Herzinfarkt : Lebenswandel hat mehr Einfluss auf Infarktrisiko als gedacht

Eine großangelegte Studie zeigt: Faktoren wie Rauchen oder Diabetes haben unerwartet starken Einfluss auf das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden.

Das individuelle Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wird bisher nur für die nächsten fünf oder zehn Jahre geschätzt. "Das ist ein viel zu enger Fokus", sagt Donald Lloyd. Der Kardiologe von der Northwestern University in Chicago hat gemeinsam mit Kollegen ausgerechnet, wie wahrscheinlich Menschen irgendwann in ihrem Leben einen Infarkt oder Schlaganfall erleiden – je nachdem, wie sie sich verhalten.

"Viele Menschen unterschätzen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch", sagt Lloyd. Schon einer der großen vier Risikofaktoren – Rauchen, Diabetes, zu hoher Blutdruck oder Cholesterinspiegel – könne das normale Risiko auf etwa das Zehnfache steigern. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch, auf den keiner der Risikofaktoren zutrifft, im Laufe seines Lebens einen Infarkt erleidet, liegt bei unter fünf Prozent. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte das Forscherteam im Magazin New England Journal of Medicine .

Sowohl in Deutschland als auch in den USA gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Mehr als 250.000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Herzinfarkt. "Inzwischen sind die Behandlungsmethoden zwar so gut, dass beinahe jeder Herzinfarktpatient, der ins Krankenhaus gebracht wird, überlebt", sagt Florian Krackhardt, Kardiologe an der Berliner Charité . Doch oft bleibt eine Herzschwäche oder eine Rhythmusstörung zurück, die irgendwann zum Tode führen.

Das Risiko kann ein Prozent oder auch 40 Prozent betragen

Ein männlicher Nichtraucher ohne Diabetes mit unauffälligem Blutdruck (nicht über 80 zu 120) und einem normalen Cholesterinspiegel (maximal 180 Milligramm pro Deziliter) hat nach Lloyds Berechnungen nur ein Herz-Kreislauf-Erkankungsrisiko von 1,4 Prozent. Jemand, bei dem einer dieser Werte stark erhöht ist, der raucht oder Diabetiker ist, muss dagegen zu 40 Prozent im Laufe seines Lebens mit einem Infarkt rechnen.

Für diese Zahlen haben die Forscher 18 verschiedene Studien analysiert, für die insgesamt mehr als 250.000 Männer und Frauen untersucht wurden. Die Personen, alle im Alter von 45 bis 75 Jahre, wurden mindestens zehn Jahre lang begleitet. Jeder Vorfall an Herz oder Kreislauf wurde dokumentiert: von der Arteriosklerose bis zum tödlichen Infarkt. Aus diesen Daten errechneten die Forscher die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Mensch – je nach Alters- und Risikogruppe – irgendwann in seinem Leben zum Herz-Kreislauf-Patienten wird. In ihre Kalkulation bezogen die Forscher natürlich auch mit ein, dass einige Menschen an anderen Ursachen sterben, noch bevor eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auftritt.

"Das faszinierende an unseren Ergebnissen war: Man kann sein persönliches Risiko, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, fast abschaffen. Falls man es schafft, diese vier Faktoren zu vermeiden", sagt Lloyd.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

160 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Danke für die Richtigstellung:

"Zuerst kommt die Systole, dann die Diastole. 120/80."

Und was ist von dem Folgenden zu halten:
männlicher (!) Nichtraucher ohne Diabetes ...und einem normalen Cholesterinspiegel (maximal (???) 180 Milligramm pro Deziliter)?

Außerdem wird den medial aufschreckten Lesern und Leserinnen nicht näher erläutert, dass nicht die Höhe des GESAMT-Cholesterinspiegel in erster Linie das Entscheidende ist, sondern das anteilige Verhältnis von HDL ("gutes" Ch.) und LDL ("schlechtes" Ch.),wobei Letzteres maßgeblich für die Bildung von Arteriosklerose verantwortlich ist.
Deshalb kann ein grenzwertig hoher Ch-sp.noch ein durchaus "guter" sein, hat mir meine Internistin auf Nachfrage erklärt.

