GesundheitsvorsorgeBessere Prostatakrebs-Diagnose mit Ultraschall

Die Interpretation des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs ist schwierig. Eine Ultraschall-Untersuchung könnte eine gute Alternative sein. Von A. Müller-Lissner von 

Sie ist ein kleines, 20 bis allenfalls 40 Gramm leichtes Organ, versteckt unterhalb der Harnröhre gelegen. In der Statistik ist die Vorsteherdrüse aber an prominenter Stelle vertreten: Mit rund 58.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Prostatakrebs die häufigste Tumorerkrankung des Mannes, nach Darm und Lunge steht die Prostata (Vorsteherdrüse) an dritter Stelle, was die Krebstodesfälle beim männlichen Geschlecht betrifft.

Beschwerden verursacht Krebs an der unscheinbaren Drüse im Anfangsstadium keine. Ganz anders als die gutartige Vergrößerung der Prostata, an der viele Männer ab dem mittleren Lebensalter leiden.

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Längst nicht jeder Tumor der Vorsteherdrüse ist so bedrohlich, dass er sofort operiert oder bestrahlt werden müsste. In einigen Fällen ist aufmerksames Beobachten die klügere Strategie. Wenn es aber nötig ist, mit Stahl, Strahl oder Medikamenten vorzugehen, dann sind die Erfolgschancen am größten, solange der Tumor noch nicht in umliegendes Gewebe hineingewachsen ist oder Absiedlungen gebildet hat. Das spricht für sorgfältige und umsichtige Früherkennung.

Doch die Lage ist vertrackt. Zwar steht jedem Mann ab 45 Jahren einmal im Jahr eine Untersuchung zu, bei der Veränderungen der Prostata vom Enddarm aus ertastet werden. Doch einerseits hapert es mit der Akzeptanz der Untersuchung. Andererseits sehen Mediziner die Grenzen der Tastmethode, mit der vor allem oberflächlich gelegene, größere Tumore entdeckt werden. Man müsse Männer über 40 Jahren über die Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung gut informieren, fordert der Urologe Hans Heynemann vom Uniklinikum Halle. "Eine alleinige Tastuntersuchung ohne Bestimmung des PSA-Werts reicht nicht aus."

PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Das Eiweiß, das von Zellen der Vorsteherdrüse gebildet wird, tritt in geringen Mengen auch ins Blut über. Der Bluttest ist also einfach. Die Interpretation erhöhter Werte dagegen ist es nicht. Und große Studien geben bisher keine eindeutige Auskunft darüber, ob es statistisch gesehen das Leben der Männer verlängern würde, wenn PSA-Reihenuntersuchungen Gesunder – vergleichbar der Brustkrebsfrüherkennung der Frauen zwischen 50 und 69 – eingeführt würden.

Es sei nicht eindeutig belegbar, dass eine PSA-gestützte Früherkennung und die damit verbundenen Risiken diagnostischer und therapeutischer Konsequenzen durch eine Lebensverlängerung aufgewogen werden, heißt es in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie . Nur Männern, die sich ausdrücklich eine Krebsfrüherkennung wünschen, sollten deshalb die Tastuntersuchung und PSA angeboten werden, wobei die Kasse den Bluttest im Normalfall nicht zahlt.

Die Urologen fordern, dass jeder Prostatafrüherkennungsuntersuchung ein ausführliches Gespräch vorangeht, in dem darüber informiert wird, wie schwierig die Tests zu deuten sind. Der Weg vom Verdacht zur Diagnose führt heute in keinem Fall an der Entnahme von zehn bis zwölf kleinen Gewebeproben vorbei. Erst unter dem Mikroskop und im Labor des Molekularbiologen werden bösartige Zellen zweifelsfrei identifiziert.

Der PSA-Test

In Deutschland gehört der PSA-Test nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Er kostet den Patienten 25 bis 40 Euro.

Das Eiweiß PSA  (prostata-spezifisches Antigen) wird in den Drüsen der Prostata gebildet und ist im Prostatasekret enthalten. Es dient der Verflüssigung des Samens. Geringe Mengen gelangen auch ins Blut und können mit dem Labortest gemessen werden.

Ein erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis darauf sein, dass der Patient unter Prostatakrebs leidet. Allerdings werden mit dieser Früherkennungsmethode einige Tumoren übersehen. Und es kommt vor, dass Patienten mit hohem PSA-Wert unnötig in Sorge versetzt werden, weil Nachuntersuchungen den Krebsverdacht nicht bestätigen.

Die Gefährlichkeit eines Karzinoms lässt der Test jedoch nicht erkennen.

