Weltweite StatistikMehr als eine Million Frühchen sterben jedes Jahr

Erstmals gibt es globale Zahlen, wie häufig Frühchen geboren werden. Ihre Sterblichkeit ist dramatisch hoch. Dabei helfen meist einfache Dinge, um die Kinder zu retten. von dpa

Ein Neugeborenes auf einer Frühchen-Station (Archivfoto).

Ein Neugeborenes auf einer Frühchen-Station (Archivfoto).  |  © Luis Davilla/Cover/Getty Images

Jedes Jahr kommen auf der Erde 15 Millionen Kinder noch vor der 38. Schwangerschaftswoche zur Welt. Diese Frühchen sind für ihre neue Umwelt außerhalb des Mutterleibes weniger gewappnet. Sie müssen meist intensiv medizinisch versorgt werden. 1,1 Millionen von ihnen überleben ihre frühe Geburt nicht. Zu diesem Ergebnis kommt der nach eigenen Angaben weltweit erste umfassende Frühgeborenen-Report, der in London mit dem Titel Born Too Soon: The Global Action Report on Preterm Birth vorgestellt wurde.

"Es ist das erste Mal, dass wir Schätzungen für alle Gegenden der Welt vorlegen können", sagt die Südafrikanerin Joy Lawn von der Organisation Save the Children . Sie ist eine der Hauptautorinnen der Studie und eine von mehr als 100 beteiligten Forschern von 40 Universitäten, UN-Organisationen und Hilfsprojekten.

Anzeige

"Mehr als jedes zehnte Baby, das auf der Welt geboren wird, wird zu früh geboren", sagt die Epidemiologin. Die Gründe sind vielfältig: Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck sowie Rauchen und späte Mutterschaften würden die hohen Zahlen in den entwickelten Ländern ausmachen. Mangelnde Hygiene, fehlender Schutz vor Infektionen und schlechtes medizinisches Wissen seien oft die Gründe früher Geburten in den Entwicklungsländern. "Alle Neugeborenen sind verletzlich, aber Frühgeborene sind es auf ganz besondere Weise", schreibt der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon im Vorwort des Berichtes.

Frühgeburt ist zweithäufigste Todesursache unter Neugeborenen

Im südostafrikanischen Malawi sind rund 18,1 Prozent aller Neugeborenen Frühchen. Das ist die höchste Quote weltweit. Mit gerade einmal 4,1 Prozent ist der Anteil Frühgeborener unter Kindern in Weißrussland am niedrigsten. Die USA liegen mit 12 Prozent im Mittelfeld der insgesamt 184 untersuchten Länder und Regionen. In Deutschland werden der Statistik zufolge 9,2 Prozent aller Kinder zu früh geboren. Die Bundesrepublik muss somit weit mehr Frühchen pro 100 Geburten betreuen als viele Nachbarstaaten oder auch Länder wie Albanien oder Suriname. Eines haben aber fast alle der 65 genauer untersuchten Staaten gemeinsam: "Die Zahlen steigen", sagt Lawn.

In absoluten Zahlen kommen die meisten Frühchen demnach in Indien zur Welt. Das bevölkerungsreichste Schwellenland führt die Statistik mit rund 3,5 Millionen Säuglingen an, gefolgt von China (rund 1,2 Millionen) und Nigeria (rund 770.000).

"Der Report zeigt uns zum ersten Mal das weltweite Ausmaß des Problems", sagt die Expertin Lawn. Frühgeburt sei die zweithäufigste Ursache für den Tod von Säuglingen hinter Lungenentzündungen. Besonders erschreckend sei die Tatsache, dass 75 Prozent der sterbenden Kinder überleben könnten, wenn nur einfachste Maßnahmen ergriffen würden. Allein das richtige Wärmespenden für Neugeborene kann die Todeszahlen senken. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zeigen Müttern etwa im Känguru-Mutter-Model wie man seine Kinder so auf der Brust trägt, dass diese schön warm bleiben. Medizinisch können viele Säuglingserkrankungen gut behandelt werden. So hilft etwa eine Spritze, die Müttern vor der Geburt verabreicht wird und nur einen Dollar kostet, dabei Lungenprobleme von Frühgeborenen zu bekämpfen.

Leserkommentare
  1. wahrscheinlich daran, dass die Mütter schon wegen Hungers kaum noch lebensfähig sind.
    Warum dann Babys durchbringen, die vor Hungers sowieso bald sterben?
    Warum verwehrt man den Armen dieser Welt Geburtenkontrolle?
    Geburtenkontrolle ist zu teuer und aus religiösen Gründen nicht gern gesehen.

    • aljja
    • 02. Mai 2012 20:28 Uhr

    der Artikel vergisst die Tatsache zu erwähnen, dass der große Teil minderjähriger Mütter und in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern eine schlechte Allgemeinsituation (Mangelernährung, fehlende Hygiene, Gewalt, fehlende Bildung, fehlender Zugang zu sauberem Wasser von Frauen, Eisenmangel) zur Zahl der Frühgeburten und zur Säuglings-/ Kindersterblichkeit allgemein sowie zu hoher Müttersterblichkeit beiträgt. Diese alarmierenden Daten stehen seit Jahren bei der WHO für jeden zugänglich auf der Website oder auch hier http://www.atlasofbirth.com/. Hier nach warmer Kleidung und Impfungen zu schreien, wirkt wie um den berühmten Tropfen auf dem Heißen Stein zu betteln.