Wäre schön, wenn ein seriöser Mediziner hier im Forum fachkompetent diesen ins Auge springenden mangelhaften Bericht über diese "Studie aller Studien" um einiges differenzierter ergänzen könnte!

Im übrigen ist es natürlich nie verkehrt die alte Großmutter-Weisheit so zu wiederholen, als ob das Rad mit jeder top-aktuellsten US-studie neu erfunden wird:
"Lebenswandel hat mehr Einfluss auf Infarktrisiko als gedacht"
Aber "unerwartet" scheint doch mehr als übertrieben.

Seien wir ehrlich,
das Leben ist immer lebensgefährlich!
(Erich Kästner)

Diabetes abschaffen

geht ganz gut mit demselben Rezept: gesünder leben. Sowohl experimentelle Studien als auch statistische Erhebungen innerhalb von Ländern und über mehrere Länder hinweg zeigen sehr deutlich, dass Typ-2-Diabetes (macht ca. 90-95% der Fälle aus) im wesentlichen durch den Lebensstil bedingt ist. Die stärkste Korrelation mit Typ-2-Diabetes hat der Risikofaktor Übergewicht. Es kommt nicht von ungefähr, daß man früher "Altersdiabetes" sagte und heute nicht mehr - weil unser Lebenswandel mittlerweile schon Kinder an Diabetes erkranken läßt.

Durch eine gesunde Ernährung kann man diese Krankheit - wie so viele "Zivilisationskrankheiten" - nicht nur vermeiden, sondern auch erfolgreich wieder loswerden.

Bei Typ-1-Diabetes schaut es etwas anders aus, weil hier die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Aber erstens betrifft das nur ca. 5-10% der Diabetespatienten, und zweitens haben selbst bei Typ-1-Diabetikern experimentelle Studien gezeigt, dass sich ihr Zustand (und der Insulinbedarf) bei entsprechenden Änderungen am Lebensstil (v.a. kohlehydrat- und faserreiche, und gleichzeitig fett- und eiweißarme Nahrung) stark bessert.

Oh weh !!

Da ich Diabetes Typ 1 bin, habe ich ihren Ausführungen sehr aufmerksam gefolgt. Sie schrieben : "...bei entsprechenden Änderungen am Lebensstil (v.a. kohlehydrat- und faserreiche, und gleichzeitig fett- und eiweißarme Nahrung) stark bessert."
Sie wissen schon, dass der Zucker nur in den Kohlehydraten steckt ? Ihre Aufforderung mehr kohlehydrat- und faserreiche Kost aufzunehmen, bedeutet dass ihre Insulinwerte durch die Decke gehen. Fett und Eiweiss sind uninteressant, jedenfalls für die Krankheit Diabetes 1. Sie werden ganz normal verdaut ! Also bitte, nicht jeden Mist glauben, der erzählt wird !
Ansonsten bin ich der Meinung von Mitforist Gerry 10 !

Pflanzliche Ernährung

wirkt vorbeugend gegen all diese sog."Zivilisationskrankheiten"!Es gibt jede Menge Studien, die beweisen, daß in Ländern, wo am meisten tierische Lebensmittel zu sich genommen werden, diese Krankheitsraten am höchsten sind! (Siehe z.B. "Ernährung für ein neues Jahrtausend", John Robbins und "China-Study", T.Colin Campbell u. Thomas M. Campbell). Wobei das Vorkommen gerade bei Herzkrankheiten/zu hoher Blutdruck und Diabetes
besonders signifikant ist. Bei einer der(älteren)Studien über Diabetes z.B.steht USA an der Spitze und Japan am Ende.
Daß bei Häufigkeit von Herzerkrankungen U.S.A. die Spitzenreiter sind, weiß glaub ich fast jeder.

Zucker und Weißmehl sind pflanzlich

Sie gehen zu McDonald's und bekommen Cola, Kartoffeln, Weißbrot und Rindfleisch. Sie werden fett und krank. Aber wissen Sie wirklich, welche Bestandteile des Menüs verantwortlich sind und welche nicht?

Die moderne, westliche Diät unterscheidet sich von der Steinzeitdiät (99% unserer Evolution) vor allem durch: weniger tierisches Fett und Eiweiß, und mehr konzentrierte Kohlenhydrate aus Pflanzen.

