SuchtbekämpfungForscher ziehen erschreckende Bilanz über weltweiten Drogenkonsum

Geschätzte 200 Millionen Menschen nehmen illegale Drogen wie Cannabis, Kokain oder Heroin. Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsschäden und fordern Hilfen für Abhängige.

Ein Mann raucht einen Joint (Archivfoto). Weltweit führt Haschisch die Rangliste der illegal konsumierten Drogen an, schätzen Wissenschaftler.

Ein Mann raucht einen Joint (Archivfoto). Weltweit führt Haschisch die Rangliste der illegal konsumierten Drogen an, schätzen Wissenschaftler.

Es ist schwierig, genau zu beziffern, wie viele Menschen weltweit zu verbotenen Drogen greifen. Nun haben Wissenschaftler die bisherigen Schätzungen nicht nur zusammengefasst. Sie haben darüber hinaus versucht, auch die gesundheitlichen Schäden des Konsums zu verdeutlichen und bewerten bisherige Strategien im Kampf gegen Rauschmittel. Als Hauptquelle dient ihnen der aktuelle Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen. Dessen Daten basieren unter anderem auf anonymen Befragungen und Erhebungen von Gesundheitsbehörden – etwa über die Anzahl von Menschen, die wegen Rauschgiftkonsums behandelt worden sind.

Demnach nahmen weltweit rund 200 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren im Jahr 2009 illegale Drogen. Das ist etwa jeder Zwanzigste Erdenbürger in dieser Altersgruppe. Berücksichtigt haben die Forscher den Konsum von Cannabis, Kokain, Opioiden (wie Heroin und eine Vielzahl von Schmerzmitteln) und Amphetaminen – dazu zählen beispielsweise Ecstasy und besonders dessen Hauptinhaltsstoff Methylendioxymethamphetamin (MDMA).

In insgesamt drei Studien, veröffentlicht im britischen Magazin Lancet, nehmen Wissenschaftler die Daten nun für eine erschreckende Bilanz her: Illegale Drogen spielen für den Gesundheitszustand der Bevölkerung inzwischen eine ähnlich große Rolle wie der Missbrauch von Alkohol. Möglicherweise werden in reichen und hochentwickelten Industrieländern sowie in Staaten, in denen Rauschmittel hergestellt werden, am meisten Drogen konsumiert. Allerdings gibt es kaum Daten darüber, wer in ärmeren Ländern zu Drogen greift.

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Ohnehin ließe sich der tatsächliche Verbrauch an verbotenen Drogen nie genau einschätzen, schreiben Wissenschaftler um Louisa Degenhardt und Wayne Hall vom Nationalen Drogen- und Alkoholforschungszentrum in Australien und der Universität von Queensland in Brisbane. Denn es existieren keine exakten Zahlen. Die Forscher beziffern dennoch den weltweiten Anteil der Menschen, die Cannabis-Produkte wie Haschisch und Marihuana zu sich nehmen, auf 125 bis 203 Millionen jährlich. Deutlich dahinter liegen Kokain, Opioide und Amphetamine. Bis zu 39 Millionen Menschen konsumieren diese Rauschmittel in problematischer Weise. 11 bis 21 Millionen spritzen sich Drogen. Insgesamt rechnen Degenhardt und Hall mit 149 bis 271 Millionen Menschen, die illegale Suchtstoffe zu sich nehmen.

Die Gefährlichkeit von verbotenen Drogen klafft weit auseinander

Besonders in Australien und Neuseeland scheint Cannabis besonders beliebt zu sein – allein 15 Prozent der 15- bis 64-Jährigen greifen zu diesem Rauschmittel, schreiben die Wissenschaftler. Auch Suchtstoffe, die zu den Amphetaminen zählen, wie Speed oder Crystal Meth, seien in Ozeanien mit bis zu 2,8 Prozent der Drogenkonsumenten am häufigsten verbreitet. Zusammengenommen verursachten verbotene Suchtmittel 2009 allein in Australien 1,3 Prozent aller Todesfälle. Damit übersteigen sie den Anteil an Alkoholtoten. Allerdings sterben weit mehr Menschen an den Folgen von Tabakkonsum. Mehr als jeder zehnte Todesfall in Australien lässt sich aufs Rauchen zurückführen. Die meisten Nutzer von Opioiden wie Heroin finden sich hingegen im Nahen Osten. Sie machen dort einen Anteil von 1,4 Prozent unter den Rauschgiftkonsumenten aus.

