Lebensmittel sollten biologisch angebaut sein – und dazu noch fair gehandelt, klimaverträglich und regional. Leserin E. Becker fühlt sich beim Einkauf überfordert.
Obwohl ich den Wunsch habe, Bioprodukte einzukaufen, schaffe ich es nur einmal in der Woche zum Bio-Supermarkt in meinem Stadtteil. Die Filiale einer herkömmlichen Supermarktkette liegt näher an meiner Wohnung und bietet inzwischen auch einige Bioprodukte an.
Daneben hat der näherliegende Supermarkt inzwischen auch eine Milch- und Joghurtsorte aus der Region im Angebot, die allerdings kein Bio-Produkt ist. Kaufe ich nun die Bio-Milch, die eine lange Reise hinter sich hat, bevor sie im hessischen Supermarktregal steht, oder doch lieber die konventionelle Milch aus dem benachbarten Taunus?
Im Bio-Supermarkt entdecke ich einen Beutel mit Waschnüssen. Diese aus Indien stammenden Früchte sollen besonders umweltfreundlich sein, da die Pflanzen nachhaltig angebaut werden. Dass die hohe Nachfrage aus Westeuropa jedoch den Preis der Waschnuss in Asien in die Höhe getrieben hat, passt nicht mit meinem Verständnis der Bio-Philosophie zusammen. Kaufe ich die Nüsse aus Asien, unterstütze ich eine ausbeuterische Anbauweise und einen klimaschädlichen Transport um den halben Erdball.
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© BeneA / photocase.com
Freunde lösen die Bio-Frage anders. Sie fahren mit ihren Kindern zu einem Bio-Bauernhof in der Wetterau. Wenn es um die Frage der Nachhaltigkeit geht, überzeugt mich aber auch dieses Einkaufsmodell nicht. Der Einkauf in der Wetterau erfordert zweimal wöchentlich die Anreise mit dem PKW. Ich finde, da ist die konventionelle Milch aus dem Taunus mehr Bio.
Der Aufwand, zwischen Klimafreundlichkeit, Fair-Trade und dem Regionalitätsprinzip abzuwägen, ist mir oft zu hoch. Zurück bleiben ein schlechtes Gewissen und der Wunsch nach mehr Überschaubarkeit in der globalisierten Welt der grenzenlosen Einkaufsmöglichkeiten.
- Datum 07.12.2011 - 12:30 Uhr
- Quelle Leserartikel
- Kommentare 43
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Von dieser Schuld hat mich mal ein ausgezeichneter Kochkursleiter und Caterer aus Regensburg (Christoph Hauser von Hauser´s Kochlust) freigesprochen. Er ist Mitglied bei dem anscheinend sehr sinnvollen Verein "Slow Food". Wollte mir das Ganze selbst schon aus der Nähe anschauen, aber leider, die Zeit... Jedenfalls ging es bei dem Kochkurs genau um das angesprochene Problem, und Christoph sagte uns ganz offen, dass es da auch keine eierlegende Wollmilchsau gibt, man müsse sich immer entscheiden, in welcher Form man aktiv sein wolle. Und das schließt sich eben mitunter auch aus, denn wie Sie in Ihrem Artikel schreiben - zum Biobauernhof muss ich eben erstmal hinfahren und dazu gegebenenfalls meinen PKW anschmeißen. Auch den wirtschaftlichen Faktor sprach er an: Sie können sehr wohl ein biologisch wertvolles Catering für 50 Personen anbieten, nur ist das natürlich deutlich teurer als die herkömmliche Variante.
Fazit blieben für mich damals zwei Dinge:
1. Slow Food ist prima :-)
2. Man kann nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen und muss das aber auch nicht. Ein gutes Bewusstsein für Möglichkeiten der Nachhaltigkeit reicht schonmal aus, um immerhin hier mal das Eine, dort mal das Andere zu unterstützen.
Und billig müssten die Sachen doch eigentlich auch noch sein. Wir verdienen unser Geld ja auch nicht unbedingt "bio".
Und billig müssten die Sachen doch eigentlich auch noch sein. Wir verdienen unser Geld ja auch nicht unbedingt "bio".
Ich habe da eine ganz einfache Regel: Produkte aus der Region werden bevorzugt. Produkte, die ich nicht aus der Region bekomme, sollen wenigstens in irgendeiner Form nachhaltig sein - ob ökologisch günstiger Anbau oder fair gehandelt, der Unterschied ist mir dann letztlich egal.
Dadurch erübrigt sich dann auch die Frage nach der Waschnuss. In meiner Region werden extra als Alternative zu Tabak Haselnüsse angebaut. Wenn's mir also um die Nuss geht, kaufe ich regional. Wenn's mit um die Waschnuss speziell geht, bekomme ich die sowieso nicht aus der Region. Also wäre hier dann wohl der faire Handel der Aspekt, auf den ich mich konzentrieren würde.
Wenn ich mir unsicher bin, dann hole ich einfach mein Handy aus der Tasche, scanne den Barcode des Produkts und schwupp erhalte ich umfangreiche Informationen zum Produkt. Dafür gibts eine ganze Reihe von Apps, die dann extra Informationen zum ökologischen Anbau und zum Fair Trade bereitstellen (so dies beim jeweiligen Produkt gegeben ist).
Aber das wird Ihnen, Frau Becker, natürlich nichts nützen. Denn der Unterschied zwischen Ihnen und mir ist, dass ich weiß, was ich will, dabei klare Prioritäten habe und anschließend auch, wie ich meine Informationen bekomme.