Reine Dialektik,@redon

Man kann dialektisch alles verdrehen, wie ihr Komment beweist. Pflanzliche Ernährung heißt noch lange nicht "raffinierte, künstlich herhgestellte Lebensmittel wie Weißmehl oder (Industrie-)Zucker!Wer sich pflanzlich ernährt, weiß in der Regel (schon rein instinktiv)viel mehr über seinen Körper und was ihm gut tut, als ein doppelt eingebildeter Omnivore! Damit komme ich gleich zum nächsten Punkt:Woher wollen Sie das wissen, daß die Neandertaler so viel mehr tierisches gegessen haben, wie wir? Vielleicht kommen Sie mir auch noch mit dem belustigenden Hinweis, den
ich tatsächlich schon öfter gehört habe, daß wir einmal Reißzähne hatten? Und wieso ignorieren Sie eigentlich die kulturgeschichtlich-biomedizinischen Studien, die eindeutig belegen, daß Länder mit höchstem Konsum von tierischem Eiweiß vergleichsweise auch die höchsten Eiweißspeicherkrankheitsraten haben? Ich kann es Ihnen sagen: Weil sie glauben, daß eine Mehrheit sich nicht irren könne! Das ist aber in der heutigen Zeit genau der Sargnagel, der uns noch gefehlt hat!

Evolution...

...evolutionstechnisch betrachtet sind wir Menschen Planzenfresser. Deshalb haben wir auch einen langen Verdauungstrakt, im Gegensatz zu reinen Fleischfressern wie etwa Katzen und Wölfe. Auch unser Mund ist geschaffen zur Aufnahme von pflanzlicher Nahrung.
Usere Vorhaben haben irgendwann gelernt oder (mehr wahrscheinlich) lernen müssen sich auch von Fleisch zu ernähren.
Ich esse selsbt zwei mal die Woche Fleisch, aber in einem haben die Vegetarier recht:
wir sind nicht dafür gemacht Fleisch zu essen, wir haben es gelernt und mit wachsendem Fleischkonsum wachsen auch Zivilisationskrankheiten.
Die zu wenig tierisches Fett und Eiweiß Theorie ist, bei allem Respekt, Unsinn.

T. Colin Campbell beschreibt in "China Study"

eine der häufigen Erkrankunsmöglichkeiten für DiabetesI so:
1.Ein Baby wird nicht lange genug gestillt und mit Kuhmilch gefüttert.
2. Die Milch erreicht den Dünndarm, wo sie in Aminosäure zerlegt wird.
3. Bei manchen Säuglingen wird die Kuhmilch nicht völlig verdaut. Kleine Aminosäureketten oder Fragmente des ursprünglichen Proteins bleiben im Dünndarm.
4.Diese nicht völlig verdauten Proteinfragmente können ins Blut gelangen.
5. Das Immunsystem erkennt diese Fragmente als fremde Eindringlinge und macht sich daran, sie zu zerstören.
6. Unglücklicherweise sehen manche Fragmente genauso aus wie die Zellen der Bauchspeicheldrüse.
7. Das Immunsystem verliert die Fähigkeit, zwischen den Kuhmilchproteinfragmenten und den Pankreaszellen zu unterscheiden und zerstört alle beide, wodurch die Fähigkeit des Kindes zur Insulinproduktion zerstört wird.
8. Das Kleinkind wird TypI-Diabetiker und bleibt es für den rest seines Lebens.

LADA-Diabetes...

...den haben sie vergessen, gelle. Sowohl mein Vater als auch der Vater meiner Ehefrau sind schlank, sportlich, ernähren sich gut usw usw.
Beiden haben aber im Alter einen relativen Insulinmangel entwickelt. Ihr Insulinbedarf ist also wie bei gesunden Menschen normal, die Insulinproduktion aber zu gering. Beide sind mit Tabletten nicht besonders weit gekommen, müssen jetzt Insulin spritzen. Der Hausarzt gibt solchen Menschen schnell da Etikett, Typ-2-Diabetes, obwohl das nicht exakt ist, das die Patienten einen relativen Insulinmangel haben, allerdings keinen absoluten wie die Typ-1-Diabetiker.

