Im Skandal um schadhafte französische Brustimplantate hat die Polizei den Gründer und früheren Chef der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) festgenommen. Die Ermittler hätten Jean-Claude Mas am Morgen in der Wohnung seiner Lebensgefährtin festgesetzt und in Polizeigewahrsam genommen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Justiz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen den 72-Jährigen. Inzwischen sind mehr als 2.500 Klagen von betroffenen Frauen eingegangen. Mas ist der zweite PIP-Manager, der wegen der im Dezember bekannt gewordenen Probleme mit Implantaten festgenommen wurde. Auch der PIP-Manager Claude Coty sitzt in Haft.

Gesundheitsrisiko durch minderwertiges Silikon

PIP verwendete für seine Implantate aus Kostengründen offenbar bewusst minderwertiges Silikon. Mas hatte bereits in einem früheren Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon mischte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere, medizinische Produkt enthalten.

Allein in Frankreich sind 30.000 Frauen betroffen, weltweit sollen 400.000 bis 500.000 Frauen die schadhaften Implantate erhalten haben. Auch in Deutschland empfiehlt die zuständige Behörde mittlerweile den betroffenen Frauen, sie vorsorglich austauschen zu lassen . Mediziner befürchten einen Zusammenhang zwischen den Silikonkissen und Krebserkrankungen, bewiesen ist dieser bisher nicht.