Dioxinfund in Duisburg: Kontrolleure entdecken weitere belastete Eier
Nordrhein-Westfalen warnt vor dioxinhaltigen Eiern aus Duisburg. Ein Zusammenhang zum kürzlichen Chemikalienfund in Bio-Eiern eines Großbetriebs besteht wohl nicht.
Bei amtlichen Routinekontrollen haben Behörden bei zwei Kleinerzeugern von Eiern in Duisburg erhöhte Mengen Dioxin entdeckt. Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium wies die Stadt Duisburg an, die Betriebe zu sperren. Es handele sich demnach um einen Direktvermarkter mit 120 Legehennen für Bio-Eier und einen konventionell erzeugenden Betrieb mit 150 Legehennen.
Zudem warnte das Ministerium Verbraucher vor Eiern mit der Stempelnummer 0-DE-0521991, die vom Biohof stammten. Da die Eier des zweiten Kleinerzeugers keine solche Kennzeichnung tragen, veröffentlichten die Behörden den Namen des Betriebs. Es handelt sich um den AWO Ingenhammshof. Weitere Details nannte das Ministerium nicht. Neue Informationen gibt das Ministerium auch online über Twitter bekannt.
Es gebe allerdings bislang keinen Zusammenhang mit den hohen Konzentrationen an polychlorierten Biphenylen (PCB) – einer giftigen dioxinähnlichen Chemikalie – in den Eiern eines Bio-Hofs in Ostwestfalen-Lippe, vor denen die Behörden gestern gewarnt hatten.
- Was ist Dioxin?
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Dioxine sind Umweltgifte, die besonders langlebig sind. Der Begriff bezieht sich auf zwei Klassen von Kohlenwasserstoffverbindungen, die unterschiedlich stark mit Chlor versetzt sind. Insgesamt sind 210 solcher Verbindungen bekannt. Sie teilen sich in 75 polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und in 135 polychlorierte Dibenzofurane (PCDF) auf.
Die Grundstruktur des Moleküls bilden häufig Benzolringe an beiden Enden, an denen Chlor-Atome hängen. Nur wenn die Benzolringe in einer Ebene liegen, kann das Molekül seine toxische Wirkung entfalten.
Das giftigste Dioxin ist das als Seveso-Gift bekannte 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD), bei dem Sauerstoffatome die Benzolringe zusammenhalten.
Im italienischen Seveso ereignete sich am 10. Juli 1976 eine der größten Chemiekatastrophen. Dabei wurden große Mengen der toxischen Verbindung freigesetzt. Pflanzen und Tiere verendeten, Menschen erkrankten unter anderem an Eiterpusteln im Gesicht, der Chlorakne. Die Seveso-Katastrophe führte international zu schärferen Gesetzen und der Ächtung von Umweltgiften.
Neben den Dioxinen gibt es die zum Teil ebenfalls gesundheitsschädlichen, dioxinähnlichen Polychlorierten Biphenyle (PCB). Hiervon sind 209 Verbindungen bekannt.
- Wie entsteht es?
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Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Industrie- und Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Informationen des Umweltbundesamtes wird das Umweltgift bei 300 Grad Celsius und mehr gebildet und ab Temperaturen von 900 Grad zerstört. Entsprechende Hitze entwickelt sich zum Beispiel in der Metall- und Stahlproduktion, in der Müllverbrennung oder bei Hausbränden. Allerdings müssen bestimmte Ausgangsmoleküle und chemische Katalysatoren vorhanden sein, damit sich Dioxon-Verbindungen bilden können.
Auch bei allen chemischen Produktionsverfahren, in denen Chlor verwendet wird, können die Stoffe entstehen.
In der Natur kommen Dioxine mitunter dort vor, wo Wälder verbrennen oder Vulkane ausbrechen. Im Laufe der Erdgeschichte haben sich viele Umweltgifte so in Ton und Erde angereichert.
