Bioterrorismus : Vogelgrippe-Forscher stoppen Arbeit am Supervirus

Aus Angst, ihr im Labor entwickeltes Supervirus könnte in die falschen Hände geraten, verzichten Forscher nun 60 Tage lang auf weitere Experimente an ihrer H5N1-Variante.

Gesundheitspolitiker sollen erst einmal Zeit zum Beschluss schärferer Sicherheitsmaßnahmen bekommen: Die Sorge, dass ein im Labor entwickeltes Supervirus in die falschen Hände geraten könnte, hat Grippeforscher zu einem freiwilligen Stopp ihrer Arbeit veranlasst. 60 Tage lang wollen sie auf weitere Experimente mit der neuen Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1 verzichten.

Die USA und andere Länder fürchten, dass Terroristen mit dem gefährlichen und hoch ansteckenden Virus Biowaffen bauen könnten.

"Wir sehen ein, dass wir und andere Wissenschaftler die Vorteile unserer wichtigen Untersuchungen klar darlegen und Maßnahmen zur Reduzierung möglicher Risiken vorschlagen müssen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Fachjournale Nature und Science veröffentlichten jetzt das von 39 H5N1-Experten signierte Dokument. Darin fordern die Unterzeichner ein internationales Forum zur Debatte über die Gefahren des Erregers und angemessene Gegenmaßnahmen.

Nach Angaben der Journale will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Experten und Behörden zu einer Konferenz Ende Februar in Genf einladen.

Der größte internationale Wissenschaftlerverband AAAS (American Association for the Advancement of Science) werde das Thema bei seiner Jahresversammlung Mitte Februar im kanadischen Vancouver ebenfalls in Vorträgen und Seminaren erörtern, hieß es.

Washington hatte bereits im Dezember an Forscher und Fachjournale appelliert , die Daten des Erregers unter Verschluss zu halten.

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Das liebe Geld

Ich denke, dass gezielte Ermordung hier unwahrscheinlich ist.
Druck aufgebaut wird trotzdem, da die Forscher um öffentliche Forschungsgelder bangen müssen, wenn sie sich nicht "einsichtig" zeigen. Ob man ihnen tatsächlich Forschungsgelder verweigern würde ist irrelevant. Es reicht die Befürchtung und die resultierende Schere im Kopf.

Nichts desto trotz ist die Problematik ja sehr real und es sollte genau abgewägt werden. Schade ist nur, dass eine unabhängige, rationale Betrachtung durch den Druck wenig wahrscheinlich wird.

Nur noch 60 ...Tage?

Was sollen denn 60 Tage Moratorium bringen? Zeit, eine Debatte loszutreten und aufgrund dieser Gesetze zu überarbeiten?

Ist schon jemals ein neuses Gesetz innerhalb von 60 Tagen aufgesetzt worden? Nein, ich weiß es nicht, vielleicht ist das tatsächlich schon mal geschehen...

Und sonst nach 60 Tagen buisiness as usual?
Um neue Erkenntnisse zu bekommen und sei es die Erkenntnis, es besser nicht getan zu haben...

Seriöse Forschung versus Bioterrorismus

Die Kategorien von "gut" oder "böse" sind in der Forschung ziemlich sinnlos. Entscheidend ist immer, welcher Zweck verfolgt wird. Insofern halte ich die Position der Forscher für reichlich naiv, denn: Was technisch möglich ist, wird auch getan. Und dann ist es auf jeden Fall besser, wenn es in einem verantwortlichen Zusammenhang durch verantwortungsbewusste Menschen getan wird als durch irgend welche radikalisierten Ideologen mit extremen politischem und/oder religiösen Hintergrund und potenziellen bioterroristischen Absichten.