  2. Es trägt nur zu einer noch höheren Geburtenrate bei
    die dan wieder gefördert und ernährt werden will.
    Das einzig wirksame Mittel ist Geburtenkontrolle.
    Die sollte bezahlt und gefördert werden.
    Lander die sich nicht daran halten werden die Mittel gestrichen!
    Denn die Menschen selbst und deren Ernährung sind die
    größten Umweltprobleme

  3. gab es auch 110.700 Abtreibungen allein in Deutschland.
    Im Jahre 2011 sind die Zahlen gottseidank gesunken. Neben den Frühgeburten gibt es auch einen erheblichen Teil an Ungeborenen, welche teilweise für zwielichte Zwecke geopfert werden. Die Frühgeburten lassen sich leider selten verhindern, aber Abtreibungen beschwören das Unglück und neben all diesen bedauerlichen toten Frühgeburten, sollten wenigstens weniger Kinder abgetrieben werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Jahre 2009 gab es auch 110.700 Abtreibungen allein in Deutschland. Im Jahre 2011 sind die Zahlen gottseidank gesunken. [...] aber Abtreibungen beschwören das Unglück und neben all diesen bedauerlichen toten Frühgeburten, sollten wenigstens weniger Kinder abgetrieben werden.

    Was hat Gott mit Ihrer persönlichen Meinung zu tun? Wenn Gott nicht gewollt hätte, dann hätte er es nicht zugelassen.

    "Neben den Frühgeburten gibt es auch einen erheblichen Teil an Ungeborenen, welche teilweise für zwielichte Zwecke geopfert werden."

    Die da wären?

  4. Im Jahre 2009 gab es auch 110.700 Abtreibungen allein in Deutschland. Im Jahre 2011 sind die Zahlen gottseidank gesunken. [...] aber Abtreibungen beschwören das Unglück und neben all diesen bedauerlichen toten Frühgeburten, sollten wenigstens weniger Kinder abgetrieben werden.

    Was hat Gott mit Ihrer persönlichen Meinung zu tun? Wenn Gott nicht gewollt hätte, dann hätte er es nicht zugelassen.

    Antwort auf "Im Jahre 2009"
  5. 6. .....

    Eine Abtreibung ist grad in in Indien und Afrika nicht möglich. Dort überleben Frühgeburten auch selten weil es an allem fehlt. Richtiger wäre eine Lieferung Kondome in diese Länder, wenn der Papst die nicht alle schon als Sünder betiteln würde, die verhüten. Der Vatikan sollte nicht mehr rumreisen und keinen Boden mehr küssen, der sollte einfach mal still sein. Was für Verbrechen wurden von dieser Seite begangen.

    In Afrika z.b. ist es halt so dass man viele Kinder auf die Welt stellt um die Familie zu versorgen. Ich find dabei noch den Faktor Aids wichtig, weil davon spricht die Studie nicht, wieviele von den Kindern mit Aids infiziert sind.

  6. 7. Warum

    Sie sollten auch erwähnen, dass über 75% dieser Lebewesen
    Ihr Leben lang schwerste Behinderungen haben. Es gibt genug Menschen auf dieser Welt.

    Anm.: Bitte belegen Sie Tatsachenbehauptungen mit entsprechenden Quellen. Danke. Die Redaktion/ag

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • BinJip
    • 03. Mai 2012 1:47 Uhr

    Erstens kann man nicht einfach eine Prozentzahl in den Raum werfen ohne sie in Relation zu setzen. Einerseits ist das Spektrum an Spätfolgen sehr breit (von keinen, über leichte bis schwere Foglen), andererseits hängen die Wahrscheinlichkeiten für Behinderungen stark von der jeweiligen Situation ab, z.B. vom genauen Gebutszeitpunkt, Geburtsgewicht, Komplikationen, etc.

    Die Aussage 75% aller Frühgeborenen hätten "ihr Leben lang schwerste Behinderungen" ist schlichtweg falsch.

    Zweitens geht es in dem Bericht auf darum, dass man mit relativ einfachen Mitteln auch Frühgeburten ansich verhindern könnte.

    Zuletzt frage ich mich, was Sie uns mit Ihrem letzten Satz sagen wollen. "Lasst die Kinder sterben, es gibt genug Menschen auf dieser Welt"? Soll das eine Begründung sein, es dabei zu belassen?

    Hätten Sie eine derart radikale Eisntellung auch, wenn die Frühgeburtenrate in Deutschland auch sehr hoch wäre? Oder vertreten Sie diese Meinung solange sie nicht uns trifft, sondern nur irgendwelche armen Länder?

    • BinJip
    • 03. Mai 2012 1:47 Uhr

    Erstens kann man nicht einfach eine Prozentzahl in den Raum werfen ohne sie in Relation zu setzen. Einerseits ist das Spektrum an Spätfolgen sehr breit (von keinen, über leichte bis schwere Foglen), andererseits hängen die Wahrscheinlichkeiten für Behinderungen stark von der jeweiligen Situation ab, z.B. vom genauen Gebutszeitpunkt, Geburtsgewicht, Komplikationen, etc.

    Die Aussage 75% aller Frühgeborenen hätten "ihr Leben lang schwerste Behinderungen" ist schlichtweg falsch.

    Zweitens geht es in dem Bericht auf darum, dass man mit relativ einfachen Mitteln auch Frühgeburten ansich verhindern könnte.

    Zuletzt frage ich mich, was Sie uns mit Ihrem letzten Satz sagen wollen. "Lasst die Kinder sterben, es gibt genug Menschen auf dieser Welt"? Soll das eine Begründung sein, es dabei zu belassen?

    Hätten Sie eine derart radikale Eisntellung auch, wenn die Frühgeburtenrate in Deutschland auch sehr hoch wäre? Oder vertreten Sie diese Meinung solange sie nicht uns trifft, sondern nur irgendwelche armen Länder?

    Antwort auf "Warum"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Statistik | Antibiotikum | Bluthochdruck | Frühgeburt | Geburt | Hilfsorganisation
Service