Geboren werden 2012Alexanders Zukunft beginnt mit 3.690 Gramm

Zur Welt kommen: Familie Geseke erwartet in der Klinik ihr zweites Kind. Doch Alexander lässt sich Zeit, sein Weg ins Leben ist ein Drama – wie jede Geburt.

Alexander Geseke*, eine Woche nach seiner Geburt

Alexander Geseke*, eine Woche nach seiner Geburt

"Ein wenig ist es so, als warte man auf den ersten Schnee", sagt Jens Geseke* und blickt auf seine Frau. Nikoletta hat sich auf die breite, kniehohe und schaumstoffweiche Liege gesetzt. Ruhig atmend, dennoch angespannt, harrt die junge Frau aus. Dann lässt der Schmerz nach, während sich ihre Gebärmutter wieder entspannt. Die Gesekes sind seit fast fünf Stunden im Kreißsaal der Klinik im Hamburger Nordosten. Sie warten auf Alexander, ihr zweites Kind.

Geboren 2012 - Die Themenwoche

Wenig fasziniert Menschen so sehr wie die Zukunft. Wie werden wir morgen leben? Wie werden sich unsere Umwelt und unsere Gesellschaft verändern? ZEIT ONLINE wagt den Blick voraus. In zehn Folgen einer Themenwoche fragen wir: Was für ein Leben wird ein Mensch haben, wenn er 2012 geboren wird? Wie wird er lernen, essen, kommunizieren, arbeiten, wie wohnen, lieben, krank werden, regiert werden? Wie wird es schließlich sein, wenn er selbst Kinder bekommt?

Die Antworten, die diese Serie gibt, sind keine allgemeinen. Denn Alexander Geseke, der Held der einzelnen Geschichten, wurde tatsächlich am 3. Februar in Hamburg geboren. Ein echter Mensch also, am Anfang seines Lebens. Geboren 2012 erzählt, was Alexander in seinem Leben begegnen könnte. Allerdings: Alexander ist nicht der richtige Name der Hauptperson. Auch die Namen seiner Eltern wurden geändert, Bilder und Videos der Familie sind nicht mit ihren wirklichen Namen verbunden.

Die Folgen der Serie

Bisher erschienen:

Zukunftsforschung: Warum wir das Unmögliche wagen

Geboren 2012: Alexanders Zukunft beginnt mit 3.690 Gramm

Lernen 2022: Hausaufgaben sind archaischer Unsinn

Politik 2030: Scheitert die Energiewende an einer Eiche?

Essen 2032: Da sagt der Kühlschrank etwas anderes

Kommunizieren 2037: Ein Holo für den Hemdenschneider

Arbeiten 2042: Gleitzeit für immer

Wohnen 2047: Tomaten aus dem Parkhaus

Lieben 2048: Und ewig lockt das Netzwerk

Im Krankenhaus 2050: Alexander wird durchsichtig

Eltern werden 2052: Was ist ein Baby?

Demografie-Rechner: Wo stehen Sie im Gruppenbild unserer Gesellschaft?

ALS E-BOOK

Alle Artikel und Videos der beliebten Serie "Geboren 2012" stehen Ihnen gebündelt in einem E-Book im EPUB- und mobi-Format zur Verfügung. 

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Der ungeborene Sohn hat es sich offenbar gemütlich gemacht. Es ist kurz vor 11 Uhr am Morgen, der Winter hält seit einer Woche die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. "Gestern war der Stichtag", sagt Nikoletta Geseke. Auch wenn die angehende Gynäkologin weiß, dass der errechnete Geburtstermin nicht entscheidet, wann die Wehen tatsächlich einsetzen. "Es wird jetzt aber Zeit", sagt sie und streichelt über ihren Bauch. Heute sei es soweit, "doch der Muttermund ist gerade erst drei bis vier Zentimeter geöffnet". Es kann also dauern, zehn Zentimeter müssten es schon sein, auch die Fruchtblase ist noch nicht geplatzt.

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"Bei Kyra ging es viel schneller", erzählt Jens Geseke. Die zweieinhalbjährige Tochter der Gesekes ist bei ihnen zu Hause. Nikolettas griechische Mutter passt auf sie auf. Sie sei ganz aufgeregt gewesen, als sie aufwachte und Mama und Papa nicht da waren, hat die Oma am Telefon berichtet. "Aber als ihr klar war, dass wir im Krankenhaus sind und ihr Brüderchen kommt, hat sie sich ganz unbeeindruckt wieder schlafen gelegt", sagt Jens. 

