Offenbar bekommen Tiere in deutschen Mastbetrieben zu viele Antibiotika. Eigentlich ist deren Einsatz nur im Krankheitsfall erlaubt. Doch zu oft setzten Landwirte sie auch vorbeugend ein – oder um den Profit zu erhöhen. Denn Antibiotika fördern auch das Wachstum der Tiere. Zuletzt hatte eine Studie des Verbraucherministeriums in Nordrhein-Westfalen ergeben, dass 96 Prozent der Hähnchenmastbestände mit Antibiotika behandelt werden. Mehr als 180 Betriebe hatte die Behörde überprüft. Die Untersuchung legte den Schluss nahe, dass Mäster die Bakterien bekämpfenden Stoffe trotz Verbots auch bei gesunden Tieren einsetzen.

Nun will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU ) den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung eindämmen und hat dazu einen neuen Gesetzesentwurf angekündigt. Begleitet wurde die Ankündigung von einer Analyse des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der hatte in elf von 20 untersuchten Hähnchenprodukten Keime entdeckt, die bereits Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika gebildet hatten . Analysiert wurde für die nicht-repräsentative Untersuchung Frischfleisch aus Geschäften in Berlin , Hamburg , Köln , Nürnberg und der Region Stuttgart .

Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung fördert die Entstehung solcher resistenten Keime. Und die können bei Menschen zu gefährlichen Infektionen führen – vor allem bei Krankenhauspatienten, deren Immunsystem ohnehin geschwächt ist. Daher fordert auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den moderaten Einsatz von Antibiotika in Tiermastbetrieben. Dass Menschen möglicherweise über den Verzehr von Fleisch selbst relevante Mengen Antibiotika aufnehmen, sei unwahrscheinlich. In Deutschland dürfen keine Lebensmittel verkauft werden, die solche Rückstände enthalten. Nähere Informationen dazu hat das BfR auf seiner Website zusammengestellt .

Allerdings geraten in der Debatte um Antibiotika und resistente Keime häufig viele Aspekte durcheinander. Und das verwirrt die Verbraucher und schürt unnötig Ängste. Ein Überblick über die wichtigsten Fakten zu Antibiotika-Resistenzen:

Die falsche und zu häufige Therapie von Patienten mit Antibiotika

Die meisten für den Menschen riskanten resistenten Keime stammen aus Krankenhäusern , nicht aus der Massentierhaltung. Dabei handelt es sich um Bakterienstämme, die sich genetisch so verändert haben, dass ihnen gebräuchliche Antibiotika nichts mehr anhaben können. In Kliniken, besonders auf Intensivstationen, schwirren viele Krankheitserreger herum, die dort immer wieder mit unterschiedlichsten Antibiotika in Kontakt kommen. In diesem Milieu vermehren sich die Bakterien prächtig und können mutieren. Der ständige Kontakt zu ihren "Feinden" provoziert geradezu die rasche Anpassung.

Werden Bakterien gegen alle derzeit verfügbaren Arzneimittel immun, spricht man von "multiresistenten Keimen". Zu den besonders aggressiven Krankenhauskeimen zählen etwa verschiedene Stämme des Bakteriums Staphylococcus aureus . Sie stecken auch hinter der Abkürzung MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus ). Der zu häufige Einsatz von Antibiotika, das zu frühe Absetzen der Mittel, eine falsche Dosierung oder die Wahl des falschen Antibiotikums fördern die Bildung multiresistenter Keime in Kliniken.

Resistente Tierkeime durch Antibiotika

In Mastbetrieben werden Antibiotika eingesetzt, um Tierkrankheiten zu behandeln. Die Zugabe von Antibiotika ins Tierfutter, um mehr Fleisch- oder Milchertrag zu bekommen, ist seit 2006 verboten. Eine weitverbreitete Verwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung bringt zunächst einmal Resistenzen hervor, die für die Tiere – und damit für die Landwirte – ein Problem darstellen. Bakterielle Tierseuchen können sich rasant ausbreiten, wenn bewährte Antibiotika nicht mehr helfen. Nach Informationen des BfR werden viele Antibiotika sowohl in der Veterinärmedizin als auch in der Humanmedizin eingesetzt.