Sexuelle GewaltTäterprofile im Hirnscan

Viele Angeklagte, die wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht stehen, bestreiten, pädophil zu sein. Um das künftige Verhalten von Sexualstraftätern richtig einzuschätzen, ist es aber wichtig, ihre sexuellen Präferenzen zu kennen. Kieler Forschern gelang es jetzt, per Magnetresonanztomografie Pädophile von Gesunden zu unterscheiden. Eine Methode mit Zukunft? von Jorge Ponseti

Nicht jeder, der ein Kind sexuell missbraucht, ist zwangsläufig pädophil. Auch Männer, die an sich erwachsene Sexualpartner bevorzugen, können sich an Kindern vergehen, wenn ihnen altersgemäße Kontakte fehlen – die Betreffenden gelten als so genannte Ersatz- oder Gelegenheitstäter. Kanadische Sexualwissenschaftler berichteten 2001, dass nur etwa die Hälfte derer, die zum ersten Mal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt werden, tatsächlich pädophil sind.

In Deutschland schätzt der Sexualmediziner Klaus Beier von der Berliner Charité die Zahl Pädophiler auf rund 220.000 – eine Hochrechnung aus Daten, die im Rahmen eines gemeinsamen Therapieprojekts von Charité und Kieler Universitätsklinikum erhoben wurden. Das Dunkelfeld-Projekt bietet Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern die Möglichkeit zu einer kostenlosen Therapie.

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Ob ein Täter sich zu Kindern sexuell hingezogen fühlt oder nicht, dürfte für die Opfer keinen großen Unterschied machen. Weshalb sollte man also zwischen pädophilen und Ersatztätern unterscheiden? Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens werden die beiden Tätergruppen unterschiedlich therapiert. Bei den Ersatztätern zielt die Behandlung unter anderem darauf, die Kontakte zu erwachsenen Frauen (oder Männern) zu verbessern. Diese Strategie würde bei Pädophilen ins Leere laufen. Mit ihnen erarbeiten Therapeuten stattdessen Verhaltensregeln, die Kontakte zu Kindern vermeiden helfen. Unter Umständen werden auch Medikamente verschrieben, die den Sexualtrieb dämpfen.

Rückfallrisiko bei pädophilen Tätern

Zweitens hängt die Häufigkeit erneuter Übergriffe auf Kinder von der sexuellen Ausrichtung ab. Nach einer 1995 veröffentlichten Studie von Klaus Beier wurden im betrachteten Zeitraum von 36 Jahren etwa 50 Prozent der homopädophilen Männer, aber nur etwa 25 Prozent der Pädophilen, die Mädchen bevorzugen, rückfällig. Wie hoch diese Quote unter den Ersatztätern ist, wissen wir nicht genau, aber Schätzungen zufolge liegt sie weit unter 25 Prozent. In Sachen Rückfallrisiko macht es also durchaus einen großen Unterschied, ob sich ein Täter sexuell zu Jungen, Mädchen oder Erwachsenen hingezogen fühlt.

Die Unterscheidung ist allerdings schwierig. Selbst erfahrene Therapeuten verkennen bei Ersttätern häufig die sexuelle Ausrichtung, da viele von ihnen ihre wahren Vorlieben glaubhaft leugnen. Ein psychologischer Fragebogen hilft hier nicht weiter, denn die Absichten hinter einem solchen Test wären allzu leicht zu durchschauen.

Erschienen im Magazin "Gehirn&Geist", Ausgabe Mai 2012

Erschienen im Magazin "Gehirn&Geist", Ausgabe Mai 2012

Ein unverfälschtes Ergebnis kann nur ein Verfahren bringen, das die sexuelle Orientierung objektiv misst. Zu diesem Zweck entwickelten Forscher drei Verfahren. Sie basieren alle auf dem gleichen Prinzip: Wissenschaftler präsentieren den Probanden Bilder von Kindern und Erwachsenen und erfassen verschiedene Arten von Reaktionen. Vor Gericht sind diese Methoden noch nicht zugelassen, ein Einsatz in Therapie oder Forschung setzt stets die Zustimmung der Untersuchten voraus.

