Urteil Kleine Kliniken dürfen Frühchen versorgen

Kleine Kliniken haben vor Gericht Recht bekommen. Sie dürfen Frühgeborene weiterhin betreuen. Ursprünglich sollte dies nur noch in großen Spezialkliniken möglich sein.

Frühgeborene dürfen weiterhin in kleineren Krankenhäusern versorgt werden. Das hat das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg entschieden. Das Gericht ist bundesweit für Streitfälle dieser Art zuständig, damit gilt das Urteil in ganz Deutschland.

Mit der Entscheidung kippten die Richter einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen. Dieser wollte die Behandlung von Frühgeburten nur noch in großen Kliniken mit mindestens 30 Fällen pro Jahr zulassen. Dagegen klagten mehr als 40 Kliniken aus ganz Deutschland.

Aus Sicht des Gerichts konnte der GBA nicht nachweisen, dass durch die Mengenvorgabe automatisch auch die Qualität der Versorgung gewährleistet ist. "Die wissenschaftlichen Belege hierfür wurden nicht erbracht", sagte Gerichtssprecher Axel Hutschenreuther. Zudem kritisierten die Richter den Beschluss als willkürlich. Der GBA habe einerseits strikte Vorgaben für Frühgeborene bis 1.250 Gramm gemacht, bei Neugeborenen mit einem Gewicht zwischen 1.250 und 1.500 Gramm dagegen nicht. "Dies ist nicht stimmig", so Hutschenreuther.

Damit setzte das Gericht seine bisherige Rechtsprechung fort. Bereits im Eilverfahren hatte es im Januar die Vorschrift zur Versorgung von Frühgeborenen gekippt, aber die Möglichkeit zur Revision gelassen.

Bei dem Streit um die Frühchen-Versorgung ging es im Wesentlichen um die Frage, wo Frühgeborene am besten versorgt werden und wo sie die größten Überlebenschancen haben.

"Es geht um Lebensschutz", sagte der GBA-Vorsitzende Rainer Hess vor Gericht. Nach Auffassung von Ärzten haben Frühchen bessere Überlebenschancen, wenn sie in größeren Spezialkliniken entbunden werden. Die entsprechende Regelung des GBA sollte ursprünglich zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft treten. Der GBA setzte den Beschluss bis zur grundsätzlichen Entscheidung des Gerichts jedoch nicht um.

Die klagenden Krankenhäuser fürchteten unter anderem lukrative Patienten zu verlieren. Auch längere Wege für die Betroffenen nannten sie als Gegengründe. "Größe ist keine Garantie für medizinische Qualität", sagte Rechtsanwalt Bodo von Wolff. Der Jurist vertritt in dem Streit 16 Kliniken in Baden-Württemberg, Bayern und Berlin. Vielmehr würden Säuglinge eher besser versorgt, wenn sich ein kleines Expertenteam um sie kümmere anstatt vieler Assistenzärzte etwa in einer Universitätsklinik.

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Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) äußerte sich positiv: "Die Qualität der Versorgung von Frühgeborenen im Land Brandenburg ist trotz der geringen Fallzahlen seit Jahren sehr gut", sagte sie. Enttäuscht zeigte sich dagegen die Deutsche Kinderhilfe: "Das Gericht bewertet die Gewinnerwartung von Kliniken höher als die Überlebenschancen von Frühgeborenen", hieß es in einer Mitteilung.

Nach Angaben der Deutschen Kinderhilfe werden bundesweit jährlich etwa 60.000 Kinder zu früh geboren.

 
Leser-Kommentare
  1. mordskohle dafür geben ...

  2. Tatsächlich geht es bei der Klage leider nicht um die Überlebenschance der Frühgeborenen. Extrem frühgeborene Kinder bedeuten für die Kliniken einen hohen Gewinn, weil die Versorgung zwar aufwendig, aber auch sehr gewinnbringend ist. Mit der Privatisierung des Krankenhäuser ist ein Verteilungskampf entstanden. Das, und nur das minimiert die Überlebenschace der Frühgeborenen!

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    • cinor
    • 21.12.2011 um 21:15 Uhr

    Erhöht es nicht eher die Überlebenschance? Wenn die Behandlung so lukrativ ist, müsste konsequenterweise auch alles an medizinischem Gerät und Hokuspokus aufgefahren werden, um das kleine Leben zu retten. Was es auch wird.

    Ich würde dennoch das Leben meines Kindes in dem Fall einem großen Klinikum anvertrauen und nicht einem kleinen Kreiskrankenhaus.

