ESBL-Infektionen: Tod der Frühchen nicht zwingend ein Fall von Fehlverhalten
ESBL-Bakterien trotzen einer Reihe von Antibiotika, für gesunde Erwachsene ist das kein Problem. Für sehr unreife Frühgeborene sind Keime allerdings stets eine Gefahr.
Noch ist ungeklärt, wo das Bakterium herkam, das drei Frühgeborene auf einer Intensivstation am Bremer Klinikum Mitte umbrachte . Bei dem seit Monaten auf der Station grassierenden Erreger soll es sich um einen ESBL-Keim handeln. Nachgewiesen wurde er bei insgesamt 15 Neugeborenen, von denen sieben schwer erkrankten. In Bremen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Es ist jedoch nicht gesagt, dass Fehlverhalten im Spiel war, meint Brar Piening, Hygienespezialist an der Berliner Uniklinik Charité. "Es kann sich um ein schicksalhaftes Geschehen handeln", sagte Piening dem Tagesspiegel .
Sehr unreife Frühgeborene sind extrem anfällig für Krankheitserreger. Ihr Immunsystem ist noch sehr schwach und hat wenig Kontakt zu Mikroorganismen. Denn die Kinder werden meist per Kaiserschnitt entbunden und verbringen ihre ersten Lebenswochen im keimarmen Brutkasten. Ein potenzieller Krankheitskeim kann sich gut ausbreiten. Je leichter das Frühchen, umso größer das Risiko.
ESBL-Keime trotzen einer Reihe von Antibiotika. Für gesunde Erwachsene sind sie jedoch kein Problem. Viele Menschen tragen ESBL-Keime in ihrem Darm mit sich herum. Die Abkürzung ESBL steht für "Extended Spectrum β-Lactamasen". Dabei handelt es sich nicht etwa um die Krankheitserreger selbst, sondern um spezielle Enzyme verschiedener Bakterien. Diese Eiweiße können bestimmte Antibiotika unschädlich machen und sind deswegen gefürchtet. Auf Intensivstationen werden ESBL-Keime regelrecht gezüchtet, weil nur sie das Antibiotika-Gewitter überleben.Treffen sie dann auf einen geschwächten Organismus, haben sie leichtes Spiel. Und das umso mehr, als die Behandlung mit einem der üblichen Antibiotika erfolglos ist und damit wertvolle Zeit verloren geht. Der Erreger kann sich also zunächst ungestört im Organismus ausbreiten. Und wird damit zur echten Gefahr, obwohl er nicht von sich aus besonders aggressiv ist.
Übertragen werden die Bakterien durch direkten Kontakt. Deshalb ist die Händedesinfektion auf Neugeborenen-Intensivstationen extrem wichtig – allerdings auch nicht immer möglich. Denn manchmal setzt bei einem der Frühgeborenen das Herz oder die Atmung aus. Dann muss binnen Sekunden gehandelt werden, an sorgfältige Desinfektion ist nicht zu denken. Auch zu wenig Personal oder mit Patienten überfüllte Stationen gelten als Risikofaktoren für Krankenhausinfektionen.
"Sie machen bei Gesunden nichts, bei Kranken alles", sagt Piening über ESBL-Keime. Wundinfektionen, Sepsis ("Blutvergiftung") und Lungenentzündung sind typisch bei Frühgeborenen. "ESBL-Erreger sind die mit Abstand am stärksten ansteigenden Krankenhauserreger", erläutert der Mediziner. Die Zahl der ESBL-Infektionen auf Intensivstationen hat sich zwischen 2003 und 2009 fast verfünffacht. Eine mögliche Ursache ist die übertriebene Anwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Sie kann dazu führen, dass sich resistente Bakterien auch beim Menschen ausbreiten.








Dass Frühchen sehr zerbrechliche Geschöpfe sind, sollte man nie vergessen. Natürlich ist jeder Verlust ein persönliches Drama, aber nicht immer gibt es einen Schuldigen.
Die ESBL-bildenden Keime sind ja als solche keine Keime, sondern ESBL beschreibt die Fähigkeit mehrerer gramnegativer Darm-Keime, durch Genmutation ein Emzym auszubilden, das zu Resistenzen bei Antibiotika führt.
http://www.symptome.ch/wi...
Wenn man bedenkt, dass noch vor einigen Tagen eine Meldung erschien, dass eine hohe Prozentzahl von Geflügel mit Antibiotika und anderen Medikamenten vollgepumpt ist, müsste man mal ordentlich in der Tierhaltung und -mast aufräumen. In der Massentierhaltung werden Antibiotika ja als Prävention und als Mastmittel eingesetzt. Unverantwortlich !
Die Keime können ihre Resistenzen auch an andere nicht verwandte Stämme weitergeben, z.B. durch Gülle an Bodenbakterien und von da aus weiter.
Auch über die Abwässer in die Kanalisation.
Die rasante Geschwindigkeit, mit der immer mehr Bakterien gegen immer mehr Antibiotika resistent werden, ist schon sehr beängstigend.
Auch sollten die Ärzte nur bei genauer Indikationsstellung ein Antibiotikum verordnen dürfen, denn bei einigen Erkrankungen wie Bronchialkatarrh sind überwiegend Viren beteiligt, gegen die ein Antibiotikum ohnehin wirkungslos ist.
Ich glaube, dass nicht unbedingt ein Hygieneverstoß vorgelegen haben muss, wenn diese Bakterien so leicht alles Mögliche besiedeln können.
Schließlich kann man ja nicht das medizinische Personal nach jedem Patientenkontakt abkochen, um optimale Hygiene zu garantieren.
Die Ursachen der Resistenzbildung müssen bekämpft werden.
Die Babys sind an MRSA gestorben. Ein Problem, welches in deutschen Krankenhäusern seit 10 Jahren bekannt ist, und verharmlost wird. Alle deutschen Krankenhäuser sind MRSA versucht.
In den Niederlanden hat man es im Griff, dort gibt es quasi keine MRSA mehr, weil dort Mediziner ehrlich waren, und Versäumnisse eingestanden.
Solche Mediziner sucht man in Deutschland vergeblich, hier wird ja gleich jader vor den Kadi gezerrt, der von Misständen berichtet.
Die deutsche Kultur des Vertuschens ist schuld!
Wie auch anders? Natürlich haben die Ärzte alles richtig gemacht; denn Ärzte machen keine Fehler! Das gebietet der Standesdünkel. Fehler einzugestehen kommt einer Nestbeschmutzung gleich. Und die Klinikverwaltungen? Die schielen doch nur nach Kostenminimierung und Gewinnmaximierung. Patienten sind da nur Jetons für riskoreiche Spieleinsätze.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren