HormoneVäter haben weniger Testosteron

Wenn Männer wenig Testosteron im Blut haben, macht sie das sanfter und sozialer. Das sei biologisch ideal für die Aufgaben als Vater, sagen US-Forscher. Von H. Wewetzer. von Hartmut Wewetzer

Männer sind möglicherweise für ihre Rolle als Väter biologisch programmiert. Das behaupten Anthropologen der Northwestern-Universität in Evanston im US-Bundesstaat Illinois. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron deutlich sinkt, sobald ein Mann Vater geworden ist. Testosteron ist ein Sexualhormon, zu dessen Aufgaben es gehört, die Fortpflanzungschancen zu erhöhen. Es lässt Muskeln schwellen, stimuliert Sexualtrieb und Potenz und fördert ein aggressives Konkurrenzverhalten. Sinkt der Testosteron-Spiegel, werden Männer sanfter und sozialer.

"Vaterschaft und die Verpflichtungen durch ein Baby erfordern emotionale, seelische und körperliche Anpassungen", sagt Lee Gettler, einer der Autoren der im Fachblatt PNAS erschienenen Untersuchung . "Unsere Studie deutet darauf hin, dass die männliche Biologie sich erheblich ändern kann, damit man diesen Anforderungen gerecht wird."

Anzeige

Aus Untersuchungen an männlichen Tieren, die an der Brutpflege beteiligt sind, weiß man, dass das Testosteron in Fortpflanzungsphasen erhöht ist. Es sinkt ab, sobald sich Nachwuchs einstellt. Beim Menschen war dieser Zusammenhang vermutet, aber bislang nicht schlüssig belegt worden. Das ist nun geglückt. An der Studie nahmen 624 Männer auf den Philippinen im Alter zwischen 21 und 26 Jahren teil, deren weiteres Schicksal über viereinhalb Jahre verfolgt wurde.

Es stellte sich heraus, dass Männer mit hohem Testosteron-Spiegel mit größerer Wahrscheinlichkeit Vater wurden. Bei den Vätern sank das Testosteron dann um ein Viertel (morgens) bis zu einem Drittel (abends) ab. Männer, die sich drei Stunden oder mehr um ihr Kind kümmerten, hatten weniger von dem Hormon im Blut als Männer, die keine Zeit auf ihr Baby verwendeten. Besonders groß ist der Rückgang des Testosterons beim ersten Kind. Die Sexualhormon-Konzentration steigt nach einiger Zeit wieder.

Mit Hilfe des Testosteron-Spiegels im Blut reagiert der Körper aus Sicht der Evolution auf wichtige Bedürfnisse: Er ist hoch, wenn es um Fortpflanzung geht, und wird unterdrückt, um das Gedeihen des Nachwuchses und damit dessen Überlebenschancen durch männliche Obhut zu erhöhen.

Aber auch Männer können von ihrem Vatersein profitieren, vermuten die Forscher. Verheiratete Männer und Väter sind oft bei besserer Gesundheit als Einzelgänger. "Wenn Männer niedrigere Testosteron-Spiegel haben, kann sie das gegen manche chronische Krankheiten besser schützen", sagt Studienautor Christopher Kuzawa . Beispiele seien Prostatakrebs und erhöhte Blutfette.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. So manchmal frage ich mich nach dem Sinn dieser Studien und deren Veröffentlichung in den Medien. Ich verbuche solche Artikel unter der Rubrik nutzloses Wissen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ortrun
    • 14. September 2011 12:14 Uhr

    In meinen Augen macht es generell keinen Sinn, Wissen in "nützlich" und "nutzlos" zu unterteilen. Ob Wissen sich als nützlich erweist, weiß man sowieso immer erst hinterher. Wer nur nach "nützlichem" Wissen sucht, wird niemals eine unerwartete Entdeckung machen sondern verurteilt den Fortschritt zum Stillstand.

    • redfox
    • 15. September 2011 22:15 Uhr

    Ich denke, Sie könnten aus dem Artikel lernen, dass es wohl mitnichten so ist, dass die Natur Männer dazu vorgesehen hätte ihre Spermien möglichst weit zu verteilen. Im Gegenteil scheint nun endlich erwiesen, dass auch sie selbst davon profitieren, wenn sie fürsorglich beim Nachwuchs bleiben um ihn ins & durchs Leben zu begleiten.

    Das hätte man auch so vermuten können.
    Aber wohl erst durch die Verbindung mit Studien über Hormonwerte erhält diese logische These ihre Seriösität.

    Es geht ja auch schließlich gegen ein (lange proklamiertes) Männlichkeitsbild... klar, dass nicht alle das gleich verstehen und akzeptieren wollen.

    • Ortrun
    • 14. September 2011 12:14 Uhr

    In meinen Augen macht es generell keinen Sinn, Wissen in "nützlich" und "nutzlos" zu unterteilen. Ob Wissen sich als nützlich erweist, weiß man sowieso immer erst hinterher. Wer nur nach "nützlichem" Wissen sucht, wird niemals eine unerwartete Entdeckung machen sondern verurteilt den Fortschritt zum Stillstand.

    Antwort auf "Sinn dieses Artikels"
  2. Verheiratete Männer und Väter sind oft bei besserer Gesundheit als Einzelgänger. "Wenn Männer niedrigere Testosteron-Spiegel haben, kann sie das gegen manche chronische Krankheiten besser schützen.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    • redfox
    • 15. September 2011 22:15 Uhr

    Ich denke, Sie könnten aus dem Artikel lernen, dass es wohl mitnichten so ist, dass die Natur Männer dazu vorgesehen hätte ihre Spermien möglichst weit zu verteilen. Im Gegenteil scheint nun endlich erwiesen, dass auch sie selbst davon profitieren, wenn sie fürsorglich beim Nachwuchs bleiben um ihn ins & durchs Leben zu begleiten.

    Das hätte man auch so vermuten können.
    Aber wohl erst durch die Verbindung mit Studien über Hormonwerte erhält diese logische These ihre Seriösität.

    Es geht ja auch schließlich gegen ein (lange proklamiertes) Männlichkeitsbild... klar, dass nicht alle das gleich verstehen und akzeptieren wollen.

    Antwort auf "Sinn dieses Artikels"
  3. ...wird von anderen Wissenschaftlern bestritten. Nicht niedrige T-Werte verbessern die Gesundheit des i.d.R. risikoaffinen Edelzeugers, sondern der Rückzug aus dem Wettbewerb und die Ermahnungen der Frau, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen.

    Wer als Mann genug Grips hat, sich darum selbst zu kümmern und den Damen nicht ihre Reproduktionsgelüste finanziert, lebt genauso gesund und vermeidet Verarmung und Demütigung.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Baby | Biologie | Evolution | Konzentration | Nachwuchs | Prostatakrebs
Service