Er solle sich darauf einstellen, dass es diesmal noch viel stressiger werden könne als bei der Schweinegrippe. Das schärften dem frisch gebackenen Gesundheitsminister Daniel Bahr seine Mitarbeiter ein, als er am 19. Mai, eine Woche nach seinem Amtsantritt, mit dem Ehec -Ausbruch konfrontiert war.

Tatsächlich stellte der bisher größte Ausbruch von Erkrankungen nach einer Infektion mit dem enterohämorrhagischen Escherichia-coli -Bakterium vom Typ O104:H4 (HUSEC041) in Deutschland eine Ausnahmesituation dar. Denn in keinem anderen bekannten Fall, hatte der Erreger bei so einem großen Anteil der Infizierten auch zum hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) geführt, der schwersten Komplikation mit Nierenversagen und neurologischen Störungen.

Die Zahlen aus dem gerade erschienenen Abschlussbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) über den Ausbruch im Frühsommer 2011: Insgesamt 3.842 Erkrankungen, davon 855 mit Hus. 53 Menschen starben an der Erkrankung.

Jetzt, gut sechs Wochen nachdem das RKI den Ehec-Ausbruch offiziell für beendet erklärt hat , zeigte sich Gesundheitsminister Daniel Bahr in einer Podiumsdiskussion auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie sehr zufrieden: "Besonders gut gelungen ist die Kooperation der Kliniken über Ländergrenzen hinweg." Hier komme den Nierenspezialisten, die sich um die Hus-Patienten kümmerten, ein besonderes Verdienst zu.

Schon am Vortag war auf dem Kongress, der bis zum 13. September läuft, das Tempo gelobt worden, mit dem die Sprossen als "schuldiges" Lebensmittel ausfindig gemacht waren. Für den Laien mag das überraschend sein, erlebte die Öffentlichkeit die Suche doch zunächst als eine Reihe von Misserfolgen.

Aber Gérard Krause, Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie beim RKI, zog einen Fall aus den USA zum Vergleich heran: Als dort im Jahr 2008 ein Ausbruch des Salmonellenstamms "Saintpaul" die Bevölkerung beunruhigte, dauerte die Suche sieben Wochen. An Durchfall waren Menschen erkrankt, die verseuchte Chilischoten gegessen hatten. Den wenigsten war das allerdings bewusst, denn das scharfe Gemüse bereicherte kleingeschnitten handelsübliche Tomatensaucen. Bis Sprossen, die aus Samen von ägyptischem Bockshornklee gezogen worden waren, als Quelle des Erregers vom Typ O104:H4 identifiziert wurden , dauerte es diesmal nur drei Wochen.

Sprossen gelten als "Tarnkappen-Lebensmittel"

Dabei sind auch die Sprossen in den Augen der Experten "Tarnkappen-Lebensmittel", an die die wenigsten Erkrankten denken, wenn sie den Speiseplan der vergangenen Tage durchgehen. Dass Ehec aus der "Beigabe" Sprossen stammte, ergab erst eine Befragung der Köche in einer Studie, in deren Rahmen den erkrankten Gästen Fotos der Gerichte gezeigt werden konnten. In allen 41 Lokalen und Kantinen, die mehrere Erkrankte besucht hatten, waren Sprossen eines Betriebs aus Niedersachsen serviert worden.

"Die Identifikation der Sprossen ist im weltweiten Maßstab eine Spitzenleistung", lobte Bahr. RKI-Präsident Reinhard Burger hob zudem die Leistung der Mikrobiologen um Helge Karch von der Uni Münster hervor, die schon kurz nach Bekanntwerden des Ausbruchs ein Nachweisverfahren für den Erreger vorlegen konnten.