Heimlich hatte ich damals mein Erspartes in eine Privatpraxis gebracht und war mit unvorstellbaren Schmerzen und fremden Brüsten am Körper wieder aufgewacht. Das ersehnte Körpergefühl stellte sich nicht ein. Schlimmer noch: Diese aufgepolsterten Brüste passten einfach nicht zu meiner Statur, obwohl die Operation gelungen war.

Ich verdrängte in die hinterste Ecke meines Lebens, dass irgendwann ein erneuter Eingriff nötig sein würde. Vor sechs Jahren erkrankte meine Großmutter an Brustkrebs. Nach der Operation folgten Chemotherapie und Bestrahlung. Einen Brustaufbau lehnte sie ab. Ich fühlte mich mies.

Die Medienberichte über schadhaftes Silikon trafen mich sehr. Ich schaute panisch nach: Welches Material war bei mir verwendet worden? Die entscheidende Information war in meinen Unterlagen nicht vermerkt. Der Austausch mit Betroffenen in Online-Foren verstärkte meine Unsicherheit. Mein Arzt sagte mir: "Lassen Sie sich nicht von den Medien verrückt machen, es betrifft die Wenigsten." Trotzdem empfahl er mir, die Prothesen sicherheitshalber entfernen zu lassen. Ich beschloss: Die Dinger müssen raus.

Nach längerer Suche fand ich eine plastische Chirurgin, die mich verstand und ohne viel Aufregung die Kissen entfernte. Sie waren noch intakt. Für die Operation zahlte ich wieder viel Geld. Ich hätte es falsch gefunden, wenn die Gemeinschaft über eine Versicherung oder Krankenkasse für meine Operationen aufgekommen wäre. Es war meine ganz eigene, private Sache.

Meine Brust hing anschließend wider Erwarten nicht, alles in Ordnung. Bald danach konnte ich meinen Sohn wieder durch die Luft wirbeln. Ich fühlte mich erleichtert und frei. Ich schwörte mir, dass ich in diesem Leben nie wieder aus freien Stücken auf einem OP-Tisch liegen werde.

Was bleibt? Scham, Erinnerungen an verschwendete Lebenszeit und Energie, herausgeworfenes Geld. Fotos, von Brüsten, die grotesk von meinem Körper abstehen, als wären sie versehentlich dort montiert worden. Zweimal habe ich in meinen gesunden Körper eingreifen lassen und mir selbst geschadet. Schlussendlich bin ich noch gut weggekommen – angekommen bei mir selbst, in meiner ganzen Unvollkommenheit.

In diesen Tagen denke ich an all die Frauen, die sich Sorgen um minderwertiges Silikon im eigenen Körper machen. Besonders leide ich mit jenen, bei denen die Einpflanzung medizinisch notwendig war.

Mein Appell an alle Frauen, die eine Brust-Operation aus kosmetischen Gründen in Erwägung ziehen: Bedenkt, was passieren kann, wenn nicht alles glatt läuft und das Ergebnis nicht das erhoffte ist. Ihr begebt euch in die Abhängigkeit von Leuten, die häufig nur in ihrem eigenen Sinne handeln. Bedenkt außerdem, dass ihr für eure Schönheit einen hohen Preis bezahlt und hinterher nicht zwangsläufig zufriedener seid. Ich wünsche euch allen Mut für die richtige Entscheidung und vor allem Gesundheit.