An Ausruhen ist für seine Frau nicht zu denken. Gerade hat die Ärztin sie noch einmal an den Kardiotokografen angeschlossen. Sensoren kleben an Nikoletta Gesekes Bauch, dunkle Kabel reichen bis zum zwei Meter entfernten Messgerät, das stetig Papier ausspuckt, bedruckt mit Alexanders Herzschlag und der Muskelkontraktion der Gebärmutter. Die Ausschläge, die eine Nadel mit Stiftkopf auf das Papier kritzelt, erinnern unweigerlich an die zackigen Spitzen, die auch Seismometer von rumorenden Erdplatten zeichnen. Zusammen mit ihrer Hebamme analysiert Nikoletta die Werte – auch ihre Kollegen auf der Station sind gespannt. "Es ist schon komisch, gleichzeitig Gebärende und Ärztin zu sein", sagt sie.

Zeit, ein wenig nachzuhelfen

Die Wehen kommen weiter unregelmäßig, Alex' Herz wummert bei 140 Schlägen in der Minute. Weiter warten. Jens legt sich zu seiner Frau auf die Liege. Fast schon heimelig ist es in diesem Kreißsaal. Tageslicht fällt von draußen durch die papierdünnen Stoffvorhänge und spiegelt sich auf dem gebohnerten Linoleumboden, der eingerahmt ist von orangefarbenen und karminroten Wänden. Kitschig, aber irgendwie auch beruhigend wirkt der Delfin, der auf dem Bild an der Wand aus dem Wasser springt. Darunter eine großzügige Geburtswanne – sie wird heute unbenutzt bleiben.

Geboren 2012
Wie werden wir morgen leben? Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum Schwerpunkt Zukunftsforschung zu gelangen.

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Um 14 Uhr hat Nikoletta schon mehrmals die ihr so bekannte Station der Klinik abmarschiert. Vorbei an den Säuglingsfotos, die am Eingang in einem Plastikvorhang stecken. Die Pauls, Theodors und Maries sind alle hier zur Welt gekommen, Nikoletta war selbst als Ärztin bei einigen der Geburten dabei. Rund 1.000 Kinder schreien sich auf dieser Station jedes Jahr ins Leben.

Gerade einmal fünf Zentimeter weit hat sich Nikolettas Muttermund nun geöffnet. Zeit, ein wenig nachzuhelfen. Die Ärztin sticht eine Kanüle in Nikolettas rechten Handrücken. Ein dünner Schlauch wird befestigt. Er reicht bis zu dem Plastikbeutel, der an einem Metallständer auf Rädern baumelt. Ein Tropf. Langsam dringt eine klare Flüssigkeit in Nikolettas Venen, darin das Hormon Oxytocin. Es regt die Gebärmuttermuskulatur an.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sachliche Beiträge zum Thema des Artikels zu verfassen. Danke. Die Redaktion/sh

    5 Leserempfehlungen
  2. 2. [...]

    [...]

    Trotzdem wünsch ich der Familie alles gute :D.

    Gekürzt. Die Redaktion/sh

    3 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte nutzen Sie die Kommentarbereiche nur, wenn Sie an einer Diskussion über den Inhalt des Artikels interessiert sind. Danke. Die Redaktion/sh

  4. Meinen sie vielleicht Seismograph? Ist ja im Grunde das Selbe, so ein Ding halt womit die Wissenschaftler Dingens messne.

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    Redaktion

    Lieber d_bolle,

    meine Güte, ein peinlicher Fehler, den ich da eingebunden habe. Natürlich ist der Vergleich zum Seismometer gemeint. Habe es im Text geändert. Herzlichen Dank.

    Grüße aus der Redaktion

    Entfernt. Verzichten Sie bitte auf unsachliche Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

    Redaktion

    Lieber d_bolle,

    meine Güte, ein peinlicher Fehler, den ich da eingebunden habe. Natürlich ist der Vergleich zum Seismometer gemeint. Habe es im Text geändert. Herzlichen Dank.

    Grüße aus der Redaktion

    Entfernt. Verzichten Sie bitte auf unsachliche Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

  5. mit zackigen Spitzen von rumorenden Erdplatten. Bitte noch mal recherchieren was so ein Geigerzähler eigentlich macht :)

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  6. Redaktion

    Lieber d_bolle,

    meine Güte, ein peinlicher Fehler, den ich da eingebunden habe. Natürlich ist der Vergleich zum Seismometer gemeint. Habe es im Text geändert. Herzlichen Dank.

    Grüße aus der Redaktion

    Antwort auf "Geigerzähler???"
  7. Entfernt. Verzichten Sie bitte auf unsachliche Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Geigerzähler???"

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