In ihrer Gefährlichkeit klaffen die verbotenen Drogen weit auseinander. So haben etwa die vergleichsweise selten konsumierten Opioide die verheerendsten Auswirkungen: Einer von vier Konsumenten werde lebenslang von den Giftstoffen abhängig. Sie verursachen damit einen Großteil an Behinderungen, chronischen Infektionen und Lebererkrankungen. Berauschte Abhängige übertragen vermehrt Krankheiten wie Aids und Hepatitis, besonders wenn sie sich Opioide spritzen. Außerdem sterben durch diese harten Drogen verhältnismäßig viele der Abhängigen an einer Überdosis oder weil sie Heroin und andere Suchtstoffe zu einem gefährlichen Cocktail mischen.

Tödlich endende Gewalttaten und Unfälle sowie Suizide geschehen unter dem Einfluss harter Drogen häufiger. Dies gilt wohl vor allem für Opioide, Kokain und Amphetamine. Ob die Suchtmittel dabei Ursache sind oder die Situation nur negativ beeinflussen, lässt sich nicht eindeutig belegen.

Das sehr verbreitete Kiffen und der Cannabis-Konsum insgesamt sind zwar keineswegs unbedenklich. Die belegten Gesundheitsschäden sind aber weniger dramatisch. Cannabis macht süchtig und verursacht geistige Störungen, wie etwa Psychosen, scheint aber nicht die allgemeine Sterberate zu erhöhen.

Leserkommentare
  1. Siebenundvierzigtausend Tote der letzten 5 Jahre im mexikanischen Drogenkrieg, und die Appelle Kofi Annans sowie etlicher mittel- und südamerikanischer (Ex)präsidenten zur Legalisierung verhallen ungehört.
    Kein Wort der Forscher zur Ursache der Not von Menschen, sich wenigstens momentan ihrem Elend zu entziehen. Im Grunde bleibt mal wieder die banale Aussage: "Was das alles wieder kostet"!
    Ich glaube, das nennt man heute Realismus.

    So lange es Säugetiere gibt, so lange waren Drogen nötig.

    Cannabidiole z.B. sind körpereigene Substanzen mit vielfältigsten Schutzfunktionen - die weltweite Forschung wird hier völlig ignoriert, dabei könnte eine aufgeklärte Ärzteschaft Cannabis segensreich einsetzen - das Problem ist allerdings: Es ist zu billig.

    11 Leserempfehlungen
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    Aus Versehen habe ich "Cannabidiole" geschrieben.
    Ich meinte "Cannabinoide" und zwar Endocannabinoide.

    Aus Versehen habe ich "Cannabidiole" geschrieben.
    Ich meinte "Cannabinoide" und zwar Endocannabinoide.

  2. Wenn sie schon einmal illegale Drogen in irgendeiner Form konsumiert haben, bitte kommentieren sie dieses Statement und sagen sie mir, ob sie es fertig gebracht haben, den obigen Artikel ganz durchzulesen.

    "Weltweit führt Haschisch die Rangliste der illegal
    konsumierten Drogen an, schätzen Wissenschaftler."
    - das weiss jeder, der Freunde hat, jeder, der selbst kifft, und selbst jeder, der ab und an mal vor die Tuer geht, sei es bloss um Broetchen zu kaufen. Dafuer muss man keine Steuergelder verschwenden.

    "Allerdings gibt es kaum Daten darüber, wer in ärmeren Ländern zu Drogen greift."
    - mit anderen Worten bzgl. des groessten Teils der Welt gibt es keine Daten, also laesst man sie mehr oder weniger aussen vor, bezieht sich im Artikel trotzdem auf die 'ganze' Welt und druckt die geschaetzte Zahl fett in die Ueberschrift... das Wort Alkohol jedoch, welches die weltweit am weitesten verbreitete und gefaehrlichste Droge beschreibt, ueber die man auch deutlich umfassendere Statistiken besitzt wird im Artikel ca. 2 Mal genannt. Worauf wollen sie eigentlich raus? Drugs are bad, mmmkay?!

    Ein Hoch auf den Journalismus!

    10 Leserempfehlungen
  3. dass bekiffte Autofahrer sicherer fahren.
    Quelle: Christian Rätsch (Ethnopharmakologe), TAZ 1.Januar 2012).

