TransplantationenViele Spender kommen für eine Organentnahme nicht infrage
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Patientenverfügungen stehen im Widerspruch zur Organspende

Die Studie habe ergeben, dass eine intensivmedizinische Behandlung bei potenziellen Spendern "in vielen Fällen nicht eingeleitet" werde, bestätigte DSO-Vorstand Günter Kirste dem Tagesspiegel auf Anfrage. Ob das stets zum Wohle der Patienten sei, lasse er dahingestellt. Es sei aber "erstaunlich, wie oft die Kliniken inzwischen mit dem Thema Patientenverfügung konfrontiert" seien.

Fast alle dieser Patientenverfügungen stünden "im Widerspruch zur Organspende", behauptet der Chef der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. "Behandlungsbegrenzung und Transplantation schließen sich gegenseitig aus." Und je mehr Menschen sich für eine Therapiebegrenzung entschieden, desto weniger Organspender werde es geben.

Kirste ärgert sich über solche Darstellungen und bezeichnet sie als "Unfug". Man könne schließlich sehr wohl für den Fall einer Krebserkrankung eine Patientenverfügung unterzeichnen, die lebensverlängernde Intensivmaßnahmen ausschließt, und bei Unfall oder akutem Schlaganfall dennoch als Organspender zur Verfügung stehen. Allerdings wäre dafür eine differenzierte Patientenverfügung erforderlich. Und weit mehr Aufklärung potenzieller Organspender als bisher – mit dem Risiko, dass sich dies womöglich dann auch kontraproduktiv auf die Spenderzahlen auswirken könnte.

Verschweigen sei trotzdem keine Lösung, findet Brysch. Jeder müsse wissen: "Wer sich zur Organspende bereiterklärt, erhält zwangsläufig intensivmedizinische Behandlung. Diese Patienten werden beatmet, ernährt und medikamentös stabilisiert, um die Organe entnehmen zu können." Für emotionale Werbekampagnen zur Organspende seien in den vergangenen zehn Jahren 100 Millionen Euro ausgegeben worden. Doch um den Menschen die Angst zu nehmen, müsse man an den Verstand appellieren. "Fakten statt Mitleid muss die Devise lauten, sonst werden Misstrauen und Verweigerung nicht beendet."

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Man könnte die Zahl der Organspenden sicherlich auch erhöhen, wenn man auch endlich Homosexuellen erlauben würde, ihre Organe zu spenden! Schafft endlich diese ungerechte Diskriminierung ab!

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    • BinJip
    • 16.12.2011 um 18:49 Uhr

    Sie verwechseln hier Blutspende mit Organspende.

    Für Organspenden ist Homosexualität in Deutschland kein Ausschlusskriterium.

    • BinJip
    • 16.12.2011 um 18:49 Uhr

    Sie verwechseln hier Blutspende mit Organspende.

    Für Organspenden ist Homosexualität in Deutschland kein Ausschlusskriterium.

  2. Mir geht bei dem Thema zu viel durcheinander. Auf der einen Seite gibt es Organspenden, die kein Ableben des Spenders voraussetzen (Knochenmark, Teile der Leber).

    Auf der anderen Seite stimmt man mit einem Organspendeausweis de facto nicht nur der Organentnahme, sondern auch der Gewebeentnahme (Knochenteile, Knorpel, Haut) zu. Dieses Gewebe wird von den entsprechenden Firmen mit hohem Gewinn in medizinische Hilfsprodukte überführt -- vom edlen Gedanken des entgeltlosen Lebenrettens bleibt da wenig übrig.

    Der Gedanke ekelt mich an, dass eine Medzintechnikfirma aus meinen Geweberesten Profit erzielt. Da würde ich mich ja noch lieber plastiniert in von Hagens Körperwelten-Kabinett ausstellen lassen ...

    Und es ist sehr bezeichnend, dass die entsprechenden Stellen eine bessere Aufklärung der Patienten zur Organspende scheuen, aus Angst, dann weniger Spender zu haben.

    Organspende, um Leben zu retten: ja, gerne. Der Körper als menschliches Ersatzteillager, um Profitgier und ärztlichen Machbarkeitswahn zu befriedigen: nein, danke.

    10 Leserempfehlungen
    • Ius
    • 16.12.2011 um 18:48 Uhr

    rechtlicher Hickhack. Es Bedarf eines "grundbuchähnlichen" Rangverhältnisses, einer flexiblen "Gesamtverfügung". In jene sind alle medizinischen Maßnahmen einzufügen, die vom Patienten in bestimmten Situationen gewollt sind und zwar in einem Rangverhältnis, in welchem sie sich nicht widersprechen! Hierbei bedarf es natürlich qualifzierter Beratung, in welcher man dem geistig beschränkten Patienten auch gleich klarmachen kann, was Herr Brysch bereits im letzten Absatz treffend darlegte.

    • BinJip
    • 16.12.2011 um 18:49 Uhr

    Sie verwechseln hier Blutspende mit Organspende.

    Für Organspenden ist Homosexualität in Deutschland kein Ausschlusskriterium.

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    Antwort auf "Diskriminierung"
  3. Oder verstehe ich den Artikel richtig, nämlich so, dass man Gefahr läuft, organtransplantiert zu werden, sobald man auf die Intensivstation kommt?

