Es ist eine Frage, die inzwischen seit Jahrzehnten die Gemüter erhitzt: Ist Strahlung aus Handys krebserregend? Und wie gefährdet waren die ersten Vieltelefonierer der achtziger und neunziger Jahre, die zum Teil noch mit Mobilfunkgeräten von der Größe einer Ein-Liter-Packung Milch hantierten, deren Strahlung um ein Vielfaches stärker war als die heutiger Kleinsthandys?

Immer wieder haben Wissenschaftler Studien dazu durchgeführt. Zuletzt meist mit dem Ergebnis, dass sich keine Gesundheitsgefährdung durch Handystrahlen nachweisen lässt. Eine 2005 veröffentlichte, an der Berliner Charité verfasste Arbeit, die Erbgutschädigungen durch Handystrahlung belegen sollte, wies gravierende Mängel auf und geriet zudem unter Fälschungsverdacht.

Jetzt geht die Debatte mit der Veröffentlichung neuer Ergebnisse aus Dänemark in eine neue Runde: Die Langzeitstudie ergab – wieder einmal – dass kein erhöhtes Krebsrisiko für die Nutzer von Handys bestehe.

Für die im Fachblatt British Medical Journal beschriebene Untersuchung hatten Forscher vom Krebsforschungsinstitut in Kopenhagen die Häufigkeit von Gehirntumoren bei allen Dänen im Alter von mindestens 30 Jahren untersucht, die ab 1982 und bis 1995 ein Mobiltelefon-Abonnement hatten.

Bei den insgesamt 358.403 Menschen ließ sich in dem Beobachtungszeitraum von 18 Jahren weder für Männer noch für Frauen ein erhöhtes Risiko für Gehirntumore ermitteln – verglichen mit dem von Menschen, die nicht als Handynutzer registriert waren. Insgesamt ermittelten die dänischen Forscher 10.729 Fälle von Tumoren im zentralen Nervensystem zwischen 1990 und 2007. Auch bei Menschen, die seit mehr als 13 Jahren registrierte Handynutzer waren, wurde keine deutlich erhöhte Krebsanfälligkeit ermittelt.

Methodisch ist der Zusammenhang schwer zu untersuchen

Allerdings wiesen die Forscher darauf hin, dass sie keine Daten über die jeweilige Häufigkeit der Handynutzung zur Verfügung hatten. Auch habe man keine Kinder oder Jugendlichen einbezogen. Zudem gebe es sicher falsche Zuordnungen: Menschen etwa, die als Handybesitzer registriert seien, dieses aber gar nicht nutzten – oder auch vieltelefonierende Menschen mit Firmenhandy, die als Nichtnutzer erfasst worden seien. Auch diejenigen, die sich erst nach 1995 ein Mobiltelefon zulegten, wurden als Nichtnutzer eingeordnet.

Die Frage, ob die Strahlung von Mobiltelefonen für den Nutzer gefährlich sein kann, ist auch unter Fachleuten heftig umstritten. Obwohl die meisten der rund 15 bekannteren Studien zur Handystrahlung kein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt haben, gibt es einige wenige Hinweise darauf, dass Gesundheitsschäden zumindest möglich wären.

Ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war Ende Mai zu dem Schluss gekommen, dass Mobilfunkstrahlung nach Prüfung der verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen als "möglicherweise krebserregend" einzustufen ist.

Am Sachstand hatte sich allerdings kaum etwas geändert, es war lediglich eine Zusammenfassung der vielen vorhandenen Ergebnisse versucht worden. Das Gremium habe Hinweise gesehen, dass die Felder krebserregend sein könnten, ohne dass dies derzeit im wissenschaftlichen Sinne als nachgewiesen gelten kann, hatte das Bundesamt für Strahlenschutz das Ergebnis erläutert.

Dass es so viele Studien zu diesem Thema gibt, liegt auch an methodischen Schwierigkeiten: Um genauere Daten zu bekommen, müssten Forscher den Handygebrauch jedes einzelnen Probanden viel genauer kennen: Welche Telefonmodelle hat er wie viele Jahre lang benutzt? Wie oft und lange hat er telefoniert? Hielt er das Handy dabei an den Kopf oder nutzte er Kopfhörer? Welchen anderen Risiken war er ausgesetzt?

Und diese Informationen müssten von extrem vielen Menschen vorliegen. Denn Hirntumore sind generell eine seltene Erkrankung: Eine leichte Häufung wäre erst bei einer sehr großen Kohorte auffällig. Zum Vergleich mit Nicht-Telefonierern müsste zudem ausgeschlossen sein, dass diese nicht indirekt doch Handystrahlen abbekommen. All diese Mängel lassen sich nicht ausräumen, und am Ende sind deshalb alle bisherigen – und wohl auch künftigen – Studien zu diesem Thema angreifbar.