Eine Methode, die heute den Urologen beim zielgenauen Ansetzen seiner Hohlnadel zur Gewebeentnahme unterstützt, hat allerdings das Potenzial, die Entnahme von Gewebeproben eines Tages überflüssig zu machen: der Ultraschall. Denn neue Techniken machen die Sonografie vom Mastdarm aus von der Navigations- zur Diagnosehilfe. "In der Elastografie machen wir uns die Tatsache zunutze, dass Krebsgewebe in der Regel härter ist als normales Gewebe", erklärt Georg Salomon von der Martini-Klinik am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf . Dort wurde die Methode, bei der auf dem Bildschirm Unterschiede in der Elastizität als Farbunterschiede erscheinen, in der weltweit größten Studie an über 1.000 Patienten erprobt.

Weil dank Ultraschall-Elastografie gezielter Proben entnommen wurden, seien 20 Prozent mehr Tumorpatienten identifiziert worden, berichtete Salomon bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin in Berlin. Salomon setzt große Hoffnungen auf die Methode: "Wenn wir in der Elastografie überhaupt nichts Hartes entdecken, würden wir am liebsten gar keine Gewebeprobe entnehmen", sagt der Ultraschallspezialist. Noch reichen die Belege nicht aus.

Große Studien fehlen auch für die zweite Weiterentwicklung des Ultraschalls bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom, die kontrastmittelunterstützte Sonografie. Dafür wird vor der Untersuchung ein spezielles Kontrastmittel in die Vene gespritzt, das kleine Gasbläschen enthält und damit den Blutfluss in der Prostata sichtbar macht. "Für Tumorgewebe ist charakteristisch, das sich in chaotischer Art neue Blutgefäße bilden", erläutert Michael Seitz, Urologe am Klinikum der Uni München. Neben den Kosten für Geräte und Kontrastmittel dürfte allerdings die kleine Anzahl erfahrener Untersucher einer raschen Verbreitung dieser Methode entgegenstehen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Auch für Kassenpatienten?

    • RWH-WGT
    • 18. Oktober 2011 16:39 Uhr

    Ich verstehe langsam das ganze Theater um den Prostatakrebs nicht mehr.
    Wer keine regelmässige Vorsorgeuntersuchung machen lässt ist selbst Schuld. Allein durch den Vergleich/Anstieg der PSA-Werte über die Jahre, kann man doch erkennen, ob man etwas genauer hinschauen muss. Wenn sich der Werte innerhalb eines Jahres verdoppelt, z.B. von 3 auf 6, kann man eine CRT machen lassen. Damit ist schon mal zu sehen, ob das Gewebe in der Prostata auffällig ist. Dann noch anschließend eine Biopsie im verdächtigen Bereich und man weiß Bescheid. Die Abtasterei kann man sich schenken, das ist nur Geldmacherei. Wenn der Arzt hier was ertastet ist es meist schon zu spät.
    Übrigens: eine Biopsie kann man tatsächlich überleben, meist spürt man davon am nächsten Tag nichts mehr.

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    Die PSA-Wertbestimmung ist keine Kassenleistung!

    Als Angehörige eines Prostatakrebspatienten empfinde ich Ihren Kommentar als zynisch. Der Tastbefund ist in der Tat sehr ungenau. Erst als mein Mann körperliche Beschwerden hatte, wurde der PSA-Wert bestimmt und daraufhin umgehend eine Biopsie durchgeführt. Das Ergebnis war verheerend.

  2. Die PSA-Wertbestimmung ist keine Kassenleistung!

    Als Angehörige eines Prostatakrebspatienten empfinde ich Ihren Kommentar als zynisch. Der Tastbefund ist in der Tat sehr ungenau. Erst als mein Mann körperliche Beschwerden hatte, wurde der PSA-Wert bestimmt und daraufhin umgehend eine Biopsie durchgeführt. Das Ergebnis war verheerend.

    Antwort auf "Diagnose"
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    • RWH-WGT
    • 18. Oktober 2011 19:32 Uhr

    ...ich bin kein Privatpatient. Meine Kasse(DAK)zahlt den PSA-Test und den lasse ich seit ich 45 Jahre bin jährlich machen. Mit 65 veroppelte sich der Wert innerhalb eines Jahres. Daraufhin habe ich ein CRT machen lassen, wo verdächtiges Gewebe entdeckt wurde. Auch das zahlte die DAK und auch die anschließende Biopsie mit dem Tumorbefund. Die Operation war noch rechtzeitig auch weil ich die ganze Sache seit Jahren unter Beobachtung hatte. Also, von Zynismus kann hier keine Rede sein. Ich weiß allerdings nicht in welcher Kasse Ihr Mann ist, aber selbst wenn ich es hätte bezahlen müssen, wäre es mir das Wert gewesen.