Stimmt doch!@NicolaiP

Sie müssen einn bisschen genauer und logischer hinschauen:
Genau genommen haben wir keine "vegetarische" Anlage, in dem Sinne wie die Weidetiere, die tatsächlich noch einen etwas anderen Darm haben und auch andere Zähne als wir, sondern eine "frugivore", wie die großen Menschenaffen(Früchte und Blätter). Der Bär dagegen ist von da her ein typischer Mischesser, was man genau an seinen Zähnen ablesen kann. Er hat nämlich spitze Kanten an den Zähnen(Zum Zertrennen von Fleischfasern), sowie auch breite Kauflächen zum Zermahlen von Pflanzlichem.

Das Risiko zu sterben ist 100%

"Das faszinierende an unseren Ergebnissen war: Man kann sein persönliches Risiko, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, fast abschaffen"
Jetzt kann ich also mit 100, Dank Alzheimer ans Bett gefesselt, in meinem eigenen Kot - unterbezahlte Krankenpfleger sind ja bei der Anzahl von alten Menschen Mangelware - an Wasser in meiner Lunge ersticken.
Was für ein Leben in dem man nichts darf das einem das Leben schön macht.
Liebe Leute dem Tod kann man nicht entkommen .
Ich hoffe ich sterbe an einem Herzinfarkt denn das ging bei meinen Großeltern ziehmlich schnell.
(Eigenlich hoffe ich das ich im Bett sterbe, nachdem ich den letzten Cent meines zukünftigen Lottogewinns ausgegeben habe :-) )

Die Ärzte meinen zu diesem Thema: Schneller leben!

Nierensteine, Blasentee - ständig tut der Rücken weh.
Klosterfrau Melissengeist - Vigara, oder wie das heißt.

Auf dem Kopf sitzt ein Toupet, 'ne Brille,
weil ich sonst nichts seh.
Die Zähne machen richtig Spaß,
sie schlafen nachts im Wasserglas.
Falten schlägt der dicke Hals,
auch ein Zeichen des Verfalls.
Es muss Dir nicht genauso gehn,
hör auf mich, dann bleibst Du schön.

Stirb jung! Stirb, so früh es geht.
Stirb jung - an besten vor der Pubertät.
Stirb jung - für mich ist es leider schon zu spät -
aber Du: stirb jung!

Manche Menschen leben so vorsichtig, ...

minimieren jegliches Risiko, dass sie wie neu sterben....

Toll, darauf wären diese Ärzte bestimmt stolz und wozu?

Wir sind mittlerweile, wie mir scheint eine Gesellschaft von Phobikern, die vor allem den Tod scheuen, ohne es auszusprechen. Jede Tätigkeit und jede Form von Hedonismus wird abgeklopft, ob sie lebensverkürzend wirken könnte und wir übersehen bei all dem angstmotiviertem Sporteln, Vermeiden von Lebensrisiken, dass es ohnehin immer gleich endet und das vollkommen unvermeidbar ist.

Schade, denn gesund gestorben ist das gleiche Ergebnis wie geraucht, getrunken, Fleisch und Kuchen gegessen, wild gelebt und gestorben... beide sind einfach nur tot!

Ungesunder Zeitgeist ist leider weit verbreitet

"All you can eat" Restaurants oder all inklusive Reisen sind doch der Renner für viele.

Mit wirklichem Genuss und einem "schönen" Leben hat das rein gar nicht zu tun, sondern nur mit sinnlosen "vollstopfen" mit Nahrung und Getränken.

Dazu dann noch keine Bewegung und "extrem Couching" die Folgen sind nicht nur in Deutschland unübersehbar, selbst Kinder und Jugendliche werden immer früher von Herz- Kreislaufbeschwerden Zucker Typ 2 etc. heimgesucht.

Wenn wundert es noch bei den zahlreichen schlechten Vorbildern.

Zeit zum aufwachen, Zeit die faulen und fadenscheinigen Ausreden zu entlarven. Das was diese Mediziner belegen können wollen nicht nur viele Menschen nicht hören, es geht auch um massive Wirtschaftsinteressen.

Die überbordende Agrar- und Lebensmittelindustrie lebt sehr gut mit diesem völlig falschen Lebenswandel. Dewshalb hat Sie kein Interesse an derartigen Aufklärungskampagnen.