Sie können sich Ihres Problems also nur entledigen, wenn Sie für sich entscheiden, was Ihnen wie wichtig ist - diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen. Ab dann ist es nur noch eine Frage der Informationsbeschaffung.
... wurde mit politisch korrektem, fair gehandeltem und nachhaltig abgebautem Coltan aus dem Kongo hergestellt, richtig? :-)
... wurde mit politisch korrektem, fair gehandeltem und nachhaltig abgebautem Coltan aus dem Kongo hergestellt, richtig? :-)
...der Verbraucher ist das schwächste Glied in der Kette, er wird betrogen, ihm wird Information vorenthalten und er muss enormen Aufwand betreiben, um moralisch (und nur darum geht es) zu konsumieren.
Und warum versucht er das? Weil alle ihm einreden, der Markt müsse richten, was Unternehmer, Freihandel und Politik nicht auf die Reihe bekommen (wollen). Denn die wären die natürlich Ansprechpartner, wenn es darum geht Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Tierquälerei etc. zu vermeiden. Aber die lassen sich ihre bombigen Geschäfte ungern vermiesen und referenzieren daher auf den heiligen Markt, wohlwissend, dass sie von dem nicht ernsthaft was befürchten müssen.
Von daher: guter Artikel Frau Becker! Hoffentlich hält die Erkenntnis bis zum nächsten "die Verbraucher wollen es nicht anders"-Artikel an.
Die protestantische Glaube ist in Deutschland verdunstet; auf seinem wichtigsten Herrschaftsinstrument, dem "peinigenden Gewissen", spielen nun andere, vor allem die Sozial- und die Ökoindustrie.
Ich halte eine gute Ernährung für sehr wichtig.
Mir persönlich eröffnet sich jedoch nicht, warum man sich in eine solche Angelegenheit so hineinsteigern kann. Ich wünsche denen, die diese Neigung haben, daß sie sich davon frei machen können.
...klingt Ihr Kommentar ein bischen zu sehr nach "Schuld sind die Anderen, ich kann nix dafür..."
Natürlich belügt und betrügt uns die Industrie. Sie will Geld verdienen, da stört Moral und Gewissen halt, wer etwas anderes erwartet ist naiv.
Und natürlich versagt die Politik auch hier. Wer bürgernahe Politik erwartet, der ist zweimal naiv!
Trotzdem - den gesunden Menschenverstand zu benutzen ist nicht verboten! Und auch nicht allzu schwierig...
Solange Menschen im 60.000,- € SUV zu Aldi fahren und Schweinerücken zu 2,49 € das Kilo kaufen, kann ich dem Verbraucher nicht die Absolution erteilen!!!
Die protestantische Glaube ist in Deutschland verdunstet; auf seinem wichtigsten Herrschaftsinstrument, dem "peinigenden Gewissen", spielen nun andere, vor allem die Sozial- und die Ökoindustrie.
Ich halte eine gute Ernährung für sehr wichtig.
Mir persönlich eröffnet sich jedoch nicht, warum man sich in eine solche Angelegenheit so hineinsteigern kann. Ich wünsche denen, die diese Neigung haben, daß sie sich davon frei machen können.
...klingt Ihr Kommentar ein bischen zu sehr nach "Schuld sind die Anderen, ich kann nix dafür..."
Natürlich belügt und betrügt uns die Industrie. Sie will Geld verdienen, da stört Moral und Gewissen halt, wer etwas anderes erwartet ist naiv.
Und natürlich versagt die Politik auch hier. Wer bürgernahe Politik erwartet, der ist zweimal naiv!
Trotzdem - den gesunden Menschenverstand zu benutzen ist nicht verboten! Und auch nicht allzu schwierig...
Solange Menschen im 60.000,- € SUV zu Aldi fahren und Schweinerücken zu 2,49 € das Kilo kaufen, kann ich dem Verbraucher nicht die Absolution erteilen!!!
...mehr Infos zu Biokost.
so reagiert Italien und die Schweiz mit solchen Gaunern.
http://www.nzz.ch/nachric...
Anmerkung: Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/se
Teil 2
nzz online/nachrichten Wirtschaft/aktuell/importstopp_nach_bio-faelschungen_
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo.
Süßes wird mit schlechtem Gewissen verzehrt.
Wer raucht, hat ganz klar Warnhinweise verinnerlicht und tut dies mit schlechtem Gewissen.
Wenn man Auto fährt, fährt das Gewissen mit.
Kann man seine Kinder noch ohne schlechtes Gewissen vor dem Fernseher sitzen lassen.
Haben wir nicht zu wenig Sport und sollte sich das Gewissen nicht ständig zu Wort melden.
Können wir noch Fleisch verzehren, ohne dass das Gewissen zuschlägt.
Und nicht als letztes, aber hier zuletzt: kaufen wir nicht irgend etwas, das unter schlimmsten Bedingungen produziert wurde und was tut unser Gewissen dabei?
Alles klar, wir leben in Zeiten, die das Gewissen sehr strapazieren. Dabei kommt aber leider oft nicht mehr raus als ein solcher nichtssagender Artikel, der eigentlich keine Botschaft hat.
Schade, denn das Thema ist von mehreren Seiten interessant, würde ich sagen.
"Der Aufwand, zwischen Klimafreundlichkeit, Fair-Trade und dem Regionalitätsprinzip abzuwägen, ist mir oft zu hoch. Zurück bleiben ein schlechtes Gewissen..."
Wem ein wenig Denkaufwand zu hoch ist, der hat sich sein schlechtes Gewissen redlich verdient!
So ist das halt nun mal mit Verantwortung - die fällt nicht kostenlos vom Himmel, die macht Mühe!
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