Kiloweise Dioxine wurden in den 1980er Jahren in die Umwelt gebracht. In Pflanzenschutzmitteln und Chemikalien wie PCB fanden sich viele toxische Verbindungen. Mittlerweile gibt es Grenzwerte und scharfe Gesetze sowie PCB-Verbote, die diese Dioxinbelastung drastisch verringert haben.
- Gesundheitsgefahr
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Bereits geringe Mengen an Dioxinen können für den Menschen gefährlich sein. Allerdings kommt es durch belastete Lebensmittel nicht zu akuten Symptomen. Die giftigen Stoffe sind allerdings sehr langlebig und können jahrzehntelang im Körper verbleiben, ehe sie sich abgebaut haben. So gibt es chronische Effekte, wenn über lange Zeit hinweg auch niedrige Dioxin-Mengen in den Körper gelangen.
Die Folgen wurden in Tierversuchen beschrieben und reichen von Störungen des Immunsystems, schweren Haut- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Schilddrüsen- und Darmschäden. Das giftigste Dioxin TCDD gilt als krebserregend, auch wenn bei dem Gift-Skandal in Seveso keine erhöhten Krebsraten nachgewiesen wurden. Bestehende Grenzwerte sind eine Vorsichtsmaßnahme. Sie sagen nichts über die tatsächliche Gesundheitsgefahr aus.
90 bis 95 Prozent des Dioxins, das in den menschlichen Stoffwechsel gelangt, wird über die Nahrung aufgenommen. Fast zwei Drittel davon steckt in Fleisch und Milchprodukten, weil sich die Umweltgifte im Fettgewebe anreichern. Fische sind, je nach Fettgehalt, zum Teil stärker belastet. Allerdings werden vergleichsweise weniger davon verzehrt.
Ein erwachsener Mensch nimmt jeden Tag in Deutschland im Durchschnitt zwischen 48 und 138 Pikogramm Dioxine auf (1 Pikogramm = 1 pg = 1 Billionstel Gramm). Diese Daten stammen aus den Jahren 2000 und 2003. Daher schätzt das Bundesumweltamt, dass die Belastung derzeit noch niedriger ist.
Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung mitteilt, liegt der Dioxingehalt bei Proben aus dem Januar 2010 über dem von der EU festgelegten Höchstgehalt. Für Eier beträgt dieser drei Pikogramm pro Gramm Fett. Eine akute Gesundheitsgefahr ergibt sich darasu nicht. Wer ein Ei mit einem erhöhten Dioxingehalt gegessen hat, wird nichts merken.
- Belastung
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Obwohl Dioxine nie im industriellen Maßstab hergestellt worden sind, finden sie sich in der Umwelt und vor allem im Boden. Über die Luft oder den Einsatz von Düngern (z.B. aus Klärschlamm) gelangen sie in die Erde, wo sie sich anreichern. Die Giftstoffe gelangen meist über Erdpartikel, die an Gemüse, Gras oder Getreide haften in die Nahrungskette. In Gemüse selbst sind Dioxine kaum zu finden.
Ins Meer gelangten Dioxine jahrzehntelang in großen Mengen, weil sie sich in Industrie- und Deponie-Abwässern sammeln. Hier reichern sie sich bis heute im Fettgewebe von Fischen, Vögeln und Säugetieren an, weil sie so langlebig sind.
Seit Mitte der 1990er Jahre hat die Dioxin-Belastung in der Umwelt um mehr als 50 Prozent abgenommen. Dank verbesserter Umweltschutzmaßnahmen ist auch die Lebensmittelqualität gestiegen. Völlig unbelastete Nahrungsmittel sind allerdings kaum denkbar, da Dioxine auch natürlich entstehen können.
Um die eigene Dioxin-Belastung zu senken, sollten Verbraucher den häufigen Verzehr fettreicher tierischer Lebensmittel meiden. Tiere, die in Freiheit aufwachsen und ein höheres Alter erreichen, haben zudem tendenziell eine höhere Belastung in ihrem Fett. Dies gilt vor allem für wildgefangene Fische.