Ich kann nur sagen, wirklicher genuss hat mit maßlosem Konsum egal wovon nicht zu tun.

.....

"Ihre Vorstellung, was Genuss ist, widern mich an."

Au weia! Anwidern? Ist das Wort nicht etwas übertrieben? Ihre krampfhafte Risikominimierung amüsiert mich. Ich musste gerade an die Frauen denken, die manchmal im Supermarkt vor mir an der Kasse stehen und getrocknetes Bio-Basilikum kaufen. Die trinken bestimmt auch keinen Alkohol. Später stehen sie dann auf dem Spielplatz und unterhalten sich in Jack Wolfskin Jacken über Chinesisch Sprachkurse für Kleinkinder und Altersvorsorgemodelle. Ihre Fahrradhelme behalten Sie dabei auf dem Kopf.

Ich gönne ihnen die Momente stiller Erhabenheit, wenn ich hustend mit zwei Plastiktüten voll mit leeren Weinflaschen über den Spielplatz zum Flaschencontainer laufe.

Ich stelle mir dann vor, dass Spaß haben für diese Frauen bedeutet Samstagabend bei Salbeitee und Gesellschaftspielen über ihre Beziehungen zu reden. Die Männer sehen sich im Wohnzimmer –Grey‘ s Anatomy- an. Auf ein langes, sicheres, gesundes Leben!

@christygoe

Sie tun, als ob ein gesunder Lebenswandel total spaßbefreit ist. Ich treibe Sport, weil es mir Spaß macht. Ich esse gesund, weil es mir schmeckt, ich rauche nicht, weil es mir nicht schmeckt, ich trinke wenig Alkohol, weil es mir danach, bei übermäßigen Verzehr, dreckig geht. Kurz, ich fühle mich sehr wohl so wie ich lebe.

Ich kenne allerdings genug Menschen, die einen ungesunden Lebenswandel pflegen und zum einen ständig am Jammern sind (ich bin zu dick, ich komm die Treppen nicht hoch, mir tut dies weh und das weh) und obendrein auch noch ständig mit einem schlechten Gewissen durch die Gegend rennen, weil sie eigentlich sehr genau wissen, dass sie totalen Raubbau an ihrem Körper betreiben.

Ja, sterben müssen wir alle mal. Es kommt aber zum einen auf das Wie an (da gibt es natürlich keine Garantie) und zum anderen, wie man sich die Jahre davor eigentlich fühlt. Uns bisher fühle ich micht mit Mitte vierzig sehr gut, so wie ich lebe. Kein schlechtes Gewissen, keine Malessen.

Klar, jeder kennt irgendjemand, der trotz Kettenrauchen steinalt wird. Aber steinalt werden nur die wenigsten, die so leben. Menschen mit gesundem Lebenswandel dafür statistisch gesehen öfter.

Spassbefreit und angstbesetzt...

so empfinde ich vieles, was vor allem in der Mittelschicht und ihren Medien in den letzten Jahren als "gesunder Lebenswandel" verkauft wurde.

Allein das Wertende und Normierende, das sich mittlerweile durch weite Teile der Gesellschaft zieht und sich auf diesen Bereich bezieht, halte ich für mehr als fragwürdig.

Ich bin da wohl sehr von meinen Erfahrungen geprägt und mag z.B. Juli Zehs Ansichten, die von einer beginnenden Gesundheitsdiktatur sprach.

Allein schon die Aneinanderreihung dieser negativ besetzten Bilder finde ich bezeichnend, wenn in einem Posting, der Kettenraucher, die jammernden Dicken, die keine Treppen hoch kommen und auch noch psychisch nichts als Leid auszustrahlen scheinen, spricht für mich dafür, dass es tatsächlich um spassbefreite und angstbesetzte Sichten geht.

Aber es freut mich natürlich, wenn das, wie zu lesen ist, von Menschen mittleren Alters mit ausgereifter Fitness und Idealgewicht kommt, die keine Ängste pflegen...

Wer im Glaushaus sitzt

"Allein schon die Aneinanderreihung dieser negativ besetzten Bilder finde ich bezeichnend, wenn in einem Posting, der Kettenraucher, die jammernden Dicken, die keine Treppen hoch kommen und auch noch psychisch nichts als Leid auszustrahlen scheinen, spricht für mich dafür, dass es tatsächlich um spassbefreite und angstbesetzte Sichten geht.

