InfektionskrankheitErwachsene sollten die Masern nicht unterschätzen

In Berlin sind ungewöhnlich viele Menschen an Masern erkrankt. Zu viele Eltern lassen ihre Kinder nicht impfen, sagen Experten. Sie warnen vor dem Erreger. von Alexander Budweg und Sigrid Kneist

Die Zahl der Masernerkrankungen ist auf dem höchsten Stand seit Jahren. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres traten in Deutschland nach Informationen des Robert Koch-Institutes 1.573 Fälle auf, während es im gleichen Zeitraum in 2010 nur 635 Fälle waren.

Allein in Berlin erkrankten im Jahr 2011 bis Mitte Oktober bisher 159 Menschen an der Infektion mit dem Virus. Dabei war die Krankheit in der Hauptstadt schon fast verschwunden. 2003 gab es nur zwei Infektionen, acht waren es 2007, von da stieg die Zahl auf 33 im Jahr 2009 und auf 92 im Jahr 2010. Und die Krankheitsverläufe werden immer schwerer. In 54 Prozent der Fälle mussten die Erkrankten in einer Klinik behandelt werden, sagt Silvia Kostner, Sprecherin des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso). Erkrankt waren nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene.

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Nach Angaben des Lageso treten zudem vermehrt Fälle auf, in denen Babys unter einem Jahr betroffen waren. Den letzten tödlichen Masernfall gab es 2004.

"Masernviren gehören zu den gefährlichsten, die wir kennen, denn es besteht bei ihnen eine hundertprozentige Ansteckungswahrscheinlichkeit. Wer sich infiziert, erkrankt auch nahezu immer", warnt Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI. Masern sind keinesfalls eine harmlose Kinderkrankheit. Häufige Komplikationen sind Lungen- oder Mittelohrentzündung.

Vor allem für Kleinkinder können die Folgen fatal sein und im schlimmsten Fall selbst Jahre nach der Ansteckung zum Tod führen. Dies zeigt der Fall eines Mädchens in Aschaffenburg, über den der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte derzeit informiert. Die Sechsjährige hatte sich im Alter von sieben Monaten bei einem Erwachsenen angesteckt und war erst fünf Jahre später an einer chronischen, unheilbaren Gehirnentzündung als Folge der Infektion erkrankt. Diese Krankheit verläuft laut Ärzteverband immer tödlich.

"In Berlin mangelt es vor allem an der konsequenten Durchimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln", sagt Klemens Senger, Vorsitzender des Berliner Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Nach der ersten Spritze stelle sich bei vielen Eltern eine Impfmüdigkeit ein, weil sie die schlimmen Folgen dieser Krankheiten nicht kennen würden, sagt der Kinderarzt. Erst die zweite Impfung, die in der Regel vier bis sechs Wochen später erfolgen sollte, garantiert aber einen ausreichenden Schutz. Hier sei mehr Aufklärung notwendig.

Auch Röteln und Mumps können schwere Krankheitsverläufe haben; bei diesen Krankheiten steigt das Risiko von Komplikationen im Erwachsenenalter. Eine Impfpflicht hält Senger hingegen nicht für zielführend. "Die Entscheidung muss bei den Eltern bleiben, denn sie haben eine Verantwortung für ihre Kinder, die man stärken muss und nicht von Seiten des Staates wegnehmen darf", sagt Senger.

Eine Impfpflicht gab es hingegen in der ehemaligen DDR. Bis heute sind deswegen nach Angaben der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung die Impfraten im Ostteil der Stadt immer noch höher als im Westteil. Insgesamt haben in Berlin rund 89,1 Prozent der Schulanfänger einen ausreichenden Impfschutz gegen Masern. Bundesweit liegt die Quote bei 90,2 Prozent.