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mag ja sein,..."
    • vonDü
    • 07.01.2012 um 3:57 Uhr
    44. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
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    • vonDü
    • 07.01.2012 um 11:28 Uhr

    1. The Lancet ist kein Referenzjournal für gehobene wissenschafliche Qualität.

    2. Aussagen über die Mortalitätsrate von Cannabis und Tabakkonsum sind Blödsinn, wenn die Ergebnisse weitgehend auf geschätzen Zahlen beruhen und unberücksichtigt lassen das Cannabis hauptsächlich in Kombination mit Tabakprodukten konsumiert wird.

    Das ist keine Unterstellung, sondern eine Stellungnahme, die als Naturwissenschaftlicher mit langjähriger Erfahrung in der medizinischen Forschung abgebe.

    Ich bin gerne bereit mir diese Position wissenschaftlich widerlegen zu lassen, aber ich finde es nicht gut, wenn sie einfach gestrichen wird, nur weil sie vielleicht nicht in den politischen korrekten Kontext passt.

    • vonDü
    • 07.01.2012 um 11:28 Uhr

    1. The Lancet ist kein Referenzjournal für gehobene wissenschafliche Qualität.

    2. Aussagen über die Mortalitätsrate von Cannabis und Tabakkonsum sind Blödsinn, wenn die Ergebnisse weitgehend auf geschätzen Zahlen beruhen und unberücksichtigt lassen das Cannabis hauptsächlich in Kombination mit Tabakprodukten konsumiert wird.

    Das ist keine Unterstellung, sondern eine Stellungnahme, die als Naturwissenschaftlicher mit langjähriger Erfahrung in der medizinischen Forschung abgebe.

    Ich bin gerne bereit mir diese Position wissenschaftlich widerlegen zu lassen, aber ich finde es nicht gut, wenn sie einfach gestrichen wird, nur weil sie vielleicht nicht in den politischen korrekten Kontext passt.

  4. Hier gibt es eine Studie zu jeder Meinung:

    http://www.cannabislegal....

    Lehrreicher Film über Marijuana und dessen Verteufelung:

    http://www.youtube.com/wa...

    Wie schaut's eigentlich mit Zucker aus? Fast-Food-Ketten tun es auf ihre Salate und auch sonst findet sich das (im Übermaß) äußerst ungesunde Zeug in allerlei Lebensmitteln, in denen mensch es nicht erwartet. Zucker löst psychische als auch körperliche Effekte aus die zu übermäßigem Konsum verleiten. Die Verfettung weiter Teile der Bevölkerung liegt nicht nur am erhöhten Fettanteil in div. Nahrungsmitteln, auch das Zuckern von nahezu allem hat seinen Anteil.

    Tolle Studie ohne Aussagekraft. Aber sie freut jene, die den erfolglosen WAR ON DRUGS ihren Beruf nennen.

    2 Leserempfehlungen
  5. 46. Richtig

    Ich kann mich Ihrem Einwand, ( und dem anderer Lesebrief-SchreiberInnen- nur anschliessen. Grosse Aufregung über " Drogen", ohne Alkohol zu erwähnen. Wie sind da eigentlich die weltweiten Zahlen?
    Freundlichen Gruß
    Lilotte

    2 Leserempfehlungen
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    • xpeten
    • 07.01.2012 um 15:37 Uhr

    ist -wie Opium, Haschisch u.a.- eine sogenannte "Kulturdroge".
    Da im "christlichen Abendland" aber ja von weiten Teilen einer konservativen Bevölkerung die eigene Kultur als "Leitkultur" reklamiert wird, ist natürlich gegenüber Kulturdrogen aus anderen Kulturkreisen keinerlei Toleranz und Offenheit zu erwarten. Wie bei Aussehen, Kleidung, Musik, Essen, etc. auch, werden die "fremden" Drogen (oder d. Drogen der Fremden) verteufelt und ausgegrenzt.

    Das erklärt auch, dass selbst in soz. Statistiken von "Trinkkultur" einerseits und "Drogenmissbrauch" andererseits d. Rede ist.

