Aids-Erkrankungen Weniger Neuinfektionen mit HIV sind ein Erfolg

30 Jahre nach der Entdeckung des Aids-Virus scheint die Wende im Kampf gegen die Immunschwäche greifbar. Doch ein endgültiger Sieg ist noch weit, kommentiert H. Wewetzer

Am 5. Juni 1981 registrierte die amerikanische Seuchenbehörde CDC die ersten fünf Fälle einer bis dahin unbekannten Krankheit. Erst ein Jahr später bekam das Leiden einen Namen: Aids, eine erworbene Schwäche des Immunsystems.

Mit rasender Geschwindigkeit breitete sich Aids in den kommenden Jahren aus. Aber nun, 30 Jahre später, gibt es Anzeichen dafür, dass die Wende geschafft ist. Wie UNAIDS, das Aids-Programm der Vereinten Nationen, mitteilt, ist die Zahl der Neuinfektionen und der Aids-bedingten Todesfälle auf dem niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt der Epidemie.

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Medizinisch gesehen geht der Erfolg hauptsächlich auf das Konto hochwirksamer Aidsmittel, die seit einigen Jahren auch in ärmeren Ländern verfügbar sind. Die Medikamente senken das Risiko einer Übertragung von der Mutter auf das Kind drastisch, bewahren HIV-Infizierte vor dem Aidstod und verringern die Ansteckungsgefahr.

Aktueller UN-Bericht zu Aids

Weltweit leben 34 Millionen Menschenmit dem Aidsvirus HIV. Das UN-Programm gegen Aids (UNAIDS) sieht in seinem neuen Jahresbericht trotz dieser Rekordzahl einen positiven Trend. Wegen der besseren Versorgung mit Medikamenten ging die Zahl der Aids-Toten 2010 auf 1,8 Millionen zurück, 2006 waren es noch 2,2 Millionen. Auch die Zahl der Neuinfektionen sinkt weiter. Die Welt stehe "am Rande eines wichtigen Durchbruchs" sagte UNAIDS-Direktor Michel Sidibé.

Weltweit wird demnach mittlerweile die Hälfte der Erkrankten behandelt. Verbessert hat sich der Zugang zu Medikamenten vor allem in Afrika, wo 68 Prozent der Infizierten leben. In den Ländern südlich der Sahara wurden 2010 laut UNAIDS 20 Prozent mehr HIV-Infizierte behandelt als ein Jahr zuvor.

In Deutschland nimmt die Zahl der Neuinfektionen ebenfalls ab. Nach einer Schätzung des Berliner Robert Koch-Instituts sind sie von 3.400 im Jahr 2006 auf rund 2.700 in diesem Jahr gesunken. Insgesamt leben den Angaben zufolge derzeit 73.000 Menschen mit HIV und Aids in Deutschland. Nach Angaben de Aidshilfe nehmen 80 Prozent von ihnen Medikamente.

Auch in Deutschland geht die Zahl der neuen Infektionen zurück. Aber der Weg bis zum endgültigen Sieg über das Virus ist noch weit. Das zeigt das Beispiel Osteuropa, wo sich die Immunschwäche noch immer ausbreitet.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. An ein Gerichtsurteil und an eine Preisverleihung.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. 2. Fakten

    Die Sachlage in Deutschland ist eine gänzlich andere.
    Es geht hierzulande nicht um Mutter und Kind und auch nicht um Risiken, denn von den erwähnten 2700 neu Erkrankten sind wie schon 2010 ca. 90% Männer.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Aber aufatmen können wir erst wenn die Medikamente den HIV-Virus auch bekämpfen, anstatt nur unterdrücken.

    • _bla_
    • 23.11.2011 um 12:36 Uhr

    Hoffentlich geht dieser Erfolg nicht wieder verloren. HIV mutiert schnell und entwickelt Resistenzen gegen die einzelnen Wirkstoffe.
    Es kann daher durchaus dazu kommen, das wir irgendwann wieder genauso machtlos gegen HIV sind wie früher, besonders wenn die Behandlung unterbrochen wird und resistente Formen weitergegeben werden.

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