Das Dankesschreiben klingt beeindruckend: "Meine Hitzewallungen haben deutlich abgenommen und jetzt, nach drei Wochen, bin ich praktisch beschwerdefrei", schreibt eine Teilnehmerin. Vorher sei sie im Job stündlich von einer solchen Welle überflutet worden, nachts sei sie alle zwei Stunden schweißgebadet aufgewacht. "Jetzt schlafe ich wieder durch und schwitze überhaupt nicht mehr. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass sich mein Leben geändert hat."

Vorher – nachher: Den Einschnitt markiert in diesem Fall nicht ein Hormonpräparat, sondern ein Seminar, in dem die Mittfünfzigerin Techniken des "Hormonyoga" erlernte. Mit Körperspannung und speziellen Atemtechniken soll dabei zum Beispiel Energie gezielt und nacheinander in beide Eierstöcke geleitet werden. Bei einer der Übungen halten die Frauen die Luft an, spannen gleichzeitig den Schließmuskel an, konzentrieren sich auf den linken oder rechten Eierstock und atmen anschließend langsam und konzentriert aus.

Dynamische Übungen sollen Hormondrüsen anregen

"Hormonyoga" ist ein wachsender Trend in der Yogaszene. "Es zeichnet sich – anders als klassisches Hatha Yoga – durch dynamische Yoga- und Atemübungen aus, die einerseits Hormondrüsen wie Eierstöcke oder Schilddrüse anregen, andererseits verschiedene Körperareale intensiv durchströmen, energetisieren und tief entspannen", erklärt die Sozialpädagogin und Yogalehrerin Simone Lauterbach, die im Berliner Bötzowviertel das Studio "Yoga2be" betreibt. "Hormonyoga kann auch als hormonelle Yoga-Therapie bezeichnet werden. Denn es steigert die Hormonproduktion und ist so eine natürliche Alternative zur hormonellen Ersatztherapie."

Als Erfinderin des "Hormonyoga" für Frauen gilt die brasilianische Psychologin Dinah Rodrigues, Jahrgang 1927, deren Buch 2005 auch in Deutschland erschienen ist. Sie hat ein besonders dynamisches Programm zusammengestellt, das ihrer Ansicht nach geeignet ist, in jedem Alter auf den Regelkreis der weiblichen Geschlechtshormone einzuwirken und Eierstöcke, Hirnanhangdrüse und Nebennieren zu aktivieren.

Yoga in seinen verschiedenen Varianten erfreut sich in den westlichen Ländern weiter steigender Beliebtheit, vor allem die Körper- und Atemübungen. Dass regelmäßige achtsame, kraftvolle, dabei aber nicht leistungsorientierte Bewegung und bewusstes Atmen gut tun, haben inzwischen viele persönlich erlebt. Aber kann Yoga auch direkt Einfluss nehmen auf hormonelle Regelkreise, die die Fortpflanzung des Menschen steuern?

Studien, die harten wissenschaftlichen Kriterien genügen würden, fehlen. Bisher gibt es allenfalls Dokumentationen einzelner Fälle. So hat sich im Jahr 2007 die Schweizer Yogalehrerin Ruth Bluttner zusammen mit dem Mediziner Rolf-Dieter Hesch daran gemacht, den Erfolg wenigstens bei zehn Frauen und auch bei acht Männern zu objektivieren.

Bei einer Minderheit der Frauen stellten sie nach mehrwöchigem Training eine Erhöhung der Hormone fest, die die Eireifung stimulieren. Rund um den "Wechsel" sind die Schwankungen hier allerdings meist heftig. Nur die Frauen, nicht die Männer, berichteten zudem über ein besseres Körpergefühl, eine allgemeine Aktivierung der Lebenskräfte, über Gewichtsabnahme und Verringerung des Taillenumfangs. Das sind allerdings Effekte, die auch andere sportliche Aktivitäten mit sich bringen. Dass körperliche Aktivität das Wohlbefinden steigert und vor zahlreichen Leiden schützt, ist inzwischen hinreichend gesichert.