Die drei unterschiedlichen Zellen des menschlichen Blutes: Erythrozyt, Thrombozyt und Leukozyt

Wenn Krebs frühzeitig erkannt wird, lässt er sich in den meisten Fällen gut behandeln. Das Tückische: Gerade im Anfangsstadium treten meist keine Beschwerden auf, sodass die Krankheit oft zu spät entdeckt wird.

Deshalb arbeiten Mediziner und Biologen an Methoden, Krebs frühzeitig und zuverlässig zu diagnostizieren. Einem Team deutscher Forscher ist es nun gelungen, die Grundlage für einen möglichen Bluttest zu schaffen, der in der Testphase eine Trefferquote von rund 90 Prozent aufwies, wie im Fachmagazin Nature Methods veröffentlicht wurde

Dafür fahndeten die Forscher um Andreas Keller in Blutproben von Krebspatienten nach Biomarkern, also Merkmalen, die natürlicherweise im Körper vorkommen, abhängig davon, in welchem Zustand er sich gerade befindet. Die Grundannahme ist, dass ein kranker Körper andere Biomarker aufweist, als ein gesunder.

In Blutproben von Krebspatienten fanden die Forscher hunderte verschiedene microRNA-Moleküle, die aus ähnlichen Bausteinen wie die DNA bestehen. Die RNA-Schnipsel regulieren, welche Erbinformationen umgesetzt werden. Tatsächlich ging der Plan der Wissenschaftler auf: Sie fanden für jede der untersuchten Krebsart ein ganz bestimmtes microRNA-Muster im Blut der Versuchspersonen.

"Insgesamt hat der Test eine hohe Spezifität für die einzelnen Krankheitsbilder gezeigt, die diagnostisch gut voneinander und von gesunden Kontrollgruppen unterschieden werden konnten", sagt Jörg Wischhusen von der Würzburger Universitätsklinik, der auf die Erforschung von Eierstockkrebs spezialisiert ist.

Die Wissenschaftler hoffen, mit dieser Methode künftig neben Krebs auch andere Erkrankungen sicher diagnostizieren zu können. Für Multiple Sklerose ist das bereits gelungen. Bis diese Art des Gesundheitschecks marktreif wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Das betonen auch die beteiligten Forscher.