über Jahrhunderte löste sie Hungersnöte aus und prägte die Geschichte. von 

Afrika Cattle Rinderpest

2011 im Sudan: Ein Hirte treibt seine Viehherde eine Straße entlang.  |  © Spencer Platt/Getty Images

Es ist ein Festtag für die Welternährungsorganisation FAO . Sie kann heute endgültig verkünden, dass die Rinderpest ausgerottet ist. "Sie ist die erste Tierseuche, die jemals ausgelöscht werden konnte, und nach den Pocken beim Menschen erst die zweite Krankheit überhaupt, die ausgerottet wurde", sagte Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, in einer Erklärung.

Erstmals beschrieben wurde die Tierseuche in Papyrus-Überresten aus dem alten Ägypten. Datiert wurden diese Schriftstücke auf eine Zeit um das Jahr 1800 vor Christus . Seit dem der Mensch Viehzucht betreibt, hat die Rinderpest – ausgehend von Asien über Europa bis nach Afrika – Millionen Rinder, Büffel, Ziegen, Schafe, Hausschweine und die mit diesen Haustieren verwandten Wildtiere dahingerafft. Hungersnöte und große wirtschaftliche Verluste waren die Folge.

Anzeige
Das Virus

Rinderpest ist eine Virus-Infektion, die Paarhufer befällt, vor allem Rinder und Büffel. Auch Hausschweine, Ziegen, Schafe, Yaks und anderes Hausvieh können an Rinderpest erkranken.

Ebenso bekannt sind Infektionen von Wildtieren, wie etwa Giraffen, Antilopen oder Flusspferden.

Der Erreger gehört zur Familie der Paramyxoviridae.

Die Erkankung

Die Rinderpest wird via Tröpfcheninfektion übertragen und hat eine Inkubationszeit von etwa zwei Wochen. Danach bekommen infizierte Tiere Fieberschübe. Die Tiere fressen nichts mehr, die Schleimhäute in Mund, Nase und Augen entzünden sich. Schließlich bekommen die Tiere schweren Durchfall. Die meisten sterben nach etwa einer Woche.

Und sogar die Geschichte soll die Rinderpest beeinflusst haben: So breitete sich der Erreger mit den Völkerwanderungen aus, wurde angeblich sogar als erste biologische Waffe missbraucht und soll zum Fall des Römischen Reiches zumindest beigetragen haben. Auch im Vorfeld der Französischen Revolution kam es zu Hungersnöten, nachdem unzählige Viehherden dem Virus zum Opfer gefallen waren.

In den vierziger und fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts starben in Europa etwa 200 Millionen Rinder an der Seuche, die ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren erreichte: Damals kam es zu einer Pandemie, die von Skandinavien bis nach Südafrika Viehherden tötete und so in vielen Regionen der Erde Hungersnöte auslöste. In Deutschland ist die Rinderpest seit 1881 nicht mehr aufgetreten. Den letzten europäischen Ausbruch gab es 1954 in Italien.

Für unzählige kleine Bauern sei der Sieg über die Seuche ein wichtiger Schritt zu mehr Wohlstand, sagte FAO-Generalsekretär Diouf. Außerdem werde durch die Ausrottung der Rinderpest sichergestellt, dass sich das Virus nicht über die globalisierte Lebensmittelkette ausbreiten kann.

Leserkommentare
    • Khef
    • 28. Juni 2011 6:55 Uhr

    etwas für absolut "ausgerottet" zu erklären.

    Ganz im wissenschaftlichen Sinne ist es vielleicht "vorläufig bestätigt", dass es im Moment keine Rinderpest mehr gibt. Für verifiziert halte ich das jedoch noch lange nicht. Man sollte die Anpassungsfähigkeit von Viren nicht unterschätzen, vielleicht wird es diesen Virus in der heute bekannten Form tatsächlich niemals mehr geben (was niemand genau sagen kann), ich persönlich jedoch halte es nicht für unwahrscheinlich, dass irgendwann eine Mutation des Virus auftauchen wird....

  1. "Krankheitskeime warten stets auf ein Comeback"

  2. dass Impfungen nichts bringen!
    Im Ernst: Glückwunsch an alle Beteiligten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Aussage ist falsch und leer.

    • otto_B
    • 28. Juni 2011 8:02 Uhr

    verschiedenes zum Thema:

    Pandemie
    soweit mir bekannt, sind mit dem "demos" Menschen gemeint. Für Tiere sagt man "Seuche".

    Kolonialismus
    So schlecht kan es ja wohl nicht gewesen sein was die Briten in Afrika getan haben. Oder gehört eine derartige Historie auch mit zum "finsteren kolonialen Erbe"?

    Tiere
    Was sagen eigentlich Veganer zu diesem Erfolg?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • paliki
    • 28. Juni 2011 8:30 Uhr

    was Veganer zur Ausrottung der Rinderpest sagen? Also ich zum Beispiel würde mich der ersten Meinung im Forum hier anschließen, andere Veganer denken u.U. aber ganz anders über das Thema. Mir erschließt sich übrigens nicht so ganz, warum Sie meine Ansicht als >Veganer< überhaupt interessiert. Ist es wegen der 'Ausrottung' des Rinderpestvirus? Sie halten Viren doch nicht etwa für Tiere, oder? Falls doch, bitte noch mal bei Wikipedia nachschlagen, dann dürfte sich die Frage erübrigen ;)

    hat britischer kolonialismus mit der ausrottung der rinderpest zu tun?

    • paliki
    • 28. Juni 2011 8:30 Uhr

    was Veganer zur Ausrottung der Rinderpest sagen? Also ich zum Beispiel würde mich der ersten Meinung im Forum hier anschließen, andere Veganer denken u.U. aber ganz anders über das Thema. Mir erschließt sich übrigens nicht so ganz, warum Sie meine Ansicht als >Veganer< überhaupt interessiert. Ist es wegen der 'Ausrottung' des Rinderpestvirus? Sie halten Viren doch nicht etwa für Tiere, oder? Falls doch, bitte noch mal bei Wikipedia nachschlagen, dann dürfte sich die Frage erübrigen ;)

    Antwort auf "dreiwas"
  3. hat britischer kolonialismus mit der ausrottung der rinderpest zu tun?

    Antwort auf "dreiwas"
    • W4YN3
    • 28. Juni 2011 9:30 Uhr

    ...hat in seinem Bio-Labor noch einen Virenstamm aufgehoben, sei es aus Sentimentalität, Sammlerfreude oder weil man es ja gegen ein anderes Land einsetzen könnte - aber wer sowas behauptet, leidet ja unter Verfolgungswahn.

    Eine schöne, einmalige Chance, doch der Faktor Mensch wird's wieder vermasseln.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in den Gefrierschränken einiger weniger ziviler und militärischer Hochsicherheitslabore.

    Bei aller Euphorie, so sicher ist man sich mit der Ausrottung dann wieder doch nicht. Diese Reserven werden benötigt, um bei der Erzeugung eines Impfstoffs Zeit zu gewinnen. Und um, so sagt man uns zumindest, sich auf die Abwehr biologischer Kampfstoffe vorzubereiten.

    • quax74
    • 28. Juni 2011 9:48 Uhr

    Dürfen Biorinder eigentlich geimpft werden?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jacques Diouf | FAO | BSE | Epidemie | Hungersnot | Massentierhaltung
Service