Medizinskandal 30.000 Französinnen sollen ihre Brustimplantate entfernen lassen

Drastische Entscheidung: Weil die Firma PIP minderwertige Silikonkissen produzierte, empfehlen Frankreichs Behörden nun Tausenden Frauen eine Operation.

Der Mediziner Denis Boucq (links) entfernt einer Patientin eines der umstrittenen PIP-Brustimplantate.

Der Mediziner Denis Boucq (links) entfernt einer Patientin eines der umstrittenen PIP-Brustimplantate.

Es ist ein einmaliger Schritt in der Medizingeschichte: Das französische Gesundheitsministerium ruft 30.000 Frauen mit Brustimplantaten dazu auf, sie wieder entfernen zu lassen. Die Silikoneinlagen der Firma PIP (Poly Implant Prothèse) aus Marseille sollen sehr viel häufiger aufbrechen und auslaufen als vergleichbare Produkte.

Zwar könne laut dem französischen Gesundheitsminister Xavier Bertrand kein direkter Zusammenhang zu Brustkrebs hergestellt werden, aber tatsächlich sind inzwischen zwei Frauen in Frankreich an Tumoren gestorben, deren Implantate geplatzt waren, acht weitere sind an Krebs erkrankt. Eine Arbeitsgruppe des Nationalen Krebsinstitutes (Inca) untersucht die Vorfälle.

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"Das ist ein Skandal", sagt Annie Meslin aufgebracht. Die Frau aus einem Vorort von Paris hat nach einem Krebstumor ihre rechte Brust verloren und ließ sich 2001 das PIP-Produkt einsetzen. Im Mai 2010 hörte sie davon, dass die französische Kontrollbehörde das Implantat wegen eines erhöhten "Bruch-Risikos" vom Markt genommen hatte. "Es ist ein furchtbares Gefühl, mit einer tickenden Zeitbombe herumzulaufen", sagt Annie Meslin. Die 62-jährige Rentnerin gründete mit anderen Betroffenen einen Verein, der minutiös alle Folgen der Implantate aufführte und die Behörden aufschreckte. 

Brustimplantate

Brustimplantate werden in der Regel nach Amputationen oder zur Vergrößerung eingesetzt. Sie bestehen immer aus einer Silikonhülle, die entweder mit einer Kochsalzlösung oder mit Silikongel gefüllt ist.

Inzwischen gibt es auch Implantate mit einer aufgerauten Oberfläche; diese soll dazu beitragen, dass die Implantate mit dem umliegenden Gewebe verwachsen. Das umliegenden Gewebes soll so nicht verhärten können.

Ob ein Brustimplantat das Brustkrebsrisiko erhöht, ist wissenschaftlich bislang nicht erwiesen.

PIP-Implantate

PIP-Implantate sind mit Silikongel gefüllte Brustprothesen des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP).

Im Jahr 2009 wurde festgestellt, dass Implantate dieser Firma vermehrt gerissen waren, weshalb sie seit 2010 nicht mehr verkauft werden. Darüber hinaus stellte eine Untersuchung fest, dass die Implantate mit einem anderen Gel gefüllt waren, als angegeben. Das verwendete Gel war nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinproduktenicht für den medizinischen Gebrauch bestimmt.

Nach weiteren Tests empfahl als erstes die französischen Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten (Afssaps) Frauen mit Implantaten dieses Herstellers eine halbjährliche klinische Untersuchung der Brüste und Lymphknoten. Sollte es Hinweise für Risse in den Implantaten geben, sollten diese herausoperiert werden. Inzwischen raten auch deutsche Experten zur Entfernung der schadhaften Silikonkissen.

Formen

Schönheitschirurgen differenzieren zwischen zwei unterschiedlichen Implantatsformen: es gibt sowohl runde als auch tropenförmige (oder anatomische) Implantate. Letztere werden vornehmlich bei Frauen verwendet, deren Brust abgenommen wurde, runde Implantate werden bei Vergrößerungen bevorzugt.

Die französische Krankenversicherung soll nun für die Kosten der Entfernung aufkommen. Patientinnen, die ihre Brust etwa nach einer Krebserkrankung verloren haben, sollen auch ein neues Implantat bezahlt bekommen. Doch nehmen im französischen Gesundheitssystem die Ärzte häufig eine höhere Gebühr als von der gesetzlichen Krankenkasse ersetzt wird. Viele Patientinnen müssen also Hunderte bis Tausende Euro selbst ausgeben. Auch Meslin hat für ihre medizinisch notwendige Operation 1.100 Euro dazu zahlen müssen. Allerdings tragen rund 80 Prozent der Frauen mit PIP-Implantaten diese aus ästhetischen Gründen, neue künstliche Einlagen müssten sie selbst bezahlen.

