Pharmaindustrie In Indien häufen sich Todesfälle nach Medikamententests
Probanden für teure Arzneimittelstudien finden Pharmakonzerne zunehmend in Ländern wie Indien. Dort steigt die Zahl der Todesfälle. Sind die Tests dafür verantwortlich?
Hierzulande ist es leicht, ein Mittel gegen ganz schwere Leiden zu bekommen. Einfach mit dem Rezept in die Apotheke, da liegen die Schachteln etwas versteckt in Schubladen hinter den Regalen mit Hustensaft: Betaferon kann Multiple-Sklerose-Beschwerden lindern, mancher Nierenkrebs-Patient fragt nach Nexavar. Bis derartige Medikamente hier zum Verkauf zugelassen werden, haben sie eine weite Reise hinter sich – und die führt besonders oft über Indien.
In Delhi leben 16 Millionen Menschen, vier mal so viele wie im Großraum Berlin, aber auf weniger als der Hälfte der Fläche Berlins. Mindestens ein Fünftel der Bewohner Delhis lebt in Slums oder engen Gassen der Altstadt. Es sind Millionen, die nicht genug zu essen haben, nicht lesen und schreiben können, krank sind und sich keine Behandlung leisten können. Das macht es internationalen Pharmakonzernen leicht, Probanden für ihre Medikamententests zu finden.
Das Land gilt als besonders gefragt für klinische Studien, unter anderem, weil sich die medizinischen Ergebnisse leicht auf Europäer und Nordamerikaner übertragen lassen. Dass viele Inder Englisch sprechen, ist ein Vorteil gegenüber dem Testland China. Einer Studie der Universität Hongkong zufolge haben Pharmakonzerne in den USA in Indien derzeit rund 300 klinische Studien in den Phasen II und III registriert. In diesen Stadien ist das Medikament auf dem Weg der Erforschung schon so weit, dass es am Menschen erprobt werden darf. Für einen Test braucht man mehrere tausend Menschen, deshalb ist das auch der teuerste Teil der Medikamentenentwicklung.
"Die Ergebnisse weisen stark darauf hin, dass die internationalen Pharma-, Biotech- und Medizintechnikunternehmen rapide ihre Strategie überdenken, indem sie mehr klinische Studien in Schwellenländer verlegen mit hoher Bevölkerungszahl und großem Marktpotential", heißt es in dem Bericht aus Hongkong, der ausdrücklich die BRIC-Staaten nennt, also Brasilien, Russland, Indien, China. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) bestätigt den Trend. In Europa gehen die Tests zurück, sagt Thomas Sudhop, der dortige Experte für klinische Prüfungen. Auch in Deutschland sei das der Fall, aber langsamer. Derzeit würden rund 1.000 Arzneimitteltests pro Jahr angemeldet.
Sterben Probanden am Medikament oder an Vorerkrankungen?
Viele Menschen in Indien nehmen womöglich in Kauf, dass sie bei solchen Tests sterben könnten. Der Zeitung India Times zufolge starben im vergangenen Jahr laut Gesundheitsministerium 668 Menschen bei Pharmatests, während es 2007 noch 137 waren. Internationale Konzerne wie Pfizer, Merck oder Bayer führen die Studien durch. Bei klinischen Tests des Leverkusener Konzerns, dessen Pharmasparte in Berlin ansässig ist, sollen innerhalb von vier Jahren 138 Versuchspersonen ums Leben gekommen sein. Allerdings müssen die Todesfälle nichts mit dem Medikament oder dem Test zu tun haben. Oft sterben Teilnehmer wegen ihrer Vorerkrankungen wie Krebs. Bayer bestätigt das nicht. Als Antwort auf Fragen nach Todesfällen in Indien verweist der Konzern pauschal auf Publikationen in medizinischen Fachjournalen und Datenbanken. Laut India Times gab es 2010 exakt 22 Todesfälle, bei denen ein Zusammenhang mit Nebenwirkungen der getesteten Medikamente erwiesen ist. Die industriekritische Organisation Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) bezweifelt die Angaben: "Da die Daten auf Angaben der Pharmafirmen basieren und keine unabhängigen Kontrollen durchgeführt werden, dürften die tatsächliche Zahlen weit höher liegen."
Die CBG veröffentlichte dieser Tage einen Offenen Brief an den Vorstandschef Marijn Dekkers, in dem um Aufklärung über die angeblich steigenden Todeszahlen gebeten wird. Die Organisation fordert die Offenlegung der Daten zu den Studien und macht Bayer Vorwürfe. "Wieder einmal geht Bayer über Leichen. Goldene Bilanzen stehen über Menschenleben. Für den schnellen Profit im Pharmageschäft müssen bevorzugt die Ärmsten der Armen grausame Schicksale erleiden – von schweren lebenslangen Gesundheitsschäden bis hin zum Tod", sagt Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG. Er kritisiert auch die Auslagerung der Durchführung der Tests an Subunternehmen.