Impfungen führen nicht zu mehr Allergien, sagen Mediziner

Kinderarzt Senger hält die Masernimpfung für alternativlos. Angesichts der Tatsache, dass die Krankheit zu geistiger Behinderung oder gar zum Tod führen könne, "ist es mehr als makaber zu sagen, lass doch die Kinder die Kinderkrankheiten kriegen", sagt er. Zudem sei die These falsch, man fördere mit Impfungen autoimmune Erkrankungen. Eher sei das Gegenteil der Fall. "Aktuelle Studien belegen, dass frühzeitig geimpfte Kinder weniger Allergien haben", sagt Senger.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Sehr geehrter Herr Budweg,
    Sehr geehrte Frau Kneist,

    durch Zufall bin ich heute auf folgende Website gestoßen, an deren Ende einige Studien aufgezählt werden, die insbesondere den letzten Satz Ihres Artikels widerlegen.

    http://www.impf-report.de/zeitschrift/bisherige/impf-report072.htm

    Vielleicht eine Anregung an dem Thema dran zu bleiben und beide Standpunkte - Befürworter und Skeptiker - zu beleuchten.

    Mit freundlichen Grüßen
    VorwaertsEuropa

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    • MrDarcy
    • 09. November 2011 17:57 Uhr

    Ich schließe mich dem Kommentar Nr. 1 an. Es wäre sehr wichtig, die Seiten des Für und Wider des Impfens SACHLICH zu diskutieren.

    Es ist nämlich Vorsicht geboten. Mittlerweile ist es gar nicht mehr so einfach, die echten Gründe auszumachen. Zu sehr haben die Impfgegner mittlerweile überhand genommen. Gerade Hans Tolzin, Besitzer von Impf-Report.de (gelernter Milchwirt, Programmierer, genereller Impfgegner und medizinischer Laie http://http://esowatch.com/ge/index.php?title=Hans_Tolzin) hat mittlerweile so viele unterschiedliche Seiten ins Netz gestellt, dass man als Laie geradezu über eine seiner Seiten stolpern muss. Dabei ist Hans Tolzin nichts als ein Verschwörungstheoretiker, der auch glaube, Homosexualität seine eine heilbare Krankheit.

    Ein unbedarfter Laie, der auf der Suche nach Pro und Kontra im Netz nach "Impfen" sucht, muss geradezu zwangsläufig über eine von Tolzin's Seiten stoßen. Ist der Laie dann noch dem Impfen von Haus aus eher abgeneigt, ist er nur zu anfällig für die Propaganda von Tolzin.

    Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn auch die Zeit zur Aufklärung beiträgt, damit die Verschwörungstheoretiker und Impfgegner nicht wie in den USA langsam Überhand gewinnen und wir wieder mit fast ausgerotteten, schweren Krankheiten kämpfen müssen.

    Aufklärung tut not in Zeiten wo jeder das Internet mit seinen kruden Thesen fluten kann. Und an alle Impfgegner, die sich noch melden werden: Glaubt Hans Tolzin nicht, er ist ein Laie ohne medizinischen Sachverstand.

    Sehr geehrter MrDarcy,

    es ging mir nicht um Herrn Tolzin, allein beim Lesen seiner Artikel ist mir persönlich schon bewusst geworden, dass er selbst eher Behauptungen anstellt, als Beweise liefert. Der Link allerdings führt zu einer Seite (die tatsächlich von Herrn Tolzin betrieben wird) und eine Zahl wissenschaftlicher Studien enthält.

    Ich glaube, dass die durchaus existieren und wollte diese gern als sachliche Anregung für die Autoren verstanden wissen, der Thematik auch von einer skeptischen Seite zu begegnen.

    Vielen Dank für die Relativierung der Seite impfreport.de an sich, so sehr kenne ich den Herrn Tolzin nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    VorwärtsEuropa

  2. Man kann der USA vieles vorwerfen, aber bei dieser Sache haben sie eine clevere Lösung gefunden. In den USA besteht keine Impfpflicht, aber Schulpflicht. Aber die Schule darf man dort nur besuchen, wenn man ausreichend geimpft ist.