Der erste und denkbar naheliegende Ansatz geht auf den Sexualforscher Kurt Freund von der Karls-Universität in Prag zurück. Bereits in den 1950er Jahren entwickelte er die so genannte Phallometrie. Diese misst Veränderungen in Umfang oder Größe des Penis, während der Proband Bilder von nackten Kindern oder Erwachsenen sieht. Auch subtile Reaktionen des Geschlechtsorgans lassen sich auf diese Art erfassen. Auf Grund der hohen Messgenauigkeit, von der einige Wissenschaftler berichten, verwenden angelsächsische Therapeuten das Verfahren häufig, um bei Sexualstraftätern Art und Ausmaß pädophiler Tendenzen zu bestimmen.

Auf Grundlage dieser Informationen entsteht dann ein Behandlungskonzept. Kritiker wenden allerdings ein, die Phallometrie verletze die Intimsphäre der Probanden und sei anfällig für Manipulationen. In Deutschland erforscht nur unsere Gruppe von der Kieler Sektion für Sexualmedizin die Methode.

Leserkommentare
  1. Sexueller Missbrauch an Kindern dient längst als Rechtfertigungsgrund Nummer eins, um die menschliche Privatsphäre auszuhöhlen. Das Perfide: Kritiker sehen sich vor die Wahl gestellt, entweder schweigend zuzusehen oder angeblich mit Kinderschändern zu sympathisieren. Man erkennt in diesem Vorgehen schon ein System: Die gesellschaftlich geächtetste und gefürchtetste Gefahr wird vorgeschoben, um in der öffentlichen Wahrnehmung Techniken und Methoden zu etablieren, bei der in jedem anderen Falle Bürgerrechtler aus gutem Grunde aufschreien würden. Aber wer glaubt, damit Missbrauchsopfern zu helfen, schreie nur Hurra. [...]

    Gekürzt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/au.

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    Auch Politiker, Prominente, und solche, die es werden wollen, haben das Vehikel "Kindesmissbrauch" als höchst geeignet erkannt, um dahinter die eigene Agenda voranzubringen.

    Der vorgebliche Zweck des Engagements soll dabei gegen Kritik immunisieren, jeder Kritiker, auch der mit fundierten Argumenten, gerät nahezu automatisch in den Verdacht, das furchtbare Geschehen begünstigen zu wollen.

    Bernd Gäbler äußert sich hier zum kinderschützenden Engagement von Frau zu Guttenberg. http://www.stern.de/kultu...
    Davon hört man gar nichts mehr, obwohl ihr das doch angeblich so am Herzen lag.

    Allen, die aufrichtig im Sinne der Kinder arbeiten, meistens im Hintergrund, gehört meine Achtung.

    • Coiote
    • 17. April 2012 15:52 Uhr

    Die im Artikel genannten Argumente für solche Untersuchungen erscheinen mir nicht stichhaltig. Auch wenn sich die Therapien für sexuelle Straftäter je nach Neigung unterscheiden, so muss man letztendlich auf die Zusammenarbeit mit dem Täter bauen. Ein Täter, der seine sexuellen Neigungen vor dem Therapeuten zu verheimlichen versucht, kooperiert nicht bei der Analyse, und wird voraussichtlich auch bei der Therapie nicht kooperieren.

    Die Kooperation des Täters bei der Analyse seiner sexuellen Neigungen ist meiner Ansicht nach bereits unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Erst wenn der Täter ein wirkliches und ehrliches Interesse daran hat, seine Sexualprobleme zu lösen, hat eine Therapie Aussicht auf Erfolg. So eine Person wird seine sexuellen Neigungen in einem vertraulichen Gespräch vor einem Therapeuten nicht verheimlichen. Bei allen anderen wird die Therapie nutzlos sein. Das im Artikel beschriebene Verfahren ist meiner Ansicht nach nicht zielführend, und verursacht dabei auch noch hohe Kosten.

    Eine Leserempfehlung
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    • tobmat
    • 17. April 2012 16:06 Uhr

    "Das im Artikel beschriebene Verfahren ist meiner Ansicht nach nicht zielführend, und verursacht dabei auch noch hohe Kosten."
    Leider sind ihre Argumente für ihre Meinung nur schwer ersichtlich. Können sie die noch weiter ausführen?
    Das beschriebene Verfahren dient ja der Diagnostik. Der Zweck ist ja gerade eine möglichst objektive Diagnose zu erstellen, auch wenn die Person nicht kooperativ ist.
    Das die Kooperationsbereitschaft für die Therapie zwingend notwendig ist, ist korrekt. Das hat aber nichts mit der Diagnosemethode zu tun. Die funktioniert trotzdem.
    Das sie Einfluss auf die Therapie haben sollte ist mir auch nicht ersichtlich.

