Obwohl ich den Wunsch habe, Bioprodukte einzukaufen, schaffe ich es nur einmal in der Woche zum Bio-Supermarkt in meinem Stadtteil. Die Filiale einer herkömmlichen Supermarktkette liegt näher an meiner Wohnung und bietet inzwischen auch einige Bioprodukte an.

Daneben hat der näherliegende Supermarkt inzwischen auch eine Milch- und Joghurtsorte aus der Region im Angebot, die allerdings kein Bio-Produkt ist. Kaufe ich nun die Bio-Milch, die eine lange Reise hinter sich hat, bevor sie im hessischen Supermarktregal steht, oder doch lieber die konventionelle Milch aus dem benachbarten Taunus?

Im Bio-Supermarkt entdecke ich einen Beutel mit Waschnüssen. Diese aus Indien stammenden Früchte sollen besonders umweltfreundlich sein, da die Pflanzen nachhaltig angebaut werden. Dass die hohe Nachfrage aus Westeuropa jedoch den Preis der Waschnuss in Asien in die Höhe getrieben hat, passt nicht mit meinem Verständnis der Bio-Philosophie zusammen. Kaufe ich die Nüsse aus Asien, unterstütze ich eine ausbeuterische Anbauweise und einen klimaschädlichen Transport um den halben Erdball.

Freunde lösen die Bio-Frage anders. Sie fahren mit ihren Kindern zu einem Bio-Bauernhof in der Wetterau. Wenn es um die Frage der Nachhaltigkeit geht, überzeugt mich aber auch dieses Einkaufsmodell nicht. Der Einkauf in der Wetterau erfordert zweimal wöchentlich die Anreise mit dem PKW. Ich finde, da ist die konventionelle Milch aus dem Taunus mehr Bio.

Der Aufwand, zwischen Klimafreundlichkeit, Fair-Trade und dem Regionalitätsprinzip abzuwägen, ist mir oft zu hoch. Zurück bleiben ein schlechtes Gewissen und der Wunsch nach mehr Überschaubarkeit in der globalisierten Welt der grenzenlosen Einkaufsmöglichkeiten.