GesundheitsschädenPhilip Morris soll Studien zu Zigaretten-Zusätzen manipuliert haben

Erstmals wollen Forscher belegt haben, wie gefährlich Zusatzstoffe in Zigaretten sind. Ihre Analyse zeigt, wie der Tabakkonzern gezielt Gesundheitsrisiken verharmlost. von dpa

Menthol, Feuchthaltemittel und Konservierungsstoffe: In Zigaretten ist weit mehr enthalten als nur Tabak. Zahlreiche Zusatzstoffe werden je nach Sorte beigemengt, um die Produkte haltbar zu machen und den Geschmack zu verändern. Die Schädlichkeit der Zusätze ist zwischen Industrie und Tabakgegnern umstritten. Wissenschaftler werfen nun dem Konzern Philip Morris vor, in der Diskussion gezielt negative Forschungsergebnisse heruntergespielt zu haben.

Die Forscher konnten zeigen, dass Zigaretten mit Zusatzstoffen deutlich mehr Giftstoffe abgeben: Der Gehalt an 15 krebserregenden Chemikalien – wie Arsen, Cadmium, Blei und Formaldehyd – sei mindestens ein Fünftel höher als bislang angegeben, schreibt ein internationales Team von Wissenschaftlern in der Zeitschrift PLoS Medicine. Damit seien Ergebnisse zur Wirkung von 333 Tabak-Zusätzen widerlegt, die im Auftrag des Tabakkonzerns Philip Morris erstellt worden waren. Nach Unternehmens-Angaben erhöhen die Zusatzstoffe die Gesundheitsgefahr von Zigaretten nämlich nicht.

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Raucher

In Deutschland pafft etwa ein Drittel der Erwachsenen. Das sind etwa 16 Millionen Menschen. Unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren greift fast jeder fünfte zur Zigarette.

Gefahren

Beim Verbrennen einer Zigarette entstehen mehr als 4.800 chemische Stoffe. Etliche davon sind hochgradig giftig und krebserregend. Neben Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid entstehen unter anderem Benzol, Arsen und Polonium.

Folgen

Wegen Rauchens sterben in Deutschland jährlich etwa 140.000 Menschen. Zu den häufigsten Folgen gehören Krebs (besonders Lungenkrebs), Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Magengeschwüre. Durch Passivrauchen sterben jährlich schätzungsweise 3.300 Menschen. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Rauchens werden auf knapp 20 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, vor allem durch ambulante und stationäre Behandlung, Produktivitätseinbußen sowie Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit.

Die Wissenschaftler um Stanton Glantz von der Universität von Kalifornien in San Francisco werteten Dokumente des Tabakkonzerns noch einmal aus, die im Zuge von Haftungsklagen öffentlich zugänglich waren. In den Studien im Auftrag des Konzerns seien wissenschaftliche Standards umgangen worden, sagt Thomas Kyriss, Lungenchirurg von der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen bei Stuttgart. Er arbeitete an der Überprüfung der Tabakstudien mit. So sei etwa die Zahl der Versuchstiere zu gering angesetzt worden. Auch von "nachträglichen Veränderungen in den Analyseprotokollen" berichten die Wissenschaftler in der Veröffentlichung. Zu kritisieren sei zudem die statistische Aufbereitung. Wären die Tests korrekt ausgeführt worden, wäre ein wesentlich breiteres Spektrum an Auswirkungen der Zusatzstoffe aufgedeckt worden, schreiben die Autoren.

Manipulation als bekanntes Vorgehen in der Tabakindustrie

"Der Hersteller hat natürlich die Intention gehabt, dass hinterher herauskommt, was herauskam: nämlich, dass Zusatzstoffe nicht gefährlich sind oder nur in geringem Maße. Um dies zu erreichen, sind wissenschaftliche Standards an einigen Stellen umgangen worden", sagt Kyriss. Manipulation und bewusste Täuschung seien ein Vorgehen in der Tabakindustrie, das in der Fachwelt seit Längerem bekannt, nun aber erstmals in Bezug auf Zusatzstoffe nachgewiesen worden sei. Der Konzern habe die schädliche Wirkung der umstrittenen Zusatzstoffe heruntergespielt, "um Politik und Öffentlichkeit insbesondere in den USA zu beeinflussen", sagt der Mediziner.

Der Tabakkonzern wies die Vorwürfe zurück. Zusatzstoffe in Tabakprodukten, inklusive Menthol, erhöhten die "inherente Toxizität von Zigaretten" nicht. Dies habe die Ausgangsstudie gezeigt, ebenso wie "andere von Fachleuten überprüfte, umfassende Studien zum Thema Tabakzusatzstoffe".

Leserkommentare
  1. Die Ölindustrie und die Energieversorger sind sich einig und warnen: Freie Energie gefährdet die Gewinne.
    Die Tabakindustrie warnt: Nichtrauchen gefährdet die Gewinne.
    Die Bankenindustrie warnt: Ein Finanzsystem ohne Zinsen gefährdet ihre Macht.
    Mein Tipp: Die meisten Warnungen kann man getrost ignorieren.

