Britischer PflegeberichtEngland quält seine Alten

Hunderttausende alte Briten werden von Pflegern gedemütigt, bleiben ungewaschen und hungrig. Ein Bericht deckt unfassbare Missstände auf. Es mangelt an Geld und Aufsicht. von Matthias Thibaut

Hunderttausende von britischen Alten werden zu Hause von ihren Pflegern gedemütigt, bleiben ungewaschen, hungrig und werden in manchen Fällen sogar systematisch bestohlen. Dies ergab ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht der britischen Kommission für Gleichheit und Menschenrechte , die in einer einjährigen Untersuchung die von Kommunen organisierte Hauspflege unter die Lupe nahm. "So können wir nicht weitermachen. Dies ist nicht zivilisiert und menschlich", sagte die Kommissionsvorsitzende, Baroness Sally Greengross, der BBC .

Pfleger zeigten "chronische Missachtung für die Menschenwürde" ihrer Schützlinge, so der Bericht, der gravierende Mängel in der Organisation der Pflege durch die Kommunen anprangert.

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In einem Fall ließ eine zuständige Pflegeperson eine Frau auf der Toilette zurück, weil ihre zugewiesene Zeit abgelaufen war. Eine andere Pflegerin weigerte sich, aus "Sicherheitsgründen", das Essen einer schwer Krebskranken in der Mikrowelle aufzuwärmen. Ein mit 84 Jahren gestorbener Alzheimer-Patient hatte in seinen letzten dreieinhalb Lebensjahren 53 verschiedene Pfleger, berichtete seine Frau der Kommission. "Einige waren sehr gut, die meisten waren entsetzlich." Einige Alte seien so gedemütigt worden, dass sie "sterben wollten".

Aus Angst beschweren sich viele Patienten nicht

Der Bericht zeichnet das Bild einer finanziell unterversorgten Hauspflege, in der schlecht oder gar nicht ausgebildetes Personal viel zu wenig Zeit für die Pflegearbeit bekommt. Viele Kommunen berechnen pro Pflegefall nur 15 Minuten. Die Hälfte der über 500.000 Hauspflegefälle erhält nach dem Bericht "schlechte oder sehr schlechte" Pflege. Systematisch würden Menschenrechte verletzt, aber anders als in Pflegeheimen und Krankenhäusern hätten Hauspflegefälle keinen gesetzlich verankertes Recht auf Kompensation. Viele Patienten würden sich aus Angst vor den Folgen nicht beschweren.

Der Bericht kommt nur wenige Wochen, nachdem die Aufsichtsbehörde der Pflegeberufe in einem anderen Bericht die Behandlung von Alten in Krankenhäusern und Pflegeheimen attackierte. Jeder siebte Bewohner eines Pflegeheims müsse hungern, weil den Alten das Essen oft nur hingestellt werde, sich aber niemand die Zeit nehme, den Alten beim Essen zu helfen. Von 599 inspizierten Pflegeheimen wiesen 84 schwere Mängel auf. Jedes Zehnte von 140 inspizierten Krankenhäusern erfüllte in den geriatrischen Abteilungen nicht die Standards.

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