    • tobmat
    • 17. April 2012 16:06 Uhr

    "Das im Artikel beschriebene Verfahren ist meiner Ansicht nach nicht zielführend, und verursacht dabei auch noch hohe Kosten."
    Leider sind ihre Argumente für ihre Meinung nur schwer ersichtlich. Können sie die noch weiter ausführen?
    Das beschriebene Verfahren dient ja der Diagnostik. Der Zweck ist ja gerade eine möglichst objektive Diagnose zu erstellen, auch wenn die Person nicht kooperativ ist.
    Das die Kooperationsbereitschaft für die Therapie zwingend notwendig ist, ist korrekt. Das hat aber nichts mit der Diagnosemethode zu tun. Die funktioniert trotzdem.
    Das sie Einfluss auf die Therapie haben sollte ist mir auch nicht ersichtlich.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wenig sinnvoll!"
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    • Coiote
    • 17. April 2012 16:25 Uhr

    Meiner Ansicht nach impliziert die Kooperationsbereitschaft bei der Therapie auch die Kooperationsbereitschaft bei der Analyse (Analyse verwende ich hier synonym zu Diagnostik). Bei solchen (einsichtigen) Tätern erscheint mir die im Artikel beschriebene Methode zur Diagnostik nicht notwendig, da man die sexuelle Neigung (zudem wohl gar differenzierter) bei solchen Leuten per Geschräch untersuchen kann.

    Umgekehrt hat man eher wenig davon, die sexuelle Neigung einens Täters gegen seinen Willen zu kategorisieren, auch wenn man darauf basierend die richtige Therapieform auswählen könnte. Denn bei einem derart unkooperativen Täter wird eine Therapie (spätestens hier ist meiner Ansicht nach Kooperation unverzichtbar) auch nicht erfolgreich sein.

    • Coiote
    • 17. April 2012 16:25 Uhr

    Meiner Ansicht nach impliziert die Kooperationsbereitschaft bei der Therapie auch die Kooperationsbereitschaft bei der Analyse (Analyse verwende ich hier synonym zu Diagnostik). Bei solchen (einsichtigen) Tätern erscheint mir die im Artikel beschriebene Methode zur Diagnostik nicht notwendig, da man die sexuelle Neigung (zudem wohl gar differenzierter) bei solchen Leuten per Geschräch untersuchen kann.

    Umgekehrt hat man eher wenig davon, die sexuelle Neigung einens Täters gegen seinen Willen zu kategorisieren, auch wenn man darauf basierend die richtige Therapieform auswählen könnte. Denn bei einem derart unkooperativen Täter wird eine Therapie (spätestens hier ist meiner Ansicht nach Kooperation unverzichtbar) auch nicht erfolgreich sein.

    Antwort auf "Bitte begründen"
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    • tobmat
    • 18. April 2012 9:23 Uhr

    "Bei solchen (einsichtigen) Tätern erscheint mir die im Artikel beschriebene Methode zur Diagnostik nicht notwendig"

    Da stimme ich ihnen zu. In dem Fall ist so eine Diagnostik nicht notwendig, mal abgesehen von der wissenschaftlichen Erforschung der Pädophilie.

    "Umgekehrt hat man eher wenig davon, die sexuelle Neigung einens Täters gegen seinen Willen zu kategorisieren, auch wenn man darauf basierend die richtige Therapieform auswählen könnte"

    Ich denke doch das es hier einen Nutzen gibt. Zum Beispiel bei Betroffenen die sich ihre Neigungen selber nicht eingestehen. Oder bei Betroffenen die bereit sind sich als "Ersatztäter" therapieren zu lassen aber nicht als Pädophiler. Therapien mit falscher Grundlage können damit besser vermieden werden.
    Nebenbei steigt auch die Genauigkeit der Diagnose.

    Ich denke es wird die bisherigen Formen der Diagnose nicht ersetzen können, aber man kann sie damit sinnvoll erweitern. Und von flächendeckendem Screening rät ja auch der Wissenschaftler ab.