In Deutschland kann die Zahl der Betroffenen kaum ermittelt werden

In Deutschland ist die Zahl der Betroffenen noch völlig unklar. Laut Maik Pommer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es kein Register, das die Trägerinnen der Implantate ausweisen könne. Bekannt sind in Deutschland bislang 18 Fälle von gebrochenen oder auslaufenden Implantaten des französischen Herstellers. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Frauen schon haben operieren lassen", sagt Pommer. Ob die deutschen Behörden eine ähnlich drastische Empfehlung aussprechen wie die französischen, sei ebenfalls noch unsicher. "Wir untersuchen den Fall und geben dann unsere eigene Erklärung dazu ab." 

Annie Meslin aber rät allen Frauen, sich die Implantate so schnell wie möglich entfernen zu lassen. Bei ihr sei bei der Ultraschall-Untersuchung und auch in der Kernspintomografie keine Verletzung des Silikonkissens entdeckt worden. "Erst in der Operation haben die Ärzte dann bemerkt, dass das Gel schon längst in meiner Brust ausgelaufen war und die Hülle des Implantats beschädigt war", erzählt sie.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 23.12.2011 um 14:12 Uhr

    War die Firma oder die Regulierung schuld? Wer haftet also in diesem streng regulierten Sektor? Und mit wie viel haftet derjenige? Was ist der Tod der Bereichsleiterin oder Mutter wert?

  1. Ah, wieder wird das berühmt-berüchtigte unternehmerische Risiko getragen.

  2. Die Menschheit muss wahnsinnig geworden sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass so viele Frauen freiwillig und ohne Not solche Operationen auf sich nehmen?

    Übrigens:
    Wenn bei egal welchem Präparat jede vierte Frau im ersten Jahr einen Prothesenbruch erleidet und nach zwanzig Jahren neunzig Prozent der Frauen damit zu tun haben, sind die PIP-Präparate auch nicht so viel schlechter als die anderen.

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    Zustimmung!
    Zumal der Zusammenhang von vermehrter Krebs-Neuerkrankung und rein kosmetisch begründeten Silikon-Einpflanzungen meines Wissens doch schon Jahrzehte lang bekannt ist.
    Außerdem klagen doch so gut wie alle Frauen mit Grundtherapie:
    Brustamputation plus Achselhöhlen-Ausräumung wegen Erst-Krebs über die fast unvermeidbar deprimierend deutlichen Narbenbildungen.
    Was nützt da die beste Brustprozhese aus Silikon?
    Beim richtigen Partner(!) ist da noch jede Frau mit einer externe Silikon"attrappe" wohl deutlich besser versorgt, finde ich.

    "Die Frau aus einem Vorort von Paris hat nach einem Krebstumor ihre rechte Brust verloren und ließ sich 2001 das PIP-Produkt einsetzen."

    Wenn bei meiner Freundin/ Frau ein Brustkrebs festgestellt werden würde und Ihr die Brust abgenommen werden muss, stehe ich Ihr zur Seite.
    Egal, ob Sie eine Silikon OP wünscht oder nicht.
    Alleine, um Ihr Selbstbewusstsein (eine Frau zu sein) aufrecht zu erhalten.

    Wer sich so vehement darüber empört, sollte einmal einen Brustkrebs erleiden. *das w+nsche ich natürlich niemanden*
    Dann wäre ich gespannt, wie diese Menschen handeln würden.

    Zustimmung!
    Zumal der Zusammenhang von vermehrter Krebs-Neuerkrankung und rein kosmetisch begründeten Silikon-Einpflanzungen meines Wissens doch schon Jahrzehte lang bekannt ist.
    Außerdem klagen doch so gut wie alle Frauen mit Grundtherapie:
    Brustamputation plus Achselhöhlen-Ausräumung wegen Erst-Krebs über die fast unvermeidbar deprimierend deutlichen Narbenbildungen.
    Was nützt da die beste Brustprozhese aus Silikon?
    Beim richtigen Partner(!) ist da noch jede Frau mit einer externe Silikon"attrappe" wohl deutlich besser versorgt, finde ich.