- Links
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Mehrere Ministerien und Verbraucherzentralen informieren im Internet über die vom aktuellen Dioxin-Skandal betroffenen Produkte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat zudem Berichte über die Kontrollen bei Futtermittelherstellern ins Netz gestellt.
- Die ausführlichsten Informationen zu betroffenen Produkten finden sich bei der Verbraucherzentrale Hamburg
- Analyse der Länder-Futterkontrollen 2007-2011
- Ergebnisse der Futtermittelkontrollen 2009
- Vorschlag für einen 10-Punkte-Plan des Verbraucherschutzministeriums in Nordrhein-Westfalen
- Chronologie der Ereignisse aus Sicht von Nordrhein-Westfalen
- Infos des Agrarministeriums Niedersachsen
- Stellungnahme des Biodieselherstellers und Fettsäurelieferanten Petrotec
- Das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch in Deutschland
- Foodwatch-Futtermittelreport
- Infos zur Eier- und Geflügelbranche
Nach Angaben der Kreisverwaltung liegt dieser Großbetrieb im Kreis Minden-Lübbecke. Die Behörden gehen davon aus, dass die Eier dort längst verkauft sind. Verbraucher und Handel sollten Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 daher schnellstmöglich entsorgen, hieß es. Es bestehe allerdings keine akute Gefährdung.
Eier von dem ostwestfälischen Hof mit rund 25.000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende Konzentration PCB. Letztmalig seien dessen Eier am 7. März an einen Verpacker ausgeliefert worden. Sie hatten das Mindesthaltbarkeitsdatum 31. März. Daher liegt vermutlich keine belastete Ware mehr in den Supermärkten, die der Betrieb offenbar vorzugsweise beliefert. Allerdings sollten betroffene Läden dennoch die Stempelnummer ihrer Eier kontrollieren.
PCB ist sehr langlebig und kann sich in Natur und Nahrungsketten anreichern. Er kommt heute überall in der Umwelt vor. Erst durch die Anreicherung von Dioxinen und dioxinähnlichen Stoffen im Körper kann es zu chronischen Gesundheitsproblemen kommen und das Risiko, etwa an Krebs zu erkranken, nimmt nach Erkenntnissen aus Tierversuchen zu. Das Umweltbundesamt hat Informationen zu Dioxin und ähnlichen Chemikalien zusammengestellt.





Dioxin entsteht bei jeder Verbrennung (also auch etwa beim Grillen daheim) und kommt daher -in Spuren- überall in der Natur vor.
Jetzt erwartet jeder, daß sich Dioxingrenzwerte für Lebensmittel an meßbaren oder statistisch relevanten Risiken für die Gesundheit orientieren. Das ist aber nicht der Fall. Der Dioxin- Grenzwert für Fisch etwa liegt bei bis zum 40fachen (!) des Grenzwertes für Eier. Warum ist das so?
Die Grenzwerte sind politisch motiviert. Ein freilaufendes "Bio"- Huhn etwa nimmt über den natürlichen Umgebungsstaub deutlich mehr Dioxin auf als eine Legehenne in Käfighaltung. Es steht primär Lobbyarbeit hinter den Grenzwerten für Eier, nicht die Abwägung von Gesundheitsrisiken.
Die Grenzwertüberschreitungen bei Eiern sind eine Skandalisierung und führen zu einer Verunsicherung der Verbraucher. Wer kann sich schon ein Billionstel Gramm vorstellen und abwägen, wie gefährlich das sein könnte? Nicht der Journalist, der darüber berichtet, und auch nicht die Mutter, die einkaufen geht.
Ängste sind einer der stärksten Antriebe, und daher werden sie immer wieder für die unterschiedlichsten Interessen genutzt. Von der Legehennenlobby, um Bioeier zu stigmatisieren, von der Presse, um Auflage zu machen, von der Politik, um Stimmen zu gewinnen.
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