    Auf meinem Impfausweis klebt immer ein PostIt mit dem Jahr an dem die nächste Impfung fällig ist. Einfach aber effektiv.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • irridae
    • 10. November 2011 8:23 Uhr

    die dieses Misstrauen vermutlich noch schüren, das Eltern dann dazu bringt, auf die Masernimpfung zu verzichten. Es wäre außerdem sehr schön, wenn Ärzte auch mal zur Kenntnis nehmen würden, dass es hier eine Verfassung gibt, die eine Zwangsimpfung verbieten dürfte.

    Ferner wundere ich mich immer wieder darüber, dass Ärzte offenbar null Ahnung davon haben, wie Menschen psychologisch funktionieren. Nicht auszudenken, was eine Impfpflicht für Folgen hätte. Wie stellen Sie sich darüber hinaus die Durchsetzung vor?

    Ungeimpfte gibt es besonders viele bei schlecht, aber auch bei sehr gut gebildeten Eltern.
    Man sollte in Ärztekreisen anfangen, darüber nachzudenken, warum hier so wenig Vertrauen entgegengebracht wird. Das könnte an den vielen fragwürdigen Maßnahmen und überflüssigen Eingriffen liegen, mit denen hier das Vertrauen verspielt wird.

    Hierzulande ist das juristisch Körperverletzung!

  3. Wer sein eigenes Kind nicht impfen lässt, gefährdet nicht nur sein eigenes Kind, sondern auch die anderen Kinder, die die Impfung noch nicht erhalten konnten (weil zu jung, krank etc.) man trägt also auch Verantwortung für anderen Menschen mit seiner Entscheidung gegen eine Impfung.

    Das Argument, ungeimpfte Kinder sind gesünder als Geimpfte (was im ersten Kommentar in den Raum gestellt wurde), ist nicht ganz haltbar, denn spätestens wenn sich diese ungeimpften Kinder mit der Kinderkrankheit anstecken, sind die geimpften Kinder gesünder. Zudem besteht bei ihnen nicht das Risiko an den Krankheitskomplikationen zu sterben oder behindert zu werden. Sollten Impfungen Allergien auslösen, so ist doch eine Allergie das kleinere Übel, als an einer Kinderkrankheit zu sterben oder bleibende Schäden davon zu tragen.

    • MrDarcy
    • 09. November 2011 17:57 Uhr

    Ich schließe mich dem Kommentar Nr. 1 an. Es wäre sehr wichtig, die Seiten des Für und Wider des Impfens SACHLICH zu diskutieren.

    Es ist nämlich Vorsicht geboten. Mittlerweile ist es gar nicht mehr so einfach, die echten Gründe auszumachen. Zu sehr haben die Impfgegner mittlerweile überhand genommen. Gerade Hans Tolzin, Besitzer von Impf-Report.de (gelernter Milchwirt, Programmierer, genereller Impfgegner und medizinischer Laie http://http://esowatch.com/ge/index.php?title=Hans_Tolzin) hat mittlerweile so viele unterschiedliche Seiten ins Netz gestellt, dass man als Laie geradezu über eine seiner Seiten stolpern muss. Dabei ist Hans Tolzin nichts als ein Verschwörungstheoretiker, der auch glaube, Homosexualität seine eine heilbare Krankheit.

    Ein unbedarfter Laie, der auf der Suche nach Pro und Kontra im Netz nach "Impfen" sucht, muss geradezu zwangsläufig über eine von Tolzin's Seiten stoßen. Ist der Laie dann noch dem Impfen von Haus aus eher abgeneigt, ist er nur zu anfällig für die Propaganda von Tolzin.

    Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn auch die Zeit zur Aufklärung beiträgt, damit die Verschwörungstheoretiker und Impfgegner nicht wie in den USA langsam Überhand gewinnen und wir wieder mit fast ausgerotteten, schweren Krankheiten kämpfen müssen.

    Aufklärung tut not in Zeiten wo jeder das Internet mit seinen kruden Thesen fluten kann. Und an alle Impfgegner, die sich noch melden werden: Glaubt Hans Tolzin nicht, er ist ein Laie ohne medizinischen Sachverstand.