    Diese Vorurteile und die Tatsache, dass es kulturübergreifend eher als Ausnahme gilt, wenn jemand nicht trinkt, führen dazu, dass über den weltweiten Alkoholmissbrauch erstaunlich wenig Information vorliegt. Zudem werden unsinnige Streitereien darüber geführt, was denn genau die Definition von "Alkoholabhängigkeit" sei.
    Was nat. verständlich ist, gibt es doch angesichts der breiten Zielgruppe kaum den Wunsch nach wirklicher Aufklärung und der Milliardengewinne mit der Droge Alkohol eine enorm starke Alkohollobby mit riesigen Etats.

    Man findet aber trotzdem Infos üb. d. Zahl der Betroffenen, Pro-Kopf-Verbrauch in Europa, Russland, den USA und Teilen Südamerikas und Asiens, zudem Statistiken über d. in sozialer und gesellsch. Hinsicht horrenden schädlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs, also häusliche Gewalt, Determinierung von Kindern, Arbeitsplatzverlust, Obdachlosigkeit sowie Gesundheitskosten.

    • xpeten
    • 07.01.2012 um 15:37 Uhr

    ist -wie Opium, Haschisch u.a.- eine sogenannte "Kulturdroge".
    Da im "christlichen Abendland" aber ja von weiten Teilen einer konservativen Bevölkerung die eigene Kultur als "Leitkultur" reklamiert wird, ist natürlich gegenüber Kulturdrogen aus anderen Kulturkreisen keinerlei Toleranz und Offenheit zu erwarten. Wie bei Aussehen, Kleidung, Musik, Essen, etc. auch, werden die "fremden" Drogen (oder d. Drogen der Fremden) verteufelt und ausgegrenzt.

    Das erklärt auch, dass selbst in soz. Statistiken von "Trinkkultur" einerseits und "Drogenmissbrauch" andererseits d. Rede ist.

    Diese Vorurteile und die Tatsache, dass es kulturübergreifend eher als Ausnahme gilt, wenn jemand nicht trinkt, führen dazu, dass über den weltweiten Alkoholmissbrauch erstaunlich wenig Information vorliegt. Zudem werden unsinnige Streitereien darüber geführt, was denn genau die Definition von "Alkoholabhängigkeit" sei.
    Was nat. verständlich ist, gibt es doch angesichts der breiten Zielgruppe kaum den Wunsch nach wirklicher Aufklärung und der Milliardengewinne mit der Droge Alkohol eine enorm starke Alkohollobby mit riesigen Etats.

    Man findet aber trotzdem Infos üb. d. Zahl der Betroffenen, Pro-Kopf-Verbrauch in Europa, Russland, den USA und Teilen Südamerikas und Asiens, zudem Statistiken über d. in sozialer und gesellsch. Hinsicht horrenden schädlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs, also häusliche Gewalt, Determinierung von Kindern, Arbeitsplatzverlust, Obdachlosigkeit sowie Gesundheitskosten.

  6. Da wir als so "entwickelte" Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind, Menschen in einem flexiblen System mit entsprechenden lebenswerten Konditionen im Alter in die Rente zu verabschieden, sollte man den "Drogenkonsum" bei jeder weiteren "Rentenkuerzung durch Altersanhebung" schrittweise gesetzlich freigeben. Man hat zwar ab 50 immer oefter keine Arbeit mehr, aber kann wenigstens den Tag "gluecklich" ueberstehen! Wenn man dann die Dosis bzw. die staerkeren Drogen mit offiziellen Rentenalter hin erlaubt, spart der Staat ev. auch noch ... und beim "neuen Gluecklichkeitsindex" steigt die BRD auf der Vergleichsleiter ...

    Mal ehrlich: Diesen politischen und gesellschaftlichen Wahnsinn der letzten Jahre (der sog. "entwickelten Staaten") kann man doch nur noch mit Drogen ertragen!

    Eine Leserempfehlung
  7. gibt es diese Grenzwerte nur für die Droge Alkohol.
    für deutlich harmlosere Drogen existieren solche Grenzwerte nicht.
    Auch andere Drogenkonsumenten sind fahrtauglich, sobald die Droge bis zu einem gewissen Grad abgebaut ist.

    Das Problem ist übrigens der Missbrauch der Droge, nicht der verantwortungsvolle Konsum.

    zum mehr vertragen, wer bei 2-3 Promille noch keine signifikanten Ausfälle zeigt hat sich etwas zu sehr an Alkohol gewöhnt und sollte die Finger davon lassen.

    mfG einer der gerne pur Wisky und Wiskey drinkt ;)

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wo beginnt Saufen?"

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