Aber es freut mich natürlich, wenn das, wie zu lesen ist, von Menschen mittleren Alters mit ausgereifter Fitness und Idealgewicht kommt, die keine Ängste pflegen..."

Sie werfen mir Schubladendenken vor und haben leider auch nicht mehr zu bieten. Klar, Mitvierziger mit ausgereifter Fitness und Idealgewicht sind angstbesetzt, stecken tief in der Midlife-Crisis und versuchen, Marathonbestzeiten zu laufen.

Tut mir leid, kann ich nicht mit dienen.

Immer diese Drohungen,

die den jungen Herzinfarkt und dann eine schlimmem Krankheitsverlauf einem alten Menschen gegenüber zu stellen, ist schlicht unredlich, denn es übersieht einiges und nebenbei verteilt es Schuld, die ich im Zusammenhang mit Krankheit unangebracht empfinde.

Aber die Zeiten wenden sich und scheinbar ist das der Zeitgeist, der in solcher Weise droht, wie der Katholik in früheren Jahrhunderten für Verfehlungen die Hölle bildlich vor Augen hatte.

Die Hölle sind nicht mehr die anderen sondern scheinbar Krankheiten, die man sich anlebt - witzige Idee.

Re: Risikoerhöhung

Das gilt für Rauchen, Fleisch und Alkohol.

Das sieht schon etwas skurril aus, wie sie Rauchen, Fleisch und Alkohol auf eine Stufe stellen. Dass viele einen zu großen Fleischkonsum haben und der sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann, will ich nicht bezweifeln. Grundsätzlich ist an Fleisch jedoch nichts auszusetzen. Die Fähigkeit unserer Vorfahren Fleisch unter Hitzeeinwirkung zu garen, führte erst dazu, dass der Homo erectus mit ausreichend speziellen Proteinen und Fettsäuren versorgt werden konnte, die eine Weiterentwicklung zu dem, was wir heute sind, ermöglichten. Die aufkommende Haltung, dass der Mensch vollkommen auf Fleisch verzichten müsse, halte ich darum für verklärte Romantik. Auf Fleisch kann man heute verzichten, weil wir Surrogate herstellen können. Auf Fleisch sollte man aber nicht mit der Begründung verzichten, dass der Homo sapiens eigentlich ein reiner Fruchtfresser sei. Das stimmt einfach nicht.

Weil das so ist, sollte man Fleisch nicht so unkommentiert mit Alkohol und Tabak in eine Reihe stellen, da sich diese Schadstoffe qualitativ erheblich unterscheiden. Letztendlich ist alles ein Schadstoff. Man könnte auch Wasser hinzuzählen, denn zuviel davon führt innerhalb kürzester Zeit zum sicheren Tod. Die Menge macht's.

Sie schreiben, @Christian Dossmann

Der Mensch sei von Natur aus kein Fruchtesser. Erklären Sie mir dann bitte, warum seine Zähne und sein Magen-Darm-Trakt
der eines Fruchtessers ist und schon immer war und warum der Mensch nie Reißzähne und/oder Krallen hatte? Diese hat sogar der Bär, obwohl er kein reiner Fleischfresser-sonder Mischesser ist!
Und warum ist das operative Verkürzen des (erkrankten)Darmes in den Industrieländern, wo am meisten Fleisch verzehrt wird, so häufig, daß es schon längst zur Routine-OP avancierte? Hier werden einfach dreist "Wahrheiten" postuliert, ohne den geringsten Hinweis auf irgendeine Logik! Nur, um behaupten zu können, Veganer seien "reine Romantiker". Ich streite garnicht ab, daß ich einmal aus Tierliebe Vegetarierin und dann Veganerin geworden bin, aber das bedeutet nicht, daß ich nicht logisch denken kann!Ganz im Gegenteil-und das sagt ja sogar die Hirnforschung heute schon: Menschliche Intelligenz setzt sich ebenso aus Gefühlen wie aus Gedanken zusammen. Eines allein funktioniert garnicht!Wir als Menschen sollten viel mehr auf unser Mitgefühl, das unsere Spezies eigentlich auszeichnen sollte, horchen und endlich damit aufhören, es als Dummheit zu diskriminieren!

