Influenza-Studien: Experten rätseln, wie Forscher Wissen über Killervirus teilen können
Sichere Webserver oder markierte Kopien: Über diese Wege sollen nur Influenza-Forscher Einblick in die Bauanleitung eines hoch ansteckenden, tödlichen Virus erhalten.
Erst sollten sie gar nicht veröffentlicht werden, dann nur in Auszügen: Die Influenza-Studien von Ron Fouchier und Yoshihiro Kawaoka, in denen sie beschreiben, wie aus dem tödlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 eine hoch ansteckende Variante wird, lösten eine Debatte aus. Nicht nur unter Forschern, sondern besonders auch zwischen den Herausgebern der beiden größten Wissenschaftsmagazine Science und Nature sowie der amerikanischen Politik. Dürfen Informationen über einen möglichen Killervirus an die Öffentlichkeit gelangen? Muss die Wissenschaft hinter bioterroristischen Bedenken zurücktreten?
Zuletzt stimmten die Magazin-Verantwortlichen und Forscher der Forderung des US-Gremiums für Biosicherheit (NSABB) zu, die genaue Bauanleitung für das Supervirus sowie die exakten Ergebnisse nicht zu veröffentlichen. Unter einer Voraussetzung: Die zuständigen amerikanischen Behörden entwickeln ein System, das Influenza-Forschern auf diesem Fachgebiet ermöglicht, die unveröffentlichten Details einzusehen.
Für die Erforschung von Viren und ihrer Fähigkeit sich zu wandeln und zu mutieren, sind die Erkenntnisse über das Supervirus nützlich. Besonders auch deshalb, um zu prüfen, wie sich derartige Erreger bekämpfen lassen, die die Natur selbst auch hervorbringen kann. Zuletzt schätzte der Virologe Ron Fouchier im Magazin Science, dass rund 1.000 Wissenschaftler an rund 100 unterschiedlichen Instituten weltweit Zugang zu den Details seiner Arbeit benötigen würden.
- Das Experiment
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Mit ihren Experimenten wollten Wissenschaftler um Ron Fouchier herausfinden, ob das Vogelgrippe-Virus H5N1 das Potenzial hat, eine Pandemie wie das Schweinegrippe-Virus H1N1 auszulösen. Die Studie stellten die Forscher in Auszügen auf der Influenza-Konferenz in Malta im September 2011 vor.
Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Arbeit einen Stamm, dem sie drei gezielte Mutationen verpassten, die dem Virus ermöglichen sollten, sich auch in Säugetieren zu reproduzieren. Frettchen, die mit dem mutierten Virus infiziert wurden, starben. Eine Übertragung unter den Tieren erfolgte zunächst nicht. Die Forscher isolierten daraufhin die Virus-Varianten der erkrankten Tiere und infizierten damit gesunde Tiere. Sobald diese ebenfalls erkrankten, wiederholten die Forscher das Prozedere.
Zehn Wiederholungen waren erforderlich, dann war das Virus von allein fähig, gesunde Tiere in anderen Käfigen zu infizieren – ohne Körperkontakt zwischen ihnen, allein über Tröpfchen-Infektion durch die Luft. Insgesamt fünf Mutationen sind laut den Wissenschaftlern erforderlich, damit ein tödliches Virus wie das Vogelgrippe-Virus H5N1 so ansteckend wird wie das Schweinegrippe-Virus H1N1.
Im Gegensatz zu Fouchier, manipulierten Forscher um Yoshihiro Kawaoka den Vogelgrippe-Erreger gezielt. Sie nahmen das Oberflächenprotein Hämagglutinin H5 des Virus und schleusten ihn in das für Menschen hoch ansteckende Schweinegrippevirus H1N1. In Frettchen übertrug sich der neue Keim leicht, tötete die Tiere jedoch nicht. Allerdings konnte der Erreger mit aktuellen Impfstoffen und antiviralen Mitteln bekämpft werden.
- Viren
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Das Schweinegrippe-Virus (H1N1) löste im Jahr 2009 eine weltweite Pandemie aus. Doch obwohl das Virus hoch ansteckend war, war es nur für wenige tödlich: Nur einer unter zehntausend Infizierten starb an dem Virus.