    • cinor
    • 21.12.2011 um 21:15 Uhr

    Erhöht es nicht eher die Überlebenschance? Wenn die Behandlung so lukrativ ist, müsste konsequenterweise auch alles an medizinischem Gerät und Hokuspokus aufgefahren werden, um das kleine Leben zu retten. Was es auch wird.

    Ich würde dennoch das Leben meines Kindes in dem Fall einem großen Klinikum anvertrauen und nicht einem kleinen Kreiskrankenhaus.

    • cinor
    • 21.12.2011 um 21:15 Uhr

    Erhöht es nicht eher die Überlebenschance? Wenn die Behandlung so lukrativ ist, müsste konsequenterweise auch alles an medizinischem Gerät und Hokuspokus aufgefahren werden, um das kleine Leben zu retten. Was es auch wird.

    Ich würde dennoch das Leben meines Kindes in dem Fall einem großen Klinikum anvertrauen und nicht einem kleinen Kreiskrankenhaus.

    Antwort auf "Verteilungskämpfe"
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    ... ein Krankenhaus mittlerer Größe bevorzugen. Und mit medizinischem "Hokupokus" kommt man in der Regel nicht weit. Tatsächlich ist Masse nicht gleich Qualität, aber natürlich braucht man eine gewisse Anzahl von Fällen, um im Training zu bleiben. Erfahrene Mediziner kehren aber den großen Kliniken häufig den Rücken, weil die Arbeitsbedingungen aufgrund der Privatisierungen nicht besser werden.

    ... ein Krankenhaus mittlerer Größe bevorzugen. Und mit medizinischem "Hokupokus" kommt man in der Regel nicht weit. Tatsächlich ist Masse nicht gleich Qualität, aber natürlich braucht man eine gewisse Anzahl von Fällen, um im Training zu bleiben. Erfahrene Mediziner kehren aber den großen Kliniken häufig den Rücken, weil die Arbeitsbedingungen aufgrund der Privatisierungen nicht besser werden.

  3. ... ein Krankenhaus mittlerer Größe bevorzugen. Und mit medizinischem "Hokupokus" kommt man in der Regel nicht weit. Tatsächlich ist Masse nicht gleich Qualität, aber natürlich braucht man eine gewisse Anzahl von Fällen, um im Training zu bleiben. Erfahrene Mediziner kehren aber den großen Kliniken häufig den Rücken, weil die Arbeitsbedingungen aufgrund der Privatisierungen nicht besser werden.

    Antwort auf "Nun... "
  4. Sondern die Qualität des "Produktes" ist ausschlaggebend.

    Und da sind nicht nur und ausschließlich Apparate gefordert, gelle?

    Ich verbleibe mit den besten Wünschen für eine be-sinn-liche Zeit nicht nur in dieser Weihnachts-Zeit!!

    Dat PaPaKlaus
    Klaus K. Wagner
    (Wahrname)
    ++++++++++++  
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    Moneten seid umklammert!!

    • Xiyan
    • 22.12.2011 um 11:08 Uhr

    Zu der Meinung, Masse gleicht nicht Qualität, kann man beim Thema Frühchenversorgung nur den Kopf schütteln. Denn Frühchen mit extrem geringer Körpermasse, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, benötigen eine Maximalversorgung, die durch ein Maximum am interdisziplinären technischen Können sowie modernste Gerätschaften zu gewährleisten ist. Nicht nur die Neonatologie selbst, sondern auch andere hoch spezialisierte Disziplinen wie Neurochirurgie, Kinderchirurgie etc. sind notwendig. Wir sprechen hier nicht darüber, welche Klinik die beste Kurse in Stiltechnik anbietet, was zweifelsfrei wichtig ist. Aber bei der Versorgung von Extremfrühchen mehr auf die von den kleineren Kliniken so oft gepriesenen netten "Betreuung" anstatt die essentielle medizinische Spitzenleistung zu setzen, ist mehr als naiv und unwissend.

    Warum die kleinen Krankenhäuser so sehr um die Versorgung von Extremfrühchen kämpfen, weil es einer der ganz wenigen sehr lukrativen Bereiche der Medizin ist...

