Das Problem fängt damit an, dass nicht alle Produkte das Etikett light verdienen: Viele von ihnen enthalten sogar mehr Kalorien als ihr unreduziertes Original. "Sahnejoghurt Light ist zum Beispiel ziemlich unsinnig", sagt Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam. Wunder gibt es auch in der Lebensmittelbranche nicht: "Sahnig" kann das fettarme Produkt nur schmecken, wenn reichlich kohlenhydrathaltige Bindemittel verwendet werden.

Etwas anders sieht es beim Zucker aus: Süßstoffe wie Saccharin und Aspartam sind – anders als Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Fructose – ein Zuckerersatz, der wirklich so gut wie keine Kalorien enthält. Die Vermutung, dass die Süßstoffe ungünstigen Einfluss auf den Zuckerspiegel im Blut nehmen können und damit auf das Hungergefühl, sei bisher nicht wissenschaftlich belegt worden, sagt Ernährungsphysiologin Klaus.

"Aus gesundheitlicher Sicht spricht nichts dagegen, seinen Kaffee mit Süßstoff zu trinken", sagt der Gastroenterologe und Ernährungsmediziner Heinrich Josef Lübke vom Berliner Helios-Klinikum Emil von Behring. Doch Vorsicht: "Das ist nicht die Patentlösung gegen Übergewicht." Schon deshalb nicht, weil Zucker jeder Art besonders gut in Speisen mundet, die auch Fett enthalten. Ein Problem, das auch die erst kürzlich in der EU zugelassene kalorienfreie angebliche Wunderwaffe Stevia nicht lösen kann – ein Naturprodukt, das vom Körper nicht aufgeschlossen wird und daher praktisch kalorienfrei ist.

"Stevia wird schon seit sehr langer Zeit im südamerikanischen Raum konsumiert" sagt Ernährungsexpertin Susanne Klaus. Bislang steht der Naturstoff auch nicht im Verdacht schädlich zu sein, ist aber sehr viel süßer als Zucker. In Kombination mit fettigen Mahlzeiten also durchaus zu überdenken. Am besten sei es, die Vorliebe für sehr Süßes langfristig etwas herunterzufahren, sagt Klaus. Statt auf Süßstoffe setzt sie lieber auf den selbstgebackenen Kuchen, in den weniger Zucker hineinkommt. "Man gewöhnt sich so daran, dass einem Vollmilchschokolade dann zu süß vorkommt."

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Vielleicht die größere Falle für jene, die Diät halten, sind die "flüssigen Kalorien". Vor ihnen warnt Volker Schusdziarra vom Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar in München . "Sämtliche Limonaden, aber auch Fruchtsäfte, enthalten Zucker in einer Menge, die schnell die Ausschüttung von Insulin stimuliert. So wird der Abbau von Fettgewebe über lange Zeiträume blockiert." Kalorienfreie Getränke wie Coke Zero können vorteilhaft sein. Trotzdem solle man nicht allein an Cola und Limo denken, sondern auch an Bier, Wein, Schnaps und Cocktails. "Und nicht zuletzt daran, wie viel Fett und Zucker im schicken Latte Macchiato stecken!" Wer abnehmen möchte oder auf sein Gewicht achten muss, muss deshalb aber nicht ganz auf diese Getränke verzichten. Man sollte sie jedoch als Nahrungsmittel betrachten. Einen guten Überblick zu Soft- und Süßgetränken bietet die Informationsseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Ganz-oder-Gar nicht ist auch keine gute Strategie

Schusdziarra, der seit Jahrzehnten krankhaft Übergewichtige behandelt, rät zu Lebensmitteln mit niedriger Energiedichte, die bei gleicher Menge weniger Brennstoff enthalten. Fisch und mageres Fleisch schneiden da natürlich besser ab als Currywurst oder Salami. Der Ernährungsmediziner weiß allerdings, dass ohne Rücksicht auf individuelle Vorlieben nichts geht. Seinen bayerischen Patienten empfiehlt er deshalb auch fettarme Versionen von Leberkäs‘ und Rostbratwürstchen. Grundsätzlich sollte sich niemand mit totalem Verzicht bestrafen. Dem Schokoladenliebhaber empfiehlt Schusdziarra eher den Griff zum Schokopudding statt zur komprimierten Zucker-Fett-Tafel.

Gegen das Prinzip des Ganz-oder-Gar nicht hat auch Christoph Klotter heftige Einwände: "Wenn das Süße oder das Fette völlig verdammt wird, dann gewinnt es an Attraktivität", sagt der Professor für Ernährungspsychologie und Gesundheitsförderung an der Hochschule Fulda. Zum Beweis dafür führt er ein Experiment seiner amerikanischen Kollegen Lucy Stirling und Martin Yeomans an, dessen Ergebnisse im Jahr 2003 im International Journal for Eating Disorders veröffentlicht wurden: Jeweils 30 Frauen, die ihr Essverhalten über einen längeren Zeitraum kontrollierten, und 30 Frauen, die das nicht taten, bekamen die Auflage, einen ganzen Tag lang keine Schokolade zu essen, obwohl sie ständig in greifbarer Nähe war. Nur die Frauen, die sich selbst schon vorher strenge Ernährungsregeln auferlegt hatten, konnten den Süßigkeiten nicht widerstehen und nahmen ein paar Stücke.