Medizinskandal : Interpol fahndet nach Gründer der Brustimplantate-Firma

Der Mann, der die Billig-Brustimplantate produzieren ließ, wird international gesucht. Allerdings nicht wegen seiner Firma, sondern wegen Trunkenheit am Steuer.

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat bereits nach dem Gründer der französischen Produktionsfirma billiger Brustimplantate gesucht – allerdings wird nicht wegen des Skandals um seine Firma gesucht, sondern wegen mutmaßlicher Trunkenheit am Steuer. Mit zwei Fahndungsbildern wird nach Jean-Claude Mas in Costa Rica wegen Straftaten im Zusammenhang mit "Leben und Gesundheit" gefahndet. Interpol teilte mit, dass die Bilder bereits im Juni veröffentlicht wurden.

Die Behörde gab eine sogenannte "Red Notice" heraus. Dieser Schritt ist gleichzusetzen mit einem internationalen Haftbefehl. Allerdings kann Interpol formal keine Haftbefehle ausstellen, sondern nur die Mitgliedsländer weltweit zur Fahndung auffordern.

Die von Mas gegründete Firma Poly Implant Prothèse (PIP) soll Silikon, das eigentlich in Matratzen eingesetzt wird, zur Herstellung von Brustimplantaten verwendet haben, die dadurch zu reißen drohen. PIP war 2010 pleitegegangen. Zuvor war der Firma die Vermarktung, der Vertrieb und die weitere Verwendung der Implantate untersagt worden. PIP hat in seinen besten Zeiten pro Jahr etwa 100.000 Implantate produziert und war damit zeitweise der weltweit drittgrößte Produzent.

Allein in Brasilien sind 25.000 Frauen betroffen

Frauen in mehr als 65 Ländern wurden die billigen Silikonkissen eingesetzt. Die meisten leben in Südamerika und Westeuropa. Allein in Brasilien sollen der staatlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil zufolge bis 2010 die Implantate etwa 25.000 Mal eingesetzt worden seien. Die Agentur beruft sich dabei auf die Gesundheitsaufsicht Anvisa. Die Gesundheitsaufsicht riet den betroffenen Frauen, den Arzt aufzusuchen und notwendige Untersuchungen durchführen zu lassen.

Am Freitag hatte das französische Gesundheitsministerium 30.000 Frauen empfohlen, die Billig-Implantate vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen. Es gebe zwar "bislang kein erhöhtes Krebsrisiko", aber es sei dennoch ratsam, die Einlagen herausoperieren zu lassen. In Frankreich waren acht Krebsfälle nach gerissenen Implantaten bekanntgeworden.

In Deutschland sind nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 19 Fälle von Rissen in PIP-Implantaten bekannt. Das BfArM riet betroffenen Frauen, "zur individuellen Risikoabwägung" mit ihrem Arzt zu sprechen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus könnten in Deutschland insgesamt 7.500 Frauen die minderwertigen Implantate erhalten haben.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Raffgier um jeden Preis

Wenn ich den Artikel richtig verstehe, so wurden ungeeignete und sehr warscheinlich billigere Rohstoffe (Silikon) dazu verwendet Implantate für den Menschen herzustellen. Ohne jegliche Bedenken über die möglichen Konzequenzen. Das ist ungeheuerlich und gehört aufs Schärfste verurteilt und bestraft. Dennoch hat die Affäre auch einen anderen Aspekt, der zumindest teilweise zum Tragen gekommen sein könnte. Waren hier auf Seiten der Empfänger der Implantate auch wirtschaftliche Gründe dafür ausschlagebend, diese warscheinlich billigeren Implantate zu verwenden? So nach dem Motto "Wir machen ein Schnäppchen?" Ich will nicht als Zyniker da stehen. Aber nach Zahnersatz aus dem Osten und auch aus China,wegen des Preises sowie billige Schönheitsoperationen und Altenpflege in "preisgünstigeren Regionen" auf dieser Welt , kann ich mir auch solche Motivationen bei Brustimplantaten vorstellen. Nur sind, zum Unterschied von anderen Notwendigkeiten, Schönheitsoperationen wirklcih überflüssig. Man sollte sie nur durchführen, wenn überhaupt, wenn man sie sich auch leisten kann. Dann kann man auch normale Preise zahlen und hat dafür die gröstmögliche Gewähr für die notwendige Qualität. Schnäppchenjagd kann nicht so weit gehen, dass man seinen eigenen Körper derartigen Risiken aussetzt.