    Eine Leser-Empfehlung
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    ... aber das ist doch ein wenig platt. Tatsächlich möchten die "Zentren" die komplette Versorgung übernehmen, weil nicht nur die Versorgung der Frühchen lukrativ ist, sondern weil mit der Einstufung zum Level 1-Zentrum auch für normale Geburten eine höhere Geburtspauschale bezahlt wird.
    Selbstverständlich muss interdisziplinär gearbeitet werden, aber Krankenhäusern mittlerer Größe mit sehr guten Ärzten würde ich da mehr zutrauen.
    Und zum "Kuscheln": Die psycho-soziale sowie sozial-medizinische Betreung sowohl der Eltern als auch der Kinder trägt nicht unwesentlich zur Überlebenschance bei.

    • HorFe
    • 27.12.2011 um 16:49 Uhr

    Einblick in die Problematik der Versorgung von Frühgeborenen
    und der Versorgung Schwangerer , bei denen eine Frühgeburt verzögert wird , hat ,weiß, dass diese Versorgung nur in einem Zentrum mit Level 1 so optimal es eben heute geht , möglich ist.Alles andere ist Interessendurchsetzung auf Kosten der o.g. zu versorgenden. Selbst wenn es Ausnahmen geben sollte.
    Leider haben die Betroffenen weder die Information ,noch die Möglichkeit selbst zu entscheiden. Oftmals sind sie ausgeliefert . Und das dürfte in unsrer Hochleistungsmedizin
    auf keinen Fall sein

    ... aber das ist doch ein wenig platt. Tatsächlich möchten die "Zentren" die komplette Versorgung übernehmen, weil nicht nur die Versorgung der Frühchen lukrativ ist, sondern weil mit der Einstufung zum Level 1-Zentrum auch für normale Geburten eine höhere Geburtspauschale bezahlt wird.
    Selbstverständlich muss interdisziplinär gearbeitet werden, aber Krankenhäusern mittlerer Größe mit sehr guten Ärzten würde ich da mehr zutrauen.
    Und zum "Kuscheln": Die psycho-soziale sowie sozial-medizinische Betreung sowohl der Eltern als auch der Kinder trägt nicht unwesentlich zur Überlebenschance bei.

    • HorFe
    • 27.12.2011 um 16:49 Uhr

    Einblick in die Problematik der Versorgung von Frühgeborenen
    und der Versorgung Schwangerer , bei denen eine Frühgeburt verzögert wird , hat ,weiß, dass diese Versorgung nur in einem Zentrum mit Level 1 so optimal es eben heute geht , möglich ist.Alles andere ist Interessendurchsetzung auf Kosten der o.g. zu versorgenden. Selbst wenn es Ausnahmen geben sollte.
    Leider haben die Betroffenen weder die Information ,noch die Möglichkeit selbst zu entscheiden. Oftmals sind sie ausgeliefert . Und das dürfte in unsrer Hochleistungsmedizin
    auf keinen Fall sein

  5. ... aber das ist doch ein wenig platt. Tatsächlich möchten die "Zentren" die komplette Versorgung übernehmen, weil nicht nur die Versorgung der Frühchen lukrativ ist, sondern weil mit der Einstufung zum Level 1-Zentrum auch für normale Geburten eine höhere Geburtspauschale bezahlt wird.
    Selbstverständlich muss interdisziplinär gearbeitet werden, aber Krankenhäusern mittlerer Größe mit sehr guten Ärzten würde ich da mehr zutrauen.
    Und zum "Kuscheln": Die psycho-soziale sowie sozial-medizinische Betreung sowohl der Eltern als auch der Kinder trägt nicht unwesentlich zur Überlebenschance bei.

    • HorFe
    • 26.12.2011 um 12:48 Uhr

    das muss man den Richtern vorwerfen. Die Kompetenz in den Zentalkrankenhäusern , die über die Erfahrung , das Equpment
    und die women/menpower verfügen , werden ihr angedachtes Monopol verlieren. Arme Eltern , arme Frühgeborene:
    Diese gehören in Spezialkliniken ! Nur dort wertden sie ausreichend kompetent versorgt ! Die vermeidbaren Schäden gehen zu Lasten eines normalen Lebens der Frühchen und deren Eltern , am Ende auch den Krankenkassen .
    Bei drohender Frühgeburt sollten die einweisenden Gynäkologen
    , soweit noch Ziet zum Transport besteht die werdende Mutter nur in ein Kompetenskrankenhaus s.o. einweisen dürfen. Es sei denn es gibt dafür keine Zeit , ebenfalls müssen kleine Krankenhäuser bei bestehender Zeit die werdenden Mütter sofort verlegen ! Alles andere ist ein ärztlicher Kunstfehler !! Hier darf Geld keine Rolle spielen: Typ. deutsche Rechtsprechung !

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