  4. Sehr geehrter MrDarcy,

    es ging mir nicht um Herrn Tolzin, allein beim Lesen seiner Artikel ist mir persönlich schon bewusst geworden, dass er selbst eher Behauptungen anstellt, als Beweise liefert. Der Link allerdings führt zu einer Seite (die tatsächlich von Herrn Tolzin betrieben wird) und eine Zahl wissenschaftlicher Studien enthält.

    Ich glaube, dass die durchaus existieren und wollte diese gern als sachliche Anregung für die Autoren verstanden wissen, der Thematik auch von einer skeptischen Seite zu begegnen.

    Vielen Dank für die Relativierung der Seite impfreport.de an sich, so sehr kenne ich den Herrn Tolzin nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    VorwärtsEuropa

    • MrDarcy
    • 09. November 2011 19:35 Uhr

    Ich würde auch gerne einen Blick auf diese Studien werfen, um mir ein Bild zu machen. Leider sind die Verweise so vage gehalten ("Daten von insgesamt 1.381 Kindern", "1999 veröffentlichte Studie an zwei schwedischen Waldorfschulen und zwei benachbarten Regelschulen"), dass es fast unmöglich ist, die besagten Studien zu finden. Und ich habe keine Lust Tolzin mit 7,50€ zu unterstüzen, um das Heft zu kaufen.

    Ich würde eine sachliche Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Ebene allerdings auch begrüßen. Das würde vielleicht helfen die (unbelegten?) Panik machenden Zahlen von Tolzin zu relativieren.

    An dieser Stelle würde ich gerne den Blog von Orac von der Seite Scienceblogs empfehlen, der sich seit längerem gegen die unsachliche Argumentation der amerikanischen Impfgegner stemmt und aufzeigt, inwieweit die Argumente der Impfgegner falsch oder irreführend sind: http://scienceblogs.com/insolence/

    Leider wird die Debatte speziell von Seiten der Impfgegner sehr emotional geführt und auch vor Verleumdungen nicht zurückgeschreckt. Der wirkliche wissenschaftliche Gehalt der Debatte bleibt dabei leider auf der Strecke und stattdessen wird auf ideologischer Ebene, teils sehr schmutzig, argumentiert. Dadurch wird es allerdings wieder schwer, die möglicherwweise zutreffenden Aussagen der Impfgegner herauszufiltern, da sie sich in Unmengen von falschen, unbelegten Behauptungen verstecken.

    • mkausch
    • 09. November 2011 19:51 Uhr

    Als Startseite zum Auseinandersetzen empfehle ich: http://de.wikipedia.org/wiki/MMR-Impfstoff

    Der Artikel geht auf die diversen Diskussionen über alles Mögliche ein und stellt die diversen Standpunkte und ihre Widerlegung durch die Wissenschaft gut dar.In insgesamt 46 Einzelnachweisen sind eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien zitiert.

    Ansonsten: Bangemachen gilt nicht! Es gibt kein wissenschaftliches Argument gegen Masern-Impfung. Die Wahrscheinlichkeit, nach Erkrankung an Masern zu sterben ist im Übrigen ziemlich genau gleich der Wahrscheinlichkeit, 30 bis 120 Euro im Lotto zu gewinnen (ca 1:1.000 bis 1:20.000, vier Richtige, evtl. mit Zusatzzahl).

    • klakowa
    • 09. November 2011 20:55 Uhr

    111109mi2044

    Meine geliebte, die mich leider unter dramatischen Umständen in meinem Alter verlassen hat,
    kam vom Lande.
    Sie schickte uns zum Nachbarjungen, der hatte Masern.
    Masern bekomme ich nicht mehr und habe ich auch nicht mehr bekommen.
    Was ich mir freilich sonstwie eingefangen habe - ich werde es nicht klären können.
    Ich bin im April 62 Jahre alt geworden.

    Ihr MIT-Leben
    Klaus K. Wagner

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  • Schlagworte DDR | Erwachsene | Kinderkrankheit | Krankheit | Masern | Susanne Glasmacher
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