Bei dem Virus der Vogelgrippe (H5N1) war das genau umgekehrt: Das Virus war nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, weshalb nur wenige mit dem Krankheitserreger infiziert wurden. Eine Infektion endete jedoch in mehr als der Hälfte der Fälle tödlich.
Eine Kombination der beiden Viren galt bislang sowohl in der Natur als auch im Labor als unwahrscheinlich.
- Übertragbarkeit
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Frettchen gelten in der Virologie und in der Influenza-Forschung als Modellorganismen, weil ihr Immunsystem ähnlich auf Erreger reagiert wie das des Menschen. Ob sich die Ergebnisse der Studie direkt auf den Menschen übertragen lassen, weiß niemand.
"Frettchen sind keine Menschen", sagt Peter Palese, ein Influenza-Experte am Mount Sinai Medical Center in New York City, dem New Scientist. "H5N1 kursierte eine lange Zeit und mutierte währenddessen nicht in eine Form, in der es von Mensch zu Mensch übertragbar gewesen wäre."
Weitere Forscher kritisieren im Science Insider, dass das Vogelgrippevirus H5N1 keine Pandemie unter Menschen auslösen kann, weil sich das Virus in einem menschlichen Wirt nicht reproduzieren kann.
Andere Forscher halten es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass sich das Virus an den Mensch anpassen könnte, indem es einen Zwischenwirt findet, der sowohl menschliche Viren als auch das Vogelgrippevirus beherbergen könnten. So ein Zwischenwirt könnten etwa ein Schwein sein.
- Veröffentlichungsprozess
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Wissenschaftliche Veröffentlichungen werden der Fachwelt und der Öffentlichkeit erst zugänglich, wenn sie in einem entsprechenden Fachmagazin veröffentlicht sind. Angedacht ist, dass die Forscher darin – neben den Ergebnissen – offenlegen, wie sie ihre Experimente durchgeführt haben – und zwar so detailliert, dass andere Forscher die Experimente wiederholen können.
Für eine Veröffentlichung müssen Wissenschaftler zunächst die Studie so verfassen, dass sie den Veröffentlichungsauflagen des jeweiligen Fachmagazins entspricht. Nach der Einreichung wird die Studie (anonymisiert) an andere Wissenschaftler weitergereicht, die Experten auf dem untersuchten Themengebiet sind. Sie sollen beurteilen, ob die Studie plausibel ist oder auszubessernde Mängel aufweist.
Erst wenn diese sogenannten Reviewer mit der Studie einverstanden sind, kann diese veröffentlicht werden.
Sowohl die Studie von Ron Fouchier als auch die von Yoshihiro Kawaoka wurden zur Veröffentlichung zugelassen, schreibt das Magazin Science Insider. Das amerikanischen Gremium für Biosicherheit (NSABB) hat die Ergebnisse begutachtet und empfiehlt, sie nicht in voller Länge zu veröffentlichen. Es erwägt nun außerdem ein Moratorium für ähnliche Fälle. Das NSABB wurde bisher in Einzelfällen von Wissenschaftlern oder Magazinen darum gebeten, Studien zu begutachten, die mögliche Interessenskonflikte beinhalten könnten.
Bruce Alberts, Herausgeber des Magazins, hat zudem erste Ideen beschrieben, wie elementaren Details nur Influenza-Forschern zugänglich gemacht werden könnten: etwa über eine gesicherte Webseite oder gekennzeichnete Kopien auf Papier, die von Regierungsbotschaften einzelner Ländern an jeweilige Forschungseinrichtungen verteilt werden könnten.
Doch in Zeiten, in denen bislang als sicher gewertete Webseiten schon gehackt wurden und Kopien weiter vervielfältigt oder gestohlen werden können, scheinen diese Ideen nicht sehr vielversprechend.
Wer entscheidet, welche Forscher von den Ergebnissen profitieren?
