50 Tote und mehr als 4.300 registrierte Ehec-Fälle – das ist die Bilanz einer Epidemie, die sich von Mai bis Juni von Deutschland aus über Europa bis in die USA erstreckte. Der aggressive Darmkeim löste bei mehr als 700 Menschen das hämolytisch-urämische Syndrom (Hus) aus, mit Nierenversagen oder sogar Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen. Die Quelle des Darminfekts waren aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen und die daraus gezüchteten Sprossen. Wie der Keim an die Sprossensamen kam, ist bis heute ein Rätsel.

Inzwischen hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Ehec-Epidemie für beendet erklärt. Für Wissenschaftler geht die Arbeit weiter. Sie untersuchen, welche Teile des Ehec-Erbguts den Stamm so verheerend machten und entwickeln neue Schnelltests zur Diagnose – und zur schnelleren Seuchenbekämpfung.

Was wir aus dem Ausbruch lernen können, war Thema eines Expertengesprächs in Berlin, zu der der Berufsverband der Wissenschaftsjournalisten WPK Ende Juli eingeladen hatte. "Sinnvoll wäre ein fortlaufendes Monitoring der kursierenden Erreger, auch ohne konkreten Verdachtsfall oder Ausbruch einer Epidemie", sagte der Hygieniker Georg Baljer von der Universität Gießen dort. "Außerdem sollte es zu Referenzzwecken Stammsammlungen geben, um im Verdachtsmoment Erreger möglichst schnell identifizieren zu können."

Der aktuelle Ehec-Stamm war schnell zugeordnet. Dank einer Sammlung, in der Proben isolierter Keime lagern, die der Münsteraner Mikrobiologe Helge Karch seit 1996 auf eigene Initiative pflegt. Bakterien-Bibliotheken wären auch auf europäischer oder sogar globaler Ebene sinnvoll, sagt Karch. "Es ist wichtig, die Stämme für die Nachwelt zu erhalten", sagte Karch ZEIT ONLINE.

Denn genauso wie alte DNA-Proben aus der Asservatenkammer nach Jahrzehnten noch Mörder überführen können, helfen Bakterien-Datenbanken in Zukunft, die Evolution von Bakterien mit neuen Technologien zu erforschen. Hinzu kommt: Vergessene Keime können jederzeit wieder auftreten . Und dann helfen Daten zum Abgleich bei der Suche nach dem Ursprung einer Epidemie.