    Und ich dachte immer, da würde einem das Leben gerettet.

    Hilfe, her mit der nächsten Patientenverfügung!

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    und gehen Sie bitte sofort einen Schritt weiter bevor Sie noch andere mit Ihrer seltsamen Logik anstecken.

    Im Artikel steht nicht, dass jeder, der auf der Intensivstation liegt zum Spender wird.

    Andererseits müssen organspendende Sterbende auf die Intensivstation verlegt werden, um dort so lange und so intensiv wie möglich behandelt werden, dass sie auch Organe spenden können und nicht vorher schon versterben.

    und gehen Sie bitte sofort einen Schritt weiter bevor Sie noch andere mit Ihrer seltsamen Logik anstecken.

    Im Artikel steht nicht, dass jeder, der auf der Intensivstation liegt zum Spender wird.

    Andererseits müssen organspendende Sterbende auf die Intensivstation verlegt werden, um dort so lange und so intensiv wie möglich behandelt werden, dass sie auch Organe spenden können und nicht vorher schon versterben.

    • helgam
    • 16.12.2011 um 19:19 Uhr

    und nicht der Herr Eckart Nagel oder der andere Experte(Name fällt mir gerade nicht ein) aus Bayreuth.
    Diese Herren wollen Geschäftsideen bedienen nicht dem armseligen Menschen helfen.
    Warum sonst kann sich ersterer auf die Frage zur persönlichen Organspende nur mit JEIN heraushalten.
    Darum essen, trinken und leben wir nach eigener Lust und
    nicht um gesunde Lebern und Nieren und anderes den Kanibalen der Moderne hinterherzuwerfen.

    2 Leserempfehlungen
  4. ...solange mir nicht garantiert wird, dass meine Organe gerecht verteilt werden. In diesem Kapitalismus kaufen sich reiche Leute 5 Nieren auf einmal und der einfach Arbeiter muss sterben. Das ist nichts für mich.

    3 Leserempfehlungen
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    . .anderes.
    Ich stelle mir vor, ich liege auf der Intensivstation, schwer angeschlagen, aber es ist durchaus möglich, daß ich nach drei Monaten Pflege wieder auf eine Normalstation komme und mit Reha nach zwei Jahren wieder einigermassen hergestellt bin.In solchen Fällen muss man Geduld haben und langfristig denken.Aber z.Zt. liege ich eben auf Intensiv und es sieht übel aus.
    So, neben mir, oder in einem nahen Krankenhaus, liegt jemand, der einen wesentlich höheren sozialen Status hat als ich und der braucht sofort Hilfe. Seine Angehörigen, der Professor und alle die entscheiden dürfen, sind in der gleichen Sozialen Gruppe und kennen sich.
    Und ich kann die benötigte Hilfe sein.
    Ich weiss , diese Situation hat viele Variable und muss erstmal stimmig eintreten.
    Fakt ist aber, das Menschen mit hoher Intelligenz nicht deswegen ethischer oder ehrlicher sind. Und das Kapitalismusargument kommt dann auch zum tragen.
    Es gibt keinen Grund in einer solchen Extremsituation jemanden zu vertrauen.
    Natürlih warten viele Menschen auf Hilfe, vor allem Herz-und Nierenkranke, und viele sterben, weil sie kein Organ bekommen.
    Aber wie löst man wirklich die Vertrauensfrage?

    . .anderes.
    Ich stelle mir vor, ich liege auf der Intensivstation, schwer angeschlagen, aber es ist durchaus möglich, daß ich nach drei Monaten Pflege wieder auf eine Normalstation komme und mit Reha nach zwei Jahren wieder einigermassen hergestellt bin.In solchen Fällen muss man Geduld haben und langfristig denken.Aber z.Zt. liege ich eben auf Intensiv und es sieht übel aus.
    So, neben mir, oder in einem nahen Krankenhaus, liegt jemand, der einen wesentlich höheren sozialen Status hat als ich und der braucht sofort Hilfe. Seine Angehörigen, der Professor und alle die entscheiden dürfen, sind in der gleichen Sozialen Gruppe und kennen sich.
    Und ich kann die benötigte Hilfe sein.
    Ich weiss , diese Situation hat viele Variable und muss erstmal stimmig eintreten.
    Fakt ist aber, das Menschen mit hoher Intelligenz nicht deswegen ethischer oder ehrlicher sind. Und das Kapitalismusargument kommt dann auch zum tragen.
    Es gibt keinen Grund in einer solchen Extremsituation jemanden zu vertrauen.
    Natürlih warten viele Menschen auf Hilfe, vor allem Herz-und Nierenkranke, und viele sterben, weil sie kein Organ bekommen.
    Aber wie löst man wirklich die Vertrauensfrage?

  5. der nämlich einfach mal für normalbürger = nicht-mediziner das thema veranschaulicht.

    da gibt es m.E. so einfache fragen:
    spielt das lebensalter überhaupt keine rolle
    spielt der gesundheitszustand des spenders eine rolle
    was wird eigentlich 'gebraucht'
    ...

    irgendwelche abstrakten fragen der krankenkassen an ihre kunden wird da nicht förderlich sein?! ?!

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