Bislang gebe es noch keine weiteren konkreten Ideen, sagte Influenza-Forscher Michael Osterholm, der als Mitglied des NSABB die Studien mit bewertet hat, am Mittwoch im Live-Chat des Magazins Science. "Sowohl die internationale Forschungsgemeinschaft als auch die Politik müssen aktiv entscheiden, wie zukünftige Forschung auf diesem Gebiet begutachtet und Informationen verbreitet werden können", sagt Osterholm. Derzeit arbeite eine Gruppe von NSABB-Experten an einer Empfehlung, wie die wichtigen Akteure effektiv zusammenarbeiten können.
In der Reihe der noch offenen Fragen steht auch die nach der Verantwortung: Entscheiden die Autoren der Studie selbst, welche anderen Forscher Zugang bekommen oder wird diese Aufgabe an die Politik übertragen? Wie ist dann sichergestellt, dass Informationen nicht Gegenstand von nicht-wissenschaftlichen politischen Angelegenheiten werden?
Während die Beteiligten diesen Teil der Debatte noch nicht geklärt haben, beginnt bereits ein weiterer. Obwohl mehrere Gutachter beide Studien zuvor bewertet hatten, äußerte niemand Bedenken über eine mögliche terroristische Verwendung der Daten. Die kamen erst auf, als die Veröffentlichung kurz bevorstand.
Anthony Fauci, der Direktor des National Institute of Allergy and Infections Disease (NIAID) in den USA, hält das für bedenklich. Sein Institut hatte die Studie von Kawaoka mitfinanziert. Vermutlich sei es niemandem aufgefallen, da ähnliche Forschungsprojekte, die die Übertragungsfähigkeiten von Krankheitserregern untersuchen, selten solche konkreten Ergebnisse zutage fördern. Sie liefen im Hintergrund einfach weiter.
Um weitere "Überraschungen" zu vermeiden, arbeitet eine Expertengruppe um Fauci daran, eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln, um Dual-Use-Bedenken aufzudecken, bevor die Forschung überhaupt beginnt. Dual-Use beschreibt die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse auch für andere Zwecke als die der Forschung zu verwenden. Eine mögliche Option wäre, ein bereits teilweise in den USA existierendes Fragebogensystem auszuweiten. Darin können die jeweiligen Forscher ankreuzen, wenn ihre Forschung "die schädliche Wirkung eines biologischen Erregers oder Giftes steigert" – was etwa bei gesteigerter Übertragbarkeit eines Virus der Fall wäre.
Auch die WHO hat sich in die Debatte eingeschaltet
Auch wenn die Debatte bislang vor allem in den und von den USA ausgehend geführt wird, ist allen Beteiligten klar, dass es eine globale Lösung geben muss. Wenn nur die USA solche Forschung unterbindet, könnte sie eben woanders stattfinden. Der Influenza-Wissenschaftler Osterholm zeigte sich zuversichtlich, dass die US-Regierung zu einem passenden Zeitpunkt den Rest der Welt einbinden werde.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits eingeschaltet. Man sei sehr besorgt ob der möglichen negativen Konsequenzen, berichtet Science. Die Organisation war nach dem Ausbruch der Vogelgrippe 2003 in die Kritik geraten. Ihr wurde vorgeworfen, Virus-Proben und Forschungserkenntnisse nicht gerecht zugänglich gemacht zu haben. Im Mai 2011 veröffentlichte die WHO daher ein Abkommen, um das Problem künftig zu vermeiden. Sollten die Studien über das Supervirus nun zensiert veröffentlicht werden, könnte das Abkommen verletzt werden. Schließlich sei es die WHO gewesen, die Fouchier und Kawaoka mit als erstes Virus-Proben zur Verfügung gestellt hatte.








Wenn ich's richtig verstanden habe, liegt das eigentliche Problem darin, dass bereits in S3-Laboren mit derart gefährlichen Organismen munter herumexperimentiert wird. Der Killervirus, um den es hier geht, ist in einem ebensolchen S3-Labor erschaffen worden.
