Pharmaskandal Das Tamiflu-Geheimnis
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Kritik an der Übersichtsarbeit der unabhängigen Experten

Mittlerweile haben sich auch Experten der amerikanischen Seuchenbehörde CDC sowie ihrem europäischen Pendant ECDC sich zur Cochrane-Überprüfung geäußert. Zwar habe man den gesamten 200-Seiten Bericht von Jefferson noch nicht eingehend prüfen können, doch gebe es darin ein grundsätzliches Problem. "Jefferson berücksichtigt keine Beobachtungsdaten", sagte etwa Angus Nicoll, der Leiter des Influenza-Programms am ECDC dem Center for Infectious Disease Research and Policy der Universität von Minnesota. Diese Daten seien zwar schwach, "aber sie deuten gehäuft auf eine schützende Wirkung" von Tamiflu hin. Dies habe man während der Schweinegrippe-Pandemie verfolgen können, sagte Nicoll. "Sich nur auf klinische Daten zu verlassen, kann in die Irre führen. So wird aus dem Nichtvorfinden von Beweisen für die Wirksamkeit gleich ein Beweis für das Nichtvorhandensein einer Wirksamkeit."

Hätten die Staaten das Mittel also nicht einlagern sollen?

Zudem verwies Nicoll auf eine Studie der beiden Forscher Miguel Hernan und Marc Lipsitch von der Harvard-Universität. Beide hätten ebenfalls die Daten der ursprünglich für das Vertrauen in Tamiflu verantwortlichen Analyse des Schweizers Laurent Kaiser untersucht. Sie kamen zu Ergebnissen, die sich mit den Aussagen über Tamiflu von Roche und den Zulassungsbehörden decken. "Ihre Resultate zeigen, dass es Belege für verringerte Komplikationen bei Patienten mit saisonaler Grippe gibt (die Tamiflu eingenommen hatten)", sagte Nicoll.

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Derzeit steht im Zweifel also Aussage gegen Aussage. Es bleibt auch die Frage, ob das Geld, das Regierungen weltweit in Tamiflu investierten, verschwendet worden ist. Bei der Einlagerung von antiviralen Arzneimitteln gelte in der Politik auch der Grundsatz, besser ein Medikament als Risikoversicherung in der Hinterhand zu haben, als gar keines, sagt der deutsche Cochrane-Chef Antes. "Vielleicht hat man das Glück, dass es dann soweit hilft, wie die Optimisten sagen." Wer will schon seinem Land ein Medikament vorenthalten, was möglicherweise im Notfall hilfreich sein könnte? Letztlich müsse aber die Forderung wiederholt werden, sagt Antes, die seit Jahren auf dem Tisch sei: "Alles, was in der Forschung gemacht wird, muss publiziert werden."

 
Leser-Kommentare
  1. irgendwie hat man es doch gewusst.

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    bin ich nicht zum ersten Mal dem Lobbyisten-Rat meines Nicht-mehr-Hausarztes nicht gefolgt.

    Gesundes Misstrauen, gepaart mit ein paar unter den Teppich gekehrten Alternativ-Informationen, die nicht in der Werbung stehen

    plus

    One apple a day
    KEEPS THE DOCTOR AWAY !

    Das Problem dabei: irgendwann gibt´s mal eine echte Pandemie mit schlimmen Folgen. Und bis dahin ist das Vertrauen in Pharmaindustrie und die staatlichen Stellen so zugrunde gerichtet, daß sich zu wenige impfen werden.

    bin ich nicht zum ersten Mal dem Lobbyisten-Rat meines Nicht-mehr-Hausarztes nicht gefolgt.

    Gesundes Misstrauen, gepaart mit ein paar unter den Teppich gekehrten Alternativ-Informationen, die nicht in der Werbung stehen

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    KEEPS THE DOCTOR AWAY !

    Das Problem dabei: irgendwann gibt´s mal eine echte Pandemie mit schlimmen Folgen. Und bis dahin ist das Vertrauen in Pharmaindustrie und die staatlichen Stellen so zugrunde gerichtet, daß sich zu wenige impfen werden.

  2. Die ängstlichen horteten damals Tamiflu,
    die Clever Roche-Aktien.

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    denn bei Unsicherheit ist auch Vorsicht angebracht.

    denn bei Unsicherheit ist auch Vorsicht angebracht.

    • IQ130
    • 25.01.2012 um 16:43 Uhr

    Wer hätte das gedacht? Viele Studien waren durch werkseigene Forscher durchgeführt worden. Warum sollte das ausgerechnet ein Pharma-Unternehmen nicht tun?

    Es stellt sich die Frage, wer von den Verantwortlichen der WHO und anderer Empfehlern des Tamiflu die Hand aufgehalten hat, damit er wegsieht. Nur in Netzwerk von Politikern, leitenden Beamten und Finanziers kann ein so großes Rad drehen.