Romantik

Der Mensch sei von Natur aus kein Fruchtesser.

Bitte genauer lesen. Ich schrieb kein reiner Fruchtfresser.

Erklären Sie mir dann bitte, warum seine Zähne und sein Magen-Darm-Trakt der eines Fruchtessers ist

Woran machen Sie das fest? Mein Magen-Darm-Trakt verdaut gegartes Fleisch hervorragend. Die Nährstoffe werden problemlos aufgenommen.

und schon immer war und warum der Mensch nie Reißzähne und/oder Krallen hatte?

Wofür braucht der Mensch Reißzähne? Wir können gegartes Fleisch sehr gut mit unseren Mahlzähnen zerkleinern.

Und warum ist das operative Verkürzen des (erkrankten)Darmes in den Industrieländern, wo am meisten Fleisch verzehrt wird, so häufig, daß es schon längst zur Routine-OP avancierte?

Vielleicht liegt es am übermäßigen Fleischkonsum?

Hier werden einfach dreist "Wahrheiten" postuliert, ohne den geringsten Hinweis auf irgendeine Logik! Nur, um behaupten zu können, Veganer seien "reine Romantiker".

Liefern Sie doch wenigstens einen Hinweis dafür warum es nicht so sein sollte.

Ich streite garnicht ab, daß ich einmal aus Tierliebe Vegetarierin und dann Veganerin geworden bin, aber das bedeutet nicht, daß ich nicht logisch denken kann!

Sie haben mindestens drei ganz wichtige Aussagen aus meinem Beitrag nicht herausgelesen. Die Fähigkeit zum logischen Denken genügt offensichtlich nicht.

Romantik (2)

Nur, um behaupten zu können, Veganer seien "reine Romantiker". Ich streite garnicht ab, daß ich einmal aus Tierliebe Vegetarierin und dann Veganerin geworden bin

Ich habe übrigens auch nicht behauptet, dass Veganer Romantiker seien. Ich habe gesagt, dass ich die Einstellung, man solle kein Fleisch essen, weil der Mensch angeblich kein Fleischesser sei, für romantisch halte. Das tue ich, weil es keinen Hinweis darauf gibt, dass es so ist. Veganer und Vegetarier haben weder eine höhere Lebenserwartung oder noch geringere Anfälligkeit für Krankheiten als moderate Fleischesser. Dass man dennoch aus anderen Gründen kein Fleisch ist, zum Beispiel aus Tierliebe oder ähnlichen Gründen, halte ich für vollkommen legitim. Ich lehne Vegetarismus oder Veganismus nicht ab. Ich finde nur, dass derjenige sich etwas vormacht, der behauptet, dass es nicht im Wesen des Menschen liegt, Fleisch zu essen. Der Homo sapiens ist quasi mit Fleischkonsum entstanden, wenn auch nur in sehr geringen Mengen. Gerne wird argumentiert, dass der Mensch das einzige Tier sei, dass Fleisch mit Mahlzähnen kaut und schon deswegen es unnatürlich sei, Fleisch zu essen. Darf ich darauf hinweisen, dass der Mensch auch das einzige Tier auf diesem Planeten ist, das Autos und Mobiltelefone baut und andere verrückte Dinge tut, die sonst kein anderes Lebewesen macht? Das gehört alles zur Natur des Menschen. Warum soll jetzt ausgerechnet das Fleischessen unnatürlich und verachtungswürdig sein?

Mit Veganer oder Vegetariern zu diskutieren...

...ist ziemlich fruchtlos, wenn diese missionarisch unterwegs sind. Ich sagte es schon an anderer Stelle. Stark frisst Schwach. Ohne das würde unsere Natur nicht funktionieren und wir sind nun mal Teil dieser Natur. Man kann aus Tierliebe auf Fleisch verzichten, dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Zu behaupten, der Mensch sei eigentlich ein reiner Pfanzenfresser, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Wir sind Mischköstler. Ein paar irregeleitete Wissenschaftler, die aus ideologischen Gründen Gegenteiliges behaupten, finden sich in jeder wissenschaftlichen Disziplin. Das macht die Sache nur nicht wahrer.