    "Die Frau aus einem Vorort von Paris hat nach einem Krebstumor ihre rechte Brust verloren und ließ sich 2001 das PIP-Produkt einsetzen."

    Wenn bei meiner Freundin/ Frau ein Brustkrebs festgestellt werden würde und Ihr die Brust abgenommen werden muss, stehe ich Ihr zur Seite.
    Egal, ob Sie eine Silikon OP wünscht oder nicht.
    Alleine, um Ihr Selbstbewusstsein (eine Frau zu sein) aufrecht zu erhalten.

    Wer sich so vehement darüber empört, sollte einmal einen Brustkrebs erleiden. *das w+nsche ich natürlich niemanden*
    Dann wäre ich gespannt, wie diese Menschen handeln würden.

  3. muss es heißen.

  4. Ich verstehe Frauen nicht, die nach Schwangerschaften sich ein Implantat einbauen lassen.

    Direkt nach dem Abstillen ist die Brust zwar nicht so wunderschön, oft auch kleiner als vor der Schwangerschaft, aber die Natur regelt das schon, genauso wie der Bauch nach einiger Zeit wieder straff und flach wird.

    Bei der Brust dauert es vielleicht ein Jahr, dann ist sie wieder im Normalzustand.

    Das ist zumindest meine Erfahrung, und ich würde jeder jungen Frau abraten, sich dieses künstliche gefährliche Material implantieren zu lassen.

    Einfach ein bisschen Geduld haben !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und viele tragen die Spuren ihrer Schwangerschaften durch den Rest ihres Lebens, wenn sich kein Skalpell an sich lassen.

    Ich freue mich, dass es Frauen gibt, die nach einem Jahr wieder in der alten Form sind. Es gibt aber meiner Meinung nach mehr, die danach von der alten Form träumen, sie aber nie mehr zurück bekommen.

    und viele tragen die Spuren ihrer Schwangerschaften durch den Rest ihres Lebens, wenn sich kein Skalpell an sich lassen.

    Ich freue mich, dass es Frauen gibt, die nach einem Jahr wieder in der alten Form sind. Es gibt aber meiner Meinung nach mehr, die danach von der alten Form träumen, sie aber nie mehr zurück bekommen.

  5. Frauen, welchen nach einer Tumurerkrankung die Brust neu aufgebaut wurde, ist hier selbstverständlich durch die Krankenkasse zu helfen. Aber letztendlich ist hier der Hersteller in der Pflicht.
    Frauen, welche sich, aus welchen Gründen auch immer, freiwillig unters Messer legen, hmmm...

    Aber mich fragt ja keiner.

  6. Zustimmung!
    Zumal der Zusammenhang von vermehrter Krebs-Neuerkrankung und rein kosmetisch begründeten Silikon-Einpflanzungen meines Wissens doch schon Jahrzehte lang bekannt ist.
    Außerdem klagen doch so gut wie alle Frauen mit Grundtherapie:
    Brustamputation plus Achselhöhlen-Ausräumung wegen Erst-Krebs über die fast unvermeidbar deprimierend deutlichen Narbenbildungen.
    Was nützt da die beste Brustprozhese aus Silikon?
    Beim richtigen Partner(!) ist da noch jede Frau mit einer externe Silikon"attrappe" wohl deutlich besser versorgt, finde ich.

  7. "Die Frau aus einem Vorort von Paris hat nach einem Krebstumor ihre rechte Brust verloren und ließ sich 2001 das PIP-Produkt einsetzen."

    Wenn bei meiner Freundin/ Frau ein Brustkrebs festgestellt werden würde und Ihr die Brust abgenommen werden muss, stehe ich Ihr zur Seite.
    Egal, ob Sie eine Silikon OP wünscht oder nicht.
    Alleine, um Ihr Selbstbewusstsein (eine Frau zu sein) aufrecht zu erhalten.

    Wer sich so vehement darüber empört, sollte einmal einen Brustkrebs erleiden. *das w+nsche ich natürlich niemanden*
    Dann wäre ich gespannt, wie diese Menschen handeln würden.

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    Bei 80% der operierten Frauen gab es keine medizinische Notwendigkeit, da waren es rein ästhetische Gründe.

    Diese Tatsache muss man jetzt nicht hinter den Brustkrebs-Fällen verstecken.

    Bei 80% der operierten Frauen gab es keine medizinische Notwendigkeit, da waren es rein ästhetische Gründe.

    Diese Tatsache muss man jetzt nicht hinter den Brustkrebs-Fällen verstecken.

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