Gummibärchen sieht man an, dass sie aus Gelatine sind, sie ist der Grund dafür, dass die Süßigkeit so fluffig-transparent ist. Auch viele Medikamente enthalten das Produkt aus Knochen und Haut, besonders Arzneien in Kapselform. Zu wissen scheinen das wenige, darunter auch Vegetarier. Viele von ihnen würden solche Präparate im Prinzip gern meiden, fragen aber überraschend selten nach, welche Medikamente Tierprodukte enthalten, berichten Forscher des Universitätskrankenhauses in Manchester im Magazin Postgraduate Medical Journal .

Mit Fragebögen untersuchten die Mediziner, wie viele Menschen, die auf Tierprodukte in ihrer Ernährung verzichteten, das auch bei Medikamenten tun wollen. 500 Patienten der urologischen Abteilung nahmen an der Studie teil. 200 von ihnen gaben an, etwa auf Fleisch oder andere tierische Inhaltstoffe zu verzichten. Einige aßen aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch oder kein Rind, andere waren auch überzeugte Veganer und lehnten jegliche tierische Inhaltsstoffe ab.

Knapp 90 Prozent dieser 200 Personen würden lieber Medikamente ohne tierische Inhalte einnehmen. 43 Prozent von ihnen gaben gar an, keinerlei Präparate mit solchen Bestandteilen zu sich nehmen zu wollen – selbst wenn es keine Alternativen gäbe. Die übrigen würden in diesem Fall gelatinehaltige Präparate schlucken. Allerdings gab nur jeder Fünfte an, dass er seinen Arzt nach solchen Inhaltsstoffen frage. Immerhin 25 der Befragten nahmen Medikamente gegen Harnwegssymptome, die ihrer Überzeugung widersprachen – ohne es zu wissen. Medikamente, die in der Harnblase wirken sollen, sind oft in Kapseln aus Gelatine gehüllt, um unverdaut ihr Ziel zu erreichen.

Ärzte sollen stärker auf Bedürfnisse ihrer Patienten eingehen

Doch nicht nur in Kapseln, auch in Blutersatzstoffen, manchen Tabletten und Dragees steckt Gelatine. Dabei ist sie nur selten nach den Regeln hergestellt, die für eine streng religiöse Ernährung gelten, die etwa viele Juden oder Muslime einhalten wollen. "Das wäre wirtschaftlich viel zu teuer", sagt Oliver Wolf, Sprecher des Unternehmens Gelita, deren Gelatine nach Nahrungsmitteln am zweithäufigsten für Medikamente verwendet wird.

Ärzte konzentrieren sich meist nur auf den Wirkstoff in einem Medikament – entscheidet er doch über Wirkung und Nebenwirkung. Die weiteren Ingredienzien beachten sie kaum, wie die Forscher aus Manchester in einer vorangegangenen Studie festgestellt haben. Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte konnte nicht sagen, ob Gelatine in den Medikamenten war, die sie verschrieben. 20 Prozent gingen fälschlicherweise davon aus, dass keine darin enthalten sei.

Die Wissenschaftler aus Manchester fordern in ihrer Publikation nun, dass Ärzte in ihrer Ausbildung stärker für die Bedürfnisse von Patienten sensibilisiert werden sollten, die bestimmte Inhaltsstoffe vermeiden wollen. Auch wenn dies nur aus ideellen, nicht aus medizinischen Gründen geschieht. Sie appellieren an Medikamentenhersteller, öfter pflanzliche Produkte wie Agar Agar zu verwenden und plädieren für ein Siegel für "vegetarische Medikamente".

Solange es für viele Medikamente noch keine gelatinelosen Alternativen gibt, wird es für viele Patienten eine Gewissensentscheidung bleiben, ab welchem Leidensdruck sie die Präparate dennoch nehmen. Und Ärzte müssen wohl ab und zu akzeptieren, dass Patienten eine Behandlung verweigern.