Schön wär's, wenn es nur um Gesundheit und ein langes Leben ginge und nicht ums Abnehmen: Es gäbe lauter gute Nachrichten. Leichtes Joggen etwa, zwischen ein und zwei Stunden in der Woche, verlängert demnach das Leben von Männern um 6,2, das von Frauen um 5,6 Jahre. Das zeigt zumindest eine aktuelle Auswertung der Copenhagen City Heart Study, die seit 1976 mit über 20.000 Teilnehmern in der dänischen Hauptstadt läuft. 

In der Fachwelt erregen solche Ergebnisse längst kein Erstaunen mehr, kommen doch unzählige Studien in den vergangenen Jahrzehnten zu ähnlichen Ergebnissen. So wusste schon der Amerikaner Ralf Paffenbarger, Epidemiologe und Marathonläufer, in den achtziger und neunziger Jahren, was Bewegung bringt. Damals veröffentlichte er Langzeitdaten Zehntausender von Absolventen der Unis in Harvard und Stanford. 2.000 Kilokalorien pro Woche "extra" beim Sport zu verbrennen, ist demnach optimal zur Steigerung der Lebenserwartung. In Deutschland konnte der Kardiologe und Sportmediziner Herbert Löllgen das im Jahr 2009 mit einer Metaanalyse von 38 Studien bestätigen.

Längeres Leben schön und gut, doch hilft Sport auch beim Abnehmen? Nur bedingt. "Gewicht abnehmen alleine durch Sport und körperliche Aktivität ist zeitraubend und mühsam", lautet das nüchterne Resümee der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin , deren Präsident Herbert Löllgen ist. Wer seinen Speiseplan kein Jota ändert, müsste jede Woche 56 Kilometer mehr als sonst stramm spazieren gehen, um ein halbes Kilo zu verlieren, rechnet die Fachgesellschaft vor.

Allerdings ist Bewegung der ideale Partner zur Ernährungsumstellung, wenn Abnehmen Erfolg haben soll. Eine Metaanalyse der Studien an krankhaft Übergewichtigen (für die sich Mediziner hierbei stets vorrangig interessieren), die 2009 in der Fachzeitschrift Obesity Reviews erschienen ist , belegt: Mit einem Bewegungsprogramm kombiniert haben die (insgesamt nicht berauschenden) Abspeckprogramme deutlich mehr Erfolg.

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Erwiesen ist auch, dass es leichter ist, sein Gewicht zu halten, wenn man körperlich aktiv bleibt. "Wer mehr Muskelmasse hat, hat auch mehr Hubraum", sagt der Sportwissenschaftler Ingo Froboese von der Sporthochschule Köln , "der Energiebedarf ist dann rund um die Uhr erhöht". Mindestens die Energie, die diesem Grundumsatz entspricht, sollten sich seiner Ansicht nach auch diejenigen zuführen, die perspektivisch ein paar Kilo abnehmen wollen.

"Wir haben uns die zehn Kilo ja nicht in einer Woche angefuttert, da ist es vernünftig, sie auch wieder langsam abzunehmen." Dabei hilft neben dem Krafttraining, bei dem Muskeln aufgebaut werden, Ausdauertraining, für das die Muskelzellen zusätzliche Energie brauchen. Durch eine umsichtige Kombination von ausgewogener Ernährung und etwas Sport kann man folglich dem gefürchteten Jojo-Effekt ein Schnippchen schlagen.

Bewegung macht es leichter Gewicht zu halten

Krafttrainings-Skeptiker dürfte dabei interessieren, was Ende April in der Fachzeitschrift Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism zu lesen war: Training mit leichteren Gewichten, aber mehr Wiederholungen ist ebenso effektiv für den Aufbau von Muskelmasse wie das Training mit schwereren Gewichten.

Eine weitere gute Nachricht für alle, die fit und zugleich schlanker werden wollen, kommt von der Ernährungswissenschaftlerin Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE): "Sport geht nicht mit verstärktem Hunger einher." Allerdings könne kein Sport der Welt bewirken, dass die Pölsterchen nur an den vermeintlich falschen Stellen verschwinden, dämpft Froboese die Erwartungen ans Bauch-Beine-Po-Training.

Fazit: Wer sich viel bewegt, nimmt nicht automatisch ab. Das bewegte Leben ist aber nicht nur gesünder und macht es leichter, das Gewicht zu halten. Man sieht mit der Zeit wahrscheinlich auch besser aus: Strafferes Gewebe, bessere Haltung, eleganterer Gang. Statt auf die Waage kann man dann ja öfter mal in den Spiegel schauen.