M.E. sollte es selbstverständlich sein, dass hier die höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen, also die der Stufe S4, zu gelten haben. Das aber ist nicht der Fall, und das ist alles andere als eine Lapalie. Der Grund für diese Sicherheitslücke ist letztlich ein ökonomischer. S4-Labore sind teuer, und davon gibt es weltweit gesehen nur recht wenige (http://de.wikipedia.org/w...).
... Verstehe ich es eher so, dass unklar ist, wie der "Bauplan" von Labor zu Labor gelangen soll. Wenn ich bedenke, was man in letzter Zeit über Datenpannen so alles lesen dürfte, dreht sich mir der Magen um.
Und selbst wenn das, sicherlich wertvolle Wissen, nur die "Richtigen" erreicht, ist doch auch da noch nicht sicher, ob diese sich nicht auch gegen Geld zu zwielichtigen Projekten hinreißen lassen. Irgendwer hat den schlechten Mächten dieser Welt schließlich all die Spielzeuge in die Hand gegeben. Und dabei spreche ich jetzt nicht von spezifischen Nationalitäten.
... Verstehe ich es eher so, dass unklar ist, wie der "Bauplan" von Labor zu Labor gelangen soll. Wenn ich bedenke, was man in letzter Zeit über Datenpannen so alles lesen dürfte, dreht sich mir der Magen um.
Und selbst wenn das, sicherlich wertvolle Wissen, nur die "Richtigen" erreicht, ist doch auch da noch nicht sicher, ob diese sich nicht auch gegen Geld zu zwielichtigen Projekten hinreißen lassen. Irgendwer hat den schlechten Mächten dieser Welt schließlich all die Spielzeuge in die Hand gegeben. Und dabei spreche ich jetzt nicht von spezifischen Nationalitäten.
... Verstehe ich es eher so, dass unklar ist, wie der "Bauplan" von Labor zu Labor gelangen soll. Wenn ich bedenke, was man in letzter Zeit über Datenpannen so alles lesen dürfte, dreht sich mir der Magen um.
Und selbst wenn das, sicherlich wertvolle Wissen, nur die "Richtigen" erreicht, ist doch auch da noch nicht sicher, ob diese sich nicht auch gegen Geld zu zwielichtigen Projekten hinreißen lassen. Irgendwer hat den schlechten Mächten dieser Welt schließlich all die Spielzeuge in die Hand gegeben. Und dabei spreche ich jetzt nicht von spezifischen Nationalitäten.
>Entscheiden die Autoren der Studie selbst, welche anderen Forscher Zugang bekommen oder wird diese Aufgabe an die Politik übertragen?
Ich traue einem Wissenschaftler zehn mal mehr als einem Politiker. Warum sollten diese das Recht haben solche Informationen kontrollieren, vorausgesetzt die fragliche Forschungarbeit wurde nicht mit öffentlichen Geldern durchgeführt?
wenn man davon ausgeht, daß dieses Virus nicht in die falschen Hände geraten darf, woher weiß man dann, daß keiner der beteiligten Forscher zu diesen "falschen Händen" gehört?
Es sollte einfach jegliche Forschung unterbunden werden! Lasst uns ins Steinzeitalter zurückkehren.
my two cents
Chris
gibt es ja auch noch Graustufen zwischen den Extremen...?
gibt es ja auch noch Graustufen zwischen den Extremen...?
gibt es ja auch noch Graustufen zwischen den Extremen...?
Whatever can go wrong, will go wrong
Die Menschen sind nach dem Schweinegrippeflop impfmüde geworden, darum scheint es mir eigentlich zu gehen bei diesem angeblichen "Supervirus" also hat man sich eine neue Geschichte ausgedacht von einem noch gefährlicheren Virus
Wie kann man wohl aus einem nichtexistenten Virus einen gefährlichen entwickeln? wer näheres wissen mag, möge bitte googln > H5N1 antwortet nicht - und > Spanische Grippe, nur die Geimpften erkrankten -
Ich vermute die Zeit des Schweigens wird dazu genutzt, auszuknobeln welcher Pharmakonzern denn den Impfstoff "erfinden darf" und den warmen Geldsegen empfangen darf
Es geht um Angst, so wie bei der Klimalüge usw- nur ängstliche Menschen lassen sich leicht regieren
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