Wegen des großen Mangels an Spenderorganen will Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die Krankenversicherten zu ihrer Bereitschaft zur Organspende befragen lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen dazu verpflichtet werden, ihre Mitglieder bei der Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende zu informieren. Außerdem sollen sie ihre Mitglieder zu einer Erklärung über die Spendenbereitschaft auffordern. Die Antwort der Versicherten soll in einem Organspendeausweis notiert werden.

Sie kann positiv, negativ oder unentschlossen ausfallen, denn die Befragten können auch erklären, dass sie sich zunächst nicht entscheiden möchten, berichtet die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf den Gesetzentwurf des Ministeriums. 

Den Spendeausweis sollen die Versicherten von ihrer Krankenkasse erhalten. Die Kassen werden zudem verpflichtet, qualifizierte Ansprechpartner zu benennen, an die sich jeder bei Fragen wenden kann. Die Privatkassen, die sich an der Ausgabe der Gesundheitskarte nicht beteiligen, sollen ihre Versicherten ebenfalls befragen.

Jährlich geht etwa ein Viertel der etwa 12.000 Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, leer aus. Zwar sind viele Menschen tendenziell bereit, nach ihrem Tod ihre Organe zu spenden, oft haben sie aber keinen Spendeausweis ausgefüllt. Das stellt insbesondere die Angehörigen im Ernstfall vor das Problem, den Willen ihres gerade verstorbenen Familienmitglieds im Krankenhaus zu erklären – sofern sie diesen überhaupt kennen.

Im Bundestag werben die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, derzeit ebenfalls dafür, Bürger stärker zu einer Entscheidung zu bewegen. Kauder und Steinmeier, hatten vorgeschlagen, die Zahl der gespendeten Organe zu erhöhen, indem jeder Bürger mehrfach in seinem Leben nach seiner Bereitschaft dazu gefragt werde, beispielsweise bei der Ausgabe des Passes oder Führerscheins. Bahr hatte daraufhin betont, es dürfe keinen Zwang zur Entscheidung geben.

Die Bundesärztekammer war zuletzt von der Forderung nach einer Erklärungspflicht für die Organspende abgerückt. Dies sei mit dem Grundgesetz kaum vereinbar, hieß es zur Begründung.