Tierseuche : Nach Jahrhunderten ist die Rinderpest besiegt

Es ist das erste Mal, dass eine Tierseuche ausgerottet wurde. Die Rinderpest gibt es nicht mehr. Über Jahrhunderte löste sie Hungersnöte aus und prägte die Geschichte.
2011 im Sudan: Ein Hirte treibt seine Viehherde eine Straße entlang. © Spencer Platt/Getty Images

Es ist ein Festtag für die Welternährungsorganisation FAO . Sie kann heute endgültig verkünden, dass die Rinderpest ausgerottet ist. "Sie ist die erste Tierseuche, die jemals ausgelöscht werden konnte, und nach den Pocken beim Menschen erst die zweite Krankheit überhaupt, die ausgerottet wurde", sagte Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, in einer Erklärung.

Erstmals beschrieben wurde die Tierseuche in Papyrus-Überresten aus dem alten Ägypten. Datiert wurden diese Schriftstücke auf eine Zeit um das Jahr 1800 vor Christus . Seit dem der Mensch Viehzucht betreibt, hat die Rinderpest – ausgehend von Asien über Europa bis nach Afrika – Millionen Rinder, Büffel, Ziegen, Schafe, Hausschweine und die mit diesen Haustieren verwandten Wildtiere dahingerafft. Hungersnöte und große wirtschaftliche Verluste waren die Folge.

Und sogar die Geschichte soll die Rinderpest beeinflusst haben: So breitete sich der Erreger mit den Völkerwanderungen aus, wurde angeblich sogar als erste biologische Waffe missbraucht und soll zum Fall des Römischen Reiches zumindest beigetragen haben. Auch im Vorfeld der Französischen Revolution kam es zu Hungersnöten, nachdem unzählige Viehherden dem Virus zum Opfer gefallen waren.

In den vierziger und fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts starben in Europa etwa 200 Millionen Rinder an der Seuche, die ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren erreichte: Damals kam es zu einer Pandemie, die von Skandinavien bis nach Südafrika Viehherden tötete und so in vielen Regionen der Erde Hungersnöte auslöste. In Deutschland ist die Rinderpest seit 1881 nicht mehr aufgetreten. Den letzten europäischen Ausbruch gab es 1954 in Italien.

Für unzählige kleine Bauern sei der Sieg über die Seuche ein wichtiger Schritt zu mehr Wohlstand, sagte FAO-Generalsekretär Diouf. Außerdem werde durch die Ausrottung der Rinderpest sichergestellt, dass sich das Virus nicht über die globalisierte Lebensmittelkette ausbreiten kann.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich halte es für fragwürdig,

etwas für absolut "ausgerottet" zu erklären.

Ganz im wissenschaftlichen Sinne ist es vielleicht "vorläufig bestätigt", dass es im Moment keine Rinderpest mehr gibt. Für verifiziert halte ich das jedoch noch lange nicht. Man sollte die Anpassungsfähigkeit von Viren nicht unterschätzen, vielleicht wird es diesen Virus in der heute bekannten Form tatsächlich niemals mehr geben (was niemand genau sagen kann), ich persönlich jedoch halte es nicht für unwahrscheinlich, dass irgendwann eine Mutation des Virus auftauchen wird....

dreiwas

verschiedenes zum Thema:

Pandemie
soweit mir bekannt, sind mit dem "demos" Menschen gemeint. Für Tiere sagt man "Seuche".

Kolonialismus
So schlecht kan es ja wohl nicht gewesen sein was die Briten in Afrika getan haben. Oder gehört eine derartige Historie auch mit zum "finsteren kolonialen Erbe"?

Tiere
Was sagen eigentlich Veganer zu diesem Erfolg?

Lieber OttoB,

was Veganer zur Ausrottung der Rinderpest sagen? Also ich zum Beispiel würde mich der ersten Meinung im Forum hier anschließen, andere Veganer denken u.U. aber ganz anders über das Thema. Mir erschließt sich übrigens nicht so ganz, warum Sie meine Ansicht als >Veganer< überhaupt interessiert. Ist es wegen der 'Ausrottung' des Rinderpestvirus? Sie halten Viren doch nicht etwa für Tiere, oder? Falls doch, bitte noch mal bei Wikipedia nachschlagen, dann dürfte sich die Frage erübrigen ;)