Biosicherheit : Details über Supervirus sollen erscheinen – nur nicht jetzt
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Experten fordern ein weltweites Gremium für Biosicherheit

Zudem sollen nun auch Aspekte der Biosicherheit neu überdacht werden. Für letztes ist jedoch nicht die WHO zuständig, sondern ein entsprechender Expertenstab. Wie ein solches Gremium beschaffen sein sollte, skizzieren drei deutsche Virus-Forscher auf FAZ.net . Sie halten die vom NSABB vorgeschlagene Zensur für kurzsichtig und zu sehr von Sicherheitsdenken geprägt. Stattdessen fordern sie ein ausgewogeneres Expertengremium, dass international, interdisziplinär und intellektuell besetzt sein solle. Ein solches Global Health Security Policy Board solle "nicht von den Interessen geprägt sein, nationale sicherheitspolitische Agenden durchzusetzen, sondern vielmehr den Blick öffnen, um neue Antworten auf globale Fragen zu finden", schreiben die Biosicherheits-Expertin Petra Dieckmann und die Virologen Christian Drosten und Stephan Becker.

Ob die Forschungsgemeinschaft der Forderung der WHO folgen wird, ist unklar. Zuletzt hatten sich die Virusforscher um Ron Fouchier und Yoshihiro Kawaoka selbst ein 60-tägiges Moratorium auferlegt. In einem Interview mit dem Science Insider zeigte sich Kawaoka zuversichtlich, dass die Denkpause ausreiche, um die Probleme zu lösen . "Wir sollten in der Lage sein, eine Lösung zu finden, wenn die Menschen bereit sind einander zuzuhören und ihre Entscheidung basierend auf Fakten, und nicht auf Angst zu treffen."

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Was ich nicht verstehe

Mir erschließt sich leider immer noch nicht der Sinn an der Erschaffung eines sog. 'Supervirus'.
Vielleicht die Entwicklung von möglichen Gegenmitteln, falls die bereits bekannten Grippeviren zu einer ähnlich gefährlichen Art mutieren? Kann mir da irgendwer mehr zu erzählen? Ansonsten seh' ich da nur einen unnötigen Gefahrenherd in einer Großstadt.

Forschungsziele von Fouchier und Kawaoka

Lieber Leser redslug,

die Wissenschaftler verfolgen mit ihrer Forschung zwei Ziele: Einerseits wollen sie verstehen, welche Elemente des Virus genau dafür verantwortlich sind, dass es ansteckend wird und sich ausbreitet. Andererseits geht es (langfristig) darum - wie Sie auch schon vermutet haben - mithilfe dieses künstlich erschaffenen Virus Gegenmittel zu entwickeln. Argument der Forscher ist, dass sich das, was sie künstlich im Labor erschaffen haben, durchaus auch von allein in der Natur entwickeln könnte.

Beste Grüße,
Gianna Grün

Maß und Ziel

Gibt es nicht einen halb-öffentlichen Modus, bei dem nur etwa Universitäten, die einem adäquaten Sicherheitsstandard entsprechen, Informationen oder Bewilligung zu praktischer Forschung erhalten? Natürlich kann es auch da Lücken zu Missbrauch geben, jedoch wäre die Risiko/Nutzen-Bilanz weit besser.

Gibt es für wissenschaftliche Ergebnisse eigentlich Lizenzformen ähnlich für das Internet, mit denen die offizielle Anwendung auf bestimmte (prozessorientiert) menschenfreundliche Ziele beschränkt oder gar gefördert werden kann?

Innerer Friede.

Ich habe mal vor grob 30 Jahren "Die weiße Pest" von Rrank Herbert gelesen. In gewisser weise bin ich zu diesem Thema vorsensibilisiert.

Dieser Artikel trifft die richtige und notwendige Tonlage. Es war nur eine Frage der Zeit, dass potenziell tödliche Seuchen heruntergebrochen "machbar" sind.

Ich halte es für richtig dieses Problem offensiv anzugehen um es möglichst bald durch Therapierbakeit zu deckeln.

Bleibt nur die ungewisse Zukunft. Wie befriedet man jeden einzelnen Menschen?