    Schande...

    15 Leser-Empfehlungen
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    Die WHO ist neben der UNO die blödsinnigste Organisation der Welt, die Posten sind von schlecht ausgebildeten Drittewelt-Ärzten besetzt, die auf jede falsche Nachricht mit Panik reagieren. Korruption darf ich leider denen nicht unterstellen. Übrigens, 50% aller meiner Kollegen (klinische Fachärzte!!!) haben Tamiflu gehortet.

    Die WHO ist neben der UNO die blödsinnigste Organisation der Welt, die Posten sind von schlecht ausgebildeten Drittewelt-Ärzten besetzt, die auf jede falsche Nachricht mit Panik reagieren. Korruption darf ich leider denen nicht unterstellen. Übrigens, 50% aller meiner Kollegen (klinische Fachärzte!!!) haben Tamiflu gehortet.

  3. ... Aussage gegen Aussage.

    Was wäre aber passiert, wenn es zu einer Pandemie gekommen wäre und keine Medikamente zur Verfügung gestanden hätten und wenn diese auch nur einen Placebot-Effekt gehabt hätte; denn auch dieser wirkt häufig, sofern die Patienten von der Wirkung des eigenommenen Präparates überzeugt sind.

    Das ist die eine Seite, auf der anderen Seite ist es nicht akzeptable, dass Studienergebnisse verschwiegen bzw. wissentlich geschönt werden.

  4. Roche kann man kaum eine Schuld zuweisen. Der maßlose Medien-Hype in Sachen "Vogelgrippe" bedurfte dringend einer "Abkühlung". Nun gut: Roche war zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Produkt da. Dass dieses Produkt die Werbeversprechen nicht einhundertprozentig erfüllt hat, ist einzuräumen. Aber das ist auch in anderen Lebensbereichen der Fall.
    Und: Die psychologische Wirkung darf auf gar keinen Fall unterschätzt werden. Selbst wenn "Tamiflu" AUSSCHLIESSLICH einen Placebo-Effekt gehabt hätte, hätte es dennoch seinen Zweck erfüllt; nämlich die sich immer einfacher ins Bockshorn jagen lassende, vermeintlich "medienkundige" Gesellschaft wieder von ihren Endzeitvisionen weg - und in die Realität zurück - zu holen.

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    Lieber freiheitsfreund, so etwas kann nur schreiben, wer in der oder für die Pharmaindustrie arbeitet. Diese Antwort ist kabarettreif.

    für Milliarden? Menschen als Versuchskaninchen für unzureichend untersuchte Medikament?

    Sie sollten Ihren Nick doch lieber ändern.

    Lieber freiheitsfreund, so etwas kann nur schreiben, wer in der oder für die Pharmaindustrie arbeitet. Diese Antwort ist kabarettreif.

    für Milliarden? Menschen als Versuchskaninchen für unzureichend untersuchte Medikament?

    Sie sollten Ihren Nick doch lieber ändern.

  5. denn bei Unsicherheit ist auch Vorsicht angebracht.

  6. Das grundsätzliche Problem kommt doch immer dann auf, wenn die Wirksamkeit eines Medikaments nur mit Schwierigkeiten überhaupt messbar ist.

    Offenbar ist ja unbestritten, dass Tamiflu nicht heilt, und zwar in dem Sinne, dass nach Einnahme innerhalb von 24 Stunden die Grippeinfektion verschwunden ist. Der einzige Claim, der gemacht wird, ist, dass das Medikament den Selbstheilungsprozess unterstützt. Wenn dann Daten so nahe am statistischen Rauschen liegen, dass die Wirkung nicht glasklar belegt werden kann, dann erscheint der Einsatz des Medikaments doch als höchst fragwürdig.

    Es gab schon genug Arzneimittel, die sich später als völlig unwirksam herausgestellt haben. Gerade in der Onkologie werden schwerstkranke Menschen häufig teuersten quälenden Therapien unterzogen mit dem alleinigen Ziel, das Leben (Leiden?) ein paar Monate zu verlängern, und zwar ohne Aussicht auf Heilung. Ein ethisch äußerst sensibles Thema.

  7. Und keineswegs ein Einzelfall.
    Ob Studienziele unkorrekt angegeben werden, ob Studien in Ländern mit anderen Bedingungen als hierzulande durchgeführt werden, ob sie gar bei unbequemem Verlauf gleich ganz abgebrochen werden, oder ob Tote vertuscht werden: all das hat System und dient dazu, erstens Kosten zu drücken (Studien Level 3 sind sehr teuer) und zweitens ein Medikament möglichst schnell durchzupeitschen.
    Man denke nur an Vioxx.

    Die Pharmalobby und ihren Studien sollte man grundsätzlich wachsam im Auge haben; leider fehlt ein wirklich unabhängiges Medium dafür.

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