Vor allem Kirchen und Behindertenverbände geht die Entscheidung des Bundestags zu weit, die Präimplantationsdiagnostik (PID) weiter zuzulassen. Positiv würdigten sie lediglich, dass sich die Abgeordneten die Entscheidung nicht leicht gemacht haben.

"Sie haben sich Zeit gelassen, mit großem Ernst gedacht und diskutiert und, wie es dieser Sache angemessen ist, fraktionsübergreifend der persönlichen Entscheidung Raum gegeben", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Der Bundestag hatte zuvor beschlossen, die Gentests an Embryonen in bestimmten Fällen weiter zu erlauben. Die Abgeordneten hatten über drei Anträge zu entscheiden, die Fraktionsdisziplin war aufgehoben.

Auf den Gesetzentwurf der FDP-Abgeordneten Ulrike Flach und anderer entfielen 326 Stimmen. Der Entwurf für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik erhielt 260 Stimmen. Acht Abgeordnete enthielten sich. Ein Kompromissentwurf war mit 58 Stimmen in zweiter Lesung gescheitert.

Mutig und wegweisend: Der Bundestag hat endlich Rechtssicherheit für die Embryonenauswahl im Labor geschaffen.

Ärzte gegen "Designerbabys"

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, bezeichnete die Selektion von menschlichen Embryonen als Verstoß gegen das Achtungsgebot der Menschenwürde. "Wir bedauern die heutige Entscheidung zur PID zutiefst“, sagte Zollitsch. "Umso mehr drängen wir nun mit Nachdruck darauf, die im Gesetz erwähnten Ausnahmefälle, in denen die PID nicht rechtswidrig sein wird, eng zu umgrenzen". So solle die willkürliche Anwendung und die Gefahr einer immer weiteren Ausdehnung ausgeschlossen werden.

Auch Deutschlands Ärzte wollen sich für eine enge Begrenzung bei der Präimplantationsdiagnostik einsetzen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, sagte: "Wir Ärzte werden Verantwortung übernehmen, dass dieses Verfahren unter kontrollierten Bedingungen und nur bei vorheriger fachkundiger Beratung angewendet wird." So soll die PID nicht zum Routineverfahren werden. Sie müsse auf wenige und ganz bestimmte Indikationen begrenzt werden, fordert Mongomery. "Mit uns wird es kein Designerbaby geben und auch kein sogenanntes Retterbaby, das nur einem erkrankten Kind als Ersatzteillager dienen soll."

Gegen die PID als Standardverfahren äußerte sich auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Ihr Vorsitzender Robert Antretter sagte: "Viele Menschen mit Behinderungen müssen diese Entscheidung als diskriminierend empfinden."