    6 Leserempfehlungen
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    Nicht vergessen: "... gefährdet Arbeitsplätze". Immer noch meine liebste Sprechblase der Industrie.

  2. wenn ich rauche dann bin ich mir im Klaren, dass es nicht sonderlich gesundheitsfördernd ist. Immer diese Hetze, als ob Rauchen noch nicht genug stigmatisiert wäre.

    Und das sage ich als Nichtraucher.

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    • Homsa
    • 21. Dezember 2011 20:55 Uhr

    dass Zigaretten ungesund sind.

    Es geht darum, wie bei angeblich wissenschaftlichen Studien der Industrie blanker Betrug begangen wird, um staatliche Behörden irrezuführen.

    Anders kann man der nicht nennen.

  3. von Nahrungs-und Genussmitteln kann man nur begrüßen. Allerdings weiß der informierte Bürger, der 1+1 zusammenzählen kann, schon längst, daß bei allen diesen Industrieprodukionen die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle steht und die Gesundheit von Mensch und Natur an letzter! Und bei dieser Art von Gewissenlosigkeit haben die USA meines Wissens schon immer den Vorreiter gemacht.

    4 Leserempfehlungen
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    Die amerikanischen Imperialisten zünden Zigaretten an und stecken sie Öko-Menschen in den Mund. Pfui,Teufel!

  4. "MONSANTO sollte sich nicht um die Sicherheit seiner Biotech- Nahrung kümmern müssen. Wir interessieren uns dafür, so viel wie möglich zu verkaufen. Um die Sicherheit muß sich die Lebens-und Arzneimittelbehörde FDA kümmern."
    Phil Angell, Unternehmenssprecher von MONSANTO
    NewYorkTimes 1999.
    Dagegen:
    "Letztendlich ist es der Nahrungsmittelhersteller, der dafür verantwortlich ist, daß seine Produkte ungefährlich sind." Offizielle Angaben der FDA über ihre Vorgehensweise bei genmanipulierten Pflanzensorten und daraus hergestellten Nahrungsmitteln.

    Quelle:John Robbins, Food Revolution

    10 Leserempfehlungen
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    ...die Monsanto-Drehtüren sind ja legendär:

    "Beim Gesetzeschreiben sind die berühmten „Drehtüren“ behilflich, die revolving doors. Konzernmitarbeiter wechselt ins Ministerium, Ministeriumsmitarbeiter in den Konzern, Aufsichtsratsmitglied in die Regierung, Regierungsmitglied in den Aufsichtsrat. Es gibt Fälle, wie jenen von Michal R. Taylor, da gelingt dieser Wechsel mehrfach hin und her."

    http://commonsblog.wordpr...

    • poordog
    • 21. Dezember 2011 16:15 Uhr

    Altkanzler Helmut Schmidt halte ich für einen außergewöhnlich intelligenten Menschen. Mit seinem fast ununterbrochen "Genuss" von Mentholzigaretten ist er dabei, uns zu demonstrieren,dass man auf diese Weise einhundert Jahre alt werden kann!

    2 Leserempfehlungen
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    "Mit seinem fast ununterbrochen "Genuss" von Mentholzigaretten ist er dabei, uns zu demonstrieren,dass man auf diese Weise einhundert Jahre alt werden kann!"

    Falsch! Er demonstriert, dass ER auf diese Weise einhundert Jahre alt werden kann.

    Wieso kommen Sie darauf, dass man am Einzelbeispiel Schmidt irgendeine Allgemeingültigkeit ableiten könnte?

    Man kann aber auch an Lungenkrebs sterben und das gibt es wesentlich häufiger, als 100jährige Raucher.

    ist interpretierbar. Ich teile Ihre Ansicht nicht. Helmut Schmidt bewundert z.B. Gewaltmenschen wie Alexander den Großen und beklatscht den sich entwickelnden Kapitalismus in China! Was ist daran intelligent?

    ... genauso, wie er uns demonstriert hat, dass Menschen unheimlich intelligent sein können.

    Sind Sie es?

    dass man durch Lotto reich wird! Wenn man nur ihn betrachtet und die tausenden Verlierer nicht betrachtet, stimmt das ja auch. Die Frage ist, wie weit der eigene Horizont reicht.

    • Kacang
    • 21. Dezember 2011 16:22 Uhr

    ...wird es wohl langsam Zeit für die Bio & Fairtrade Zigarette.

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    auch verkauft, denn die Ökos sind zum nicht unerheblichen Teil auch Raucher.

  5. auch verkauft, denn die Ökos sind zum nicht unerheblichen Teil auch Raucher.

    Antwort auf "Dann..."
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    wer suchte, hat sie längst gefunden. - Einer meiner beiden Großväter rauchte Pfeife und dabei gerne getrocknete Himbeer- und Brombeerblätter - oder echten Knaster. -

  6. Die amerikanischen Imperialisten zünden Zigaretten an und stecken sie Öko-Menschen in den Mund. Pfui,Teufel!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Arsen | Studie | Toxikologie | USA | Heidelberg | Kalifornien
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