Krankenhaus-HygieneGefährlicher Keim kursiert erneut im Klinikum Bremen

Das Bremer Klinikum wird den für den Tod von fünf Frühchen verantwortlichen Keim nicht los. Das Bakterium ist bei einem zehn Wochen alten Baby nachgewiesen worden. von dpa

Krankenzimmer der Frühchenstation im Klinikum Mitte in Bremen (Archivbild)

Krankenzimmer der Frühchenstation im Klinikum Mitte in Bremen (Archivbild)  |  © Carmen Jaspersen/dpa/lni

Der im vergangenen Jahr für den Tod mehrerer Frühchen verantwortliche Keim im Klinikum Bremen-Mitte ist erneut aufgetreten. Das bestätigte ein Test. Ein spezialisiertes Labor habe das Untersuchungsergebnis jetzt übermittelt, sagte die Sprecherin des Klinikverbunds Gesundheit Nord, Karen Matiszick. Zuvor war bereits ein Schnelltest positiv gewesen. Wie das Bakterium erneut auftreten konnte und woher es kommt, ist noch unerklärlich.

Das resistente Klebsiella-Bakterium war vor knapp zwei Wochen auf der Haut eines zehn Wochen alten Babys nachgewiesen worden, das in der Kinderchirurgie des Krankenhauses wegen eines Leistenbruchs operiert worden war. Der Junge ist aber nicht davon erkrankt. Seit dem vergangenen Jahr waren mehrere Frühchen an den Folgen von Infektionen mit den multiresistenten Bakterien gestorben oder schwer erkrankt.

Weil noch ein Baby in der Klinik behandelt wird, das vom früheren Keimausbruch betroffen war, wurde überprüft, ob Personal und Geräte so wie vorgesehen zwischen beiden Kindern getrennt worden seien. Dabei seien keine Fehler festgestellt worden. "Es ist unerklärlich", sagte Kliniksprecherin Matiszick.

Klebsiella pneumoniae

Das Bakterium Klebsiella pneumoniae infiziert Tiere und Menschen häufig. Fast ein Drittel der Bevölkerung trägt die Bakterien irgendwo im Körper, ohne zu erkranken. Bei diesen Keimträgern besiedeln Klebsiellen beispielsweise die Mundschleimhaut oder den Darm. Gefährlich werden die Mikroben oft erst, wenn das Immunsystem des infizierten Patienten geschwächt ist. Weil die natürliche Abwehr bei Frühgeborenen noch nicht funktioniert, sind sie besonders anfällig.

Blutvergiftungen

In Bremen konnten sich die Bakterien in den Frühchen entlang der Blutbahn ausbreiten und eine tödliche Blutvergiftung auslösen. Auf einer Frühgeborenenstation kann ein einziger Träger unter den Kindern alles kontaminieren, wenn Personal und Besucher sich nicht vor jedem Patientenkontakt die Hände desinfizieren. Klebsiellen besitzen eine äußere Kapsel, die sie vor Austrocknung schützt. Auf Oberflächen im Krankenhaus können sie daher mehrere Tage überleben.

Nachdem der tödliche Keim im vergangenen Jahr aufgetreten war, hatten Gesundheitsamt und Klinik die Frühchenintensivstation vorübergehend geschlossen . Trotz Umbaus und Desinfektion traten die Bakterien erneut auf. Daraufhin wurden die Entbindungsstation und die Neonatologie endgültig geschlossen. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags befasst sich seit Monaten mit der Aufarbeitung der Fehler.

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Leserkommentare
    • Varech
    • 25. Mai 2012 9:05 Uhr

    ... oder nur ungeklärt.

    Wollte man nur dem Artikel glauben, wären die Nachforschungen wohl nur recht unzureichend gewesen.

    Ausser durch Personal und Geräte gibt es doch sicher noch viel mehr Übertragungsmöglichkeiten. Luft (incl. Stäube und Aerosole), Verpackungen von Medikamenten und Nahrung, Stifte und Schreibpapier mal beispielsweise.

  1. ...der in den letzten Jahrzehnten viel zu fahrlässigen Verwendung von Antibiotika als vermeintliche Allzweckwaffe gegen selbst den kleinsten Zwicker im Wohlbefinden.

    Mir ist es bis heute ein Rätsel warum so viele Medikamente verschrieben werden, selbst wenn sie eigentlich für eine Genesung nicht zwingend notwendig sind...wird denn wirklich alles nur vom finanziellen Motiv des Gewinnmaximierens getrieben???

  2. wenn dieser keim immer und wieder auftaucht, stellt sich die frage, ob reihenscreenings bei den mitarbeitern durchgeführt wurden. aus dem artikel geht dies nicht eindeutig hervor.

    mmn müssten zumindest die mitarbeiter, die mit/an immunsupprimierten patienten arbeiten, regelmässig auf alle keime, die zur gefährdungsklasse mrsa uä gehören, untersucht werden.
    und in diesen bereichen ist es eben auch grob fahrlässig, wenn zb die täglichen reinigungsarbeiten outgesourced werden.

    und btw: bitte schafft den eid des hippokrates ab, und "was du nicht willst, daß man dir tu, daß füg auch keinem anderen zu" sei euer tägliches mantra, - liebe entscheider im gesundheitswesen.... ein einfacher, für jeden verständlicher satz... wäre das möglich???

  3. Offensichtlich werden in manchen Krankenhäusern Infektionen noch immer nicht ernst genommen. Gerade in Bremen reisst die Keimserie nicht ab. An eine Schließung der entsprechenden Abteilung wird nicht gedacht, schliesslich bringen ja gerade Frühchen und Babies nicht zu vernachlässigende Erträge für das Klinikum.
    Eltern von Kindern, bzw. Patienten können die Gefahr von Infektionen verringern, indem sie -bei bekannten Hygieneschwächen- andere Gesundheitseinrichtungen nutzen. Nicht auszudenken, wieviele Infektionen sich -durch nicht Bekanntwerden (Vertuschen!)- so durch Kliniken und Praxen ziehen, ohne dass der Patient davor gewarnt ist. Patienten haben das Recht, vor hygienisch unzulänglich arbeitenden Häusern gewarnt zu werden. Das würde unnötige Infektionen vermeiden, also dem Patienten dienen und den Krankenkassen enorme Kosten ersparen.
    Es ist längst an der Zeit, dass "Keimbefall" -der eine vielbeschriebene, aber so auch zerredete Gefahr darstellt- veröffentlicht wird. Es darf nicht sein, dass Kliniken anhand ihrer Behandlungszahlen ihr "Expertentum" polieren, aber die Basis aller Behandlungen -eine hygienisch sichere Umgebung- nicht dokumentieren müssen.
    Wer nicht in der Lage ist, in seiner Gesundheitseinrichtung für hygienisch einwandfreie Zustände zu sorgen, darf sich nicht wundern, wenn mangels Patienten "das Licht ausgemacht" werden muss. Mit dieser Konsequenz vor Augen lernt der letzte Mitarbeiter und jeder in Kliniken tätige Dienstleister "Hygiene geht jeden an!".

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Baby | Bundesgesundheitsamt | Krankenhaus | Landtag | Personal | Test
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