  3. Ich arbeite zurzeit an einem Institut, das bildgebende Verfahren u.a. zur Prostatakrebs Diagnose weiterentwickelt. Aus den verlässlichen Quellen wissenschaftlicher Publikationen kann ich berichten, dass keine der bisher bekannten Methoden eine ausreichend hohe Sensibilität+Spezifität zur eindeutigen Tumordiagnose besitzt. Möchten Sie sich auf den PSA Test als alleinige Diagnose verlassen, wenn seine Erkennungsrate um die 50% liegt? Ultraschall ist hier keineswegs genauer.
    Selbst eine positive Tumorindikation in 1 oder 2 Modalitäten heißt keineswegs, dass ein Tumor vorhanden ist.
    Nahezu Gewissheit lässt sich nur durch gezielte Kombination verschiedener Modalitäten erreichen. Dass das Ganze von den Kassen nicht gezahlt wird, ist ein anderer Punkt, ich wollte lediglich die medizinische Indikation etwas genauer beleuchten.

  4. Der PSA-Test ist wegen seines geringen Signifikanzniveaus für eine verlässliche Aussage vollkommen ungeeignet. Das sagt übrigens selbst der Erfinder des PSA-Tests:

    http://www.berliner-zeitu...

    Als mein Vater vor zehn Jahren mit Prostatakrebs diagnostiziert wurde, habe ich ein bisschen Schiss gekriegt und mir den PSA-Test auch mal gegönnt. Für Ultraschall + PSA habe ich damals 90 Euro aus eigener Tasche gelöhnt. Der Ultraschallbefund war unauffällig, der PSA-Test brachte beim ersten Mal einen abnorm hohen Wert, wurde dann wiederholt und zeigte einen Wert im Normbereich.

    Des Rätsels Lösung: Der Standard-PSA-Test unterscheidet nicht zwischen freiem und gebundenem PSA, aber nur das Verhältnis dieser beiden Wert sagt etwas über das Krebsrisiko aus (bei Tumorpatienten ist das freie PSA im Vehältnis geringer). Der absolute PSA-Wert schwankt dagegen von Mann zu Mann sehr stark und kann unter anderem durch sexuelle oder sportliche Aktivität verfälscht werden.

    Natürlich gibt es auch einen Test für freies/gebudnenes PSA. Der ist aber teurer und wird nur bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren angeboten.

    Mein Fazit: Der Standard-PSA-Test ist ein schönes Mittel für Urologen, um ihre Kasse aufzubessern, sonst nichts.

  5. 6. Wozu?

    Ist eine Prostata-Operation tatsächlich besser als Sterben? Lohnt es sich, sich für ein paar Monate oder Jahre mit mehr mit zweifelhafter Lebensqualität von Intensivmedizinern quälen zu lassen?

    • RWH-WGT
    • 18. Oktober 2011 19:32 Uhr

    ...ich bin kein Privatpatient. Meine Kasse(DAK)zahlt den PSA-Test und den lasse ich seit ich 45 Jahre bin jährlich machen. Mit 65 veroppelte sich der Wert innerhalb eines Jahres. Daraufhin habe ich ein CRT machen lassen, wo verdächtiges Gewebe entdeckt wurde. Auch das zahlte die DAK und auch die anschließende Biopsie mit dem Tumorbefund. Die Operation war noch rechtzeitig auch weil ich die ganze Sache seit Jahren unter Beobachtung hatte. Also, von Zynismus kann hier keine Rede sein. Ich weiß allerdings nicht in welcher Kasse Ihr Mann ist, aber selbst wenn ich es hätte bezahlen müssen, wäre es mir das Wert gewesen.

    • Jan1234
    • 18. Oktober 2011 23:02 Uhr

    dass der PSA-Test erst ab dem 45 Lebensjahr gemacht wird

    um genaue Daten zu haben müsste man viel eher mit den Tests beginnen, um die persönlichen Werte eines Mannes vergleichen zu können. Bei Frauen wird ja bei Brustkrebs auch nicht erst bei den über 45-jährigen was gemacht - Männer kommen mit ihren geschlechtsspezifischen Krankheiten vor dem 45 Lebensjahr auch gar nicht in der Vorsorgeuntersuchung vor - wahrscheinlich ein Grund dafür sind die fehlenden Männergesundheitsberichte

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  • Schlagworte Früherkennung | Tumor | Berlin
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