  2. ein Buch über diese Art der "Forschung" schreiben oder aber mal schauen, was etwas kritischere Forscher/innen selbst darüber so alles berichten. Hier z.B.
    http://www.sueddeutsche.d...
    wobei auch die 2. Seite interessant ist, da hier die Fragwürdigkeit der Bildgebung selbst an den sog. bildgebenden Verfahren nochmals explizit wird.
    Die Idee, bildgebende Verfahren würden irgendeine "objektive" Realität abbilden, ist dermaßen naiv, daß man hier schon quasireligiöse Glaubensgrundsätze als Motiv annehmen muß: eine 1:1-Verrechnung zwischen "Wahrnehmung" und "physiologischer Reaktion" ist lediglich uralter Behaviorismus descartscher Prägung (Mensch als Maschine) in neuem Gewand. Natürlich wäre eine "einfache" und "stimmige" Diagnostik in diesen Fällen wünschenswert, nur über diese monokausal-vereinfachende Sicht ist soetwas nicht zu erreichen. Und das liegt schon in der Einfachheit des naturwissenschaftlichen Menschenbildes begründet: diese Wissenschaft späht keine Menschen aus, sie behauptet es lediglich - mit nicht abzusehenden Schäden.

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    "Medizineransatz", mit einer kausalitätsgeprüften naturwissenschaftlichen Messung hat das nichts zu tun!

    Bunte Plots suggerieren bloße Aussagekraft wo erstmal keine ist!

    MfG Karl Müller

    Ich gebe Ihnen recht!

    Wissenschaftstheoretisch gibt es einiges an den Neurowissenschaften auszusetzen.

    Das Menschenbild Descartes ist hoffnungslos veraltet und längst nicht mehr alternativlos. Langsam sickert diese Erkentnis aber auch bei den Neurobiologen durch. Damasio ist nur ein Anfang.

    Nur weil es Korrelationen zwischen feuernden Neutrinos (in genauen Hirnsektionen) und sexueller Attraktion gibt, liegt dort noch lange keine Kausalität zu Grunde. Die Neurowissenschaften sind in diesen Untersuchungen immer auf intentionale Aussagen der Probanden angewiesen.
    Menschen handeln nunmal aus hermeneutisch erfassbaren Gründen. Ergo braucht es immer jemanden, der sich mit Kognition auskennt. Hier täten Psychologen/Psychoterapeuten gute Arbeit.

    Ich bestreite aber nicht, dass man die Ergebnisse der Hirnforschung als Hilfestellungen nutzen kann. Nur verlassen sollte man sich nicht auf sie.

    1. Das "tote Lachs-Experiment" war kein Experiment, mittels dessen bewiesen werden sollte, dass die fMRT keine verwertbaren Ergebnisse liefert, sondern mittels dessen gezeigt wurde, dass die Ergebnisse statistisch valide ausgewertet werden müssen. Eine Erinnerung, der sich jeder naturwissenschaftliche Bereich immer wieder aussetzen muss.

    2. Ihr Vorwurf hinsichtlich Decartes geht leider völlig daneben. Der neurowissenschaftliche und neurophilosophische Ansatz geht im Allgemeinen von einem Monismus aus. D.h. in Kurzform davon, dass aufgrund der Tatsache, dass alles empirisch fassbar ist, die Aktivität der Neuronen als kausale Ursache der mit ihrer Aktivität verbundenen Effekte angesehen werden kann. Dem gegenüber steht ein klassisch-philosophischer Ansatz, der neuronale Aktivität als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Erklärung der Effekte annimmt. Diese klassische Philosophie geht von einem empirisch nicht fassbaren(!) Raum aus, in welchem eine zusätzliche Verarbeitung vorgenommen wird. Diese Unterscheidung ist im Prinzip eine streng dualistische, wobei heutzutage gerne auf sprachlogische Begründungen (Ich vs. 3-Person-Perspektive) ausgewichen wird, um den Dualismus neu zu kleiden.
    Die Medizin ist der klassisch-dualistischen Denkweise Decartes´ viel näher (Unterscheidung Soma vs. Psyche), während sich die jungen Neurowissenschaften sowohl von diesem klassischen Dualismus als auch dem Pseudodualismus der klassischen (deutschen) Philosophie abgegrenzt haben.

  3. Ich erinnere mich an ein Urteil gegen einen Pädokriminellen, bei dem das Strafmaß reduziert wurde, mit der Begründung, dieser sei ja "krankhaft veranlagt", also "pädophil" und habe - sinngemäß - seine Triebe nicht unter Kontrolle bringen können. Das ist natürlich skandalös.

    Hier sehe ich das Problem, durch freiwillige Hirnscans könnten solche Urteile häufiger gesprochen werden, weil der "arme Pädophile" ja nichts für seine Störung und seine "mangelnde Triebbeherrschung" kann.