Warum hat hier eigentlich die Marktwirtschaft versagt?

Ist zwar ein bisschen "off-topic", aber ich frage mich bei diesem Skandal, warum der Fall nicht viel früher ans Tageslicht kam. Alle zeigen nun zwar mit dem Finger auf irgendwelche Aufsichtsbehörden, aber im Grunde müssten vor staatlichen Aufsichtsstellen die Wettbewerber aktiv werden:

Wenn der PIP zwischenzeitlich mal der drittgrößte Anbieter war, dann gab es mindestens drei Wettbewerber, die größtes Interesse daran haben müssten, solche illegalen Praktiken offen zu legen und so einem Unternehmen (global, aber natürlich in jedem Land einzeln) das Handwerk zu legen. Und unter "das Handwerk legen" kann man von Intervention bei staatlichen Stellen ebenso verstehen, wie Medien-Kampagnen und Ärzte-Informationen, die offen legen, dass da einer Industrie-Silikone in Brust-Implantaten verwendet.

Die Beschaffung und die Analyse der Silikon-Zusammensetzung der PIP-Implantate dürfte für die Wettbewerber trivial (gewesen) sein und wenn die auf so schmutzige Art eine höhere Rentabilität erzielen, dann ist es eben der Wettbewerb, der in einer funktionierenden Marktwirtschaft den Betrug anzeigt/veröffentlicht und zu Fall bringt. Nicht zuletzt könnten die Wettbewerber schon seit geraumer Zeit ein veritables Zusatz-Geschäft dadurch machen, dass sie den PIP-Opfern vergünstigte Wechsel-Optionen anbieten.

Aber aus irgend einem Grund scheint das hier nicht funktioniert zu haben - die aktuelle Form der Marktwirtschaft scheint den Kundennutzen aus dem Fokus verloren zu haben..

Ich frage mich auch, welcher gute Chirurg

sich darauf einlässt offensichtlich nicht geeignetes Material in fremde Körper zu verpflanzen (und ich gehe mal davon aus, dass die ganz gut wissen, was geht und was nicht). Die müssten eigentlich genauso dafür mitverantwortlich gemacht werden. Gehört jetzt zwar nicht ganz hierher, oder handelt es sich bei diesen Straftaten bezüglich "Leben und Gesundheit" eben um diese Implantate? Mutmaßliche Trunkenheit am Steuer, mein Gott, ist ja eigentlich ein Allerweltsthema und kein Grund für eine Red Notice. Ist natürlich schon irgendwie ein ulkiger Zufall, aber wenn schon darüber berichtet wird, würde ich mir auch mehr Hintergrundinformationen wünschen. Z.B. warum man von Trunkenheit am Steuer ausgeht, aber trotzdem nicht weiß wo er ist.

Ärzte sind keine Chemiker ..

Um dem Betrug auf die Spur zu kommen, hätte man Chemiker sein müssen. Ein Silikon herzustellen, das sich wie erwartet anfühlt, ist nicht schwer. Das Problem liegt, wie dieses Beispiel eindrucksvoll beweist, auf der Seite der Randbedingungen: Beim Industrie-Silikon zerstört offenbar im Laufe der Zeit die Hülle - wer weiß, was da noch für Zuschlagstoffe drin sind. Das vorgesehene Silikon wird mit großer Sicherheit weder die Hülle angreifen, noch Bestandteile besitzen, deren Wirkung auf den Körper unbekannt oder gefährlich sind.

Ein Arzt wird mit der Frage überfordert sein, was er da tatsächlich implantiert. Er muss sich darauf verlassen, was die Hersteller und die Entsprechenden Kontrollbehörden versichern. Natürlich kann und muss er, wenn er Unregelmäßigkeiten feststellt, den Hersteller, die Aufsichtsbehörden informieren und kann ggf. auch andere Hersteller nach ähnlichen Problemen befragen.