MedizinskandalPolizei nimmt Gründer von Brustimplantat-Firma fest

Der frühere Chef des Brustimplantate-Herstellers PIP ist in Südfrankreich in Polizeigewahrsam. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt. von afp und dpa

Der Gründer und frühere Firmenchef von PIP, Jean-Claude Mas

Der Gründer und frühere Firmenchef von PIP, Jean-Claude Mas  |  © Eric Estrade/AFP/Getty Images

Im Skandal um schadhafte französische Brustimplantate hat die Polizei den Gründer und früheren Chef der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) festgenommen. Die Ermittler hätten Jean-Claude Mas am Morgen in der Wohnung seiner Lebensgefährtin festgesetzt und in Polizeigewahrsam genommen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Justiz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen den 72-Jährigen. Inzwischen sind mehr als 2.500 Klagen von betroffenen Frauen eingegangen. Mas ist der zweite PIP-Manager, der wegen der im Dezember bekannt gewordenen Probleme mit Implantaten festgenommen wurde. Auch der PIP-Manager Claude Coty sitzt in Haft.

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Gesundheitsrisiko durch minderwertiges Silikon

PIP verwendete für seine Implantate aus Kostengründen offenbar bewusst minderwertiges Silikon. Mas hatte bereits in einem früheren Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon mischte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere, medizinische Produkt enthalten.

Brustimplantate

Brustimplantate werden in der Regel nach Amputationen oder zur Vergrößerung eingesetzt. Sie bestehen immer aus einer Silikonhülle, die entweder mit einer Kochsalzlösung oder mit Silikongel gefüllt ist.

Inzwischen gibt es auch Implantate mit einer aufgerauten Oberfläche; diese soll dazu beitragen, dass die Implantate mit dem umliegenden Gewebe verwachsen. Das umliegenden Gewebes soll so nicht verhärten können.

Ob ein Brustimplantat das Brustkrebsrisiko erhöht, ist wissenschaftlich bislang nicht erwiesen.

PIP-Implantate

PIP-Implantate sind mit Silikongel gefüllte Brustprothesen des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP).

Im Jahr 2009 wurde festgestellt, dass Implantate dieser Firma vermehrt gerissen waren, weshalb sie seit 2010 nicht mehr verkauft werden. Darüber hinaus stellte eine Untersuchung fest, dass die Implantate mit einem anderen Gel gefüllt waren, als angegeben. Das verwendete Gel war nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinproduktenicht für den medizinischen Gebrauch bestimmt.

Nach weiteren Tests empfahl als erstes die französischen Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten (Afssaps) Frauen mit Implantaten dieses Herstellers eine halbjährliche klinische Untersuchung der Brüste und Lymphknoten. Sollte es Hinweise für Risse in den Implantaten geben, sollten diese herausoperiert werden. Inzwischen raten auch deutsche Experten zur Entfernung der schadhaften Silikonkissen.

Formen

Schönheitschirurgen differenzieren zwischen zwei unterschiedlichen Implantatsformen: es gibt sowohl runde als auch tropenförmige (oder anatomische) Implantate. Letztere werden vornehmlich bei Frauen verwendet, deren Brust abgenommen wurde, runde Implantate werden bei Vergrößerungen bevorzugt.

Allein in Frankreich sind 30.000 Frauen betroffen, weltweit sollen 400.000 bis 500.000 Frauen die schadhaften Implantate erhalten haben. Auch in Deutschland empfiehlt die zuständige Behörde mittlerweile den betroffenen Frauen, sie vorsorglich austauschen zu lassen . Mediziner befürchten einen Zusammenhang zwischen den Silikonkissen und Krebserkrankungen, bewiesen ist dieser bisher nicht.

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Leserkommentare
    • A
    • 26. Januar 2012 14:18 Uhr

    Ich frag mich warum hier von einem Medizinskandal gesprochen wird, denn meines Wissens nach werden nur die wenigsten Implantate aus medizinischen Gründen verpflanzt, also mit nichten zur Genesung oder zur Gesunderhaltung. Im Gegenteil, solche Implantate fördern doch nur psychische Probleme (oder wie soll man das sonst nennen, wenn man mit seinem eigenen Körper nicht mehr klarkommt).

    Ich möchte hier niemand beleidigen und ich bin mir sicher, dass es gute Gründe gibt, sich ein Implantat einnähen zu lassen, z.B. wenn man durch Krebs eine Brust verliert und den verlust wieder ausgleichen will. Allerdings bin ich mir sicher, dass die meisten Implantate aufgrund des Wunsches, dickere Titten haben zu wollen, implantiert wurden. Aus diesem Grund finde ich den Begriff "Medizinskandal" unpassend.

    • arrakis
    • 26. Januar 2012 23:24 Uhr

    lernen die Menschen mal, dass sie mit den Konsequenzen ihrer "geiz ist geil- Menthalität" umzugehen haben???

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lernen die Menschen mal, bei medizinischen oder kosmetischen Eingriffen zuvor eine fähige Detektivagentur damit zu beauftragen, Ärzte, ärztliche Mitarbeiter, Labore und natürlich die Hersteller von Hilfsmitteln, hier Implantaten sorgfältigst zu überprüfen. Natürlich sollte noch im OP eine Probenentnahme beim Implantat erfolgen...

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich bezweifle, dass alle betroffenen Frauen und Ärzte zu geizig waren für anständige Ware und anständige Leistung einen angemessenen Preis zu zahlen. Vielleicht gibt es im anstehenden Prozess genauere Informationen ...

  1. lernen die Menschen mal, bei medizinischen oder kosmetischen Eingriffen zuvor eine fähige Detektivagentur damit zu beauftragen, Ärzte, ärztliche Mitarbeiter, Labore und natürlich die Hersteller von Hilfsmitteln, hier Implantaten sorgfältigst zu überprüfen. Natürlich sollte noch im OP eine Probenentnahme beim Implantat erfolgen...

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich bezweifle, dass alle betroffenen Frauen und Ärzte zu geizig waren für anständige Ware und anständige Leistung einen angemessenen Preis zu zahlen. Vielleicht gibt es im anstehenden Prozess genauere Informationen ...

    Antwort auf "Wann endlich"
    • smolli
    • 28. Januar 2012 20:24 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema anhand sachlicher Argumente. Danke, die Redaktion/lv

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Behörde | Gesundheitsrisiko | Justiz | Körperverletzung | Mediziner | Polizei
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