- Datum 07.11.2011 - 13:49 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Wow da war die Zeit aber ganz fix in der Recherche.... Ich habe einen besseren Bericht bei Arte vor fast einem Jahr gesehen. Bitte etwas ausführlicher ! Ihr Artikel kratzt nicht einmal die Patina an!
Ich weiß ja, dass es jetzt en vogue ist, gegen "die Pharmaindustrie" zu hetzen, und natürlich ist dieses Gebiet reich an ethischen Dilemmen (z.B. teure Medikamente, die das Leben nur um einpaar Wochen verlängern) - aber bei einigen Aussagen in diesem Artikel kann ich mir das Augenrollen nicht verkneifen.
"Bei klinischen Tests des Leverkusener Konzerns [...] sollen innerhalb von vier Jahren 138 Versuchspersonen ums Leben gekommen sein. Allerdings müssen die Todesfälle nichts mit dem Medikament oder dem Test zu tun haben. Oft sterben Teilnehmer wegen ihrer Vorerkrankungen wie Krebs."
Wenn man sich vor Augen hält, dass neuartige Krebsmedikamente häufig gerade an Patienten getestet werden, bei welchen Chemotherapie/First-line Medikamente schon nicht mehr wirken (um das Risiko/Nutzen-Verhältnis zu minimieren), dann dürften die "138 Todesfälle" bei den Tausenden von Krebspatienten wirklich niemanden überraschen. In solchen Szenarien hat das neue Medikament meistens noch am wenigsten mit dem Befinden des Patienten zu tun.
Im Artikel wird auch nicht erwähnt, dass Studien im betroffenen Land vorausgesetzt werden, wenn das Medikament dort zugelassen werden soll. Ich kenne die genaue Datenlage nicht, aber ich würde gerne wissen, woher der Autor weiß, dass von der indischen Bevölkerung "besonders gut" auf die Amerikanisch/Europäische Bevölkerung extrapoliert werden kann.
Was sie nicht bedenken ist, dass Studien beeinflusst werden und negative Ergebnisse oft verschwiegen werden. So haben zwei Pharmakonzerne zwei Antidepressiva miteinander verglichen und kamen beide zu dme Ergebnjis,dass ihres das bessere ist.
Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?
Was sie nicht bedenken ist, dass Studien beeinflusst werden und negative Ergebnisse oft verschwiegen werden. So haben zwei Pharmakonzerne zwei Antidepressiva miteinander verglichen und kamen beide zu dme Ergebnjis,dass ihres das bessere ist.
Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?
Klar - Medikamente werden gerne in Ländern gestestet, in denen die Probanden nicht aufmucken und ein Toter mehr oder weniger niemanden(außer die Angehörigen) interessiert. Das ist menschenverachtend und schlimm.
Es handelt sich bei den Probanden aber fast immer um Menschen, denen der Zugang zu moderner Medizin verwehrt ist.
Die Menschenversuche nützen Patienten in den finanzstarken Industrienationen. Aber vielleicht nützen sie auch manchmal den "Versuchsmenschen" ? Weil sie um den Preis des Versuches die Chance auf Besserung haben, die sie sonst nicht hätten?
Ich empfinde die Situation als ein schwieriges Dilemma, in dem es ganz und gar nicht leicht ist, festzustellen was jetzt gut und was schlecht ist...
Was sie nicht bedenken ist, dass Studien beeinflusst werden und negative Ergebnisse oft verschwiegen werden. So haben zwei Pharmakonzerne zwei Antidepressiva miteinander verglichen und kamen beide zu dme Ergebnjis,dass ihres das bessere ist.
Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?
Sie schreiben "Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?"
natürlich sollte man sowas vermeiden. Da Studien an Menschen grundsätzlich als Doppelblindstudien ausgelegt werden, ist der gleichzeitige Konsum anderer Medikamente aber auch nur eine Störgröße wie das Ernährungsverhalten, der Lärmpegel am Wohnort oder die Luftfeuchte im Krankenzimmer. Da die Patienten der (Placebo-)Kontrollgruppe genausooft gleichzeitig an anderen Studien teilnehmen dürften, ist eine nicht auszuschließende Wechselwirkung kein grundsätzliches Problem für die Ausagekraft von Tests.
