Während die Beteiligten diesen Teil der Debatte noch nicht geklärt haben, beginnt bereits ein weiterer. Obwohl mehrere Gutachter beide Studien zuvor bewertet hatten, äußerte niemand Bedenken über eine mögliche terroristische Verwendung der Daten. Die kamen erst auf, als die Veröffentlichung kurz bevorstand.

Anthony Fauci, der Direktor des National Institute of Allergy and Infections Disease (NIAID) in den USA , hält das für bedenklich. Sein Institut hatte die Studie von Kawaoka mitfinanziert. Vermutlich sei es niemandem aufgefallen, da ähnliche Forschungsprojekte, die die Übertragungsfähigkeiten von Krankheitserregern untersuchen, selten solche konkreten Ergebnisse zutage fördern. Sie liefen im Hintergrund einfach weiter.

Um weitere "Überraschungen" zu vermeiden, arbeitet eine Expertengruppe um Fauci daran, eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln, um Dual-Use-Bedenken aufzudecken, bevor die Forschung überhaupt beginnt. Dual-Use beschreibt die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse auch für andere Zwecke als die der Forschung zu verwenden. Eine mögliche Option wäre, ein bereits teilweise in den USA existierendes Fragebogensystem auszuweiten. Darin können die jeweiligen Forscher ankreuzen, wenn ihre Forschung "die schädliche Wirkung eines biologischen Erregers oder Giftes steigert" – was etwa bei gesteigerter Übertragbarkeit eines Virus der Fall wäre.

Auch die WHO hat sich in die Debatte eingeschaltet

Auch wenn die Debatte bislang vor allem in den und von den USA ausgehend geführt wird, ist allen Beteiligten klar, dass es eine globale Lösung geben muss. Wenn nur die USA solche Forschung unterbindet, könnte sie eben woanders stattfinden. Der Influenza-Wissenschaftler Osterholm zeigte sich zuversichtlich, dass die US-Regierung zu einem passenden Zeitpunkt den Rest der Welt einbinden werde.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits eingeschaltet. Man sei sehr besorgt ob der möglichen negativen Konsequenzen, berichtet Science . Die Organisation war nach dem Ausbruch der Vogelgrippe 2003 in die Kritik geraten. Ihr wurde vorgeworfen, Virus-Proben und Forschungserkenntnisse nicht gerecht zugänglich gemacht zu haben. Im Mai 2011 veröffentlichte die WHO daher ein Abkommen , um das Problem künftig zu vermeiden. Sollten die Studien über das Supervirus nun zensiert veröffentlicht werden, könnte das Abkommen verletzt werden. Schließlich sei es die WHO gewesen, die Fouchier und Kawaoka mit als erstes Virus-Proben zur Verfügung gestellt hatte.