    Auch die verhaltenstherapeutischen Angebote der Charité und anderen betonen die im Text erwähnten "neuro-biologischen" Ursachen. Hier sind - obwohl das nicht dem vorherrschenden Diskurs entspricht - meiner Meinung nach immer noch Zweifel angebracht, ob wirklich alle, die ihre Sexualität (d.h. inkl. Gewaltphantasien) ausschließlich auf Kinder ausrichten, nur noch verhaltenstherapeutisch behandelbar sind.

    Da entscheidende Prägungen / Reifeverzögerungen durch die Umwelt induziert wurden (sexualisierte Gewalt als ein Beispiel) scheint mir - ohne eigene Erfahrungen darin zu besitzen - immer noch, dass man mit analytischen Therapiemethoden zumindest einen Teil dieses Personenkreises behandeln könnte. Dies ist natürlich zeitaufwendiger als eine verhaltenstherapeutische Kurzzeittherapie, die die sexuelle Ausrichtung anerkennt und für nicht änderbar hält.

    Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheinen mir die Hirnscans überflüssig.

    @2 @4 Diese Auffassung unterstütze ich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 17. April 2012 17:18 Uhr

    "das Strafmaß reduziert wurde, mit der Begründung, dieser sei ja "krankhaft veranlagt", also "pädophil" und habe - sinngemäß - seine Triebe nicht unter Kontrolle bringen können. Das ist natürlich skandalös.

    Hier sehe ich das Problem, durch freiwillige Hirnscans könnten solche Urteile häufiger gesprochen werden"

    Wenn unsere Rechtsordnung grundsätzlich Strafen vom Grad der Schuld (in wie fern jemand hätte anders handeln können) abhängig macht, wäre an der Stelle doch nicht dagegen einzuwenden, zumindest messen zu können, in wie weit jemand in seiner Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt war. Was genau ist daran skandalös?
    Man muss aber sicher außerdem berücksichtigen, ob es den jeweiligen Tätern nicht schon vorher möglich gewesen wäre, Hilfe zu suchen (wer weis, dass er derart gefärlich ist, geht je bewusst ein Risiko ein, wenn er keine Hilfe sucht.). Ich gehe davon aus, dass die Rechtsprechung genau das auch tut (zumindest ist mir kein einziger Fall bekannt, wo ein Täter vollständig freigesprochen worden wäre, weil er nur seinen Trieben gefolgt sei).

    Der Autor des Artikels scheint übrigens die umgekehrte Seite zu sehen, nämlich nicht, dass ein Täter versucht, sich mit seiner Störung herauszureden, sondern diese zu verbergen. Dies mag daran liegen, dass in der Praxis jemand, der als besonders gefährlich eingeschätzt wird, damit mehr bestraft ist, als jemand, der besonders schuldig ist. Erst daraus ergeben sich ja die Anreize, Störungen zu verheimlichen.

  4. das muesste auf allen Kontinenten mit 150000 Personen gemacht werden, bevor irgendjemand ,vermuten koennte es haette irgendeine Aussagekraft. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/au.

  5. "Medizineransatz", mit einer kausalitätsgeprüften naturwissenschaftlichen Messung hat das nichts zu tun!

    Bunte Plots suggerieren bloße Aussagekraft wo erstmal keine ist!

    MfG Karl Müller

    Antwort auf "Man müßte entweder"
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    • GDH
    • 17. April 2012 17:23 Uhr

    Kausalität kann man sicherlich nicht zeigen.

    Eine bloße Korrelation, wenn sie denn stark genug ist, würde für eine Diagnose aber auch reichen.

    "Bunte Plots suggerieren bloße Aussagekraft wo erstmal keine ist!"

    Deswegen muss der Maßstab für die Wirksamkeit von Diagnoseverfahren auch ein entsprechender Blindversuch mit unabhängigem Datenmaterial (also Aufnahmen von Menschen, die mit dem "Anlernen" des Erkennungsprogramms nichts zu tun hatten) sein.

    Gefährlich ist das Ganze vor allem, weil sich nach spektakulären Straftaten Politiker damit hervortun könnten, sowas für Nicht-Täter einzuführen. In der Praxis liefe die pure Einschätzung von Leuten als gefährlich praktisch unweigerlich auf Nachteile für sie hinaus, selbst wenn sie nichts getan haben.

    • jgbk
    • 18. April 2012 17:58 Uhr

    Hat sich jemand mal die Studie angesehen.
    Die eine hat 11 Probanden, die andere hatte 12 Probanden.
    Daraus schließen man dann auf die Grundgesamtheit.
    Grauslich.

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