Sie schreiben "Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?"
natürlich sollte man sowas vermeiden. Da Studien an Menschen grundsätzlich als Doppelblindstudien ausgelegt werden, ist der gleichzeitige Konsum anderer Medikamente aber auch nur eine Störgröße wie das Ernährungsverhalten, der Lärmpegel am Wohnort oder die Luftfeuchte im Krankenzimmer. Da die Patienten der (Placebo-)Kontrollgruppe genausooft gleichzeitig an anderen Studien teilnehmen dürften, ist eine nicht auszuschließende Wechselwirkung kein grundsätzliches Problem für die Ausagekraft von Tests.
Sie schreiben "Oft nehmen in Indien auch Probanden an zwei unabhängigen Studien teil und unterschreiben einmal und ^^ geben bei der anderen gezielt ihren Fingerabdruck ab.
was sollen solche Studien bringen, wenn man die Wechselwirkung von Medikamenten bedenkt?"
natürlich sollte man sowas vermeiden. Da Studien an Menschen grundsätzlich als Doppelblindstudien ausgelegt werden, ist der gleichzeitige Konsum anderer Medikamente aber auch nur eine Störgröße wie das Ernährungsverhalten, der Lärmpegel am Wohnort oder die Luftfeuchte im Krankenzimmer. Da die Patienten der (Placebo-)Kontrollgruppe genausooft gleichzeitig an anderen Studien teilnehmen dürften, ist eine nicht auszuschließende Wechselwirkung kein grundsätzliches Problem für die Ausagekraft von Tests.
Was dazu kommt, ist, dass große Pharmaunternehmen manchmal nur vorgeben, die komplette Versuchsreihe durchgeführt zu haben, die erforderlich ist, bevor Medikamente am Menschen getestet werden dürfen. So weiß ich aus erster Hand, dass das bei einem der großen deutschen Konzerne schon hin und wieder mal eine Versuchsreihe bei Ratten übersprungen wird, um die veranschlagte Entwicklungszeit einhalten zu können. Bei Medikamenten ist das wirklich problematisch, denn nur eine minimale Veränderung von Dosis und Zusammensetzung kann über Leben und Tod und auch über tödliche Nebenwirkung entscheiden.
Wenn etwas "schwer kontrollierbar" und "intransparent" ist und zudem die Pharmakonzerne ihre Daten externen Prüfern nicht zugänglich machen kann man einfach mal davon ausgehen, daß großflächig betrogen wird.
Dann macht man zumindest insofern nichts falsch, daß man kein Medikament einnimmt, das verschwiegene Nebenwirkungen oÄ hat.
Zum Artikel: Einige logische Fehler, zB:
"Dass viele Inder Englisch sprechen, ist ein Vorteil gegenüber dem Testland China."
"Die Testpersonen sind überwiegend extrem arm und analphabetisch; in vielen Fällen werden Einverständniserklärungen von Dritten unterzeichnet."
Analphabeten, die englisch sprechen? Oder kriminelle Inder, welche Englisch sprechen und ihre Landsleute an ausländische Pharmakonzerne verraten?
Klingt jedenfalls fast so wie verbotener Organhandel.
Hier in (West-)Europa oder in den USA ist es zunehmend schwerer, Patienten für die Teilnahme an einer Studie zu gewinnen. Da ist zum einen ein auch durch ausführliche Aufklärung kaum zu milderndes Mißtrauen gegenüber medizinischer Forschung ("Sie wollen mich hier also nur als Versuchskaninchen!?!").
(Was ja bei den großen Studien, in denen in der Regel bereits zuvor getestete Therapieoptionen untersucht werden, so nicht zutrifft).
Oft wissen die Pat., infolge von im Internet erworbenen Halbwissens, auch ganz genau, was die bessere Therapie ist - und damit mehr als der Arzt, der ja eben das erst noch herausfinden will. Dann wird eine Studienteilnahme entweder gleich abgelehnt oder, umgekehrt, extra wegen einer im web als revolutionär gepriesenen Behandlung eine bestimmte Klinik aufgesucht, dann aber das Einverständnis zurückgezogen, falls man in den Arm mit der Standard-Therapie kommt.
Die Kasse zahlt die Standardtherapie ja ohnehin, und ggf. kann man herumreisen, bis man einen Arzt findet, bei dem man seine Wunschtherapie bekommt.
Leider führt das zunehmend dazu, daß gerade auch nichtkommerzielle Studien mit interessanten Fragestellungen wegen zu geringer Rekrutierung ergebnislos abgebrochen werden müssen.
Daß die Pharmafirmen, denen ja bei Verzögerung der Zulassung durch Befristung der Patente auch viel Geld verloren geht, ihre Studien lieber dort machen, wo allein durch fehlende Krankenversicherung eine höhere Teilnahmebereitschaft entsteht, ist da doch verständlich.
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